Raus aus der Minijob-Falle

    • (1) 16.03.12 - 07:53

      http://www.sueddeutsche.de/75U38v/521813/Raus-aus-der-Minijob-Falle.html

      Ich hab mir schon lange gedacht, dass 400€ mehr Harm als Gutes tun, und finde den Vorschlag des DGB diese abzuschaffen gar nicht so schlecht.

      Wenn zusaetzlich noch ein Mindestlohn eingefuehrt wuerde, koennte viel Ausbeutung endlich ein Ende finden.

      • Ja, hier in Deutschland. Die Arbeitsplätze wandern dann endgültig in Länder mit niedrigeren Löhnen ab und hier darf dann eine kleine Schicht aus hochqualifizierten einen Rucksack von Millionen unnützen Arbeitslosen mittragen.

        • Die meisten 400,-€ Jobs die es hier gibt sind schlicht nicht auslagerungsfähig ins Ausland.

          Deshalb halte ich dein Argument nicht für stichhaltig und der Realität entsprechend.

          Oder wie möchtest du Verkäufer, Altenpfleger, Putzkräfte etc. ins Ausland verlagern?

          Gruß
          Demy

          • (4) 16.03.12 - 13:57

            Hallo Demy,

            naja Alten- und Kinderpfleger brauchen ja in Zukunft Abi und Studium, die werden dann auch besser bezahlt (wers glaubt).

            Und ich bin im Moment auch ein 400-Euro-Jobber und sehr zufrieden damit.

            GLG

      Ich finde, man muss nicht unbedingt gleich 400,-€ Jobs abschaffen.

      Was ich aber finde ist,dass verstöße gegen gesetzliche arbeitsrechtliche Grundbedingungen, diese strafrechtlich geahndet werden müssten.

      Bei 400,-€ Jobs wird sehr häufig in einem eklatanten Maße gegen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsvergütung und Urlaubsgewährung verstoßen.

      Da müsste es einfach mal empfindliche Bußgelder bei Verstößen geben.

      Bisher hat da nur jeder Arbeitnehmer eine zivilrechtliche Handhabe dagegen und das tangiert einen AG in der Regel nicht.
      Sein größtes Risiko ist dann ja eventuell nur das bisschen Lohnfortzahlung nachzuzahlen wenn er einen Gerichtsprozess verliert.
      Das Risko für einen Arbeitnehmer ist in der Regel sofortiger Jobverlust.

      Wenn ein AG eines Minijobs weiß, dass er bei Verstößen gegen Grundbedingungen im Arbeitsverhältnis auch mal ein 5stelliges Bußgeld zahlen darf, überlegt er eventuell einfach mal ob er dagegen verstößt.

      Gruß
      Demy

      finde ich eine gute idee

      jedoch sollte man in diesem zuge
      1. das Ehegattensplitting abschaffen
      2. die steuerfreibeträge (insbesonere auch für kinder) erhöhen
      3. den mindestlohn einführen

      dann wäre für jeden klar, welches netto vom brutto bleibt, die 5er stuerklasse würde frauen nicht mehr dazu verleiten, zu denken, ihr verdienst würd nichts zum familieneinkommen beitragen und statt des ehescheines wären kinder diejenigen, die steuermindernd wirken würden.

      • Da stimme ich dir voll zu. Was mir auch ein Anliegen wäre, ist, Alleinerziehende, die alles gewuppt bekommen (Kinder + Job) noch viel mehr steuerlich zu entlasten - das kann doch nicht sein, dass die wieder in Klasse 1 landen, während sich andere Doppelverdiener das Ehegattensplitting nützen können.

        Wir haben zwei Fälle in unserem Freundeskreis, beim ersten kam die Frau bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall ums Leben, als das Kind 6 Monate alt war.

        Beim zweiten hat er sich verliebt, die Familie verlassen, drückt sich um den Unterhalt, nimmt sein "Väterwochenende" nur in Anspruch, wenn es ihm danach ist, und arbeitet nun in der Firma seiner neuen Freundin und verdient offiziell nur 900€, der "arme" Mann.

        GLG
        Miss Mary

    Ich finde die Idee auch gut, ich bin zwar selber jemand der keine Probleme mit seinem Minijob hat (Typische Situation: Mama möchte ein paar Euro dazu verdienen) mir wird auch Kranken- und Urlaubsgeld gezahlt, aber in unserem Betrieb wurden dank der 400€ Jobs ALLE Vollzeitstellen abgeschafft, lediglich die Azubis sind Vollzeit angestellt, da es ja bei denen nunmal nicht anders geht, aber ansonsten in in unserem Betrieb keine Chance jemals über eine Teilzeitstelle (nur als Filialleiterin) hinaus zu kommen.

    Ich kann den AG natürlich auch verstehen, ist billiger 3 400€ Stellen zu besetzten als 1 Volle Stelle, aber wir kommen immer ins Straucheln wenn nach Monatsmitte mal ein Azubi ausfällt, da wir keine Überstunden machen dürfen und wir alle schon unsere Erlaubten Std. fest verplant haben.

    Ich bin im Moment dankbar für die 400€ Jobs, aber mit Blick auf die Zukunft denke ich wäre es für viele Besser eine andere Lösung zu finden, da zahle ich lieber ein paar Abgaben, hab es dann aber im Endeffekt leichter etwas mehr zu verdienen und auch für die Zukunft vorzusorgen.

    LG

    Ich bin auch dafür, diese elenden Minijobs abzuschaffen - diese schaffen Anreize für prekäre Verhältnisse statt einen Übergang zur normalen Arbeit zu bauen, wie es mal gedacht war.

    Die Politik sollte lieber stinknormale sozialversicherungspflichtige Stellen fördern und nicht Hausfrauen, die ein kleines Taschengeld dazuverdienen. Die profitieren eh schon vom Ehegattensplitting und der kostenlosen Krankenkasse.

    Es könnte doch so einfach sein: Wer arbeitet zahlt Steuern je nach seiner Leistungsfähigkeit.

    LG, nele

Hallo!

Ich bin auch absolut dafür, diese Minijobs abzuschaffen bzw. neu zu regeln.
Die Minijobs waren ja eigentlich gedacht als Sprungbrett in einen sozialversicherungspflichtigen Job. Das hat aber nie geklappt. Vielmehr dienen die Minijobs als steuerpflichtiger zuverdienst entweder von Hausfrauen, die gar nicht unbedingt mehr arbeiten wollen oder von Personen, die sich so nebenberuflich das Gehalt verbessern.

Dass aber gerade Frauen in diesen Minijobs "gefangen" sind, sehe ich nicht so. Viele Frauen wollen gar nicht mehr arbeiten, sie sind froh über diesen Minijob und sowohl Arbeitszeit als auch Gehalt reicht ihnen vollkommen aus (zumal sie ja in einer versicherungspflichtigen Teilzeitstelle meist mit Steuerklasse 5 selbst bei doppelter Arbeitszeit weniger rausbekämen). Und die jenigen, die den Job als Nebenjob machen, wollen i.d.R. auch kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.

Was mich an den 400€ Jobs am meisten stört, ist dass sie auch nebenberuflich gemacht werden können. Da arbeitet jemand hauptberuflich 20 Stunden, macht noch 8 Stunden auf 400€-Basis und verdient dabei mehr, als jemand, der im gleichen Job 30 Stunden tätig ist. Das ist in meinen Augen absolut ungerecht.

Und dann gibt es ja auch noch diejenigen, die diese 400€ Jobs gnadenlos ausnutzen. Der eine hat einen 400€-Job und verdient noch schwarz dazu, wenn irgend etwas ist, ist er durch den 400€-Job abgesichert. Oder die Jobs laufen auf Ehepartner und Kinder, die sich noch in der Ausbildung befinden... Bis zum Rentenalter denken da viele nicht, und darüber klärt natürlich auch keiner auf. Gerade heute morgen hat mir mein Mann von der Reinigungskraft in seinem Betrieb erzählt. Das Beschäftigungsverhältnis läuft über eine Firma, bei der diese Putzfrau auf 400€-Basis arbeitet. Das Arbeitsverhältnis ist aber gekündigt worden (von wem weiß ich allerdings nicht), die Frau hatte aber eigentlich Glück, sie wäre von einer anderen Firma in einen Vollzeitjob (oder auch Teilzeit) übernommen worden. Und was macht diese Frau: Sie sagt die Stelle ab. Jetzt ist der Grund dafür rausgekommen: Sie arbeitet dort auf 400€-Basis, hat auch noch die Steuerkarten vom Ehemann, Sohn und Schwager dort liegen (also 4*400€) und bekommt auch noch einen Teil schwarz. Klar, erst einmal hat sie vielleicht mehr raus, aber was macht sie, wenn sie im Rentenalter ist und nicht mehr arbeiten kann? Die gute Frau wird arbeiten müssen, bis sie nicht mehr kann, nur weil sie heute vielleicht 100€ mehr raus hat. Wenn man ihnen das erklären will (mein Mann hat es versucht), wollen die's dann noch nicht einmal hören, da zählt nur das jetzt und hier, an morgen wollen solche Leute gar nicht denken. Abgesehen davon, dass das, was sie macht, Betrug ist.

Von daher auch von mir ein #pro für die Abschaffung oder zumindest Umgestaltung von Minijobs!

Liebe Grüße!

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