Herdprämie #2

    • (1) 09.06.12 - 12:22

      aufgrund der regen Diskussion hier ein Link zur Unerschriftensammlung dagegen:

      http://neinzumbetreuungsgeld.de/unterzeichnen/

      Hallo!

      Vorweg: Ich halte auch nichts vom geplanten Betreuungsgeld.

      Eine solche Aktion werde ich aber ganz sicher nicht mit meiner Unterschrift unterstützen.

      Allein dieser Satz

      "Damit Mütter und Väter ihr Leben, Familie und Beruf, so organisieren können, wie sie es für richtig halten"
      ist für mich eine bodenlose Heuchelei.

      Denn: Die Wahlfreiheit sein Leben, Familie... so zu organisieren, wie man es für richtig hält, beinhaltet automatisch auch die Entscheidung für die ANDERE Seite, wenn man das will.
      Echte Wahlfreiheit gibt es nur, wenn in diesem Land Familien auch endlich wieder sagen können: Wir betreuen unsere Kinder für Zeitraum X zu Hause, ohne dafür angegriffen, verurteilt, von hysterischen Internetzicken durch Foren gehetzt und von der Politik im Stich gelassen zu werden.

      Es gibt keine Wahlfreiheit in Deutschland. Weder auf der einen, noch auf der anderen Seite. In einigen Gebieten gibt es zu zu wenig - VIEL zu wenig - Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Ich wohne selbst in so einer Gegend und weiß wovon ich rede. KiTas, die U3 Betreuung anbieten, gibt es hier quasi gar nicht und Tagesmütter sind entweder überlaufen oder geben auf.
      Und auf der anderen Seite stehen tausende Eltern, die liebend gern auf Kitas usw verzichten würden, weil sie es gar nicht wollen aber es müssen, weil die Gehälter so gering sind, dass man nicht einmal 2-3 Jahre mit einem Verdienst überbrücken kann, um die Kinder zu Hause zu betreuen.
      Die haben auch keine Wahl.

      Nein, ECHTE Wahlfreiheit gibt es nur für Gutverdiener, bei denen das 2. Gehalt überflüssig ist UND die in einer Gegend wohnen, in der eine gute Kinderbetreuung gesichert ist.
      Alles andere ist Heuchelei.

      Eine Wahlfreiheit haben wir dann, wenn jeder, der es möchte sein Kind günstig, gut und flexibel betreuen lassen kann aber sich eben auch - zumindest im Baby und Kleinstkindalter - dagegen entscheiden kann.

      Leute, ganz ehrlich, hört doch auf mit dem Scheiß.

      Ja, das Betreuungsgeld ist Mist.
      Aber seine Kinder zu Hause zu erziehen hat genauso etwas mit Wahlfreiheit zu tun, wie sich dafür zu entscheiden früh wieder in den Beruf einzusteigen.

      Hört doch ENDLICH mit diesem Glaubenskrieg auf. Das ist so lächerlich.

      • ich habe mich jetzt extra eingeloggt, weil ich Dir sagen wollte: toller Beitrag! Danke!

        Gruß, liki

        ***Eine Wahlfreiheit haben wir dann, wenn jeder, der es möchte sein Kind günstig, gut und flexibel betreuen lassen kann aber sich eben auch - zumindest im Baby und Kleinstkindalter - dagegen entscheiden kann.***

        Und wenn, dann sollte diese "echte Wahlfreiheit" auch für die gelten, die gut verdienen und einen gewissen Lebensstandard (zB durch hohe Mieten etc) haben. Diese müssen ihren lebenstandard dann annähernd halten können, egal wie sie sich entscheiden.
        DANN hätten wirklich ALLE eine Wahlfreiheit.
        Das würde m.E. bedeuten zB 3 Jahre Elterngeld (67% vom vorigen Gehalt) und zwar nicht nur in maximaler Höhe von 1800€. Ohne Sockelbetrag.

        Vielleicht könnte ich mich darauf einlassen, wenn es Möglichkeiten gäbe diese "Selbstbetreuung zu Hause" zu evaluieren und ggfls einzugreifen. Denn die Kinder gehen uns alle an und nicht nur die Eltern. Aber Kontrolle ist ja bei der "Wahlfreiheit" bestimmt wieder nicht gewünscht. (Bezahlt werden soll alles aber ansonsten maul halten und gehts niemanden was an)

        Ich halte aber absolut nichts davon, dass die Allgemeinheit neben dem ersten Elterngeldjahr noch weitere Jahre finanzieren soll, da ich es nicht für finanzierbar und nicht für langfristig sinnvoll halte. Wer zuhause bleiben möchte, muss es sich leisten können.

        Und wer tatsächlich meint die bessere Erzieherin für ihre U3-Kinder zu sein, aber das nötige Kleingeld zum zuhausebleiben nicht hat, kann sich ja als Tagesmutti verwirklichen und damit seiner Wahlfreiheit gerecht werden. Man muss sich dann zwar erst qualifizieren, aber das dürfte ja dann als Supererzieherin kein Problem sein.
        Das wäre doch DIE Lösung? Eigentlich hat damit ja jede Frau (sofern zur Kindererziehung geeignet) die von dir gewünschte Wahl und es gäbe etliche Tagesmütter für die Kinder derer, die sich FÜRS andere Arbeiten entscheiden.

        Ich würde sagen: Problem gelöst :-D

        • Hallo!

          "Und wenn, dann sollte diese "echte Wahlfreiheit" auch für die gelten, die gut verdienen und einen gewissen Lebensstandard (zB durch hohe Mieten etc) haben. Diese müssen ihren lebenstandard dann annähernd halten können, egal wie sie sich entscheiden.
          DANN hätten wirklich ALLE eine Wahlfreiheit.
          Das würde m.E. bedeuten zB 3 Jahre Elterngeld (67% vom vorigen Gehalt) und zwar nicht nur in maximaler Höhe von 1800€. Ohne Sockelbetrag."

          Endlich spricht es mal einer aus! Denn es gibt genug Frauen, bei denen der Höchstbetrag vom Elterngeld nicht ausreicht, um die laufenden Kosten (private Krankenverischerung, Unfallversicherung, Berufshaftpflicht, private Rentenversicherungen, Mitgliedsbeiträge zu wissenschaftlichen Gesellschaften und zu berufsständlichen Vereinigungen, Zinsen für laufende Kredite (die Tilgung könnte man ja notfalls aussetzen), Miete...) zu decken. Leider reicht das, was vom Netto überbleibt aber auch nicht aus, um davon soviel zu sparen, dass man den Differenzbetrag ein Jahr lang finanzieren kann. Mir ging es so, und so bin ich bei beiden Kindern lediglich 3mon nach der Geburt daheim gewesen. Und wenn man dann auch noch in einer ungünstigeren Form wie ich selbstständig ist, bekommt man nicht einmal den Höchstsatz sondern nur den Sockelbetrag, weil einfach zu schwer nachzuweisen ist, dass der Umsatz des Unternehmens nicht mehr als die Unternehmenskosten deckt. Dann hat u.U. leicht ein Minus von 2000€ in der Kasse - und das jeden Monat #schwitz.

          Aber gut, da jammern wir wohl auf sehr hohem Niveau, und das hat mit dem Erziehungsgeld ja auch nicht wirklich etwas zu tun.

          Liebe Grüße!

      Besser kann man es nicht formulieren!

      Sich gegenseitig anzufeinden (Du gibst dein Kind schon mit 1 Jahr in Fremdbetreuung? Das ist doch voll daneben" gegen "Was? Du bist noch immer zuhause, obwohl dein Kind schon zwei ist? Bist du zu faul zum arbeiten?") bringt uns auch nicht weiter. Besser sollte man gemeinsam nach wirklich sinnvollen Lösungen suchen, ohne abwertend auf andere Lebensmodelle herabzusehen.

      LG,
      delfinchen

      #sonne

      Dein Beitrag ist super&treffend geschrieben,genau meine Meinung#pro

      >>Eine Wahlfreiheit haben wir dann, wenn jeder, der es möchte sein Kind günstig, gut und flexibel betreuen lassen kann aber sich eben auch - zumindest im Baby und Kleinstkindalter - dagegen entscheiden kann.<<

      Richtig!

      Lg Sabrina

      "Wir betreuen unsere Kinder für Zeitraum X zu Hause, ohne dafür angegriffen, verurteilt, von hysterischen Internetzicken durch Foren gehetzt und von der Politik im Stich gelassen zu werden."

      Das hat aber nichts mit dem Betreuungsgeld zu tun.

      Die Wahlfreiheit ist nicht berührt denn selbstverständlich muss ich mein Kind NICHT in eine Krippe geben.

      Aber mich dafür bezahlen zu lassen, dass ich staatliche oder öffentliche Einrichtung NICHT in Anspruch nehme, ist sowas von absurd.

      Theater und Opern werden wie Kitas aus öffentlichen Mittel subventioniert, eine Karte in einem deutschen Opernhaus mit im Schnitt etwa 250 Euro. Bekomme ich auch Geld dafür, dass ich zuhause auf der Couch bleibe und die Subvention nicht in Anspruch nehme?

      Das Betreuungsgeld ist aber vor allem deswegen eine so unglaubliche Frechheit weil es genau von der Regierung ins Spiel gebracht wird, die andererseits mit Gesetzen sagt, liebe Frauen, verlasst euch nicht auf den Versorger sondern geht schnell wieder arbeiten wenn ihr euch scheiden lasst.

      Diese scheiss Regierung unter Merkel weiss doch gar nicht mehr, was sie macht noch hat sie irgendeinen Plan. Siehe auch Energiepolitik, siehe Verkehrspolitik, siehe Steuerpolitik usw.

      • Du brauchst mir keine Argumente gegen das Betreuungsgeld zu liefern.

        Wie ich schon in meinem Eingangssatz sagte, halte ich von dem Betreuungsgeld, so wie es geplant ist, selbst nichts.

        "Das hat aber nichts mit dem Betreuungsgeld zu tun."

        -> Doch, ich finde schon. Natürlich nicht mit der Leistung an sich, aber mit der Mentalität hier in Deutschland. Und das finde ich sehr bedenklich. Eltern, die ihre Kinder diese kurzen, ersten Jahre selbst betreuen möchten, haben einfach keine Lobby.
        Und dadurch, dass Familien mit unterschiedlichen Lebensmodellen - GANZ BESONDERS DIE FRAUEN!!! - dermaßen aufeinander losgehen, unterstützen wir doch erst diese Grabenkämpfe und nur deshalb wird das Thema auch in den Medien so aufgebauscht.
        Und ich rede jetzt ausdrücklich nicht von der Leistung "Betreuungsgeld", sondern dem, was dahinter steht.
        Eben dieser Glaubenskrieg, der sowas von unnötig ist. Es gibt nun einmal nicht nur schwarz/weiß. Auf keiner Seite.

        In Wahrheit geht es vielen doch gar nicht um diese lächerlichen 100-150€, die gerade mal maximal 2 Jahre an ein paar Familien in diesem Land gezahlt werden, sondern einfach nur um die Rechtfertigung ihres jeweils gewählten Lebensmodells.
        Und das ist lächerlich.

        Mir ging es in meinem Posting aber auch gar nicht primär darum zum x-ten Mal die Pro und Contra Liste des Betreuungsgeldes abzuarbeiten, sondern einfach und allein darum das ich - obwohl absolut nicht begeistert von dem Gesetzesentwurf - meinen Namen nicht auf eine Liste setzen werde, deren Aufruf allein schon viel zu polemisch ist und vor Heuchelei nur so trieft.

        LG

        • "Doch, ich finde schon. Natürlich nicht mit der Leistung an sich, aber mit der Mentalität hier in Deutschland. Und das finde ich sehr bedenklich. Eltern, die ihre Kinder diese kurzen, ersten Jahre selbst betreuen möchten, haben einfach keine Lobby."

          Ja was denn? Hat es was damit zu tun oder nicht?

          Meiner Meinung nach berührt das Betreuungsgeld doch nicht die Wahlfreiheit hinsichtlich dessen, was Du schilderst.

          Wenn eine Frau als altmodisch betrachtet wird, die ihr Kind lieber zu Hause betreut, würde das auch so sein ohne Betreuungsgeld.

          "Und ich rede jetzt ausdrücklich nicht von der Leistung "Betreuungsgeld", sondern dem, was dahinter steht."

          Was steht denn dahinter, dass Du die Wahlfreiheit beeinträchtigt siehst?

    "Nein, ECHTE Wahlfreiheit gibt es nur für Gutverdiener, bei denen das 2. Gehalt überflüssig ist UND die in einer Gegend wohnen, in der eine gute Kinderbetreuung gesichert ist."

    Nein, auch für die gibt es diese echte Wahlfreiheit nicht zwangsläufig. Schließlich ermöglicht einem das zweite Gehalt auch einen gewissen Lebensstandart, den man halten möchte. Und das ist mit einem Gehalt auch für Besserverdiener u.U. nicht drin - es sei denn, nur der Mann hat ein so hohes Einkommen, und die Frau arbeitet ohnehin mehr zu ihrem eigenen Vergnügen und für ein Taschengeld.

    LG

oder hier: https://petition.bayernspd.de/mitmachen/unterzeichnen/

gibt bestimmt noch andere Parteien die das auch machen ...

Und wo finde ich eine Unterschriftensammlung gegen die Abschiebeprämie ?

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