Brauchen wir den Euro wirklich?

    • (1) 21.05.12 - 17:54

      Ich oute mich als "Eurofan", denn mir gefällt es sehr, nach Österreich, Frankreich oder Holland zu fahren und kein Geld tauschen zu müssen. Ich muss auch keine Währung umrechnen, um Preise vergleichen zu können, aber das ist mein ganz privater Vorteil.

      Nun kommt Herr Sarrazin der Welt in seinem neuen Buch und stellt fest, dass Deutschland den Euro nicht braucht. Einverstanden, so richtig "brauchen" brauchen wir andere Sachen vielleicht noch dringender, aber deswegen ist seine Behauptung doch erst mal nicht vollkommen falsch, oder? Warum macht man dann so einen medialen Aufriss über ein Buch, das in keinem Haushalt fehlen sollte, wo ein Tischbein zu kurz ist? Misst man seinem Buch nicht zuviel Bedeutung bei, wenn man ihn und sein Werk nur beschimpft?

      Was spricht für die These Sarrazins (wohl gemerkt These, nicht Person) und was dagegen? Hat er am Ende doch - wenn auch wie immer sehr übertrieben - ein wenig Recht?

      Dazu gäbe es ein Pro von einem ziemlich studierten Mann: http://www.youtube.com/watch?v=QERfizizp28

      • Hallo,

        hast du das Buch gelesen? Ich hab das Buch noch nicht gelesen.

        Ist die Bequemlichkeit beim Reisen der einzige Grund, der aus deiner Sicht für den Euro spricht? Das wäre ein bisschen wenig - aus meiner Sicht.

        Ich sags mal so: es ging ja früher auch ohne. Wenn es so weiter geht, mach ichs wie meine eine Oma, die statt der Währung "von dem was wir jetzt haben" sagt.

        Gruß

        • "hast du das Buch gelesen?"

          Wie denn? Kommt ja heute erst in den Handel, soweit ich weiß...

          "Ist die Bequemlichkeit beim Reisen der einzige Grund, der aus deiner Sicht für den Euro spricht?"

          Der einzige persönliche Grund und das hatte ich auch deutlich so geschrieben.

          Du hast leider keine einzige Frage von mir beantwortet. Schade. Vielleicht fallen Dir ja noch die Antworten ein.

          Zur Erinnerung:

          1. Warum macht man so einen medialen Aufriss über ein Buch, das in keinem Haushalt fehlen sollte, wo ein Tischbein zu kurz ist?

          2. Misst man seinem Buch nicht zuviel Bedeutung bei, wenn man ihn und sein Werk nur beschimpft?

          3. Was spricht für die These Sarrazins (wohl gemerkt These, nicht Person) und was dagegen?

          4. Hat er am Ende doch - wenn auch wie immer sehr übertrieben - ein wenig Recht?

          #winke

        • "Wie denn? Kommt ja heute erst in den Handel, soweit ich weiß..."
          Es soll Menschen mit anderen Bezugsquellen geben.

          "Du hast leider keine einzige Frage von mir beantwortet. Schade. Vielleicht fallen Dir ja noch die Antworten ein."
          Wie denn, ich hab das Buch ja noch nicht gelesen.

          "Warum macht man so einen medialen Aufriss über ein Buch, das in keinem Haushalt fehlen sollte, wo ein Tischbein zu kurz ist?"
          Weil es Spaß macht - dir doch auch.

          "Misst man seinem Buch nicht zuviel Bedeutung bei, wenn man ihn und sein Werk nur beschimpft?"
          Wer macht das?

          "Was spricht für die These Sarrazins (wohl gemerkt These, nicht Person) und was dagegen?"
          Währungen sind ja so vergänglich und austauschbar. (Schrieb ich ja schon)

          "Hat er am Ende doch - wenn auch wie immer sehr übertrieben - ein wenig Recht?"
          Wie soll man das beantworten, ohne das Buch gelesen zu haben?

          Gruß

    Nein, natürlich braucht man den Euro nicht. Aber ohne ihn wäre diese Kurve
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Aussenhandel_entwicklung_deutschland.png&filetimestamp=20101022031216
    vielleicht nicht ganz so steil.

    Außerdem sollte der Euro immer auch ein Hilfsmittel zur politischen europäischen Union sein. Und deren Vorteile sollten offensichtlich sein. Wenn man z.B. mal an Ex-Jugoslawien und nicht nur an genormte Bananen denkt.

    • Stichwort "Außenhandel": "Unterstützung erhielt Sarrazin dagegen vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Vorstandsmitglied Wim Kösters betonte, es sei eine Legende, dass der deutsche Außenhandel besonders von der Währungsunion profitiert habe. „Seit der Euro-Einführung 1999 ist der Außenhandel Deutschlands vor allem mit Nicht-Euro-Staaten aus Asien und Südamerika stark gestiegen. Dagegen ist der Handelsanteil mit Euro-Staaten leicht zurückgegangen“, sagte Kösters.
      (http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/ex-bundesbanker-kritisiert-regierung-sarrazin-will-lieber-boersencrash-als-im-euro-bleiben_aid_756260.html)

      "Außerdem sollte der Euro immer auch ein Hilfsmittel zur politischen europäischen Union sein. "

      DAS sehe ich allerdings auch so.

      • "Vorstandsmitglied Wim Kösters betonte, es sei eine Legende, dass der deutsche Außenhandel besonders von der Währungsunion profitiert habe. „Seit der Euro-Einführung 1999 ist der Außenhandel Deutschlands vor allem mit Nicht-Euro-Staaten aus Asien und Südamerika stark gestiegen."

        Auch beim Außenhandel mit Nicht-Eurostaaten profitiert Deutschland vom Euro.
        Die Löhne und Gehälter wurden schon seit vielen Jahren nicht entsprechend der Produktivitätssteigerung angepasst. Früher wäre eine Anpassung der DM erfolgt.

        • "Auch beim Außenhandel mit Nicht-Eurostaaten profitiert Deutschland vom Euro.
          Die Löhne und Gehälter wurden schon seit vielen Jahren nicht entsprechend der Produktivitätssteigerung angepasst. Früher wäre eine Anpassung der DM erfolgt."

          Kannst Du das etwas näher erläutern, bitte?

          • Wie bereits gesagt sind die Löhne und Gehälter in den letzten 10-15 Jahren in Deutschland sehr viel geringer gestiegen als in den anderen Ländern der EU. Häufig hat die Steigerung nicht einmal die Inflation ausgeglichen. Die Steigerung der Produktivität wurde durch die Lohn- und Gehaltsentwicklung nicht annähernd widergespiegelt.

            Deutschland kann seine Produkte und Dienstleistungen somit zu günstigen

            Preisen anbieten und erfährt eine hohe Nachfrage aus dem Ausland.

            Hätten wir nun noch eine eigene Währung (so wie früher die DM) würde diese nun am Devisenmarkt massiv aufgewertet. Durch die steigenden Wechselkurse wären die Produkte teurer und der Handelsbilanzüberschuss würde deutlich gemindert.

            Wir haben nun keine DM mehr, die die Stärke und das Vertrauen der Welt in die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft widerspiegelt. Stattdessen haben wir den Euro, dessen Wechselkurs die Einschätzung der restlichen Welt in die

            EU ALS GANZES darstellt.

            In anderen Länder der EU haben sich Löhne und Gehälter stärker erhöht als in Deutschland. Sie verfügen auch nicht über die gleiche Wirtschaftskraft wie Deutschland. Daher entwickeln sich die Wechselkurse des EUR im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen sehr viel weniger drastisch als es die DM für sich alleine täte.

            Damit bleiben die Exportchancen für deutsche Güter besser als sie es mit der DM wären.
            Potentiell steigen natürlich die Preise für Importe, was man zumindest in einigen kleinen Bereichen erkennen kann. Zum Hauptimportpartner (den anderen EUR-Staaten) gibt es keinen Effekt – und das als Importpartner immer wichtiger werdende China hat einen anderen Weg gefunden, um die Aufwertung seiner Währung zu verhindern. Dadurch dass Importe aus China und den anderen EU-Staaten nicht teurer werden bleibt die Inflation hierzulande im Rahmen.

            Die Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen der EU-Staaten beruhen auf Konstruktionsfehlern bei der Währungsreform. Dies den Südländern alleine anzulasten trifft nicht den Kern des Problems. Es ist unlogisch, die Defizite der einen Ländern zu geißeln und gleichzeitig die Überschüsse der Anderen zu preisen. Überschüsse des Einen sind immer zwangsläufig Defizite des Anderen.

            Im Moment profitiert Deutschland in der derzeitigen Situation extrem von günstigen Wechselkursen und von Anleihen zum Nulltarif auf den Kapitalmärkten.

        (12) 22.05.12 - 18:17

        Die Lohnzuwächse in Deutschland waren bescheiden in den letzten Jahren, jedoch nicht in allen Teilen der Euro-Zone. Eine Steigerung der Löhne im Euroland-Durchschnitt führt also zu einer Verteuerung und damit nicht zu einer Verbesserung der Handelschancen mit Nicht-EU-Staaten.

        • (13) 23.05.12 - 12:45

          "Eine Steigerung der Löhne im Euroland-Durchschnitt führt also zu einer Verteuerung..."

          führt zu einer Verteuerung von was?

          Doch wohl zu einer Verteuerung von EU-Exporten an Nicht-EU-Länder IM DURCHSCHNITT, nicht aber zu einer Verteuerung deutscher Exporte.

          Lohnsteigerungen in Griechenland oder Portugal erhöhen nicht die Preise für Güter und Dienstleistungen aus Deutschland in Nicht-EU-Länder.

          • (14) 23.05.12 - 13:05

            "führt zu einer Verteuerung von was?"

            Produkte und DL.

            "Lohnsteigerungen in Griechenland oder Portugal erhöhen nicht die Preise für Güter und Dienstleistungen aus Deutschland in Nicht-EU-Länder. "

            Wenn deutsche Unternehmen ihre Wertschöpfung komplett in D abwickeln stimmt das. Tun sie das?

            • (15) 23.05.12 - 13:36

              "Wenn deutsche Unternehmen ihre Wertschöpfung komplett in D abwickeln stimmt das. Tun sie das?"

              Man könnte schon darüber streiten, welchem Land letztlich die Exporte statistisch zugeordnet werden - aber lassen wir das mal.

              Wenn Wertschöpfung ausgelagert wird, dann tendientiell doch wohl eher dorthin, wo Löhne und Sozialstandards am Geringsten sind. Da bieten sich die osteuropäischen Länder viel eher an als Südeuropa.

              Es gibt keine Statistik, die darauf hindeutet, dass Deutschland in seiner Rolle als Exportland durch südeuropäische Lohnauswüchse geschwächt worden sei.

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