Sitzenbleiben abschaffen oder beibehalten?

    • (1) 19.02.13 - 16:39

      In Niedersachsen soll nun auch das Sitzenbleiben abgeschafft werden.

      Wenn es nach mir ginge, würden die Oberschulen wieder abgeschafft und die Orientierungstufe wieder eingeführt werden und es sollte an Schulen ganz normal werden, dass Kinder als Kann-Kinder eingeschult werden, in eine höhere Klasse springen können und aber auch dass Kinder Klassen wiederholen.

      Bei mir in der Orientierungsstufe gab es in den Hauptfächern schon in der 5. und 6. Klasse sogeannte A-, B- und C-Kurse, wo man auch innerhalb des Schuljahres wechseln konnte. Damit wurde auch denen eine Chance gegeben, die mit dem Schulwechsel zu kämpfen hatten oder wenig Selbstvertrauen hatten. Es gab so einige, die das Feld von hinten aufgerollt haben und die keiner so richtig auf dem Schirm hatte, die dann später auf dem Gymnasium abgegangen sind wie ein Zäpfchen. #schock

      Dennoch lernen Kinder unterschiedlich schnell und dann hängt es ja auch noch von der Begabung ab und manchmal auch davon, ob ein Kind mit Vorwissen in die Schule geht, weil es evtl. zuhause sehr stark gefördert wird. Anderen Kindern wird dafür zuhause eingeredet, dass sie dumm sind und es sowieso nie zu was bringen werden.

      Außerdem kann es noch 1000 andere Gründe geben, warum die Leistungsfähigkeit vorübergehend eingeschränkt ist, z. B. kann das Kind erkranken oder die Eltern trennen sich oder die Oma stirbt usw. Bei Umzügen und Schulwechseln wird auch vorausgesetzt, dass die Kinder damit fertigwerden müssen, aber wenn sie deswegen in der Schule den Anschluss verlieren, möchte man ihnen ersparen, dass sie aus dem Klassenverband gerissen werden?! #kratz

      Ich sehe das so, dass es für die Kinder eher eine Chance als eine Strafe ist. Es wird immer gesagt, dass man ihnen ein Jahr wegnimmt, aber eigentlich wird ihnen doch ein Jahr geschenkt.

      Wie sieht ihr das und warum?

      Viele Grüße
      Steffi

      • Hallo Steffi,

        ich hatte gerade darüber nachgedacht, einen ähnlichen Thread zu eröffnen (man merkt, dass ich einen Krankenschein und viel Zeit habe :-))

        Wir haben heute darüber gesprochen und ich bin auch der Meinung, das Sitzenbleiben eher beizubehalten.

        Habe heute gehört, dass im Laufe ihrer Schullaufbahn ca. 25% der Menschen einmal sitzengeblieben sind. Es ist also eigentlich kein Weltuntergang oder Stigma.

        Ja, kurz sind alle erschrocken und traurig und man muss sich an Neues gewöhnen - aber es ist auch eine Chance! Und der alte Klassenverbund war bestimmt in vielen Fällen auch der, der die Probleme mit verursacht hat.

        Auch denke ich, dass bei vielen Kindern zu große Lücken entstehen, wenn sie einfach weiter durchgezogen werden.

        Viele Grüße

        Liki

        • (3) 20.02.13 - 20:09

          Absolut meine Meinung - wenn schon aus einem Schuljahr etwas fehlt, wie sollen Schüler, die nur mit durchgezogen werden, denn im folgenden Schuljahr hinterherkommen? Am Ende sind diese Kinder/ Jugendlichen die Verlierer

      hi.

      Also ich finde das deutsche Schulsystem allgemein fragwürdig.

      Ich selbst bin in Spanien aufgewachsen und finde da die Schulen besser. Ich habe da unten mehr gelernt wie hier in Deutschland. Die machen es auch alles anderst.

      Ich finde dass das "Sitzenbleiben" nicht abgeschafft werden sollte. Es ist ja auch meinesachtens kein Weltuntergang wenn es mal passiert, sollte auch nicht herablassen bewertet werden wenn einer mal sitzen bleibt.

      Ob es wirklich eine Chance ist für diejenigen ,die Sitzen bleiben würden, wag ich zu bezweifeln und ich glaube eher dass es daraus hinauslaufen könnte dass die Abschlusszeugnisse evlt schlechter ausfallen.

      Wenn eines meiner Kinder mal sitzen bleiben sollte / könnte, dann würde ich dass auch befürworten, denn lieber sollen sie 1 Jahr nachholen, in diesem Jahr evlt bessere Noten schreiben und dann im nächsten Schuljahr besser hinterher kommen, wie dass sie evlt komplett den Faden verlieren.

      Oder als alternative sollte für die "Sitzenbleiber" eine Möglichkeit bestehen eine Prüfung zu machen um sich evlt doch noch unter Beweis zu setzen. Ich hoffe hier wird verstanden was ich meine :-)

      Lg
      babyboom

      • Ach und vorallem denke ich dass durch diesen Beschluss manche Schüler evlt noch weniger Lust auf Schule haben. In dem Alter findet man Schule eh doof, also wofür den Lernen wenn man eh weiterkommt.

        Wird da im Prinzip nicht vermittelt: Ist egal wieviel oder überhaupt ob du lernst, durchkommen tut eh jeder.

        Klar ist es für später sehr bescheiden, aber das interessiert nicht viele Schüler.

    ach,(sry für spam) aber ich habe dies gerade noch in den News mitbekommen, jedes "extra Jahr" kostet den Staat ja mehrere tausend Euro.....also wissen wir nun woher in Wirklichkeit der Wind kommt t#rofl

    • Ja, und dann haben wir stattdessen tausende Kinder, die psychosomatische Beschwerden entwickeln und mit teuren Therapien wieder gesellschaftsfähig gemacht werden müssen.

      Ich bin immer noch der Meinung, dass JEDES Kind seinen Platz in der Gesellschaft und in der Berufswelt hat. Es kann nicht nur Kaufmänner für Finanzdienstleistungen und Bürokaufleute geben. Jemand muss die Straße reinigen, in Großküchen arbeiten und im Krankenhaus die Patienten pflegen. Und dafür muss nicht jeder aufs Gymnasium gehen und Abitur machen.

      Das wichtigste ist, dass die Kinder auch Vertrauen in ihre Fähigkeiten haben und Lust darauf haben, für ihren Beruf zu lernen. Aber wenn sich die Kinder bereits auf der Oberschule aufgeben und nur noch ihre Zeit absitzen, bis die Schule endlich vorbei ist, um dann in eine perspektivlose Zukunft zu starten, dann hat das viel größere Folgen und ist letztendlich viel teurer als ein Jahr Schule. Allein schon, wenn man sich überlegt, wie viele Kinder bereits vor dem Schulabschluss "Hartzler" als Berufswunsch angeben... #aerger

      Das Problem ist einfach, dass diese Kinder gar nicht wissen, was sie eigentlich können.

      Ich habe übrigens einen Freund, der gerade mal einen Hauptschulabschluss hat und keine Lehre abgeschlossen hat, weil seine Eltern in seiner Lehrzeit einen Autounfall hatten und verstarben. Er hatte danach Depressionen und hat sich so mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Irgendwann Jahre später wurde vom Arbeitsamt aus so ein Begabungstest gemacht und dabei stellte sich heraus, dass er hochbegabt ist. Er kann aber bis heute nicht richtig schreiben. Wenn er mir eine email schreibt, dann bluten mir manchmal die Augen. Aber das liegt eben daran, dass er eben auf der Hauptschule nichts mehr gelernt hat und es anscheinend auch niemanden gestört hat. Für den wäre das ganz, ganz wichtig gewesen, dass einer mal zu ihm gesagt hätte: Du wirst erst versetzt, wenn du einen Text ansatzweise fehlerfrei schreiben kannst. #nanana

      In Mathe ist er ein Kopfrechengenie, ohne Frage. Was für eine Verschwendung!! :-(

      • "Ich bin immer noch der Meinung, dass JEDES Kind seinen Platz in der Gesellschaft und in der Berufswelt hat. Es kann nicht nur Kaufmänner für Finanzdienstleistungen und Bürokaufleute geben. Jemand muss die Straße reinigen, in Großküchen arbeiten und im Krankenhaus die Patienten pflegen."

        genau so schaut es aus :-). Ich kann mir daher auch vorstellen dass manche denken, ach ich werd ja nichts "Großes" also lass ich es gleich bleiben. Es sind nicht immer nur die hohen Jobs wo was Wert sind, die kleinen sind mindestens genau so wichtig.

        "In Mathe ist er ein Kopfrechengenie, ohne Frage. Was für eine Verschwendung"

        und genau da sollte man bei denjenigen Ansetzen, also bei den Stärken. Und dies wird sicherlich leider nicht gemacht.

        Traurig traurig...aber so ist es leider.

Hallo,

es ist eine Schande, dass jedes BL sein eigenes Süppchen kocht. da hat jemand eine fixe Idee, die dann in Kürze umgesetzt wird, ohne das Problem richtig zu analysieren.

Ich persönlich frage mich, was es einem Kind, welches die geforderten Leistungen nicht erreicht, bringen soll, in die nächste Klasse versetzt zu werden, wenn dort auf dem Wissensstand der vorhergehenden aufgebaut wird. vllt kann mir das jemand erklären?

vg, m.

  • das ist echt lächerlich.

    vorallem frage ich mich auch ernsthaft wofür es überhaupt noten geben soll.. da können sich die Lehrer bis zur eigentlichen Abschlussklasse die Zeit sparen für Noten bzw überhaupt Klassenarbeiten.

    Die Frage muss doch lauten warum jemand, der in zwei Fächern notenmässig am Boden ist, nochmal ein ganzes Jahr mit ALLEN Fächern wiederholen soll?

    Ist das effizient auch im Sinne von Verwendung von Lebens- und Arbeitszeit?

    Menschen kommen dadurch später in den Beruf, zahlen später ins Sozialsystem, zahlen später Steuern, beteiligen sich später am (im Maße ihres Verdienstes) am Konsum.

    Ein Leistungssystem sollte andere Mittel der Ertüchtigung finden als diese "Ehrenrunde".

    • Und solange es keine anderen Mittel gibt, sollte man sich vllt erstmal darum kümmern eh man was abschafft und dann keine Lösung hat, wie es weiter geht.
      Wobei es doch eine Frage ist, welche Fächer leistungsmäßig nciht erreicht wurden. Denn Mathe ist schon schwierig, weil sich das z.b. auf Physik und Cehmie auswirken kann und damit Grundlage für diese Fächer ist.

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