Sterbehilfe

    • (1) 26.11.12 - 08:41

      Hallo,

      der Bundestag debattiert über die Legalisierung in Deutschland. Und die Geister scheiden sich natürlich. In unserem christlich geprägten land steht die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens ganz oben. Dessen Heiligkeit sei Gott gegeben und eine Legalisierung der Sterbehilfe käme einer Zerrüttung der Moral gleich. Ethisch sei das Ganze ein Schritt in die falsche Richtung. Die Befürworter sehen das natürlich ganz anders und wollen den beispielen anderer Länder folgen.

      Wie seht ihr das?

      lg

      • Ich wäre dafür. Wenn ich mal unheilbar, sterbenskrank sein sollte, möchte ich nicht verrecken, denn das tun die Menschen, die man mit allen Mitteln am Leben erhalten will.
        Wenn ein sterbenskranker Mensch diesen Wunsch äußert, sollte man diesen auch respektieren.

        LG

        Wenn man den Glauben außen vor lässt - man könnte den Standpunkt vertreten, zu einem selbstbestimmten Leben gehört auch die Bestimmung des Todeszeitpunkts, wenn man es wünscht - sei es durch Sterbehilfe oder Suizid.

        Das bedingt natürlich klaren Verstand und Freiwilligkeit - und da wird's kompliziert.

        • ja, an diesem punkt wird es kompliziert.
          aber auch da gibt es wege, die gegangen werden können. und eine perfekte lösung in dem sinne wird es wohl nie geben.

          ich persönlich finde es ser anmaßend einem menschen zu verbieten den zeitpunkt seines todes selber zu bestimmen, wenn der mensch gewichtige gründe hat nicht mehr leben zu wollen.

          an diesem punkt sollte angesetzt werden.

          lg

          • "ich persönlich finde es ser anmaßend einem menschen zu verbieten den zeitpunkt seines todes selber zu bestimmen, wenn der mensch gewichtige gründe hat nicht mehr leben zu wollen."

            das verbietet dir ja erstmal keiner, denn die selbsttötung ist nicht strafbar/ verboten.

            das problem ist ja nicht, daß du nicht bestimmen kannst, ob du sterben möhtest, das problem kommt ja erst dann zum tragen, wenn jemand anderes deinen tod herbeiführen soll

            ein Arzt, dessen arbeitsgrundlage es ist, leben zu erhalten hat damit natürlich ein problem, denn es geht an die substanz seines berufes.
            kann man also von einem Arzt z.B. verlangen dürfen, daß er meinem leben ein Ende setzt?
            wann darf ich das fordern?

            Immer? nur wenn ich unheilbar krank bin? wenn ich so krank bin, daß die krankheit meinen tod in kürzester zeit zur folge hat?
            wenn mich schmerzen plagen? oder oder oder?

            Ein Gesetz muß eben all diese Eventualitäten abdecken können und das ist wirklich heikel.

            • und weil es so heikel ist, stelle ich es hier zur diskussion.

              kein arzt sollte gezwungen sein ein leben aktiv beenden zu müssen. das geht gegen die rechte des arztes. aber ein arzt sollte es dürfen, wenn der patient in der vergangenheit via schriftstück, oder aktuell bei klarem verstand diesen wunsch äußert udn es gewichtige gründe für diesen wunsch gibt.

              ich stelle mir in diesem zusammenhang bspw. ethikausschüsse vor, die einberufen werde oder die richtlinien entwerfen.

              ob alle eventualitäten berücksichtig werden können ist fraglich. und die angst der grenzüberschreitung ist wohl gegeben. nun stellt sich die frage, was wichtiger ist: menschen dieses recht zu gewähren oder aus angst vor grenzüberschreirungen dieses recht ignorieren.

              • ich persönlich bin der meinung, daß jeder das recht haben sollte seinem leben mit medizinischer hilfe zu beenden.

                un ich glaube auch, daß wir mit zunehmender Veralterung der Gesellschaft dazu kommen werden, bestimmte formen der sterbehilfe zu legalisieren

      was ich vergessen habe zu erwähnen, für die diskussion aber vielleicht wichtig ist:

      die arten der sterbehilfe:

      aktiv: der Person, die sterben möchte, wird direkt ein Medikament gegeben, das den Tod herbeiführt.
      passiv: lebenserhaltende Maßnahmen werden unterlassen, "Sterbenlassen"

      indirekt: etwas wird zur Behandlung getan obwohl man weiß, dass der Tod dadurch evtl. schneller eintritt.
      Beihilfe: die Person, die sterben möchte, wird dahingehend unterstützt, dass es ihr ermöglicht wird, ihrem leben selbst ein ende zu setzen.

      innerhalb dieser mauern bewegen wir uns, wenn wir über das thema sprechen.

      • Hallo

        mein Papa hatte Kehlkopfkrebs. Am Ende war er erst 54 Jahre, wog nur noch 40 kg bei 1.75 m Größe, hatte eine PEG (Magensonde durch die Bauchdecke) und konnte nicht mehr sprechen.
        Leider gab es 1995 noch keine Patientenverfügung.
        Er war x-mal im Krankenhaus. dort wurde er wieder "aufgepäppelt" und wieder nach Hause entlassen. Meine Mama hatte jedes Mal Angst, das Haus zu verlassen bzw Angst, das was passiert, solange sie nicht da ist.
        Irgendwann spuckte er Blut, weil eine Ader im Hals geplatzt war.
        Die Ärztin die bei dieser Aufnahme im KH Dienst hatte, meinte dann, dass es auch die Möglichkeit gibt, eben diese lebensverlängernden Maßnahmen wegzulassen.
        Meine Mama rief mich dann an und ich fuhr auch ins KH. Wir beschlossen dann gemeinsam, Papa "gehen zu lassen".
        Er kam dann nicht auf die Intensivstation, sondern in ein normales Zimmer. Er bekam weiterhin Nahrung per PEG und über eine Dauerinfusion Morphium.
        Ca 30 Std nach der Einlieferung ins KH ist er dann friedlich gestorben.
        Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung, weil es ja auch weh tut, einen geliebten Menschen so leiden zu sehen.

        Wie du siehst, bin ich also durchaus für die passive Sterbehilfe. Über die aktive habe ich noch nicht wirklich nachgedacht.
        Wenn sich ein Mensch aber dafür entscheidet, weil er nicht leiden will, dann würde ich denjenigen nicht verurteilen.
        Meine Mama hat eine Patientenverfügung.

        LG
        Manu

    Hallo,
    ich bin da gespalten:
    Einerseits (als Christin) bin ich der Meinung dass Gott über Leben und Tod zu entscheiden hat. Und da Töten (auch Selbsttötung) eine Todsünde ist, hadere ich ich damit.
    ABER ich sehe auch, dass viele Menschen sich zum Ende ihre Lebens hin nach Erlösung sehnen. Aus eigener Erfahrung weiss ich wie elendig Menschen sterben MÜSSEN, weil man sie einfach nicht in Ruhe lässt. Meine Oma, zum Beispiel, wurde sterbend noch in ein Krankenhaus verfrachtet. Warum, frage ich mich? Die Frau war 92 und hatte es schon fast in Frieden auf die andere Seite geschafft. Mein Opa hat noch viel länger und schlimmer gelitten, weil man medizinisch alles versucht hat um sein Leben bzw sein Leiden zu verlängern.
    Oder auch schwer kranke Menschen kann ich verstehen. Würde mir jemand sagen, ich wäre unheilbar krank und ich müsste mit einem qualvollen Ende rechnen, dann würde mir die Sterbehilfe sehr verlockend erscheinen. Es ja ist mein Körper und mit dem kann ich machen was ich will...
    Die Frage ist, ob das Thema Sterbehilfe nicht vielleicht missbraucht wird. Ob nicht Angehörige der kranken Erbtante zur Sterbehilfe raten oder sie sogar drängen würden um ein paar Monate früher an die Perlenkette zu kommen. Überspitzt gesagt. Oder ob Ärzte bestochen werden, weil die Angehörigen die Pflege nicht mehr bezahlen oder leisten wollen/können.
    LG,
    Sandra

    "... steht die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens ganz oben. Dessen Heiligkeit sei Gott gegeben und eine Legalisierung der Sterbehilfe käme einer Zerrüttung der Moral gleich."

    Da fängt schon das Problem an: Ich glaube nicht an Gott und daher auch nicht an ein Gott gegebenes Leben. Ist meine Moral deswegen so oder so schon zerrüttet? Pillepalle...

    Ich bin ein Befürworter der Sterbehilfe und der Patientenverfügungen. Wenn man mich nicht mehr retten kann, sollen die Geräte abgestellt werden. Ein Dahinvegitieren monate- oder jahrelang auf einer Pflegestation ist auch menschenunwürdig/ unmenschlich. Was ist daran christlich?

    Wenn ich zutiefst krank bin und man mich nicht mehr heilen kann, dann will ich mich selbst aus dem Leben nehmen können und nicht auf die Erlösung warten, ggf. mit einem Medikamentencocktail. Zur Not fährt man in die Schweiz...

    Hallo,

    ich wäre dafür.

    Ein Mensch sollte das Recht und die Möglichkeit haben, in Würde zu sterben. Und wenn er dafür Hilfe braucht, dann sollte er die bekommen.

    GLG

    Ich denke, es ist ein Schritt in die falsche Richtung. Hier erzählen ganz viele, dass sie nicht "verrecken" wollen und dafür sind. Jeder dürfte aber Suizid begehen, wenn ihm danach sein sollte. Es tut nur kaum einer zum richtigen Zeitpunkt. Da frage ich mich schon als erstes:"Warum?"
    Wen jemand das nicht mehr allein ausführen kann, wie soll man entschieden, wer töten darf und wann? Wem will man zumuten zu töten? Ich denke, die meisten Ärzte haben da große Schwierigkeiten. Zu Recht. Und jemandem, dem das keine Schwierigkeiten bereitet, möchte ich nicht in die Hände geraten.

    Die wenigstens werden zwanghaft am Leben gehalten. Woher kommt diese irrationale Angst vor Maschinen und Schläuchen? Das sind Ausnahmesituationen nach plötzlichen Vorfällen. Kein Mensch würde z.B. einen Krebskranken langfristig beatmen. Außerdem kann man gerade zu diesem Thema auch in gesunden Zeiten nachdenken und mit Angehörigen darüber sprechen, damit die im Fall des Falles eben nicht hilflos daneben stehen und keine Ahnung haben, was möglich und erwünscht ist.

    "Passive Sterbehilfe" wird doch zunehmend praktiziert. Es wird ganz viel unterlassen. Es wird in der Palliativmedizin auch in Kauf genommen, dass der Patient möglicherweise eine Schmerzmedikation benötigt, die mit dem Leben nicht mehr vereinbar ist. Das heißt nicht, dass man hingeht und absichtlich eine Übersdosis gibt, um das Leben zu beenden, aber das man in kauf nimmt, dass man möglicherweise Überdosis gibt.

    Man kann besprechen, dass auch Ernährung verzichtet wird, man kann sich palliativ sedieren lassen. Es ist ganz viel möglich.

    Es gibt ganz sicher einiges zu verbessern am Umgang mit Sterbenskranken, aber aktive Sterbehilfe ist in meinen Augen das falsche Signal und die Missbrauchsmöglichkeit viel zu groß.

    • Huhu,

      wenn deine These stimmt, dann kenne ich nur "wenigste" Leute.

      In den letzten 3 Jahren hatten wir in der Familie/näheren Bekanntschaft 4 Fälle von lebensverlängernden Maßnahmen die niemand, ausser dem Ärzten vielleicht, wollte, unter anderem auch bei einer krebskranken Person.

      Wir wohnen in NL und hier wird, meiner bescheidenen Meinung nach, viel besser mit dem Thema umgegangen. Meine Stieftochter ist hier Krankenschwester in der Gereatrie, von daher weiß sie so einiges zu berichten.

      lg
      Andrea

      • Moin!

        Natürlich ist hier einiges verbesserungswürdig, aber auch hier findet ein Umdenken statt. Zwischen lebenserhaltenden Maßnahmen bis zum Abwinken und aktiver Sterbehilfe gibt es noch ein sehr, sehr weites Feld. Die behandelnden Ärzte deiner Bekannten wären niemals auf den Gedanken aktive oder passive Sterbehilfe zu leisten.

        Das Problem ist hier u.a., dass die meisten immer noch dem Arzt hörig sind. Dabei hat der gar nicht die Macht. Wenn ich Leuten in Trauer&Trost den Tipp gebe, sich einen guten Palliativmediziner zu suchen, dann ernte ich oft böse Antworten. Entweder will man hören, dass alles schon wieder gut wird oder man schreit nach aktiver Sterbehilfe.

        Ich bin schon lange in diesem Bereich tätig und wenn man Sterbende gut versorgt und begleitet, dann ist das mit der aktiven Sterbehilfe nur ganz, ganz selten überhaupt ein Thema. Die meisten hängen dann nämlich noch sehr an ihrem bisschen Leben. Und dieses bisschen kann man durchaus auch würdevoll gestalten. Wenn es dann d och mal Thema wird, dann wird geredet. Wovor hat man denn Angst? Was ist denn das Problem, das einem am Leben hindert? Wenn man das heraus gefunden hat, gibt es oft noch eine andere Lösung als Tötung auf Verlangen.

        Klar, es gibt Fälle, da ist die Frage nach dem Aktiven da und ich glaube, oft wird dem dann auch entsprochen. Öfter als wir das wissen. Für diese Ausnahmefälle müsste eine gute Regelung her. Eine aktive Sterbehilfe in großem Stil lehne ich auch Überzeugung ab. Bei Menschen, die bewusstlos da liegen und sich nicht mehr äußern können, geht sie eigentlich gar nicht.

        Gruß
        Susanne

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