Klatschpresse und die Geilheit auf Intimitäten von Promis

    • (1) 15.09.12 - 11:57

      Ich rege mich maßlos auf über einen Bericht in der Zeitung, aus dem hervorgeht, wie die Welt sich gerade über die Brüste von Kate (zukünftige Königin Grossbritanniens) auslässt.

      Sagt mir, WARUM geilt sich ein grosser Teil der Weltgeschichte daran auf, wie nun bitte die Brüste von Kate aussehen?

      Und, um das zu relativieren, bzw. allumfassender auszudrücken: Mir geht es nicht im die Brüste im Speziellen, nein, mir geht es darum, dass "normale" Menschen so unglaublich gern im Privatleben von Bekanntheiten herumstöbern.

      Leute, das ist ekelhaft. Was geht es fremde Menschen an, welcher Schauspieler welche Frau vögelt, welche Königin schöne Brüste hat, welches Kind von welchem Sänger nicht gern in die Schule geht?

      Wir sind erbarmungswürdige Gestalten, wenn wir meinen, ein Recht auf das Leben anderer Menschen zu haben. Nichts anderes ist das, wenn man sich Blätter kauft, in denen en Detail Privates ausgeplaudert wird. In denen Stars ihr Leben verkaufen MÜSSEN, weil sie sonst langweilig sind und nicht mehr gebucht werden.

      Ich weiss, es wird gesagt, Berühmtheiten müssen damit leben, dass alle hinter ihnen her sind, um zu schauen, was sie so machen, wenn die Kameras aus sind.

      Aber warum wollen Menschen denn so dringend wissen, was Berühmtheiten privat machen? Was geht es uns an? Was ändert es, wenn nun ganz Frankreich weiss, dass die Brüste von Kate auch nicht anders aussehen als von anderen Frauen? Das war doch vorher klar, oder?

      Also, ich rege mich auf, das ist nicht gut, ausserdem schäme ich mich ob der Einfachheit und Respektlosigkeit der Menschen. Und ich klage den Paparazzi nicht an, nein, er weiss, mit dem, was er macht, verdient er Geld. Weil eben Menschen seine Bilder wollen. Der Mensch war in meinen Augen vor dem Fotografen da. Es gibt eine Nachfrage und die ekelt mich grad an.

      Was meint ihr, warum das so ist, dass viele Menschen sich so aufdringlich für Privates von bekannten Personen interessieren?

      • Gesprächsstoff und Ego?

        Klingt jetzt vielleicht ein bisschen doof, aber in gewissen Gesprächskreisen kann man vielleicht (oder: man denkt, man kann) damit glänzen, wenn man besonders viel über andere weiß. Seien es nun Promis oder Leute aus dem Umfeld. Jeder kennt doch so "Klatschtanten", oder?

        Weiß nicht, ich denke das hat etwas mit dem Verlangen nach Status zu tun. Wer gerne über andere lästert, um sich selbst womöglich in ein besseres Licht zu stellen, dem kommt sowas doch sehr gelegen.

        Wir haben bei uns in der Firma die Bunte abonniert. Wenn man da durchblättert, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Was da alles drin steht. Wahnsinn..

        • Ja, echtjetzt, das wird so sein.

          Und wie morpheus sagt, geht es sicher auch darum, die "Berühmtheit" ein wenig zu relativieren ("die Könige kacken auch nur, so wie ich selbst").

          Ich finde es nur schade, dass man das braucht. Also, dass es notwendig für das eigene Ego ist, anderen Menschen quasi die Wäsche auszuziehen.

          Schön, dich hier zu lesen, übrigens. :-)

          • Ja, schade, wenn man das braucht. Aber können halt nicht alle so reflektierte, in sich ruhende Persönlichkeiten sein, wie wir das sind. ;-)

            Naja, irgendwo ist es halt vielleicht einfach ein Zeichen von Unsicherheit, die sich so bemerkbar macht. Steckt ja im Normalfall keine Boshaftigkeit dahinter. Und, klar, die Medien nutzen sowas dann voll aus. Ist ja ähnlich mit diesen Castingshows.

            (Ist mir ein Vergnügen, übrigens.. :-) )

            • Ja, die elendige Unsicherheit.

              Es wird ja auch oft genug suggeriert, dass ein - sagen wir - Müllmann weniger Wert ist als der Superstar. Wenn klar wäre, dass jeder seine Berechtigung und seinen Platz hat in einer Gesellschaft, dann wäre das vielleicht anders.

              Aber da sind wir dann wieder bei der Utopie angekommen. Das klappt einfach nicht im Grossen.

              Zumal man ja oft genug selbst nach etwas anderem strebt.
              Und dieses Streben kann auch durchaus konstruktiver Natur sein.

              Ach, das ist eine schwere Sache, das.

              Menschen sind eben nicht gleich.

              Arme Menschen beneiden Reiche. Reiche Menschen beneiden noch reichere.

              Kinderlose beneiden Eltern, Junge beneiden alte Menschen und immer so fort.
              Was man nicht hat, das will man haben. Wenn man es nicht haben kann, dann beneidet man diejenigen, die es haben.

              Ich befürchte, das alles liegt in der Natur des Menschen.

                • Oh.

                  Gustav wieder. Ich denke darüber nach.

                  Eines muss ich jetzt schon dazu sagen: Ich rege mich tatsächlich darüber auf, dass Menschen Jagd auf andere Menschen machen, um in ihrem "Leben" herumzuwühlen, um dann zu erfahren, dass auch ein König kacken muss und dass auch eine Königin Brüste hat, die man anschauen kann.

                  Ich verachte sie aber nicht dafür, so war das nicht gemeint. Es macht mich aber wirklich traurig, dass es scheinbar für manche Menschen wichtig ist, solche Dinge zu wissen.

                  Wir werden geboren, wir leben, wir leiden, wir sterben. Das ist doch bei allen gleich.

                  White muss sich wohl noch mehr in Gelassenheit üben, ja?

                  *seufz*

                  (aufgrund der allgemein bekannten senilen Bettflucht reiche ich dir einen recht frühen morgendlichen Kaffee herüber.)

                  #tasse

                  • hi White,

                    danke für den Kaffee #freu

                    "verachten" ist eine überspitzte Formulierung. Fühlen wir uns überlegen, das ist auch gut für unser Ego #schein

                    Die Paparazzi und die Regenbogenpresse sollten schmerzhaft bestraft werden, wenn sie das Privatleben von Menschen ausspionieren und veröffentlichen.

                    Gelassenheit macht uns das Leben leichter. Besser ist es zu beten:

                    Lieber Gott, gib mir den Mut, das zu ändern, was zu ändern ist.

                    Gib mir die Kraft, das zu ertragen, was nicht zu ändern ist

                    und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

                    #liebdrueck

      Es ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei: Was war zuerst da? Voyeurismus oder Exhibitionismus?

      Warum schaut man Filme? Warum liest man Bücher? Weil man gerne "abtaucht" in die Leben und die Geschichten anderer Menschen. Einerseits dient es der Ablenkung und der Zerstreuung, andererseits dient es auch dem Vergleich zum eigenen Leben.
      Man entdeckt Bekanntes oder Fremdes, identifiziert sich oder lehnt ab, entwickelt Gefühle (positive wie negative) für den einen oder den anderen Charakter.

      Nicht ganz so, aber durchaus ähnlich verhält es sich bei Geschichten über Promis. Durch deren Medienpräsenz wirken sie uns nahe und fast schon vertraut. Man meint, sie auf eine gewisse Weise sogar zu kennen. Und jeder Bericht bringt uns diese Personen ein Stück näher. Und wie im richtigen Leben - wenn es ein kleines Skandälchen bei Nachbars gibt, hören die meisten doch auch etwas genauer hin, oder?

      Bei Prominenten muss man jedoch genau zwischen A-Promis auf der einen Seite und B/C-Promis auf der anderen Seite unterscheiden. A-Promis werden von Paparazzis gejagt und können kaum einen Schritt unbeobachtet machen. Solche Menschen tun mir leid, denn sie stehen unter Dauerbeobachtung, jedes kleine Lebenszeichen wird fotografiert und dokumentiert, sogar ihre Mülltonnen werden nach Verwertbarem durchsucht.
      B/C-Promis hingegen bestellen sich sogar Fotografen zu bestimmten Events, in der vagen Hoffnung, dass irgendwas abfällt, um "im Gespräch" zu bleiben. Es ist Teil ihrer Eigen-PR. Z.B. Schauspieler der Kategorie B und C sind existentiell darauf angewiesen, dass man über sie spricht... dass sie im Gedächtnis möglichst vieler Leute bleiben. Egal wie, positiv oder negativ - hauptsache man redet über sie. Oder wieso ziehen sich wohl so viele B- oder C-Promis freiwillig für den Playboy oder andere Gazetten aus?
      Was passieren kann, wenn das öffentliche Interesse nicht existent ist, sieht man beim tragischen Fall von Silvia Seidel.

      Genau betrachtet etablieren also die B- und C-Promis eine mediale "Kultur" des Exhibitionismus, die eine durchaus vorhandene Form des Voyeurismus bedient. Oft genug ist Häme und Neid dessen Triebfeder, denn die Cellulite, die schlaffe Gesichtshaut, der schlechte Kleidungsgeschmack und die Nikotinzähne bringen selbst A-Promis ganz nah dran an Frau Kaschunke aus dem 9. Stock im sozialen Brennpunktviertel ihrer Stadt.
      Und das ist der Punkt, wo sich selbst Frau Kaschunke nicht mehr ganz so blass fühlt, sondern ein bisschen so wie ein A-Promi, der plötzlich als ganz normal entlarvt wird mit seiner Cellulite und seiner schlaffen Gesichtshaut. Und der blanke Busen erdet selbst Royals so sehr, dass Frau Kaschunke sich fast als eine der ihren fühlt und insgeheim denkt: "Siehste, ich wusste es! Auch Royals müssen kacken!"
      Und dann freut sich Frau Kaschunke für einen kleinen Moment - und fiebert dem nächsten Erscheinungstermin ihres favorisierten Enthüllungsblattes entgegen.

      • Danke morpheus, Frau Kaschunke und ihre Gedanken erklären mir so einiges.

        Da ich selbst ja sehr gern in die Bücherwelt abtauche, hat sich erst alles gesträubt bei mir, als ich deinen Text gelesen habe.

        Aber es stimmt schon, eine gewisse Ähnlichkeit zur Welt des Films und des Buches ist schon da.
        Allerdings ist es so eine Sache, in die erträumte Welt abzutauchen, oder eben sie von aussen anzustarren, zu gaffen, zu geifern, und so empfinde ich das, was da mit den verfolgten Promis geschieht.
        Ich meine, so ein Paparazzi hat schon auch etwas von einem Stalker, und dann wird über den Verfolgten noch gesagt; "Hach, der ist ja selbst schuld, er ist ja freiwillig berühmt geworden."

        Wenn ich jedoch gestalkt werde, als normale Person, dann macht der Stalker sich ganz offensichtlich strafbar.
        Aber eine Person, die in der Öffentlichkeit steht, muss zu einem gewissen Maß in Kauf nehmen, dass sie auch privat immer "gesehen" wird.

        Das wäre für mich eine zu grosse Belastung, und wie man am Beispiel der zukünftigen Königin von Grossbritannien sieht, ist es wirklich beschämend, dass man nicht einmal im wirklich privaten Raum ungestört sein kann.

        Es wäre gut, wenn die Frau Kaschunke einen anderen Weg fände, um sich selbst nicht als weniger Wert zu erleben als den öffentlichen Menschen.

        Aber das ist utopisch, ich weiss. Auch, weil es gesellschaftlich gesehen bei uns (oder überall?) nicht so ist, dass Frau Kaschunke gleich viel Wert ist wie die Berühmtheit.

        L G

        White

        • Meine übliche Antwort, wenn irgendwo darüber geredet wird, wie viel die großen Schauspieler doch verdienen: Mir wär der Preis, den sie dafür zahlen, trotzdem zu hoch.

          Da kauft (mietet? weiß nicht mehr) Tom Cruise eine Insel, um den Geburtstag eines seiner Kinder zu feiern. "Na der hat's ja!" Ja.. aber er braucht's halt auch. Nee, mir wär das nix.

    Huhu,

    jo...ich muß sagen ich verweigere solche Dinge. Wenn ich anhand der Überschrift oder der ersten Zeilen merke das es sich um einen Klatsch- und Tratschartikel handelt, dann lese ich ihn überhaupt nicht.

    Klatschzeitungen schlage ich nur äusserst selten auf...und wenn ( Wartezimmer oder so) dann beschränke ich meist auf die Rezepte oder dergleichen).

    Das gleiche gilt für klatschsüchtige Fernsehsendungen, die mag ich auch nicht und schalte sie garnicht erst ein.

    Fakt ist aber das die allermeisten Menschen einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Hang zum Voyeurismus haben, ebenso wie viele, viele Menschein einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Hand zum Exhibitionismus haben. Da gehöre ich sogar zu, ich bin nämlich z.B. gerne bei Facebook....zeige dort meinen Freunden Bilder und sehe mir Bilder meiner Freunde an ( Familie, Erlebtes, was man so grillt oder kocht ( Hobbies von mir) und dergleichen mehr). Andere sehen eben lieber Bilder von Promis als von Menschen die sie selber kennen.

    Jeder wie er mag.

    lg

    Andrea

    • Ich habe nur darüber gelesen, weil in der Tageszeitung ein Vermerk stand, da das Königshaus Klage eingereicht hat.

      Andrea, gerade in dieser Situation finde ich "jeder wie er mag" schwierig, da die Neugier (oder was auch immer) des einen das tatsächliche Leid des anderen ist.

      • >>ndrea, gerade in dieser Situation finde ich "jeder wie er mag" schwierig, da die Neugier (oder was auch immer) des einen das tatsächliche Leid des anderen ist. <<

        das stimmt, deshalb habe ich für mich entschlossen das es eben nicht meine Art der Neugier ist. Genau wie "Katastrophentourismus".... ich muß nicht tagelang vor Bildern/Sendungen von Naturkatastrophen sitzen um mir bewußt zu werden das es den Menschen schlecht geht, ebensowenig Verständniss habe ich für Menschen die bei Unfällen oder dergleichen stehenbleiben um zu "glotzen".

        Aber, das meine ich mit das die meisten da eben doch einen Hang zu haben, ich bin eben sehr, sehr neugierig darauf was meine Freunde, Bekannten und Verwandten so machen die ich nicht regelmäßig sehen kann, eine gute Bekannte lebt in den Staaten und ich freue mich wie verrückt wenn sie neue Bilder von sich und ihrer Familie einstellt, ebenso zeige ich diesen Leuten dann gerne was wir so machen. Das ist ja letztendlich auch nichts anderes als Neugier!

        lg

        Andrea

        • Ich sehe das eher als die Teilnahme am Leben eines geliebten/gemochten Menschen. Sicher ist da auch Neugier mit dabei, aber die Intention ist doch eine andere.

          Ich gehe dafür liebend gern in die Wohnungen mit lieber Leute. Das mache ich jetzt, eine Freundin von uns zieht demnächst um, und nun dürfen wir ihre neue Wohnung begutachten.

          Das ist mein ganz privater Voyeurismus, der aber auch nichts damit zu tun hat, mich auf eine höhere Stufe zu stellen als die anderen.
          Neugierde und Gafferei, da besteht ein Unterschied.

          Weisst du, wie ich es meine?

          (und jetzt ab in die Wohnung#huepf)

Top Diskussionen anzeigen