Flughafen Berlin-Brandenburg...

    • (1) 08.05.12 - 21:49

      ...hm,

      ich habe ein Hobby: Ich sammele Niederlagen, Scheitern, Fehlschläge, Patzer.

      Wirklich.

      Ich habe das immer für Seminare gebraucht. Es macht Teilnehmer lockerer, die sich etwas nicht trauen, weil sie Angst haben, zu versagen...wenn man ihnen mal Auf-die-Fresse-Faller von ganz hohem Niveau vorführt.

      Ich spreche auch jetzt - als Lehrerin - mit den Jugendlichen Niederlagen und Scheitern an, weil genau da eben auch sehr große Ängste liegen. Und bringe da auch immer gern knackige Beispiele.

      Aber die Flughafenplaner, diese Chefmanager, diese Oberbosse...wie die da heute bei der Pressekonferenz saßen, wie begossene Pudel, um mitzuteilen, dass der neue Flughafen doch nicht am 3. Juni fertig wird...öhem...tut uns leid...und Wowereit hingen die Mundwinkel am Boden und Platzeck sagte, er sei "stocksauer"...nee, also das ist eine neue Dimension.

      Dieses Versagen erhält in meinem Album der Niederlagen und Patzer einen Ehrenplatz.

      http://www.tagesspiegel.de/politik/willy-brandt-flughafen-verspaeteter-start-in-schoenefeld/6607194.html

      Ich bin zu naiv; ich denke immer, solche Millionen- und Milliardenprojekte, die Jungs, die sowas planen, sind richtig kluge Profis...#kratz

      Wie kann man bloß auf so hohem Niveau so gnadenlos auf die Fresse fallen?

      lg die verblüffte Hinterwäldlerin

      • "Wie kann man bloß auf so hohem Niveau so gnadenlos auf die Fresse fallen?"

        Mit der Komplexität eines Projektes steigen die Risiken - exponentiell, weil mögliche Fehler neue Fehler nach sich ziehen.

        Gleichzeitig haben solche Projekte oft viel zu niedrig angesetzte Kosten und Risikoprognosen - auch um diese Projekte überhaupt zu ermöglichen, mit denen sich Politiker ein Denkmal setzen wollen.

        • Hi !

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          Gleichzeitig haben solche Projekte oft viel zu niedrig angesetzte Kosten und Risikoprognosen - auch um diese Projekte überhaupt zu ermöglichen, mit denen sich Politiker ein Denkmal setzen wollen.

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          S21 ist meiner Meinung nach ebenfalls ein gutes Beispiel dafür.

          Gruß,

          vam-pir-ella

          Das heißt für mich: irgendwie ist das sowieso ein bißchen Roulette.

          Aber eines ist klar: da müssen ganz schön viele Leute über Probleme nicht so recht die Wahrheit gesagt haben.

          • Es ist nicht unbedingt Roulette, es das falsche Prinzip des Projektmanagements.

            Schau Dir z.B. Stuttgart21 an - da sollten Entscheidungen durchgeboxt werden auf Basis von Fakten, die mehrere Jahre alt waren. Die wurden anscheinend nie hinterfragt oder aktualisiert. Da ist nicht nur das Projekt, sondern auch die Politik baden gegangen.

            Wie's anders geht? In der Softwareentwicklung ist z.B. agile developement poplär. Da ist ein Projekt nichts statisches, das Punkt für Punkt abgearbeitet wird. Sondern es wird z.B. immer wieder ein Status Quo definiert und danach werden die nächsten Schritte angepasst. Da könnte man sich durchaus ein paar Sachen abkucken.

            Es ist bezeichnend, dass die Piratenpartei mit diesen Prinzipien arbeiten. Stichwort LiquidFeedback / Liquid Democracy

            • Das Problem beim agile development, am besten noch (jedenfalls meiner Erfahrung nach) kombiniert mit extreme coding, ist, dass auch der Kunde "mitspielen" muss.

              Da wird dann schon gern mal der Anbieter genommen, der mit einer fertigen Planung, alles schön budgetiert, ankommt.
              Die Kosten für anschließendes debugging und maintainance in Form von Umprogrammierung, weil der Kunde zwar das beschrieben hat, was realisiert worden ist, aber eigentlich etwas anderes meinte, werden da selten ins Kalkül einbezogen.

              Das fängt ja schon beim Vorgehensmodell an, manche Kunden schreiben in die Ausschreibungen rein, dass nach V-Modell oder (hey, ein neues Kürzel, liest man ja auch überall, soll toll sein, das müssen wir nutzen!) SCRUM gearbeitet werden soll, was das ist, ist dem Kunden in den seltensten Fällen klar.
              RUP zum Beispiel finde ich persönlich toll, kennt man aber nur in Entwicklerkreisen, kennt der Kunde nicht, will der Kunde nicht, haben wir schließlich immer schon anders gemacht und was der Bauer nicht kennt...

              Nun ja, und jetzt entwickel mal agil einen Flughafen.
              Das funktioniert nicht, du musst politisch die Mittel besorgen und da kannst du schlecht sagen, wir bauen mal los und unterhalten uns unterwegs immer mal wieder, wie der Flughafen eigentlich aussehen soll. Dürfte arg schwierig werden, hierfür eine Mehrheit auf die Beine zu stellen :-)
              Allerdings gebe ich dir insofern recht, dass man im Vorfeld bei der Projektplanung agil hätte vorgehen sollen, also auch unter Beteiligung der Bürger. Das hätte sicher beim Flughafen und auch bei S21 sehr viel Ungemach verhindert.
              Ob das die Kosten gedrückt hätte, sei mal dahingestellt, ich persönlich glaube das eher nicht, aber es wäre etwas herausgekommen, was "der Kunde" auch tatsächlich gewollt hätte :-)

              Beste Grüße
              l-c

              • Klar, es muss nicht nur das Projektteam, sondern auch die Kundschaft passen.

                "Nun ja, und jetzt entwickel mal agil einen Flughafen."

                Deswegen habe ich ja auch geschrieben "Da könnte man sich durchaus ein paar Sachen abkucken."

                Man muss ja auch bei Software- oder Webprojekten nicht voll auf diese Methodik setzen. Man kann sich auch einfach ein paar Anleihen holen.

            das ist nunmal die Marktwirtschaft, Hauptsache der Auftrag gehört uns und wir sägen die Mitanbieter ab. Zu welchem Preis sehen wir an jedem Tag an jeder Stelle vom Lohndumping, unbezahlten Überstunden über miesere Materialqualität ....
            LG

    Hallo,

    es handelt sich hier nicht um ein Versagen im eigentlichen Sinne, sondern um eine logische, absehbare Folge, wenn man die Augen auf hat, die hier aber zu waren.

    Beim Bau des BBI wurden Firmen engagiert, die das Auftragsvolumen nicht erfüllen konnten und, wie in solchen Fällen üblich, auf Subunternehmer zugriffen, die wiederum weitersubbten....

    Die Subsubsubbis beschäftigen aufgrund des inzwischen recht knapp gewordenen Budgets keine Fachkräfte und die dann meistens schwarz. Das ist keine Neuigkeit, sondern weithin bekannt.

    Wie hält man mit ungelernten Schwarzarbeitern TÜV-Standards ein?

    Gruß

    Welches Bauprojekt ist jemals puenktlich und zu den urspruenglich geplanten Kosten fertiggestellt worden?? Offenbar scheinst Du noch nicht einmal eine Wohnungsrestaurierung in Auftrag gegeben zu haben....

    • Doch, ich habe schon selbst Handwerksarbeiten in Auftrag gegeben.

      Ich habe auch schon den Umzug meines Arbeitgebers organisiert und koordiniert, war auch nicht ohne, wir schafften es aber ganz gut.

      All diese Erfahrungen erklären mir aber dennoch nicht, wie man bei etwas so Wichtigem derart patzen kann.

      Es ist ja nicht die erste Verschiebung. Und jetzt ein paar Wochen vorher.

      Da sollten 10.000 Mitarbeiter (soviele arbeiten in Tegel) mit all ihrem Gelumpe umziehen, Straßen in der Nacht gesperrt werden, damit die Schwertransporter durchkommen, da haben Unternehmen Mitarbeiter für den Willy Brandt zum Juni eingestellt, die kosten ja, auch wenn sie nur den Arbeitern zugucken....und und und.

      Da werden noch sehr häßliche Kosten auf die Trägergesellschaft zukommen.

      Ich fand Hartmut Mehdorn gestern im Fernsehen echt lustig, wie er meinte, Air Berlin müsste jetzt mal eben 1,3 Millionen Fluggäste informieren, wo die jetzt in den Urlaub starten....:-p

      Dass nun mit Tegel und Schönefeld auch noch die Sommerreisesaison abgeritten werden soll, wo ja mehr Flüge gebucht worden sind als normalerweise auf den beiden alten Flughäfen abgewickelt werden. Weil Willy Brandt ja höhere Kapazitäten hat. Hätte.

      Meine Fresse, das wird noch lustig. Ein Glück, dass ich im Sommer nicht fliegen will.

Ich lebe in Hamburg und seit dem Baubeginn der Elbphilharmonie ist mir nichts mehr fremd.

Ich denke, immer dann, wenn bestimmte Projekte einen hohen Prestigewert haben, welcher zusätzlich ganz konkret mit bestimmten Personen, vor allem solcher mit hoher öffentlicher Wahrnehmung, verknüpft sind, dann verdrängt das Ego dieser Beteiligten die kühle Ratio, die bei solchen Vorhaben der bessere Ratgeber ist.

Machtmensxhen aus der Politik neigen besonders zu unökonomischen Fehlentscheidungen, getrieben von der Angst, Popularität zu verlieren.

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