Sozialschmarotzer

    • (1) 11.03.13 - 17:16

      Hallo!

      Hier ein Beispiel für meine Aussage in dem Thread zum Armutsbericht:

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/callcenter-kosten-den-staat-jaehrlich-36-millionen-euro-a-888076.html

      Ich hoffe sehr, dass der ein odere andere mal darüber nachdenkt, wer hier wo schmarotzt, bevor bei Fragen zu ALG 2 etc. wieder die Tiraden abgefeuert werden.
      Eigentlich sollte es besser in die Rubrik "Finanzen", da treiben sich die, die ich erreichen möchte ja mehrheitlich rum, aber hier bleibt es länger sichtbar.

      • Pfff, was sind denn 36.000.000 Euro? #schein

        Das ist doch gar nichts. Siehe BER und Stuttgart 21....

        So ähnlich hat das auch Frau Wagenknechte beim "Forum Wirtschaft" auf Phoenix gesagt und damit zustimmendes Nicken von den Krawattenträgern im Publikum geerntet

        Moin,

        ja, es gehört zu den traurigen Kuriositäten, dass Volk & Politik sich mehr über 10 Euro mehr oder weniger ALG2 ereifern als über die wirklichen Verschwendungen.

        Ich denke trotzdem, dass das Zahlen von Transferleistungen an sich nicht zielführend ist, wenn es um Partizipation und Auswege aus der Armut geht.

        Das ist alles viel komplexer...

        LG, Nele

        • Ja, leider fossiliert der Status durch den Bezug von Leistungen eher (und leider auch der, der folgenden Generationen). Kein Wunder, wenn man sich mal vor Augen führt, was das mit einem Menschen macht.

          Sehr komplexes Thema, du hast recht.

          Schön, mal wieder von dir zu lesen, ich habe dich in den letzten Diskussionen vermisst :-)

          LG!

          • Danke #herzlich

            Ich habe ja beruflich mit einigen aus den einfacheren Kreisen zumindest am Rande zu tun.

            Ich habe zwar keine Lösung, stelle aber immer wieder fest, dass es vor allem an der "Bildung im Alltag" oder wie man es nennen mag, mangelt.

            Wenn man dann die ersten 5 Tage nach Monatsanfang nur Pizza bestellt - in der besten Absicht, der Familie etwas Gutes zu tun, was ich auch nicht bezweifel - und sich dann wundert, dass das ALG2 einfach nicht reicht, da kann ja vom Geldmangel an sich keine Rede sein...

            Neulich hab ich meinen Sohn aus der Kita abgeholt und meinte "beeil Dich, ich will noch Brötchen backen" und ein Mädel meinte doch glatt zu mir: "Brötchen kann man nicht backen, die holt man" #schock

            DAS ist doch das Problem, nicht wahr?

            Es kann doch nicht sein, dass Teilhabe bedeutet, sich auch als "Bedürftiger" in die Wegwerfgesellschaft mit seinen widerwärtigsten Außmaßen einreihen zu dürfen??

            Aber wo ist die Lösung?

            • (7) 12.03.13 - 21:12

              Keine Lösung, aber eine weitere Beschreibung.

              Viele Menschen, die arm sind, haben keinen Zugang zu ihrer Selbstwirksamkeit.

              In einer Scheißsituation zu sein, ist eine Sache.

              Keine Idee zu haben, wie man daran etwas verändern könnte, nochmal eine ganz andere!

              Sich Hilfe zu holen, ist eine Lebenskompetenz.
              Hilfen so zu nutzen, dass man langfristig ohne Hilfen klarkommt, eine weitere!

              Und bei Menschen, die langfristig in Armut leben, sind in diesen Bereichen oft sooo wenige Ressourcen. Hier müsste man ansetzen.

              LG

              • (8) 13.03.13 - 09:59

                Moin,

                ja, da hast Du völlig Recht. Aber ist genau diese Ideenarmut nicht eine Nebenwirkung des Vollkasko-Sozialstaats?

                Nicht falsch verstehen, ich sehe zu genau diesem Sozialstaat keine Alternative und habe auch überhaupt kein Problem mit, dass meine Steuern dafür benutzt werden.

                Aber man muss wohl einräumen, dass solche Ideenarmut offenbar dadurch (mit) entsteht? Anderswo sind die Leute gezwungen, eigeninitiativ und kreativ zu sein (oder kriminell #rofl)

                Und man kann sicherlich davon ausgehen, dass der Zustand als Bedürftiger, der immer irgendwo die Hand aufhält, niemandem gefällt. Also würde auch der Betreffende selbst von seiner Eigeninitiative profitieren, obwohl er dann weniger serviert bekommt.

                ***Und bei Menschen, die langfristig in Armut leben, sind in diesen Bereichen oft sooo wenige Ressourcen. Hier müsste man ansetzen.***

                Ganz richtig. Und da hilft mM nach kein Bargeld.

                Da würden so banale Dinge wie der Kochkurs "Frisch kochen mit wenig Geld" helfen. Naja, und neben der Gemüsekunde müsste dann auch irgendwie vermittelt werden, dass es total schön ist, den Hintern an den Herd zu stellen und dafür ein tolles Essen zu haben.

                Nur wenn für sowas wieder keine Notwendigkeit da ist, weil es ja auch so mit dem ALG2 - knapp, aber immerhin - irgendwie klappt, da beißt sich doch die Katze in den Schwanz?

                Ich hoffe, ich konnte das halbwegs deutlich darstellen. Für mich sind diese ganzen Teilhabe-Pläne, die es derzeit gibt, irgendwie nicht zielführend. Es kann weder sein, die Leute mit Geld (so wenig es auch ist) total unmündig zu machen, noch kann Teilhabe heißen, dass das Ziel ist, den Lebensstandard und die Ansprüche, was "normal" ist - was ich tw. echt abartig finde - immer höher zu bekommen.

                • (9) 14.03.13 - 08:59

                  Keine Sorge, ich verstehe dich nicht falsch. ;-)

                  Ich denke, das Sozialsystem trägt dazu bei, mangelnde Selbstwirksamkeit aufrecht zu erhalten. Aber erzeugen tut es sie nicht. Die ist schon vorher da.

                  Du hast doch auch schon an Brennpunktschulen unterrichtet, oder? Ich finde, man merkt schon bei den Kindern, dass das Konzept: "Ich kann ja eh nichts" bzw. "ich vermeide, was ich nicht kann und mag, weil es ja eh keinen Sinn hat" bereits tief sitzt.

                  Und ich finde es schon in der Grundschule schwierig, gegenzuarbeiten. An vielen Brennpunktschulen sind die Lehrer frustriert. Weil sie dank Vergleichsarbeiten und Co. ständig vor Augen geführt bekommen, dass sie bei allen Förderbemühungen doch immer wieder das Schlusslicht bilden. Ganz viele tun sich dann (verständlicherweise) schwer damit, ihren Schülern das Gefühl zu vermitteln: Hey, du kannst was! #ole

                  Es ist sooo wichtig, bei diesen Kinder auf Juwelensuche zu gehen und ihr Selbstwertgefühl zu stärken. So bekommen sie auch einen Zugang zur Eigenverantwortung.

                  Bei Erwachsenen halte ich das alles für ungleich schwieriger.

                  LG

      Hallo,

      wenn man Vollzeit im Callcenter arbeitet, kann man von seinem Gehalt für gewöhnlich auch leben. Wenn man allerdings in Teilzeit arbeitet und 7 Kinder ernähren muss, dann eher nicht.

      Welches Callcenter zahlt bitte 461 Euro pro Monat für Vollzeit?

      Und WER geht dafür arbeiten?

      Gruß

      Warst du schon mal im Osten? ich kenne ausgebildete Konditoren, die irgendwas um die 900 Euro brutto (!) monatlich verdienen. Ebenso Bäckereifachverkäuferinnen. Und manche von denen müssen jedes Wochenende von 9 bis 18 Uhr schuften. UND das Putzen des Ladens danach bekommen sie nicht bezahlt! UND, wenn sie zuviel Trinkgeld haben (haha), dann behält sich der Chef vor, das einzubehalten. Das gibt es! Und leider noch viel zu häufig. Ich kenne einen studierten Informatiker. Dem haben sie für eine Festanstellung bei DELL 1200 Euro brutto geboten...na das ist doch was! Aber für manch einen ist das immer noch besser als arbeitslos daheim zu vergammeln.

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