Armutsbericht unzensiert

  • Auch wenn ich den Bericht NICHT gelesen habe (ich glaube der hat nur so viele Seiten, damit sich da möglichst wenige Leute dran wagen !), glaube ich in dem Fall den Medien durchaus, dass die Familen-Ley-Hexe da alles so lange hin und her geschoben hat, bis das Ergebnis nicht so trist, grau und Perspektivenlos dasteht, wie es in der Realität der Fall ist.

    Erstaunlicherweise war das Medienecheo in meinen Augen recht zurückhaltend.....was sich auch hier in den dazu verfassten Antworten wiederspiegelt, die doch.....nennen wir es mal....sehr überschaubar sind, und das in einem Forum, in dem sonst fast jeder eine wie auch immer geartete Meinung zu eigentlich allem hat.

    Und DAS macht mir fast mehr Sorgen als ein aufgepimpter Bericht einer Regierung, die lügt wenn von der Bande auch nur einer die Schnauze aufmacht.

    • Ich hab den Bericht auch nur überflogen, allerdings Artikel und Kommentare in der taz gelesen, die einige wichtige "Änderungen" benennen und kritisieren.

      Solange die Mittelschicht damit beschäftigt ist, sich von der Unterschicht abzugrenzen, wird sich kaum etwas ändern, denn dann merken sie nicht, was oberhalb so vor sich geht.

      Beispiel:
      Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, dieses Kunststück ist nur möglich, weil die meisten der ehemals Arbeitslosen jetzt einen Job im Niedriglohnbereich haben.

      "Besser als uns auf der Tasche zu liegen" krakeelt es dann regelmäßig, nur müssen diese Menschen trotzdem unterstützt werden, nicht nur direkt finanziell durch den Staat, sondern auch den ganzen Rattenschwanz, den Armut nach sich zieht, muss die Gesellschaft auffangen, z.B. schlechtere Bildungschancen, schlechtere Gesundheit, höheres Risiko kriminell zu werden etc.

      Geringverdiener, die aufstocken müssen, sind nicht die Nutznießer von staatlichen Leistungen, sondern die Arbeitgeber, die diese niedrigen Löhne zahlen, den Rest der in Anspruch genommenen Leistung zahlt der Staat. Eigentlich nichts anderes als Zechprellerei, 3 Bier bestellt, nur 2 bezahlt.

      Die öffentliche Kritik beschränkt sich aber - fast ausschließlich - auf die, die zu wenig verdienen oder nicht bereit sind, sich unter Wert zu verkaufen, nicht auf die, die Leistung nicht angemessen bezahlen wollen oder können.

      Und da sind wir wieder bei den Schichten: nach unten treten ist einfacher, als sich an die eigene Nase zu fassen (Stichwort: Konsumverhalten), oder mal wenigstens einen kritischen Blick auf die 10% der Oberschicht zu werfen, die 50 - 60% des Gesamtvermögens in Deutschland besitzen. Ich vermute mal stark, dass da der ein oder andere Arbeitgeber vertreten ist.

      Die Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass nicht die Armen "unser" Geld schmarotzen, erlebe ich hier so stark wie sonst nirgendwo, auch klare Zahlen werden daran nichts ändern. Egoismus, Dummheit und Duckmäusertum sind stärker.

      Deshalb gibt es auch keine öffentliche Empörung, keinen gestiegenen Diskussionbedarf und kaum Antworten hier.

      LG

      • Amen !!!!

        Hi !

        "Die Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass nicht die Armen "unser" Geld schmarotzen, erlebe ich hier so stark wie sonst nirgendwo, auch klare Zahlen werden daran nichts ändern. Egoismus, Dummheit und Duckmäusertum sind stärker."

        Yap, genauso ist es.

        Die wenigsten Menschen regen sich darüber auf wenn ein Managergehalt 16,6 Millionen Euro im Jahr beträgt. Schließlich arbeitet der ja hart für sein Geld, da ist diese Summe höchstwahrscheinlich angemessen #augen.

        Aber über die 382 (?) Euro Regelsatz kann man sich ereifern bis zur Hyperventilation.

        Die Menschen, die aufstocken müssen sind, ganz klar, auch selber schuld. Hätten sie mal was anständiges gelernt, dann wären sie jetzt nicht in dieser Situation. Dass aber mittlerweile viele Arbeitnehmer mit abgeschlossener Ausbildung von irgendwelchen Zeitarbeitsfirmen ausgenutzt werden, für 7,50 Euro die Stunde arbeiten und deswegen ebenfalls Leistungen beantragen müssen spielt ja keine Rolle.

        Gruß,

        vam-pir-ella

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        "Besser als uns auf der Tasche zu liegen" krakeelt es dann regelmäßig, nur müssen diese Menschen trotzdem unterstützt werden, nicht nur direkt finanziell durch den Staat, sondern auch den ganzen Rattenschwanz, den Armut nach sich zieht, muss die Gesellschaft auffangen, ...
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        Richtig, und nicht nur das! Die meisten Leute Vergessen wie Löhne entstehen. Auch mittlere Löhne orientieren sich immer an unteren Löhnen. Wer also den untersten keinen Vernünftigen Lohn (oder sonstige Leistungen) gönnt, kürzt sich indirekt selbst den Lohn. Manager achten meist nämlich sehr genau auf Lohnabstände!
        Ein hoher Mindestlohn und vernünftige ALGII-Sätze, lohnt sich also nicht nur für Arbeitslose und Geringverdiener, sondern auch für die meisten anderen, die mehr verdienen.

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