Babyklappen

    • (1) 03.04.12 - 17:08

      Hallo,

      die Babyklappen sollen abgeschafft werden, weil die Kinder ein Recht auf ihre Herkunft haben und die Väter eigentlich ein Mitspracherecht bei der Adoption hätten. (Stand in der Zeitung.)

      Daraus ergeben sich für mich ein paar Fragen:

      Wer sagt eigentlich, dass die Babys immer von den Müttern in die Klappen gelegt werden?

      Warum glaubt man, dass Eltern, die ihr Kind anonym abgeben, emotional in der Lage wären einen "ordentlichen" Adoptionsprozess zu durchlaufen?

      Erhöht die Abschaffung der Babyklappe die Zahl der toten Kinder womöglich? Wer garantiert, dass dies nicht der Fall ist?

      Ist das Recht auf die eigene Herkunft (und bürokratische Vorgänge) höher einzuschätzen als das Recht auf Leben?

      Was denkt ihr dazu?

      Gruß Marion

      • Hallo Marion,

        ich habe mich ja hier bei "Urbia" schon mehrmals zu dem Thema geäußert.
        Meine inzwischen jugendliche Adoptivtochter ist ein "entsorgtes Findelkind" (Details lasse ich jetzt mal außen vor) - sie wurde gerade mal im letzten Moment gefunden und ihr wurde dadurch das Leben gerettet.

        Ich wäre froh, in ihrer Akte würde stehen, dass sie in einer Babyklappe gefunden worden wäre, statt an dem Platz, an dem sie neugeboren entsorgt wurde.

        Das meine Tochter lebt ist ein Wunder, zumal sie noch zu früh zur Welt kam.

        Bevor "selbsternannte Experten" sich ständig abwertend über Babyklappen äußern, wäre mein Vorschlag mal solange zu warten, bis sich die ersten Kinder in der Pubertät befinden, die in einer Babyklappe abgelegt wurden und diese dann zu befragen.

        Meine Tochter kann sehr gut damit umgehen, dass sie ein "Findelkind" ist - und ich bin überglücklich, dass es ihr mit ihrer sehr schweren Geschichte gut geht. Entgegen aller "Experten"-Prognosen.

        Ich gehe mit dem "Recht auf Herkunft" völlig konform. Unsere Pflegetochter hat regelmässigen Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter und zu etlichen Geschwistern. Wir tun, was wir tun können.

        Die Babyklappen abzuschaffen, weil sie angeblich das Recht auf Herkunft nicht gewährleisten, halte ich für keine gute Idee.
        Ein Kind, das im Müll gefunden wird, hat genauso ein Recht auf Herkunft - aber dann lieber Babyklappe statt Mülleimer.

        Ich kann sagen, dass unsere Tochter mit ihrer Geschichte im Reinen ist und gut in sich ruht.
        Was sie allerdings tierisch nervt ist, wenn sie um ihre Geschichte von Außen ständig bemitleidet wird.
        Manchmal entsteht schon der Eindruck, wir alle machen etwas falsch, weil sie sich damit arrangieren kann, dass sie eben nichts über ihre Herkunft weiß.

        Ich kann nur hoffen, dass die sog. "Kinderschützer", die so stark gegen die Babyklappe plädieren, nicht zu einer Gefahr für die Kinder werden, die möglicherweise da landen würden, wo unsere Tochter gelandet ist, gäbe es keine Babyklappen.

        LG
        Claudia
        Adoptiv- und Pflegemama

        • Hallo Claudia,

          Ja, das stimmt alles was du sagst.
          Allerdings sagen die Statistiken wohl, daß die anzahl an Säuglingstötungen oder ausgetzten säuglingen eben nicht, wie erhofft zurückgegangen ist, sondern stabil bleibt.
          die Kinder, die also in den babyklappen landen sind keien "geretteten" kindern, sondern kinder, die zusätzlich zu den babys abgegeben werden ohne Informationen zu ihrer herkunft

          ich weiß zu wenig über das thema als daß ich mir eine abschließende meinung geblidet habe, verfolge die diskussion darum aber schon seit begin nder babyklappen (und der zuvor stattgefunden diskussion um die anonyme geburt etc)
          wenn ich also den zahlen glauben darf und den daraus gezogenen schlußfolgerungen, sind die "babyklappenkinder" die Kidner, die zuvor ein regelgerechtes Adoptionsverfahren durchlaufen haben und eben nicht die Kinder die damit gerettet werden sollten.

          ich glaube auch nicht, daß irgendwer das recht auf wissen über die eigen herkunft höher bewertn würde als ds leben selbst. dennoch sollte man, wenn die zahlen und die erklärung, der ich hier folge so stimmen, durchaus darüebr nachdenken, ob es nicht besserer möglichkeiten gäbe als die erleichterung für die eltern, dei ohne babyklappe ein normales adoptionsverfahren machen würden- denn was du ja sicher trotz deienr guten erfahrungen weißt- nicht jedes kind kommt so gut damit klar, nichts über die eigene herkunft zu wissen

          • Hallo Lisa,

            was mir durch meine Erfahrungen sehr am Herzen liegt ist der "Zweifelsfall".
            Ich habe durch meine Tochter erst neulich miterlebt, dass es hierzulande scheinbar einen weit verbreiteten "dogmatischen Zwangsnegativismus" gibt, der praktisch Adoptierten (überzogen ausgedrückt) schon in den Mund legt, wie "schrecklich" sie sich zu fühlen haben.

            (Achtung: übertrieben geschrieben #schein).

            Bis meine Tochter erfahren hat, wie unglücklich sie sich doch zu fühlen hat, ist es ihr gut gegangen.

            Aber durch das ständige "Indoktrinieren", dass es ihr ja mit ihrer ganzen Biographie "schlecht gehen muss", hatte ich vor einigen Wochen eine recht verstörte junge Dame am Frühstückstisch sitzen, die gar nicht begreifen konnte, warum es ihr als "Kind unbekannter Eltern" bei uns so furchtbar schlecht gehen muss.

            Es ist natürlich sehr schwierig, hier schriftlich zu vermitteln, was bei uns abgelaufen ist.
            Wir haben viel geredet -> meiner Tochter geht es wieder gut und sie hat einen guten Umgang gefunden, wie sie in Zukunft "dogmatischen Adoptionsnegativisten" entgegentreten kann.

            Was ich damit sagen will:
            mittlerweile habe ich das Gefühl, dass so mancher Adoptierte vielleicht sogar günstiger mit seiner Geschichte umgehen kann, wenn nicht ständig von Außen impliziert wird, wie schlecht er sich doch zu fühlen hat.

            Da beziehe ich auch das Thema um die Babyklappen mit ein.

            Auch ich bin völlig der Ansicht, dass Babyklappen keine bequeme "Abschiebestätte" werden dürfen und auch ich würde in erster eine günstigere Alternative fördern, in der vielleicht Mütter, die in schreckliche Not geraten sind und anonym bleiben wollen, anonym entbinden können - aber dafür gut betreut sind und ihrem Kind vielleicht noch einen Brief schreiben können, in dem sie die Beweggründe erörtern.

            Ich mag nicht über Mütter urteilen, die in so einer schrecklichen Notlage sind und Angst um Leib und Leben haben, falls die Geburt ihres Kindes bekannt werden würde.

            Mittlerweile arbeite ich ja selbst in der Kinder- und Jugendhilfe und bekomme Schicksale von Müttern in Not hautnah mit.

            Im Zweifelsfall bin ich weiterhin für die Babyklappe, weil eben auch nicht erwiesen ist, was mit den in Babyklappen gefundenen Kindern passiert wäre, hätte es diese Möglichkeit nicht gegeben.

            Und auch weil ich eben doch (nicht nur durch meine Tochter) die (unerwartete!) Erfahrung gemacht habe, dass so mancher Adoptierte besser mit seiner Biographie umgehen kann, als man gedacht oder "gelernt" hat.

            Den "zentralen Krisenpunkt" bei einer Adoption sehe ich viel mehr darin, wenn ein Adoptierter eine Art "Platzhalterrolle" einnimmt und spürt, dass er das nie geborene leibilche Kind niemals ersetzen können wird.

            LG
            Claudia

            • natürlich ist meine sicht da eine eingeschränkte.
              ich hatte bisher vor allem mit den Kindern zu tun, die stark darunter gelitten haben.

              dennoch glaube ich, daß es für jeden menschen Phasen in seinem leben gibt, in denen er sich mit seiner herkunft, seiner geschichte, seinen vorfahren auseinander setzt.
              zu wissen, woher man kommt, welche geschichte man in sich trägt, ist auch ein teil der identität.

              dieses teils einfach so beraubt zu werden muß natürlich nicht in die absolute krise führen (was sie jedoch durchaus auch kann), aber ich denke wir gehen ja darin konform, daß das recht auf wissen über die eigene herkunft ein recht ist, dessen man Menschen nicht einfach berauben sollte.

              aber was du schreibst ist natürlich ein interessanter Aspekt.
              auch die gewichtung in einer gesellschaft trägt dazu bei, daß probleme entstehen können, die bei andere gewichtung vielleicht gar nicht entstanden wären.

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                auch die gewichtung in einer gesellschaft trägt dazu bei, daß probleme entstehen können, die bei andere gewichtung vielleicht gar nicht entstanden wären
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                Ja, genau darum geht es mir und das ist mir ein großes Herzensanliegen.

                Auch aus dem Grund, weil ich früher selbst unbeschreiblich "lehrbuchgläubig" war. Mein Leben als Adoptiv- und Pflegemama hätte durchaus leichter sein können, hätte ich es mir nicht selbst so schwer gemacht, weil ich alles und jedem geglaubt habe, was mit negativen Konsequenzen zu tun haben hätte können.

                Ich war etliche Jahre "unter Strom", auch als wir unsere Pflegetochter aufgenommen, die ja eben Kontakt zu ihrer Familie hat.
                Ich habe immer darauf gewartet, dass meine Adoptivtochter schrecklich darunter leiden wird.
                Aber genau das Gegenteil war der Fall: meine Adoptivtochter hat für sich festgestellt, dass es ihr lieber ist, nichts über ihre Eltern zu wissen, als die traurige Gewissheit zu haben, dass ihre Mutter z.B. genauso krank ist wie die Mutter unserer Kleinen.

                Durch den "Negativ"-Druck (also durch die Erwartungshaltung, meine Tochter "muss" irgendwann entsetzlich unter ihrem Findelkinderdasein leiden) habe ich auch starken Druck auf meine Tochter ausgeübt, weil ich ständig "auf der Hut war".

                Jeden "Pups" habe ich überinterpretiert, denn man "lernt" es ja, dass es einem aus dem Ausland adoptierten Findelkind zwangsläufig spätestens "bis da und da" mega schlecht gehen "muss".

                Und das hat viel Unentspanntheit in die Familie gebracht.

                Es gibt übrigens auch einen Beitrag von mir in einem Fachbuch über Biographiearbeit. Ich will keine Werbung für das Buch machen (stammt nicht von mir, sondern von einer Psychologin, die sich speziell mit dem Adoptiv- und Pflegekinderwesen beschäftigt) - darin gibt es eine kleine Passage, wie wir mit den "unbekannten Eltern" von Anfang an umgegangen sind.

                Heute sage ich ganz klar:
                der größte Fehler, den ich bisher gemacht habe, war meine "Lehrbuchgläubigkeit".

                Ich habe ja zudem auch seit fast 1.5 Jahrzehnten mit erwachsenen Adoptierten zu tun, durfte schon Suchende im Rahmen meiner Kenntnisse und Möglichkeiten mit begleiten usw.

                Auf was ich immer wieder stosse ist, dass es sehr ernstzunehmende Krisen gibt. Und diese schlimmen Krisen sind -so meine Erfahrung (natürlich nicht allgemeingültig, aber sich wiederholden)- werden eben oft dadurch ausgelöst, dass ein Adoptierter den latenten und nie abgeschlossenen leiblichen Kinderwunsch spürt.

                Was oft außer Acht gelassen wird, ist dass Kinder viel mehr erspüren als man glaubt oder glauben will.

                Ich finde die Diskussion hier super wichtig!

                LG
                Claudia

                • oh, jetzt will ich´s aber wissen: schick mir doch mal den link zu dem buch!

                  ja, ist wirklich eine schwierige Gratwanderung.
                  ich kenne eben die andere seite. Pflegeeltern, die sich zu wenig Gedanken gemacht haben, Adoptiveltern, die die wurzeln der kinder am liebsten abgeschnitten hätten und eben kinder/ jugendliche/ junge Erwachsene die massiv darunter litten.

                  aber mir ist durchaus bewußt, daß ich da nur einen ausschnitt sehe und ich nicht wirklich weiß, wie groß dieser ist im vergleich zum gesamten.

                  • Du hast Post ;-).

                    Und das hier ist der Punkt, den ich "ultrawichtig" finde:

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                    Adoptiveltern, die die wurzeln der kinder am liebsten abgeschnitten hätten und eben kinder/ jugendliche/ junge Erwachsene die massiv darunter litten.

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                    Genau da sehe ich die Gefahr bei einem nicht abgeschlossenen leiblichen Kinderwunsch - und mit dieser Gefahr sehe ich auch die Gefährdung des Kindeswohles, bei dem das Unglück vorprogrammiert sein könnte.

                    Für mich ist es ein großer Unterschied zwischen "Keine Wissen haben zu können" (aufgrund der Umstände) zum "Kein Wissen haben zu dürfen" (weil es den annehmenden Eltern nicht ins Konzept passt).

                    Wir haben alles (!) getan, was wir tun konnten, um die Biographie unserer Grossen fast lückenlos nachvollziehen zu können und wir haben sehr, sehr viel in Erfahrung bringen können - bis auf die leiblichen Eltern.

                    LG
                    Claudia

                    • ja, das ist richtig.
                      Danke für den link- vielleicht magste ihn ja doch noch reinstellen?!

                      Ja, das sehe ich auch als großes Problem an.
                      hier bei urbia erlebe ich das häufiger in form von "verschweigen"des leiblichen vaters.

                      ob ich es daher auf die problematik "nicht abgeschlossener kinderwunsch" runterbrechen würde, weiß ich daher nicht.
                      ich erlebe es als zum einen das "bessere eltern-syndrom", d.h. weil ich mich als bessere soziales elternteil sehe, kann ich das (in meinen augen) schlechtere leibliche Elternteil unter den tisch fallen lassen oder aber als "heile familie syndrom", das die angst repräsentiert, es könnte alles nicht mehr so "heil" sein, wenn klar würde, daß es neben den sozialen (und vielleicht sogar juristischen eltern) noch die leiblichen geben, die eine rolle spielen.

                      ich habe übrigens den größten Respekt vor so refelktierten Pflege- und Adoptiveltern, wie dir (das sollte ich wohl hier betonen, denn grundsätzlich sehe ich das pflegekindwesen aus meinen erfahrungen heraus schon eher als kritisch an)

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                        ob ich es daher auf die problematik "nicht abgeschlossener kinderwunsch" runterbrechen würde, weiß ich daher nicht.
                        ich erlebe es als zum einen das "bessere eltern-syndrom", d.h. weil ich mich als bessere soziales elternteil sehe, kann ich das (in meinen augen) schlechtere leibliche Elternteil unter den tisch fallen lassen oder aber als "heile familie syndrom", das die angst repräsentiert, es könnte alles nicht mehr so "heil" sein, wenn klar würde, daß es neben den sozialen (und vielleicht sogar juristischen eltern) noch die leiblichen geben, die eine rolle spielen.

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                        Ich sehe wiederum einen (sogar auch fast unmittelbaren!) Zusammenhang zwischen dem "Besseren-Eltern-Syndrom" und dem nicht abgeschlossenen leiblichen Kinderwunsch.

                        Etliche Paare fühlen sich durch die ungewollte leibliche Kinderlosigkeit (unsinnigerweise!) wie "Versager", die "nicht mal ein Kind zustande bringen."

                        In der Phase vor der Inobhutnahme eines Kindes kann der unerfüllte leibliche Kinderwunsch damit kompensiert werden, dass man (selbstgerecht - weil man es als "Ungrechtigkeit" empfindet, dass man selbst keine Kinder zeugen kann) mit dem Finger auf die "Assis" (nicht meine Wortwahl, aber bewusst plakativ formuliert!) zeigt, die "wie die Kaninchen Kinder in die Welt setzen und völlig erziehungsunfähig sind."

                        Man selbst aber hätte doch das Häuschen im Grünen und genügend Vermögen - dass ausgerechnet "die" Kinder kriegen können, sei ja eine Ungerechtigkeit....

                        Nach der Inobhutnahme kann dann der unerfüllte leibliche Kinderwunsch weiter damit kompensiert werden, dass man sich (nach all den "Adoptionsstrapazen") sowieso als die "besseren Eltern" fühlt und dann auch gar nicht mehr dran erinnert werden möchte, dass das angenommene Kind andere Wurzeln hat.

                        Der Platz der leiblichen Eltern soll praktisch ausradiert werden.

                        Ich selbst denke aber, dass man Plätze nicht einfach ausradieren oder austauschen kann.
                        Weder kann ein angenommenes Kind ein leibliches Kind ersetzen, noch können Adoptiveltern den Platz der leiblichen Eltern einnehmen.

                        Und da beginnen m.E. die "richtigen" Probleme.

                        (Werbung mache ich nicht gerne ;-)).

                        LG
                        Claudia

                        • "Ich selbst denke aber, dass man Plätze nicht einfach ausradieren oder austauschen kann.
                          Weder kann ein angenommenes Kind ein leibliches Kind ersetzen, noch können Adoptiveltern den Platz der leiblichen Eltern einnehmen."

                          ja, wir sind ja beide große fans von Irmela wiemann, von daher kann ich dir nur uneingeschränkt zustimmen.
                          das ist auch genau meine Beobachtung aus der praxis.
                          es kommt dann zu Schwierigkeiten, wenn die Eltern (ob nun pflege, adoptiv Eltern oder Patchworkelternteile....) den platz des leiblichen Elternteils nicht würdigen.

                          von daher kann ich schwer beurteilen, wie es in einer familie laufen kann, in der diese Teile einen Platz haben. Denn die lerne ich in der regel nicht kennen.

                          und werbung für Irmela Wiemann mache ich immer gerne:)

                          http://www.weltbild.de/3/14854668-1/buch/maedchen-und-jungen-entdecken-ihre-geschichte.html

          Hi,
          zu der gerne zitierten Statistik der getöteten Kinder mal eine Sache zum Nachdenken:

          Es mag eine Tatsache sein, dass die Zahl der getöteten Kinder konstant bleibt oder schlimmstenfalls steigt. In dieser Zahl stehen aber die Kinder die Tötungsdelikten zum Opfer gefallen sind, die auch als solches erkannt werden.

          Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass auch - oder vor allem? das ist halt die Frage! - der ANTEIL der als solches auch erkannten Tötungsdelikte deutlich zugenommen hat.

          Durch immer genaueres Hinsehen. Durch bessere Methoden in der Rechtsmedizin.

          Ich will gar nicht wissen wie viele als "SIDS" (plötzlicher Säuglingstod) bezeichnete Todesfälle in Wirklichkeit Tötungsdelikte waren. Die nur nicht als solche erkannt wurden. Ich kenne Mediziner, die durchaus davon ausgehen, dass die deutlich sinkende Zahl an SIDS-Fällen nicht nur etwas damit zu tun hat, dass SIDS aus bestimmten Gründen stark nachgelassen hat. Sondern auch damit, dass diese Diagnose auch seltener falsch gestellt wird und Tötungsdelikte häufiger als solche auffallen.

          DASS das passiert ist übrigens bewiesen. Vor einigen Wochen wurde eine Mutter verurteilt, die 3 (!) Babys getötet hat. Und der Tod der Kinder war bekannt (also nicht irgendwo versteckt). Erst beim dritten kam irgend jemandem der Verdacht, dass drei mal hintereinander SIDS wohl doch zu unwahrscheinlich ist. Im Verfahren hat sie die dreifache Tötung gestanden. Hätte sie es bei zwei tötungen belassen - es wäre wohl nie aufgefallen (ohne Geständnis). Wie realistisch ist die Annahme, dass das ein absoluter Einzelfall ist?

          Von daher bin ich sehr, sehr vorsichtig mit einem Zusammenhang zwischen einer konstanten oder gar steigenden Anzahl entdeckter (!) Tötungsdelikte und Babyklappen. Weil in so eine Statistik unheimlich viele Faktoren mit einspielen, die kaum berücksichtigt werden können. Bzw. wer Argumente dagegen sucht wird sie auch kaum berücksichtigen WOLLEN. Der Spruch, keiner STatistik zu trauen die man nicht selbst gefälscht hat ist ausgeleiert - aber trotzdem richtig.

          Das nur, weil diese traurige Statistik immer wieder gerne als Argument genannt wird - Details dazu habe ich aber noch nicht gehört.

          Viele Grüße
          miau2

          • (13) 04.04.12 - 20:26

            So eine Statistik kann es nicht geben, wie ich weiter unten schon geschrieben hatte, die genannten beruhen auf Vermutungen über Medienberichte.

            nun ja- ich habe ja jetzt hier merhfach darauf verwiesen, daß ich weder eigene zahlen habe, noch die zahlen einfach vorbehaltlos übernehmen kann und will, sondern daß ich mich natürlich AUCH auf die einzigen stützen kann, die sich intensiv mit dem thema beschäftigen.

            eines der argumente gegen die Babyklappe (und nicht das einzige, wie du an meinem gesprächsverlauf nachlesen kannst) ist eben, daß offenabr die "falschen eltern" damit angesprochen werden.

            ob das so ist, welche konsequenzen das hat, warum das so ist und wie das zu beurteilen ist, kann ich überhaupt nicht einschätzen

      (15) 04.04.12 - 08:48

      Hallo Claudia,

      ich habe schon mehrere Beiträge von dir gelesen und möchte dir großen Respekt aussprechen.
      Heutzutage gibt es Menschen die mit ihren eigenen Kindern sehr schlecht umgehen und dann gibt es Mütter wie dich und sowas zu lesen freut mich.

      Mir schwirrt eine Frage im Kopf rum, die beim Lesen deines Textes aufkam, ich hoffe das ist nicht zu privat.

      Du sagst dass deine Tochter Kontakt zur leiblichen Mutter hat, aber dennoch weiß sie nichts über ihre Herkunft, oder habe ich da was falsch verstanden?

      LG
      Selma

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