Warum beinhaltet das Bildungspaket eigentlich Essensgeld?

    • (1) 05.04.12 - 13:17

      Hallo,

      ich habe jetzt schon mehrfach die Diskussion um das Bildungspaket verfolgt. Und eine Frage drängt sich mir immer wieder auf. Wieso wird eigentlich das Essensgeld aus diesem Fond subventioniert? Und wie war es denn vorher?

      Es geht doch um die Gelder für Mittagessen in Kita oder Schule. Sind denn Familien, die vom ALG 2 leben vorher dabei auch bezuschusst worden? Und wieso überhaupt? In den Hartz 4 Sätzen sind die Kinder doch sowieso schon mit ihren Bedarf an Nahrungsmitteln einbezogen worden. Ich verstehe dann nicht die Eltern, die diesen Antrag gestellt haben und etwas warten müssen, dass sie sich darüber beschweren, dass sie das Geld erst einmal vorstrecken müssten. Ich meine 50 Euro (ist so der Schnitt für das Essen in Schule und Kita) kostet ein Kind, dass zu Hause isst doch auch mindestens im Monat.

      Was ich eigentlich meine, ist dass ich nicht verstehe, weshalb sich einige beschweren wenn es um das Bildungspaket geht. Mir erscheint das mehr als undankbar. Da wird gejammert, dass man die Ausgaben belegen muss (ja, wie soll es denn sonst gehen?) und in vielen Fällen wird dann aus Bequemlichkeit kein Antrag gestellt, außer wenn es um Gelder geht, die den eigenen Haushalt direkt entlasten, wie beim Essensgeld oder Klassenfahrten. Irgendwie bekomme ich da das Gefühl, dass das Vorurteil sich da bestätigt, dass es vielen Eltern dabei nicht in erster Linie um die Kinder geht.

      Wie seht ihr das? Liege ich völlig falsch?

      lg Tomama

      • (2) 05.04.12 - 13:48

        Ich weiss zwar nicht ob das Essengeld damit inbegriffen ist, aber man sagt ja auch oftmals, dass die Kinder aus den betreffenden Familien keine gesunde Ernährung zuteil bekommen.
        Wahrscheinlich will man dann mit Schul- und Kigaessen dazu beitragen, dass die Kinder wenigstens einmal am Tag etwas "Vernünftiges" zu Essen bekommen.

        Wobei nicht ganz klar ist, ob das Essen in der Schule und/oder dem KiGa qualitativ sehr hochwertig, bzw. ausgewogen ist.

        • (3) 05.04.12 - 14:45

          Hallo,

          das mag ja alles sein, aber wieso unter dem Deckmantel des Bildungspaketes? Das hat doch mit Bildung nichts zu tun. Im Prinzip ist es doch nur ein Aufstocken der Hartz 4 Bezüge. Eine Sache, die eigentlich schon mit berücksichtigt wurde, wird nochmal subventioniert.

          Ich finde das Bildungspaket sollte wirklich nur für Dinge genutzt werden, die wirklich mit Bildung zu tun haben. Nachhilfe, Sportvereine, Musikunterricht etc...

          Aber eben da gibt es Kritik daran, dass man das beantragen und nachweisen muss und das verstehe ich nicht. Wenn mir jemand etwas bezuschusst, dann muss ich doch auch Rechenschaft dafür ablegen, dass ich das Geld eben genau dafür auch verwende.

          Hmm, vielleicht kann mir ja jemand, der dieses Bildungspaket beantragt hat und sich darüber ärgert mehr zu den Beweggründen sagen. Ich verstehe es einfach nicht...

          lg Tomama

          lg Tomama

          • Es hat insofern mit Bildung zu tun, als die Kosten für das Mittagessen Leute davon abhalten könnten, ihre Kinder für offene Ganztagsangebote anzumelden.
            Und für manche Kinder ist es bildungs- und entwicklungsmäßig besser, wirklich so wenig wache Zeit wie möglich zu Hause zu verbringen.

            • Hallo,

              wurden diese Kosten denn vorher nicht auch schon übernommen? Ich war der Meinung, dass ALG 2 Empfänger die Mittagsessenkosten in Kita und Schule auch vorher schon bezuschusst bekamen. Dann wäre es doch nur jetzt aus einem anderen Töpfchen?

              Und diese Aussage, dass es Haushalte gibt, wo es besser sei, dass Kinder so wenig wie möglich zu Hause sind, hmm, da bin ich wirklich zwiegespalten. Ich weiß nicht, ob es Statistiken darüber gibt, aus denen hevorgeht, dass es Kindern aus Hartz 4 Familien genrell schlechter geht. Es gibt doch auch dort viele Eltern, die sich sehr um ihre Kinder bemühen und dann gibt es vermögende Haushalte, wo die Kinder zu kurz kommen. Arme Eltern= schlechte Eltern, das ist mir zu einfach gedacht. Wenn man nur mal beim Thema "sexueller Missbrauch" schaut, da ist es bei weitem nicht so, dass da ärmere Familien überwiegend betroffen wären.

              lg Tomama

              • Huhu,

                mir rennt gerade die Zeit, deshalb nur ganz kurz.

                Es ist natürlich nicht so, das es Kindern in H4-Familien automatisch schlecht geht. Aber die Zeiten, in denen es eine arme aber solide "Arbeiterklasse", wo man ohne Luxus behütet aufwuchs sind nun mal Geschichte.

                Und natürlich gibt es auch so etwas wie Wohlstandsverwahrlosung.
                Meine Erfahrung aus so genannten Brennpunktschulen zeigt mir jedoch, dass dort in ganz vielen Familien sehr viel schief läuft. Das hat nicht unbedingt damit zu tun, dass die Eltern keine finanziellen Mittel haben, sondern dass sie mit sich und ihren Kindern nichts anzufangen wissen.

                Selbstverständlich lieben diese Eltern ihre Kinder und sind der Meinung, ihr Bestes zu geben. Gut gemeint, ist aber nicht immer gut gemacht. Man kann auch mit den besten Absichten den Kindern die Zukunft verhunzen wenn man es nicht besser weiß. Die schlecht umsorgten Kinder - die gibt es wirklich - kommen OHNE Frühstück und mit kaputten Klamotten. Die "gut" behüteten Kinder bringen sich für die Schulpause eine 5-Minuten-Terrine mit, die dann trocken gelöffelt wird. Die Eltern und Kinder finden, das ist GUTES Essen. (Noch dazu ist es teuer, es muss also toll sein...).

                Inwiefern die Schulmahlzeiten im Rahmen von H4 übernommen werden, kann ich nicht sagen.

                Ich finde es aber grenzwertig, sich darüber so aufzuregen. Wenn man einen geregelten Alltag usw. hinbekommt, sitzt man leicht auf einem verdammt hohen Ross.

                Schöne Feiertage. :-)

                • Hallo,

                  "Ich finde es aber grenzwertig, sich darüber so aufzuregen. Wenn man einen geregelten Alltag usw. hinbekommt, sitzt man leicht auf einem verdammt hohen Ross."

                  Ich rege mich gar nicht auf. Ich habe es nur nicht verstanden. Und nachdem hier geschrieben wurde, dass es vorher schon Zuschüsse vom Jugendamt gab für das Essen, verstehe ich es noch weniger. Denn das war doch geregelt. Nun muss man es dann neu beantragen, es dauert länger und kommt aus einem anderen Topf. Zeigt mir eher, dass das Bildungspaket nur eine politische Werbemaßnahme sein soll. Und das finde ich schade. Denn es gibt es nach dem ersten Jahr die Zahlen. An erster Stelle der Anträge stehen die für das Essen, dann kommen Klassenfahrten, Platz drei habe ich ledier vergessen.

                  Also, an dem Essen haben die Kinder vorher schon teilnehmen können, Klassenfahrten wurden vorher auch schon bezuschusst und für die anderen Dinge, die für viele Kinder wirklich eine Verbesserung gewesen wäre, da laufen die Anträge nur schleppend. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Kinder wieder nicht erreicht werden. Denn Eltern, die vorher nicht in der Lage waren sich um grundlegende Dinge zu kümmern, werden auch diese Anträge nicht stellen. Darin liegt die Crux...

                  Dir auch schöne Feiertage...

                  Gruss Tomama

          So kann gewährleistet werden, dass die Kinder wenigstens 1 warme Mahlzeit am Tag bekommen. Dies kann sich auch auf die Bildung auswirken. Es gibt Eltern die Mittags ne Packung Milchschnitte auf den Tisch stellt. Fehlernährung macht nicht gerade klug.

          LG

          • Aber echt... vor allem in den Reihen der ALG2-Bezieher. Die sind praktisch von Natur aus schon so beschränkt, dass sie weder die Zutatenliste auf den "Beipackzetteln" der Nahrungsmittel lesen bzw. verstehen können.
            Dass sie unfähig dazu sind, gesunde Nahrungsmittel zuzubereiten bzw. gar keine Lust dazu haben, weil sie den ganzen Tag auf dem Sofa Trash-TV gucken, versteht sich von selbst.

            Milchschnitten als Mittagessen: Nein! Zu teuer! Ne Dose Ravioli. Da bleibt mehr für die Filterkippen und das Dosenbier, das ALG2-Bezieher in stapelbaren Reihen im Küchenschrank, der von der Jobbörse finanzierten Luxusküche, horten.

            Und das aus dem Munde von jemandem, der keinen einzigen Cent zu Versorgung der Familie beiträgt. Ich bin beeindruckt.

            • Was gehst du denn so ab???? Fühlst du dich angesprochen?

              Es ist erwiesen, dass Menschen aus den untersten Sozialschichten deutlich öfters Probleme mit halbwegs gesunder Ernährung haben!

              Dass das nicht JEDEN ALGII-Empfänger betrifft ist doch selbstverständlich und das muss man nicht extra dazuschreiben!
              Guck dir doch mal zB Studien zu den Ursachen von fettleibigen Kindern hier in Deutschland an.

              #aha

              ***Und das aus dem Munde von jemandem, der keinen einzigen Cent zu Versorgung der Familie beiträgt. Ich bin beeindruckt.***

              Und das aus dem Munde von jemandem, der "undercover" schreibt!!!

              #contra #contra #contra

              • Ohiticawin beschwert sich darüber, dass ich undercover schreibe (was nicht so ist) *herzlich lach*
                Und wieso schreibst Du dann nicht unter Mareike Müller, Heidi Bauer oder Hedwig Schneider?

                Vielleicht, weil wir im Internet sind? #aha

                Die fettleibigen Kinder von den vielen fettleibigen Eltern, die Schwangerschaften als ultimative Ausrede nehmen und von den ganzen Videospielen, vor denen Papi sie parkt, um sich einen gemütlichen Feierabend zu machen.

                Btw.: Wie verdienst Du eigentlich den Unterhalt für Dich und Dein/e Kind/er?

                • ***Ohiticawin beschwert sich darüber, dass ich undercover schreibe (was nicht so ist)***

                  ich beschwere mich nicht, ich finde es lediglich total daneben, dass jemand der einen ganz frischen Zugang hat und in seiner Visitenkarte schreibt: ***Ich bin kein fake, ich habe nur keine Lust, mich vor jedem Popans nackig zu machen :-p*** jemand anderen persönlich angreift. Wer im Glashaus sitzt ...

                  ***Die fettleibigen Kinder von den vielen fettleibigen Eltern, die Schwangerschaften als ultimative Ausrede nehmen und von den ganzen Videospielen, vor denen Papi sie parkt, um sich einen gemütlichen Feierabend zu machen.***

                  und weiter? was willst du mir damit sagen?

                  ***Btw.: Wie verdienst Du eigentlich den Unterhalt für Dich und Dein/e Kind/er? ***

                  Was tut das zur Sache? Wenn du mir das erklärst, beantworte ich dir deine Frage sehr gerne. Allerdings wäre es dann angebracht, dass auch DU dich dazu äußerst wie du deine Familie ernährst.

                  • ok, da mein internet heute auf unbestimmte zeit abgestellt wird #schwitz
                    beantworte ich dir doch schonmal deine Frage:

                    Ich arbeite Vollzeit und finanziere meine komplette Familie mit einem Gehalt das lt Internet zu den Besserverdienenden gehört. Zusätzlich habe ich bis vor Kurzem noch meinen Mann in seiner angefangenen Selbständigkeit bezuschusst, die sich aber nun selbst trägt.
                    Und ich zahle meinen Hauskredit ab.

                    Wir sind nicht verheiratet und bekommen keine staatlichen Gelder außer Kindergeld.

                    Zudem haben wir uns entschieden noch ein viertes Kind zu bekommen, da es finanziell möglich ist.

                    Und du?

        Wie sagt man so schön: Leerer Bauch studiert nicht gern#aha

        (15) 05.04.12 - 20:55

        "das mag ja alles sein, aber wieso unter dem Deckmantel des Bildungspaketes? Das hat doch mit Bildung nichts zu tun"

        Es nennt sich korrekt http://de.wikipedia.org/wiki/Leistung_f%C3%BCr_Bildung_und_Teilhabe und nicht nur "Bildungspaket".

        Im Übrigen kann man es sehr wohl so sehen, dass für viele Kinder aus sozial schwachen Familien ein gemeinsames Mittagessen "Bildung" (Tischmanieren, was muss man essen, damit es gesund ist etc.) und auch "Teilhabe" (=Teilhabe am gemeinschaftliche Leben mit den anderen Kindern) bedeutet.

        Das Problem in vielen (nicht: allen!) ALG II-Familien ist ein Verhaltensproblem. Heißt: Hätte man den Eltern mehr Geld in die Hand gegeben, hätten sie es anderweitig "verjuxt" oder aber ihren Kinder doch nur wieder Schrott geboten. Mag mancher Sozialromantiker nicht hören, ist aber so. Schrotternährung (weil das Wissen und teils auch der Wille bei diesen Eltern fehlt), Schrott-Elektronikscheiß etc. pp.

        Nun endlich hat man kapiert, dass man die Kinder solcher Familien nur dann evtl. aus diesem Kreislaus herausholt, indem man sie zu ECHTER Teilhabe bringt. Gemeinsames Essen, Sportverein und so weiter. Und das ist gut so. Es wird so viel Geld für Scheiß rausgehauen, für das BuThP gebe ich meine Steuergelder gern her!

        Im übrigen hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass die Regelleistungen der Kinder zu niedrig bzw. falsch angesetzt waren. Diesem Urteil trägt man nun Rechnung und - du hast es gut erkannt - stockt die Regelleistung der Kinder nun auf. Unter anderem mit dem Bildungspaket.

        Dein sozialneidisches Gerede ist unerträglich und peinlich, denn mit ein bisschen googlen hättest du es selbst herausgefunden, statt hier ein hetzerisches Posting loszutreten.

        Ch.
        seit 2005 im Bereich ALG II/Jobcenter tätig

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