Tanzverbot an Ostern

    • (1) 05.04.12 - 09:23

      Guten Morgen zusammen,

      gestern habe ich eine Diskussion im Radio verfolgt, weil anscheinend über die Ostertage ein Tanzverbot besteht.
      Die Meinungen waren geteilt, ob das nun gut oder schlecht ist. Was mich aber wundert, ein Argument gegen das Tanzverbot war: Man solle Staat von Kirche trennen.

      Ich sehe das so. Wenn man Staat von Kirche trennt, dann müssten auch alle kirchlichen Feiertage vom Staat getrennt werden. Sprich, es würde keine "bezahlten" Feiertage geben, die kirlich sind. (Ich gehe von mir aus. Ich bekomme Feiertage bezahlt.)

      Wie seht ihr das?
      Ist dies ein schlagendes Argument? Kirche und Staat trennen.

      lg seinspaetzle

      • Ich bin auch für eine ganz klare Trennung von Kirche und Staat, die m.E. hierzulande absolut nicht gegeben ist.

        Da ich selbst ein nicht-christliches Bekenntnis habe, bin ich einerseits mehr als dankbar, dass wir hier Religionsfreiheit haben und dass ich meinen Glauben ungestört leben und ausüben kann - andererseits sehe ich aber mit wachsender Besorgnis, dass es meines Empfindens nach immer mehr Intoleranz gegenüber Nicht-Christen gibt.

        Wegen mir müsste es keine freien Tage durch die staatlich festgelegten Feiertage geben - ich gehe zum einen gerne zur Arbeit, zum anderen will ich mir nicht immer um die Ohren schlagen lassen, dass ich als Nicht-Christ von diesen Feiertagen profitiere.

        Im Umkehrschluss ist es bei mir so, dass ich an den Feiertagen in meiner Religion ja auch zur Arbeit gehen muss und da keinen Sonderurlaub bekomme.

        Wären Staat und Kirche klar getrennt, dann gäbe es vermutlich auch weniger (fast demütigende) Diskussionen im Bezug auf Nicht-Christen wie mich, denen ja immer wieder unterstellt wird, dass auch wir "Weihnachtsgeld kassieren" und eben durch die christlichen Feiertage profitieren.

        Was ich am meisten befürchte ist, dass auch bald die fundamentale Bewegung, die in den USA ja schon starken Einzug gehalten hat, auch immer mehr nach Deutschland überschwappt und es immer mehr Diskriminierung gegenüber Nicht-Christen gibt, obwohl Religionsfreiheit und die Trennung von Staat und Kirche im Gesetz verankert stehen (aber eben nur halbherzig eingehalten werden).

        Da gibt es noch viel zu tun.

        Claudia

        • Trete diesen Menschen mit einer geschwellten Brust gegenüber, die dir das "Weihnachtsgeld" verbieten wollen.

          Rein steuertechnisch gesehen, ist das kein Weihnachtsgeld, sondern ein 13. Monatsgehalt bzw. eine Gratifikation, das der Arbeitgeber FREIWILLIG zahlt. Bei uns in der Firma wird das 13. Gehalt auf 3 Monate aufgeteilt (2x als Urlaubsgehalt, 1x als Weihnachtsgeld). Weihnachtsgeld ist nur eine eingedeutschtes Wort von irgendwelchen Stammtischkollegen.

          Und wenn die Christen fundamental werden, dann treten denen aber eine große Masse Ossi-Nicht-Christen gegenüber und eine geballte Ladung Moslems.

          • Die Sache mit dem Weihnachtsgeld wird ja so begründet, dass man als Christ andere Christen beschenkt.

            Jetzt ist es bei uns aber so, dass z.B. meine Schwiegereltern katholisch sind und es genießen, wenn wir gemeinsam Weihnachten feiern (aber sie akzeptieren meinen Glauben voll und ganz - und auch, dass mein Mann sich dem immer mehr annähert).
            Und selbstverständlich schenken wir ihnen auch etwas (und auch anderen Christen, mit denen wir zusammen sind).

            Ich mache zwei ganz unterschiedliche Erfahrungen.
            Auf der einen Seite erlebe ich z.B. ganz viel Akzeptant bei einem katholischen Träger, bei dem ich ehrenamtlich arbeite. Ich wäre sogar bei diesem Träger fest (also mit Gehalt) eingestellt worden, obwohl alle wissen, dass ich kein Christ bin - und da startet auch niemand einen Missionierungsversuch.

            Auf der anderen Seite ist mir aber tatsächlich passiert, dass eine Betreuerin unserer Pflegetochter (unsere Pflegetochter ist schwerbehindert und gelegentlich nutzen wir den sog. "Familienentlastenden Dienst") ernsthaft versucht hat, uns zu missionieren.
            Sie gehört einer evangelikalen Glaubensgemeinschaft an und wollte uns ernsthaft zu einer Evangelisierungs-Veranstaltung einladen.

            Ich habe gedacht, mein Hamster bohnert. Diese Betreuerin wusste übrigens auch, dass ich selbst in der Kinder- und Jugendhilfe arbeitet und einen ganz ähnlichen Job mache wie sie. Ich habe sie natürlich auf das Vorhaben angesprochen und ihr gesagt, dass es mich (berechtigterweise!!!) den Job kosten würde, wenn ich einen Versuch starte, Familien zu missionieren, die nicht meinen Glauben teilen.

            Ich habe dann auch ganz klar mit ihrer Vorgesetzten gesprochen und wir wollen sie auch nicht mehr als Betreuerin haben.

            Gerade diese Bewegungen sind das, was mir am meisten Sorge bereitet und ich befürchte noch Schlimmeres, falls sich in den USA die Wahlen entsprechend entwickeln (da ja sehr viel von dort zu uns "überschwappt".)

            LG
            Claudia

      Huhu,

      meinetwegen können die christlichen Feiertage ruhig eingestampft werden, wenn dafür endlich die Trennung von Kirche und Staat - die ja angeblich schon besteht - vollzogen würde.

      Leider geht der Trend eher in die andere Richtung. Wenn ich z.B. an diese Kampagne denke, nach der ein Gottesbezug in die europäische Verfassung gehört. Schlimm...

      Naja, wir sind ja gattungsgeschichtlich noch sehr jung. Möglicherweise evolvieren wir kulturell noch ein bisschen - oder wir sterben aus, dann hat der Spuk aber ebenfalls ein Ende.

      #winke

    Hi,

    mal ganz ab vom Glauben / Religion / Kirche: Ich sehe das Problem nicht ganz, an einem Tag mal nicht zu feiern...
    Ich habe immer sehr, sehr viel gefeiert. Also größtes Verständnis für Tanzen, Trinken und sonstwas.
    Aber es tut einer Gesellschaft auch ganz gut, Zeiten zu haben (und es sind ja nur einzelne Tage), an denen es leiser und besinnlicher zugeht.

    Sicherlich mag man meinen, das habe man als Bürger selbst zu entscheiden - kann man ja auch. Es sind ja öffentliche Einrichtungen betroffen, es gibt ja kein Tanz- oder Feierverbot für Privatpersonen.

    Von daher: Wo liegt eigentlich das Problem?

    Aber vielleicht habe ich als gläubige Christin einfach nicht das Bedürfnis einer strikten Trennung :-)

    Und zum Thema "nicht mehr zeitgemäß": Es wäre doch für unsere Gesellschaft sehr traurig, wenn sich alles dem Aspekt des Zeitgemäßen unterzuordnen hat...

    LG, Nele

    • Huhu,

      als Atheistin feiere ich auch nicht rund ums Jahr.
      Ich verweigere mich daher auch nicht generell "stillen" Tagen.

      Allerdings stößt es mir sauer auf, dass einer ganzen Gesellschaft Ruhe verordnet wird, weil eine alte Geschichte besagt, dass der Sohn eines Gottes hingerichtet wurde und dann von den Toten auferstand. Ich finde es wirklich nicht zeitgemäß, diese Sache einem ganzen Land überzustülpen. (Wobei für die allermeisten Kinder ja sowieso der Osterhase kommt... aber stimmt, da muss man auch leise sein, sonst verschreckt man ihn womöglich.)

      #winke

Hi!

Gleich als erster Punkt: Ich halte überhaupt nichts von "Tanzverboten". Ich bin gläubiger Katholik und sehe trotzdem keinen Sinn in solch einem Verbot. Tanz ist nichts Anstössiges oder Unsittliches, auch nicht an einem "Trauertag". Tanz kann schliesslich auch Trauer ausdrücken.

Zum Punkt "kirchliche Feiertage" denke ich, dass solche Feiertage eingeführt wurden, da die Mehrheit der Bevölkerung diese sowieso feiert. Wenn sich das nun geändert hat, könnte man sich überlegen, gewisse Feiertage "abzuschaffen" bzw zu "privatisieren";-) und sie dann durch andere Feiertage zu ersetzen. Um herauszufinden, ob es ein Bedürfnis der Bevölkerung dazu gibt, würde ich eine Volksabstimmung empfehlen.

Nun zum Gedanken an "vollständige Trennung von Staat und Kirche":
Ein interessanter Gedanke.

Da stellen sich die Fragen: Ist es nötig, ist es möglich, ist es wichtig, ist es gut?

In der Schweiz regeln beispielsweise die Kantone die äussere Struktur der Kirchen...also Finanzen, die Bauwerke und geben vor, dass die Kirchen demokratisch organisiert sein müssen (D.h. Pfarrer werden gewählt). Aber der Staat mischt sich nicht in die Inhalte ein (also die Lehre beispielsweise). Ausser bei Ausnahmefällen wie der Schächtung...die ist verboten...

Aber auch hier gibt es immer wieder mal Veränderungen in der Beziehung von Staat und Kirche. 1979 wurde die Aufhebung des "Jesuitenverbot" und des Verbots Klöster neu zu gründen durch Volksabstimmung bestimmt. 1999 wurde dann das Wahlverbot für Geistliche aufgehoben (diese durften nicht in den Nationalrat gewählt werden)und 2001 fiel der Bistumsartikel (dieser bestimmte, dass Bistümer nur mit staatlicher Genehmigung errichtet werden durften.

Nun kann man darüber streiten, ob diese Bestimmungen dazu dienten, den "Religionsfrieden" zu erhalten oder ob es sich hier einfach um religiöse Diskriminierung von staatlicher Seite aus handelte. Wie auch immer...das Volk hat entschieden Veränderungen vorzunehmen.

Ich persönlich finde nicht, dass Staat und Kirche komplett getrennt sein sollten. Ich finde Entscheidungen über das Verhältnis der beiden zueinander sollte das Volk treffen. Genauso wie gewisse Entscheidungen bezüglich der äusseren Angelegenheiten der Kirchen. Ich bin dagegen, den Kirchen einfach freie Hand zu lassen. Aber wenn meine Mitbürger irgendwann an der Urne entscheiden, genau dies zu tun, werde ich das natürlich akzeptieren.

Grüsse

serdes

Ich bin fuer die Trennung von Staat und Kirche, da ansonsten keine wirkliche Religionsfreiheit moeglich ist.

Ob man Feiertage in der christlichen Tradition hat, oder sekulaere Feiertage (z.B. 3. Oktober oder frueher 17. Juni) oder die die einer anderen Religion nimmt ist doch peng. Das Argument, dass man nur als Christ Anrecht auf Feiertage hat ist doch Bloedsinn.

Zumal die meisten christlichen Feiertage auf Daten gelegt wurden, die mit Feiertagen anderer Religionen schon belegt waren - so war es naemlich leichter zu assimilieren.

Ich bin Atheistin, und feier trotzdem Weihnachten. Allerdings feier ich nicht Jesu' Geburt, sondern das Zusammensein mit meiner Familie, ein Fest der Liebe halt. Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, und auf eine christliche Schule gegangen, und daher mit vielem Brauchtum auch verbunden - allerdings hat weder der Baum was mit dem Christentum zu tun, noch die Geschenke.

Das Tanzen wuerde ich mir nicht verbieten lassen wollen - und ich finde es schlimm, dass es all denen auch verboten sein soll, die keine Christen sind. Und davon gibt's in Deutschland doch einige. Wer nicht tanzen will, der soll es lassen. Aber das kann man doch niemandem aufzwingen.

Hallo,

mich stört das Tanzverbot nicht. Ich finde es ganz in Ordnung. Es gibt genügend andere Tage, an denen man tanzen gehen kann.

Zumal es den netten Nebeneffekt hat, dass mein Freund nicht arbeiten muss #freu

GLG

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