Der Sinn des Lebens

    • (1) 19.07.12 - 09:50

      Ich erwische mich in letzter Zeit des Öfteren dabei, wie ich über mein Leben nachdenke. Über das was war und das was noch kommt. Was ich erreicht habe bzw. vor allem was ich nicht erreicht habe. Von welchen Vorstellungen, die man mal als junger Mensch hatte, ich mich verabschieden musste. Über die eigenen Fehler und Versäumnisse und die Dinge, die man gut gemacht hat. Je nach Stimmung bilanziere ich und ich muss gestehen, meine Bilanz fällt in letzter nicht besonders gut aus. Zu viele Chancen verpasst, zu oft falsch abgebogen. Aus Bequemlichkeit eine vermeintliche Abkürzung genommen, die sich dann als Sackgasse entpuppte. Und mir fehlt (manchmal) die wahre Sinngebung. Geld verdienen und das eigene Kind großwerden sehen, kann es ja nicht alles gewesen sein. Ich weiß nicht, warum solche Gedanken kommen. Tendenziell melancholisch war ich immer schon. Mag sein, dass es am Alter liegt, wenn der Weg der hinter einem liegt schon viel länger ist als der, der vor einem liegt. Momentan fliegen in meinem Umfeld auch wieder Ehen auseinander. Irgendwie gibt es so wenig, woran man sich halten kann. Dann gibt es aber im Kleinen auch viel Gutes und Erfreuliches.

      Wer denkt noch über den Sinn seines Lebens oder seine Bestimmung nach? Wenn es denn so etwas wie Bestimmung gibt.

      • Hallo,

        sicherlich ist es sinnvoll, über sein Leben nachzudenken.

        Aber

        in meiner Situation möchte ich darüber gar nicht zu viel sinnieren, weder was die Vergangenheit betrifft, noch was die Zukunft bringt. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern und die Zukunft ist in etwa vorbestimmt.

        Unser Sohn, 4 1/2, ist schwer krank. Selbst die Frage nach dem "Warum" traue ich mich nicht einmal zu stellen. Unser Sohn wird bald im Rollstuhl sitzen und auch nicht wirklich alt werden (geschätzte Lebenserwartung liegt beim späten jugendlichen Alter, frühes Erwachsenenalter) und bis dahin einen sehr schlimmen Verlauf vor sich haben.

        Meine Aufgabe ist es, jetzt zu funktionieren und gedanklich immer einen Schritt voraus zu sein. Aber nicht mehr. Ich weiß was kommen wird, aber ich möchte mich daran gar nicht zu stark orientieren.

        Viele Dinge geschehen, man ist entsetzt darüber, trauert und sucht neue Wege bzw. es eröffnen sich neue Wege.

        Meine Vergangenheit ist okay. Ich bin ein Mensch und Menschen machen Fehler, meine waren nie so groß, als dass ich diese Fehler mit meinem Gewissen nicht vereinbaren könnte. Und alles andere möchte ich nicht in seine Einzelteile zerlegen, das führt zu nichts.

        Man kann nur im Nachhinein beurteilen, ob der einstmals eingeschlagene Weg auch der Richtige war.

        LG nic

        das Leben ist zu kurz, um sich allzu lang Sorgen zu machen, zu aergern, zu trauern, zu resignieren....oder den Sinn zu begreifen. In 50 Jahren schon, aber sicher in 100 Jahren hat sich die Bedeutung unseres Lebens allenfalls zu einer Randnotiz reduziert....

        • Ich sehe das genauso wie du.

          Aber unser Leben ist schon immer eine Randnotiz.

          Der Sinn des Lebens ist, sich zu vermehren. In diesem Sinn sehe ICH aber keinen Sinn. Es geht nur um geboren werden, leben, sterben. Milliarden Menschen haben das schon durchgemacht. Und ich frage mich, worin liegt darin der Sinn? Für WEN macht das Sinn?

          Jetzt wird es bescheuert: Leben wir vielleicht doch in einer Matrix und die Architekten wollen nur ihren Spaß?

          Fakt ist, wir leben nicht lang genug, um das rauszubekommen. Wäre ich jetzt tief depressiv, würde ich mir das Leben nehmen, weil es im Großen und Ganzen sowieso sinnlos ist. Aber ich mache das Beste draus und lebe weiter, ohne mir zu große Sorgen zu machen. Das habe ich früher gemacht und bin etwas Gaga geworden.

          • "Der Sinn des Lebens ist, sich zu vermehren. "

            Falsch, vermehren ist die Funktionsweise der Evolution, der Natur. Menschen sind aber die ersten Lebewesen auf der Erde, die ihrem eigenen Leben einen Sinn geben können. Sei es durch Taten, Gedanken... das muss jeder selbst rausfinden. Und sei es nur, dass man sich in der Matrix arrangiert.

            Sehr interessant, was Du schreibst.

            ***Der Sinn des Lebens ist, sich zu vermehren. In diesem Sinn sehe ICH aber keinen Sinn. Es geht nur um geboren werden, leben, sterben. Milliarden Menschen haben das schon durchgemacht. Und ich frage mich, worin liegt darin der Sinn? Für WEN macht das Sinn?
            ***

            Ich denke eher, der Sinn des Lebens ist am leben zu sein (da gehört das Vermehren ja dazu)

            Das ist der ursprüngliche Sinn. Man mag ihn in unserer modernen Welt ohne wilde Tiere vor der Haustür etwas überholt finden... wir haben uns ja vom ursprünglichen Leben sehr weit entfernt.

            Ist ja auch logisch, da der Mensch den Drang hat, sich weiterzuentwickeln.

            Aber ich habe festgestellt, dass zumindest ich persönlich nicht zufrieden bin, wenn ich allzuweit vom ursprünglichen schlichten "am Leben sein" entferne. Ich versuche dann etwas näher dranzukommen, etwas weniger Firlefanz zu machen und das finde ich dann besser.

            Kurioserweise frage ich mich mehr, wo der Sinn des Lebens ist, wenn ich ausschließlich "höhere", zivilisiertere Dinge tue.

            Um mal ein blödes Beispiel aus meiner aktuelles Gegenwart zu nennen: Wenn ich mein Zelt auf dem Campingplatz aufschlage und mich danach mit der Nahrungssuche und -zubereitung beschäftigte (die zugegebermaßen immer noch vergleichsweise einfach ist #rofl) fühle ich mich oft irgendwie näher am Leben, als wenn ich mich in meinem voll automatisierten Haushalt meine in meinem Smartphone gespeicherten Termine und Aktivitäten abgrase und abends noch ein paar Industriesüßigkeiten vor dem TV konsumiere.

            Ich bin überhaupt kein Feind moderner Entwicklungen, ganz im Gegenteil. Aber NUR dieser Weg ist für mich zumindest falsch. Ich bin dann ganz schnell beim Sinn des Lebens = am Leben sein.

            Ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt #kratz

            LG, Nele

      Dein Leben hat so viel Sinn wie du ihm gibst.

      Es liegt an dir.

      Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.

      Hermann Hesse

      Laufe nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft. Die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht gekommen. Das Leben ist hier und jetzt.

      Buddha

      Ich für mich persönlich bin der festen Überzeugung, dass der Sinn des Lebens darin besteht, das Leben als solches nicht aussterben zu lassen. So, wie man ein Feuer am Brennen hält und vor dem Verlöschen schützt, indem man immer wieder Holz nachlegt, so halten wir das Leben (global) am Brennen, indem wir immer wieder neues Leben (individuell) zeugen und das neu geborene Leben schützen...

      • (10) 19.07.12 - 15:35

        naja, das ist aber nicht gerade eine wissenschaftliche Sicht, sondern eher eine sentimental-naturreligioese....

        • (11) 19.07.12 - 17:47

          Sehe ich nicht so. Wissenschaftlich betrachtet sind wir das Ergebnis einer zwangsweisen Entwicklung (wir leben ja in einer Welt aus Ursache und Wirkung, ergo hat jedes Ergebnis auch eine Ursache). Diese Entwicklung ist ein Selbstläufer, bei der jede Wirkung gleichzeitig die Ursache für die nächste Wirkung ist. Betrachtet man die Naturprozesse von den ersten Sternenexplosionen bis heute, so mussten sich zwangsweise verschiedene Stoffe (Elemente) entwickeln. Diese reagieren miteinander, verbinden sich und bilden neue Stoffe. Ein Teil dieser Stoffe (Aminosäuren) ist dabei sogar in der Lage, sich selbständig zu entwickeln und "Leben" zu generieren, wobei wir als intelligente Lebewesen davon zu Recht beeindruckt sind. Genau genommen sind wir aber nichts anderes als Kohlenstoffeinheiten, in denen ganz natürliche chemische Prozesse ablaufen und einige dieser Prozesse haben halt das Resultat, dass die Kohlenstoffeineiten miteinander kommunizieren können und sich um ihre Herkunft Gedanken machen... Einen bestimmten Zweck erfüllen sie nach meinem Kenntnisstand aber nicht. Also hat auch das Leben so gesehen keinen tieferen Sinn, außer sich selbst am Leben zu halten und den chemischen Prozessen weiter zu folgen...

          (14) 20.07.12 - 08:21

          "wir das Ergebnis einer zwangsweisen Entwicklung "

          nein, nur das Ergebnis zahlreicher Zufaelle.... und da es eine "Zeit" gab ohne Leben, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch wieder eine Zeit geben, nachdem alles Leben wieder erloschen ist...ohne Sinn und vor allem ohne Zweck....meine ich.

          • (15) 20.07.12 - 08:48

            "nein, nur das Ergebnis zahlreicher Zufaelle...."

            Ich bin mir absolut sicher, dass nichts zufällig passiert. Wir leben in einer terminierten Welt aus Ursache und Wirkung. Vom "Zufall" sprechen wir nur dann, wenn wir die Ursache(n) (noch) nicht (er)kennen.

            Dass Leben auf diesem Planeten entstanden ist, halte ich demnach für die logische Konsequenz der vorangegangenen Ursachen und die Evolution hat stets den Stärkeren und Anpassungsfähigsten weiter leben und sich entwickeln lassen. Das ist ein immerwährender Wandlungsprozess und auch kein Zufall.

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