Die Sache mit dem Urheberrecht ...

    • (1) 04.04.12 - 11:16

      Auch hier bei Urbia, vor allem im Unterforum 'Medienwelt' habe ich hier und da schon gelesen, dass Filme gerne im Internet angesehen oder von dort heruntergeladen werden. Ohne Bezahlung, versteht sich.

      Die Piratenpartei erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit, nicht zuletzt wegen solcher Aussagen:

      http://www.piraten-sachsen.de/2012/03/16/warum-es-kein-geistiges-eigentum-gibt/#

      Da schwillt mir doch der Kamm. Für mich stellt sich die Frage, weshalb es als selbstverständlich angesehen wird, für eine Frisur, einen Apfel oder ein Fahrrad zu bezahlen, Musik oder Filme aber im Internet ohne schlechtes Gewissen 'geklaut' werden. In Zeiten von eBooks nun vermehrt auch Bücher.

      Wie steht ihr dazu? Findet ihr es in Ordnung, die Werke diverser Künstler kostenlos zu beschaffen, oder findet ihr, dass man für alles, das man haben möchte, auch zu zahlen hat?

      • Da steht doch aber z.B.

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        Denn auch wenn es kein gottgegebenes »geistiges Eigentum« gibt, so ist es dennoch sinnvoll das kreative Schaffen der Urheber zu fördern. Es ist das ureigene Interesse der ganzen Gesellschaft, dass gute Künstler und Wissenschaftler ihre Zeit und Arbeit in neue Werke stecken. Denn ohne diese Arbeit wird unsere wissenschaftliche und kulturelle Entwicklung massiv ausgebremst. Deswegen ist es nur recht und billig, ein Urheberrecht zu etablieren.

        Alle Aspekte dieses Urheberrechts müssen sich aber der gesellschaftlichen Diskussion stellen. Es gibt viele Ansätze für ein modernes Urheberrecht und alle haben ihre Vor- und Nachteile. Aber wir müssen aufhören, das Urheberrecht als ein in Stein gemeißeltes »geistiges Eigentum« zu betrachten. Damit werden nur drakonische Gesetze wie SOPA, PIPA, ACTA und Co. gerechtfertigt, die eine massive Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten zufolge haben. Und das ist ganz sicher nicht im Interesse der Gesellschaft.
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        Also, platt gesagt.

        - Das Internet bringt es mit sich, dass man alles klauen/kopieren kann.
        - Die Musik-/Filmindustrie hat bislang keine passenden Antworten gefunden, ebenso die etablierten Parteien (bis auf die Kriminalisierung der Internetnutzer)
        - Die Piraten wollen eine Debatte, wie die Künstler von der Entwicklung profitieren können.

        - Denn das Internet ist nun mal da - auch ohne die Piraten.

        • Naja, genau so kann man argumentieren, dass der Supermarkt, der die Ware auslegt, nun einmal dazu anhält, sie mitzunehmen. Warum dafür bezahlen, wenn sie doch da rumliegt? Weil alles andere Diebstahl wäre, sehr richtig.

          Warum steht dann zur Diskussion, ob und in welcher Form Nutzer für das Produkt CD, Film oder Buch im Internet zahlen müssen?

          • So könnte man höchstens argumentieren, wenn der Supermarkt diesen Missstand nicht beheben kann.

            Es ist nun mal so: Das Urheberrecht ist anachronistisch. Egal ob man es gut findet oder nicht, man kann Inhalte "illegal" aus dem Internet herunterladen. Was wäre Dein Vorschlag, wie man diesen Missstand beheben soll?

            • Es ist ja nicht so, dass Warenhäuser und Supermärkte nicht empfindliche Einbußen hätten, die durch Diebstahl entstehen. Ganz unterbinden kann man es nicht. Trotzdem käme niemand auf die Idee, es zu legalisieren.

              Die bisherigen Vorschläge der Parteien schädigen nun einmal die Urheber. Wenn ich nur an den Vorschlag der Piratenpartei (ich möchte nicht auf denen rumreiten, aber er kam nunmal von ihnen) denke, das Urheberrecht auf zehn Jahre nach Veröffentlichung zu begrenzen. Das ist absolut indiskutabel.

              Die einfachste Lösung wäre doch, dass die Leut bitte für das, was sie haben wollen, auch bezahlen. Ist eigentlich ganz einfach, oder?

              • "Die einfachste Lösung wäre doch, dass die Leut bitte für das, was sie haben wollen, auch bezahlen. Ist eigentlich ganz einfach, oder? "

                Natürlich wäre das das einfachste. Und wie willst Du das sicherstellen?

                • Ich weiß, dass das nicht sichergestellt werden kann. Aber eine Lockerung des Urheberrechts nach den bisherigen Vorschlägen ist ein Zeichen in die falsche Richtung. Musik, Filme und Literatur sind nunmal nicht zum Spottpreis zu haben. Auch Künstler müssen Rechnungen bezahlen und von etwas leben.

      Ich lade weder illegal Musik, noch Spiele noch Filme herunter, finde es aber sehr bedauerlich, dass die legalen Anbieter die Trendwende zum Download absolut verpennt haben und erst jetzt langsam und zumeist SEHR umständlich mal in die Gänge kommen.

      Die Idee der Piratenpartei ist übrigens eine Art "Wissenspool" auf den JEDER Zugriff hat. Von stehlen war nicht die Rede, sondern jeder Künstler auf dessen Werke zugegriffen werden würde, bekämet auch eine entsprechende Entlohnung.

      Das ist der Ansatz.....wie das gerecht umgesetzt werden soll, ist aber noch unklar !

      Dem Apfel und dem Händler ist es schliesslich auch egal, ob Du bar bezahlst, oder seine Bezahlung über eine Sammelrechnung am Monatsende von einer Einkaufsgenossenschaft der Du angehörst reinkommt...hautpsache er bekommt sein Geld. ;-)

      Der Zweck ist also keine Enteignung wie es Dir scheinbar vorkommt, sondern nur eine effektive Neustrukturierung schon vorhandener und auch zukünftiger Wissensresourcen.

      Und nein...ich bin kein Piratenwähler....aber ein gar nicht schlechter- bis recht guter Gedanke sollte unabhängig der Quelle auch als gut behandelt werden. :-)

      Ein lieber Gruss
      TJ

      • 'Die Idee der Piratenpartei ist übrigens eine Art "Wissenspool" auf den JEDER Zugriff hat. Von stehlen war nicht die Rede, sondern jeder Künstler auf dessen Werke zugegriffen werden würde, bekämet auch eine entsprechende Entlohnung.

        Das ist der Ansatz.....wie das gerecht umgesetzt werden soll, ist aber noch unklar !'

        Es gibt bereits einen 'Pool'. Nämlich Am***n, Musicl**d und diverse andere Anbieter. Die aber den 'Fehler' haben, dass dort Ware nur gegen Geld erhältlich ist. Als Urheber möchte ich keine 'entsprechende' Entlohnung. Ich will für meine Ware bezahlt werden, nicht anteilmäßig, nicht durch ein Fitzelchen einer Pauschale.

        Mir ging es übrigens vorrangig gar nicht um die Piratenpartei, sondern um das Denken vieler Menschen, die es als Lapalie ansehen, sich 'geistiges Eigentum' zu beschaffen, ohne dafür zu zahlen.

    Aber hier nochmal zum jetzigen Urheberrecht: Ich darf mir keine Musik über rapidshare herunterladen, die ich woanders kaufen müsste.

    Es gibt aber Internetradio. Und es gibt Programme, wo ich den Wunschtitel eingeben kann, dann lasse ich 50 Sender parallel laufen und nach nicht allzu langer Zeit habe ich den Titel auf meinem PC. Das ist legal.

    Das Ergebnis ist aber dasselbe.

    Und es kommen auch Tauschbörsen, in denen man seine "Mitschnitte" auch untereinander tauschen kann. Das wird sehr wahrscheinlich auch legal sein.

    Über diese Themen diskutieren die Piraten. Und ich sehe es auch so, dass sich die Piraten Gedanken darüber machen, wie die Künstler zu ihrem Geld kommen. Bei anderen Parteien sehe ich das (fast) nicht.

    • Das mit dem Internetradio machen wir auch. Wir hören gerne Dark und auch mal Filmmusik, halt Musik, die nicht tagtäglich im Radio läuft (weil uns das einfach nur ankotzt). Von vielen Songs, Gruppen, etc. wüssten wir gar nichts, wenn die nicht im Internet laufen würden.

      Und mal ganz ehrlich: ich habe schon Anfang der 90er-Jahre Musik mitgeschnitten und auf Kassette kopiert. Da hat sich auch nie jemand aufgeregt. War doch damals auch nichts anderes als ein paar Jahre später bei Kazaa alles runterzuladen.

      • "Von vielen Songs, Gruppen, etc. wüssten wir gar nichts, wenn die nicht im Internet laufen würden."

        und genau da geht die milchmädchenrechnung "geklaute musik geht 1:1 zu lasten der Kluturshaffenden" nicht auf.

        denn oftmals ist das illegale oder halblegale oder "im moment noch legle" ... anhören von musik/ schauen von filmen,... der einstieg, oftlams die erste bekanntschaft mit einer gruppe, einem lied.
        die umsätze, die dann später über fanartiekl, konzerte oder cd gemacht werden, weil ich die Gruppe XY überhaupt erst kennen gelernt habe, wird dabei nämlich nicht berücksichtigt.

        von daher: für unbekanntere gruppen ist das sicehr eher eine gute sache- für bereits etablierte, die viel geld in marketing stecken nicht zwingend notwendig und möglicherweise fehlen dadruch auch einnahmen

Hi!

Ich streame. Filme und Serien. Ohne etwas dafür zu bezahlen und absolut legal. Ebooks kaufe ich bei Amazon.

Ich habe das Bedürfnis zu lesen, möchte nicht tonnenweise Papier zu Hause horten oder herumtragen und möchte schnell und unkompliziert ein Buch kaufen. Amazon und viele Autoren stillen mein Bedürfnis in dieser Hinsicht und ich bezahle dafür. Absolut kein Problem. Ich akzeptiere sogar, dass ich ein gekauftes Buch nicht weiter verschenken/verkaufen oder ausleihen kann.

Ich habe das Bedürfnis Filme und Serien ungeschnitten im Originalton zu sehen, möchte selbst entscheiden, wann und wie ich mir was ansehe und möchte verschont werden von gefühlten Ewigkeiten an Werbeunterbrechungen und will auch keine überbordende DvD-Sammlung zu Hause haben. Wer stillt dieses Bedürfnis? Ich bin bereit eine Menge Geld dafür zu bezahlen, damit auch weiterhin gute Filme und Serien entstehen können. Hmmm...wer möchte dieses Geld...irgendjemand?...Keiner?

Ich habe keinerlei Probleme damit, wenn sich jemand an der Stillung meiner Bedürfnisse "bereichert". Ist für mich vollkommen in Ordnung, aber für mich ist klar, dass ich bei demjenigen konsumiere, der meinen Bedürfnissen am ehesten entgegenkommt. Und das sind bezüglich Filme/Serien zum jetzigen Zeitpunkt nunmal die Streamingportale.

Grüsse

serdes

  • Okay, hier hat die Film- und Musikindustrie möglicherweise einen Trend verschlafen und muss 'nachbessern'.

    Es spricht ja nichts dagegen, dass das Internet effektiv genutzt wird. Es ging mir in erster Linie darum, dass immer alles kostenlos sein soll. Mal angenommen, du würdest eBooks illegal runterladen können. Würdest du es trotzdem noch bei Amazon kaufen? Das macht den Unterschied. Viele würden es nicht tun. Warum für ein Produkt bezahlen, das ich genau so gut kostenlos haben kann?

    Warum soll ich als Autor meine Bücher dann als eBook anbieten, wenn ich fürchten muss, dass sie zwar gelesen werden, ich aber am Quartalsende auf eine sehr bescheidene Abrechnung sehe?

    Das kann ja wohl nicht sein. Aber eine solche Denkweise zeigt deutlich, was für viele die Leistung der einzelnen Künstler wert ist - nicht viel.

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