Männerdominierte/Frauenfeindliche Gesellschaft?

    • (1) 02.12.12 - 17:15

      Guten Abend,

      vor ein paar Wochen erklärte ich meiner Tochter das Wort "Nutte". Sie hatte es als Graffiti an einer Wand gelesen, also "war ich dran". Und das auf offener Strasse mit neugierig-interessierten Blicken anderer Passanten...

      So, ich erklärte also, dass das ein Schimpfwort sei und daher käme, dass manche Männer, obwohl sie gerade keine Frau oder Freundin haben, gern Sex hätten.

      Sie würden dann einer Frau, die dazu bereit ist, Geld bezahlen, damit sie mit ihm Sex hat.

      Meine Tochter dachte ein wenig nach und fragte dann, bevor ich weiter erklären konnte: "Mama und ist das nun das Schimpfwort für die Frau oder für den Mann?"

      Ja. Ich antwortete ihr ehrlich und verstand sie, dass sie nachhakte, warum es für den Mann kein Schimpfwort gäbe. Seitdem denke ich immer wieder darüber nach, dass es für den Freier tatsächlich kein Schimpfwort gibt, für die Frau, die ihren Körper für Geld verkauft, sehr wohl, und zwar so enige.

      Warum ist das so?

      Die Frau, die sich prostituiert, die wird somit abgewertet. Sie bietet sich selbst und eine Dienstleistung an.
      Der Mann ist derjenige, der kauft und bezahlt.

      Warum gibt es für ihn kein Schimpfwort?

      Kann es daran liegen, dass wir einfach immer noch zu männerorientiert denken und leben?

      Für Ideen und Erklärungsversuche bin ich dankbar.

      L G

      White

      • Hallo,

        ich denke für den Mann gibt es kein Schimpfwort, weil er ja nichts "schlimmes" tut. Er zahlt halt einfach für eine Dienstleistung.

        Und das die Damen erniedrigt werden, ist für mich irgendwie klar, was kann es schlimmeres geben als sich selbst zu verkaufen ?

        Vermutlich auch historisch bedingt - wer wurde denn früher schon "Nutte" - doch nur eine Frau, die nichts anderes (Handwerk) ausüben konnte. Keine reichen, einflussreichen Eltern oder Ehemann hatte. Von daher war sie in der Gesellschaft ohnehin schon am unteren Ende der Hackordnung angenommen. Um zu überleben, musste sie dann ihren Körper verkaufen. Vielleicht wurde das Wort Nutte zuerst benutzt um diese Dienstleistung zu beschreiben und später erst als Beleidung zweckentfremdet, wenn man jemand anderem mitteilen wollte, dass er das letzte ist ?

        Liebe Grüße
        Tiffy

        • Hallo,

          aber wie kann der Mann "nur" für eine Dienstleistung zahlen, die dann wiederum dazu führt, dass die Frau, die diese Dienstleistung anbietet, für schlecht angesehen wird?

          Das ist mein Gedankengang. Beide sind an ein und derselben Sache beteiligt. Sie bietet an, er kauft. Warum ist nur sie "die Schlechte"?

          Es spielt in meinen Augen gerade keine Rolle, ob der Begriff "Nute" oder "Hure" früher neutral gewertet wurde. Es geht mir um das Jetzt. Jetzt sind "Hure" und "Nutte" keine neutralen Begriffe. Jetzt werden sie zur Abwertung der Prostituierten eingesetzt.

          Aber es gibt einfach keinen Begriff für den Mann, der ihn abwertet. "Freier" ist ein gängiger und neutraler Begriff für den zahlenden Mann, würde ich sagen.

          Ich WILL auch nicht explizit einen begriff für den Mann finden, ich will vielmehr über die Tatsache reden und nachdenken, dass die Frau herabgesetzt wird, der Mann aber nicht.

          Warum ist die Dienstleistung Sex auf der einen Seite etwas Schändliches (nämlich, wenn man es anbietet), auf der anderen Seite aber etwas Legitimes (wenn man es kauft)?

          • Ich denke nicht, dass das kaufen der Dienstsleistung etwas Legitimes ist. Ich kann ja nur für mich sprechen. Also ich finde das Anbieten der Prostituion genau so verwerflich, wie das Annehmen. Und nur weil es für den Freier kein Schimpfwort/abwertendes Wort gibt, macht es die Sache ja nicht besser.

            Ich kann ja darüber auch nur mutmaßen und meine Meinung kundtun :-)

        Tu' mir doch bitte den Gefallen und informiere dich ein bisschen.

        Prostitution - von deren es verschiedene Arten gibt - war nicht immer und nicht überall als schändlich verrufen - weder bei Frauen, noch bei Männern.

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