Vermögenssteuer

    • (1) 29.04.12 - 11:37

      In der Süddeutschen Zeitung von heute ist zu lesen, dass die Mehrheit der Deutschen (77%) die Vermögenssteuer zurückhaben wollen.

      "Wer reich ist, soll zahlen: 77 Prozent der Deutschen sprechen sich in einer aktuellen Forsa-Umfrage für die Wiederbelebung einer Vermögenssteuer aus. Selbst bei Anhängern von Union und FDP findet die Abgabe Zustimmung. Die SPD dürfte sich bestätigt fühlen."

      Liegt das daran, dass die Befragten scheinbar kein Vermögen besitzen oder was ist der Grund dafür, dass die Leute mehr Steuern zahlen wollen / sollen?

      http://www.sueddeutsche.de/politik/umfrage-mehrheit-der-deutschen-will-vermoegenssteuer-zurueck-1.1344400

      • "Liegt das daran, dass die Befragten scheinbar kein Vermögen besitzen oder was ist der Grund dafür, dass die Leute mehr Steuern zahlen wollen / sollen?"

        Nein, das liegt daran, dass mittlerweile bereits eine Mehrheit in der Bevölkerung realisiert hat, dass die Besteuerung von Unternehmens- und Vermögenseinkommen schon seit vielen Jahren immer mehr reduziert werden während die Steuer- und Sozialabgabenbelastung der Arbeitseinkommen steigt.

        Hinzu kommt noch, dass verbrauchsbezogene Steuern (die jeder unabhängig von seiner Einkommenshöhe leisten muss und die Geringverdienern viel mehr weh tun als Gutverdienern) bei der Steuererhebung mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.

        Die Mehrzahl der Menschen hat es ganz einfach satt, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung immer wieder steuerlich entlastet wird, während die Mehrheit immer stärker belastet wird.

        Wer kann ihnen das verdenken?

        • Ich sehe das auch so.

          Eins frage ich mich aber dennoch: Die Idee mit der Vermögenssteuer kommt doch nicht so mir nichts Dir nichts aus der Bevölkerung. Das haben die Linken schon vor einer ganzen Weile in den Raum geworfen. Genauso auch die Sache mit den Mindestlöhnen, die jetzt sogar die CDU flächendeckend einführen will. Oder die Finanzmarkttransaktionssteuer - auch eine Geschichte, die von ganz weit links kam...

          Kann es sein, dass die Linken irgendwie den Nerv treffen, aber keiner das gern zugibt?

          Ich erinnere mich an Volker Pispers, der da sagte: "80% der Deutschen sind laut einer Umfrage für Mindestlohn. 80% der Deutschen sind gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. 80% der Deutschen sind für die Rücknahme der schlimmsten Hartz4 „Reformen“. Es gibt aber nur eine einzige Partei, die all diese Themen genauso vertritt. Das ist diese fiese Linkspartei. Die wählen aber nur 14%.

          66% der Deutschen wählen eine Partei, die das Gegenteil vertritt, von dem was sie für richtig halten. Das ist der Deutsche, klingt ein wenig schizzo...

          Der Deutsche hält eine Partei, die versucht das umzusetzen, was er selber für richtig hält, für linke Spinner."

          http://www.youtube.com/watch?v=uNHch1YSB3s

          (Ab 6:15)

          • Volker Pispers ist in manchen Momenten einfach unschlagbar. :-)
            Es ist gut, dass wir ihn haben. Sonst wäre das Ganze noch schwieriger auszuhalten.

            Es ist richtig, dass die Linkspartei die einzige größere Partei in Deutschland ist, die seit Jahren konsequent und beharrlich für Mindestlöhne und Vermögenssteuer eintritt. Die anderen Parteien bewegen sich bei diesen Themen auf Zickzack-Kurs.

            Ich möchte aber trotzdem anzweifeln, dass diese Ideen "von ganz weit links" kommen.
            Die gewiss nicht wirtschaftsfeindlichen USA beispielsweise nehmen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt den 3fachen Betrag an Vermögens- und Erbschaftssteuern ein wie Deutschland.

            Auch beim Thema Mindestlohn befinden wir uns in der klaren Minderheit der EU-Statten, die keinen Mindestlohn haben - und die anderen EU-Staaten haben mit Sicherheit nicht mehrheitlich Regierungen die ganz weit links stehen.

            • "Auch beim Thema Mindestlohn befinden wir uns in der klaren Minderheit der EU-Statten,"

              Beim Thema Arbeitslosigkeit befinden wir uns auch in einer Minderheit in den EU-Staaten.

              Allein in der Minderheit zu sein bei einem Thema, ist sicher kein Grund, ob etwas deswegen falsch oder richtig ist.

              • "Allein in der Minderheit zu sein bei einem Thema, ist sicher kein Grund, ob etwas deswegen falsch oder richtig ist."

                Ich glaube, dass sich Deutschland Mindestlöhne leisten kann. Natürlich gibt es immer wieder Stimmen, die vor Mindestlöhnen warnen und bei Einführung von Mindestlöhnen Massenarbeitslosigkeit voraussagen, aber letztendlich können Mindestlöhne auch eine Chance sein. Wenn die CDU jetzt nach Linken, SPD und Grünen flächendeckende Mindestlöhne in Erwägung zieht (was ich dennoch für eine Mogelpackung halte), dann werden die das ganz sicher nicht wider die Vernunft tun.

              • "Beim Thema Arbeitslosigkeit befinden wir uns auch in einer Minderheit in den EU-Staaten."

                Von welcher "Minderheit" sprechen wir? Von der Minderheit, die die Methodik zur Ermittlung ihrer Arbeitslosenstatistiken so geändert hat, dass ein positiveres Bild erscheint?

                "Allein in der Minderheit zu sein bei einem Thema, ist sicher kein Grund, ob etwas deswegen falsch oder richtig ist."

                Ich weiss nicht so recht, wo uns dieser allgemeine Hinweis hinführen soll. Gegenstand meiner Aussage war, dass die Idee des Mindestlohns nicht von "ganz weit links" kommt.

                Die in Deutschland vorherrschende Angst vor Mindestlöhnen ist unbegründet. Als Lektüre empfehle ich die Studie von Dube, Lester & Reich. Man kann sie kostenlos im Internet downloaden.

                • Ich hätte mir denken können, dass diese Antwort hinsichtlich der Statistik kommt. Die anderen EU-Staaten führen natürlich keinerlei statistische "Schönerungen" durch.

                  Dann lass es mich anders formulieren: Deutschland ist in der Minderheit, was wirtschaftliche Leistungskraft per anno angeht. Bezüglich zahlreicher ökonomischer Eckdaten ist Deutschland gar führend und in einem sehr exklusiven Club.

                  Also: In der Minderheit zu sein heisst nicht, etwas falsch zu machen. Ist jedenfalls meine Ansicht.

                  Und Angst habe ich vor Mindestlöhnen keineswegs. Ich halte sie nur für schlichtweg falsch. Sie befriedigen höchstens eine diffuses Gerechtigkeitsgefühl; wie übrigens die Vermögenssteuer auf private Vermögen auch.

                  Im übrigen sind die Länder, die keinen Mindestlohn haben, nicht gerade die, die wirtschaftlich am schlechtesten dastehen.

                  • "Im übrigen sind die Länder, die keinen Mindestlohn haben, nicht gerade die, die wirtschaftlich am schlechtesten dastehen. "

                    Ob das an den nicht vorhandenen Mindestlöhnen liegt? Ich wage vorsichtig, dies zu bezweifeln...

                    Der Zusammenhang zwischen Mindestlohn und Wirtschaftskraft wird gern bemüht und für unumstößlich hingestellt. Genau so könnte man aber auch sagen, dass die Geburtenzahlen in Deutschland rückläufig sind, weil immer weniger Störche hier nisten. Beides ist nachweisbar, nur der Zusammenhang nicht :-)

                    • "Ob das an den nicht vorhandenen Mindestlöhnen liegt? Ich wage vorsichtig, dies zu bezweifeln..."

                      Habe ich das denn geschrieben?

                      • Indirekt. Warum weist Du wiederholt auf Wirtschaftsstärke im Zusammenhang mit den fehlenden Mindestlöhnen hin?

                        • Weil ich diese Aussage eines Mitdiskutanten:

                          "Auch beim Thema Mindestlohn befinden wir uns in der klaren Minderheit der EU-Statten, die keinen Mindestlohn haben"

                          so nicht stehen lassen wollte. Denn sie soll ja wohl im Umkehrschluss bedeuten, wenn die Mehrheit etwas macht, muss es ja richtig sein.

                          Und beim Thema Mindestlohn bin ich eben nicht der Meinung, dass es der richtige Weg zur mehr Lohngerechtigkeit

                          • "Denn sie soll ja wohl im Umkehrschluss bedeuten, wenn die Mehrheit etwas macht, muss es ja richtig sein."

                            Das wäre eine Schlussfolgerung und kein Umkehrschluss. Noch viel weniger ist dies meine Schlussfolgerung.

                            • Dann sind wir ja in dieser Hinsicht einer Meinung: Was die Mehrheit macht, muss allein eben wegen dieser Majorität nicht richtig sein.

                              Und besten Dank für die Korrektur dieser immens bedeutsamen rhetorischen Unsauberkeit meinerseits (bezüglich Schlussfolgerung und Umkehrschluss).

                  "Die anderen EU-Staaten führen natürlich keinerlei statistische "Schönerungen" durch"

                  Zumindest haben die anderen EU-Staaten nicht vor kurzem Ihre Berechnungsmethode geändert um einen positiven Trend vorzutäuschen.

                  "Deutschland ist in der Minderheit, was wirtschaftliche Leistungskraft per anno angeht"

                  Die Bereiche, in denen Deutschland erfolgreich ist, wären von einem gesetztlichen Mindestlohn nicht betroffen.

                  "Im übrigen sind die Länder, die keinen Mindestlohn haben, nicht gerade die, die wirtschaftlich am schlechtesten dastehen."

                  In dieser Allgemeinheit ist die Aussage nicht richtig.
                  Die Länder auf die Du vermutlich anspielst haben allesamt einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad, eine starke Tarifbindung und höhe Löhne. Zudem gibt es auch eine Reihe von Ländern mit guten Wirtschaftsdaten, die eben doch einen gesetzlichen Mindestlohn haben.

                  "Und Angst habe ich vor Mindestlöhnen keineswegs. Ich halte sie nur für schlichtweg falsch. Sie befriedigen höchstens eine diffuses Gerechtigkeitsgefühl"

                  Die Argumentation pro Mindestlohn beinhaltet weit mehr als das, was Du spöttischerweise als "diffuses Gerechtigkeitsgefühl" bezeichnest.

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