"Ich war noch nie wählen! Warum auch?"

    • (1) 07.07.12 - 18:55

      Hallo zusammen,

      letzten Sonntag hatten wir hier in Halle die Wahl einen neuen Oberbürgermeister zu bestimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei etwas über 30 Prozent. Es kommt in zwei Wochen zur Stichwahl zwischen zwei Kandidaten, bei der eine noch geringere Wahlbeteiligung angenommen wird.

      Ich selbst bin Studentin und Mutti und war natürlich wählen. Ich gehe immer wählen. In diesem Jahr erstmals nicht dieselbe Partei wie immer. Mein Freundeskreis besteht zum größten Teil auch aus Studenten oder jungen, arbeitenden Päarchen mit Kindern. Und in diesem Freundeskreis gab es nicht einen, nicht EINEN, der wählen war.
      Ich fragte sie nach dem Warum und es kamen die typischen Antworten: "Keine Lust", Wen soll ich denn wählen?" "Ändert sich doch eh nix!" "Damit die da oben sich die Taschen vollmachen!?"

      Ich konnte nur den Kopf schütteln. In einer Kneipe hab ich ein Rentnerpaärchen "belauscht" und der Opa meinte, er sei noch nie wählen gewesen.

      Mensch, ich versteh nicht wie so etwas sein kann! Ist es nicht unsere Bürgerpflicht und vorallem unser -recht? Wieso sagen soviele, wen soll ich denn wählen, man wisse doch nicht mal wofür die einzelnen Kandidaten stehen? Heutzutage ist es doch ganz leicht. Internet angeknipst, Namen eingegeben und schon weiß man bescheid. Oder am Tag vor der Wahl ne Zeitung kaufen. Da steht doch alles drin.

      Mir macht es Angst, dass soviele Menschen nicht wählen gehen. Ich kann es nicht verstehen. Wieso machen wir von unserem Recht, einen aus vielen Kandidaten auszuwählen (und auch wenn es bei vielen nur heiße Luft ist, der ein oder andere vertritt ja zumindest ein paar Punkte dessen, was man ganz gut findet und teilt), nicht Gebrauch und gehen einfach nicht hin?

      ich hatte früher immer den Eindruck, dass sich Politikverdrossenheit auf einzelne Altersklassen beschränkt, die ganz Alten eventuell und die ganz Jungen. Aber mittlerweile geht ja auch die Generation 25+ (meine) nicht mehr wählen.

      Darf ich fragen, ob ihr wählen geht? Und wenn nein, warum nicht. Ich möchte niemandem einen Strick daraus drehen. Mich interessiert einfach das Warum!

      Danke und einen schönen Abend!
      Jana

      • Hallo Jana,

        ich gehe _immer_ wählen. Selbst wenn es nur der Bürgermeister ist.

        Grund: in anderen Ländern gehen die Menschen verzweifelt auf die Straße für das Recht auf freie Wahlen und riskieren dabei erschossen zu werden oder von Bomben in die Luft gesprengt zu werden.

        ich fände es arrogant und dekadent von unserem "Luxus" der Freiheit und Demokratie keinen Gebrauch zu machen - genau diesen unfreien Menschen gegenüber.

        Und wenn ich nicht weiß, wen ich wählen soll, dann informiere ich mich eben so lange, bis ich das "kleinste Übel" gefunden habe.

        Dir auch einen schönen Abend,

        Liki

      Hi !

      Ich gehe immer wählen !
      In meinen Augen tritt jeder, der nicht wählen geht, die Demokratie mit Füßen.
      Seltsamerweise sind aber gerade die Menschen, die nicht zur Urne gehen, diejenigen die sich hinterher beschweren.

      Gruß,

      vam-pir-ella

      • Welche Demokratie denn ?

        • Hi turbocat !

          Über diese Frage könnte man jetzt ellenlange Diskussionen führen.

          Ich bin mit vielen Dingen, die von der Regierung der BRD beschlossen werden, nicht einverstanden. Da ich aber nicht in den Bundestag marschieren kann, um meinen Protest zu äußern, nutze ich mein Wahlrecht. Einfach um aufzuzeigen, dass ich eben mit vielen Dingen nicht einverstanden bin.

          Natürlich mache ich auch von meinem Demonstrationsrecht (welches übrigens auch ein demokratisches Recht ist) gebrauch.

          In Lybien haben das erste mal seit 50 Jahren demokratische Wahlen stattgefunden. Dafür sind die Menschen dort auf die Straße gegangen. Wir hier haben dieses Recht, ohne uns dafür in Gefahr gegeben zu haben. Das, finde ich, darf man trotz aller Politikverdrossenheit nicht vergessen.

          Gruß,

          vam-pir-ella

    Hallo,

    ich gehe auch wählen. aber ehrlich gesagt habe ich nicht das Gefühl, das meine Meinung irgendwen interessiert. klar, zum Wahlzeitpunkt werden Wahlversprechen gemacht, die mich ansprechen. aber wie siehts denn danach aus. Wahlversprechen werden gebrochen, der Kurs wird geändert. Ein gutes Gefühl nach der Wahl bleibt bei mir daher nur selten.
    Denn mal ehrlich: Wen interessiert denn unsere Meinung wirklich. Nehmen wir doch das Betreuungsgeld. Nach den Umfragen war der Großteil der bevölkerung dagegen. Und, hat es irgendwen interessiert?
    Kein wunder, dass die Menschen wahlfaul werden.

    vg, m.

    Stimmt doch, ÄNDERN kann man nichts.
    Es kommen ja nur durchgesiebte Kandidaten hoch, und zwischen denen gibts dann kaum noch Unterschiede.

Bisher war ich immer wählen, habe aber meinen Wahlzettel auch schon mal ungültig gemacht, weil ich mich dem Not gegen Elend, vom Regen in die Traufe wehren wollte. Gar nicht wählen zu gehen, finde ich nicht gut, aber seinen Wahlwillen zu zeigen und zu äußern, dass man alle Parteien oder Kandidaten für unpassend hält, ist eine Aussage.

LG
Rufinchen

  • Wahlzettel ungültig machen = nicht wählen gehen.

    Na vielleicht wird diese Sache doch irgendwann auch mal verstanden. Bei JEDER Wahl kommt das "Ich hab ungültig gemacht, aber immerhin war ich wählen"... Da kannste auch zu Hause bleiben, der Effekt bleibt der Gleiche.

    LG

    • So schwer ist das nun wirklich nicht.
      Du bekundest Interesse an der Wahl, aber findest die Kandidaten oder die Parteien nicht wählbar. Wenn dies alle frustrierten, aber interessierten Nichtwähler täten, wäre das eine erschreckend große Anzahl. Das ist eine ganz andere Aussage, als einfach auf der Couch sitzen zu bleiben.

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