Politikniete braucht mal Hilfe

    • (1) 20.03.13 - 06:32

      Guten Morgen,
      ich bin eine absolute Politikniete!
      Kann mir mal jemand erklären,warum wegen der Zypern-und Griechenlandhilfe alle gegen Deutschland sind?Und warum ist auf zyprischen Demo-Plakaten Merkel mit Hitlerbart versehen?
      Ich steige da nicht mehr durch!
      Danke im vorraus sagt Tamara

      • Nun ja, weil es so einfach ist Unzufriedenheit auf einen Sündenbock zu lenken....
        Und weil die nationale Seele es einfach hasst, wenn ihr "ein Fremder" Vorschriften macht, schon aus Prinzip, egal ob sinnvoll oder nicht. Dann noch die Nazi-Vergangenheit der Deutsche, die es sehr einfach macht, sie zu beschuldigen und schon hat man ein tolle Projektionsfläche für Beschimpfungen.

        • Die Idee von der Beteiligung der Konteninhaber am „Rettungspaket“ kommt von unseren Herrschaften Merkel, Schäuble und Asmussen unter Mitwirkung von Madame Lagarde. Diese Entscheidung wird sogar in Deutschlands liberalen und konservativen Kreisen sehr kritisch gesehen.

          Bei sämtlichen bisherigen „Rettungspaketen“ für die Südländer der Eurozone waren deutsche Politiker und Zentralbanker federführend. Die Bedingungen für die Kredittranchen waren und sind zu einem großen Teil kontraproduktiv für die wirtschaftliche Entwicklung und die vorgegebenen Ziele sind unter den gegebenen Bedingungen nicht erreichbar.

          Hinzu kommt, dass Deutschlands Wirtschaft und sein Bankensystem (nicht die normalen Arbeitnehmer !) bisher von den Entwicklungen profitiert haben. Diese Dinge hat man in den betroffenen Ländern realisiert, während man es in Deutschland nicht wahrhaben möchte und lieber glaubt, unsere Regierung schenkt „denen unsere Steuergelder“, was nicht im Geringsten so ist.

          Daher kann man vom zypriotischen Normalbürger keine Jubelplakate erwarten. Naziplakate sind selbstverständlich nicht in Ordnung, aber die sind zum Glück noch in der deutlichen Minderheit.

          • Ich finde auch, dass die Deutschen hätten sich mit Vorschlägen zurückhalten hätten sollen, einfach weil sie so unbeliebt sind hnd so gerne unter Beschuss genommen werden.

            Aber warum sollten Geldwäschebanken mit EU-Geldern gerettet werden, ohne das die Profiteure der Rettung ihren Teil der Rettung beitragen? Man beachte: Das Geld der Banken IST schon längst verzockt und weg. Von der EU soll nachgezahlt werden, damit die Kontoinhaber nicht ganz leer ausgehen!

            Man hätte auch eine höhere Obergrenze der sich beteiligenden Depots wählen können, und dafür den Prozentsatz für die hohen Vermögen erhöhen. Es war aber die Entscheidung von Zypern wie sie den zu erbringenden Betrag aufteilen.

            Die deutsche Wirtschaft hat von zypriotischen Geldwäsche-Banken wahrhaftig nicht profitiert.

            • „Ich finde auch, dass die Deutschen hätten sich mit Vorschlägen zurückhalten hätten sollen…“ einfach weil sie so unbeliebt sind hnd so gerne unter Beschuss genommen werden.“

              Was die deutsche Politik macht geht weit über den Begriff „Vorschläge“ hinaus. Treffender ist hier der Begriff „aufzwingen“.

              „…einfach weil sie so unbeliebt sind hnd so gerne unter Beschuss genommen werden.“

              Es gibt sachliche und unsachliche Kritik an der deutschen Politik. Mit der sachlichen Kritik sollte man sich beschäftigen und den unsachlichen Vorwürfen nicht zu viel Beachtung schenken.

              Die deutsche Kritik an den Südländern ist häufig ebenfalls pauschal, unsachlich, beleidigend und manchmal sogar bewusst falsch.

              „Aber warum sollten Geldwäschebanken mit EU-Geldern gerettet werden, ohne das die Profiteure der Rettung ihren Teil der Rettung beitragen?“

              Im Schattenfinanzindex des Tax Justice Network liegt Deutschland auf Rang 9, Zypern kommt erst an 20. Stelle. Soviel mal zum Thema „Geldwäschebanken“.

              Die Inhaber der Konten sind nicht in erster Linie die Profiteure.

              „Die deutsche Wirtschaft hat von zypriotischen Geldwäsche-Banken wahrhaftig nicht profitiert.“

              Meine Aussage bezog sich auf die Gesamtsituation seit 2008 und nicht alleine auf Zyperngeschichte vom Wochenende.

              Wir können aber sicher davon ausgehen, dass die Entscheidung anders gefallen wäre, wenn der deutsche Finanzadel nennenswerte Vermögen in Zypern unterhalten würde.

              • Ich finde es richtig. dass Hilfe auch einen Eigenbeitrag voraussetzt, das ist sonst für beide Seiten schlecht: wenn beide ihren Teil dazu beitragen wird keiner ausgenutzt.

                Und ich bin der Meinung, dass das leichtfertige Geldausgeben, das seit Jahrzehnten praktiziert wird ein Betrug an unseren Kindern und an den nachfolgenden Generationen ist. Uns tut es nicht weh, Schulden aufzunehmen, wenn sie zurückzuzahlen sind leben wir ja glücklicherweise nicht mehr. Ja, es ist leicht fremdes Geld auszugeben, besonders das nachfolgender Generationen: die können sich nicht wehren,,,
                Ich kann nicht verstehen, dass sich dieses Verhalten als sozial tarnen kann, und dass es so viele Menschen gibt die das auch noch glauben - getreu dem Motto "nach uns die Sintflut".

                • Faende es interessant zu wissen ob du das selbe schreiben wuerdest, wenn man dir spontan 6,5% oder falls du mehr hast sogar 10% deiner Ersparnisse wegnehmen wuerde.

                  • Moment:
                    1. die Banken sind pleite, d.h. das Geld ist schon weg. Es geht darum, ob die Anleger durch das Nachschießen ihre 90 Prozent bekommen oder garnichts. Klingt doch schon ganz anders, oder? Drnk' mal an Lehmans, lieber alles verlieren oder lieber 90 Prozent retten?

                    2. Das Geld wurde verspekuliert von den Banken, die anders als bspw. deutsche Banken den Anlegern in den letzten jahren 6 Prozent Zinsen gezahlt haben, während es in Deutschland und anderne EU-Ländern unter 0,5 Prozent oft 0,1 Prozent gab. Letztendlich bedeutet der Schnitt, dass die Anleger unrealistisch hohe Zinsen zurückerstatten müssen, die Anleger anderer Länder auch nicht bekommen haben.
                    Wo nichts ist kann man auch nichts ausschütten, wieso sollte das in Zypern anders sein als im Rest der Welt?

                    Ja, wäre ich ein Lehmans-Kunde oder ein zyprischer Anleger hätte ich gerne 90 Prozent meines verspekulierten Geldes zurück. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Was nutzt mit ein theoretisches Anrecht auf 100 Prozent des verspekulierten Vermögens?

                    Weder in Zypern noch in Deutschland wird das Rema rational diskutiert, was pragmatische Lösungen unmöglich macht. Probleme lösen ist halt anstrengender und schmerzhafter als nur darüber zu klagen... Leider führt das dazu, dass Probleme NICHT gelöst werden, und dummerweise lösen sie sich auch später nicht in Luft auf....

                „Ich finde es richtig. dass Hilfe auch einen Eigenbeitrag voraussetzt, das ist sonst für beide Seiten schlecht: wenn beide ihren Teil dazu beitragen wird keiner ausgenutzt.“

                Vom grundsätzlichen Gedanken kann ich dieser Aussage zustimmen. Nur gibt es in dieser Geschichte mehr als nur 2 beteiligte Seiten und auch die Darstellung dass der „Eine“ dem „Anderen“ hilft trifft nicht ganz zu..

                „Und ich bin der Meinung, dass das leichtfertige Geldausgeben, das seit Jahrzehnten praktiziert wird ein Betrug an unseren Kindern und an den nachfolgenden Generationen ist.“

                Das ist zu kurz gedacht. Es werden ja nicht nur Schulden vererbt. Wachsende Staatsschulden führen zwangsläufig zu einem noch stärkeren Vermögensaufbau im privaten Sektor, der ebenfalls vererbt wird. Es wird also von Generation zu Generation MEHR vererbt. Es gibt keine Problem der Generationengerechtigkeit sondern ein Problem der unausgewogenen Verteilung bereits heute.

                Es war bereits unvernünftig, Erträge aus Vermögen gegenüber Erträgen aus Arbeit steuerlich zu privilegieren und daraus entstehenden Vermögen steuerlich unbehelligt zu lassen. Das nun versucht wird, diesen Vermögen durch Bankenrettungspakete Substanzschutz zu gewähren und im Gegenzug staatliche Leistungen und Investitionen zu kürzen ist der eigentliche Betrug, der bereits die heutige Generation betrifft und nachfolgende Generationen ebenfalls noch beschäftigen wird.

                • (10) 21.03.13 - 10:01

                  Darauf auch noch kurz eine Antwort:
                  Stichwort Generationengerechtigkeit/ Nachhaltigkeit:
                  Ererbte oder selbst erworbene Vermögen, können ebenso verschleudert werden wie Staatsausgaben. Schlecht wirtschaften kann ein Staat ebenso wie die Reichen, was zur Folge hat, dass Vermögen einfach WEG ist.

                  Wenn ein Staat seine Gelder nicht nachhaltig ausgibt sammelt sich das Geld doch nicht automatisch auf "der anderen Seite" (und schon zweimal nicht in einer globalisierten Welt).

                  Enteignung aller Vermögen (das hast du gemeint, oder?) löst nicht das Problem, dass heute Geld zu einem großen Teil nicht investiert, sondern nur "verbraucht" wird. Das Geld, das ich für Kleider, Yachten oder Bankenrettungen ausgebe, wird keiner erben, es ist futsch...

                  Unsere Kinder sollen nicht mal erben. Sie sollen jedoch vor allem nicht unsere leichtfertig angesammelten Altlasten erben: Schulden, Atommüll, Pensionsansprüche, Wettbewerbsnachteile aufgrund mangelnder Vorbereitung auf neue Berufe und Wirtschaftsanforderungen. (Erbe auschlagen geht bei diesen Themen nur leider nicht.)

                  Eine Stunde null (Weltwirtschaftskrise, und danach sind alle gleich arm), löst nicht das Problem, dass wir über unsere Verhältnisse leben und unsere Kinder damit klarkommen müssen, dass ihre Generation keine Chance hat, gleich gut zu leben wie wir und unsere Eltern es konnten.

                  (In einem Nebenthema gebe ich dir übrigens recht: ich finde auch, dass Vermögenseinkünfte gleich hoch versteuert gehören wie andere Einkünfte.)

                  Das große Problem ist die Generationengerechtigkeit, die mit Füßen getreten wird. Wir haben kein Einnahmeproblem sondern ein Ausgabenproblem, speziell in der Art der Ausgaben. Angst, Geltungssucht und Bequemlichkeit sind schlechte Ratgeber. Leider sind sie nur sehr verbreitet.

                  Kurz war's jetzt doch nicht. Aber (mir) wichtig. #winke

                  • „Schlecht wirtschaften kann ein Staat ebenso wie die Reichen, was zur Folge hat, dass Vermögen einfach WEG ist.“

                    Vermögen verschwindet nicht einfach. Es kann sich natürlich einen neuen Eigentümer suchen.

                    http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/21.vermoegensuhr.html

                    „Wenn ein Staat seine Gelder nicht nachhaltig ausgibt sammelt sich das Geld doch nicht automatisch auf "der anderen Seite" (und schon zweimal nicht in einer globalisierten Welt).“

                    Die Schulden eines Staates (und um die geht es) sammeln sich selbstverständlich zwangsläufig auf einer anderen Seite als Forderungen – und das gilt auch in einer Welt, die bereits seit den Zeiten von Marco Polo globalisiert ist.

                    „Enteignung aller Vermögen (das hast du gemeint, oder?) löst nicht das Problem, dass heute Geld zu einem großen Teil nicht investiert, sondern nur "verbraucht" wird.“

                    Die Aussage ist so nicht richtig. Verbrauch und Konsum hängen miteinander zusammen. Es kann nur verbraucht werden, wenn vorher investiert wurde, denn irgendwo müssen die Güter ja herkommen. Wenn mehr konsumiert wird, dann wird automatisch auch mehr investiert.

                    Nein, von Enteignung aller Vermögen ist keine Rede.

                    Wie Du der Vermögensuhr entnehmen kannst sind die privaten Vermögen mehr als 4mal so hoch wie die öffentlichen Schulden und sie steigen schneller an.

                    Selbst mit gut 20% der Vermögen könnte man die Staatsschulden auf Null bringen – was allerdings dumm wäre, denn eine Staatsverschuldung im moderaten Ausmaß nutzt allen Beteiligten im derzeitigen Wirtschaftssystem. Bereits mit 2-3% könnte man die Staatsverschuldung mittelfristig wieder auf ein vertretbares Niveau bringen. Das ist ungeführ der Vermögenssteuersatz in den USA.

                    „Das Geld, das ich für Kleider, Yachten oder Bankenrettungen ausgebe, wird keiner erben, es ist futsch...“

                    Das gilt nur für den der es ausgibt. Die Schneider und Schiffsbauer werden das anders sehen.

                    „Unsere Kinder sollen nicht mal erben. Sie sollen jedoch vor allem nicht unsere leichtfertig angesammelten Altlasten erben: Schulden, Atommüll, Pensionsansprüche, Wettbewerbsnachteile aufgrund mangelnder Vorbereitung auf neue Berufe und Wirtschaftsanforderungen. (Erbe auschlagen geht bei diesen Themen nur leider nicht.)“

                    Was Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung angeht bin ich der gleichen Ansicht, obwohl mir der Begriff der Generationengerechtigkeit ein wenig esoterisch vorkommt.

                    Die Staatsschulden und damit die fehlende aktive Bildungspolitik sind aber Resultat der Verteilungsungleichgewichte.

                    „Eine Stunde null (Weltwirtschaftskrise, und danach sind alle gleich arm), löst nicht das Problem, dass wir über unsere Verhältnisse leben …“

                    Das Gerede mit dem „über unsere Verhältnisse leben“ ist ein rhetorischer Kniff, mit dem versucht wird, den normalen Bürger dazu zu überreden, die Zeche für die diversen Bankenkrisen zu zahlen.

                    Es haben natürlich gewisse Kreise über ihre Verhältnisse gelebt. Die haben nicht die Absicht, dies zu ändern. Für den Großteil der Bürger ist das allerdings nicht zutreffend, eher im Gegenteil.

                    „Wir haben kein Einnahmeproblem sondern ein Ausgabenproblem, speziell in der Art der Ausgaben.“

                    Das trifft zum Teil zu.

                    • Jetzt bin ich aber richtig gespannt auf Deinen Lösungsansatz:

                      • Wenn ich ein Problem analysiere, dann bedeutet das nicht automatisch, dass ich eine Lösung dafür habe.

                        Die Grundvoraussetzung jeder Lösung ist auf jeden Fall im ersten Schritt eine ehrliche Analyse und im zweiten Schritt der Wille zur Zusammenarbeit. Beides kann ich im Moment nicht erkennen.

        (14) 20.03.13 - 23:08

        "nicht die normalen Arbeitnehmer !)"

        naja, wie man's nimmt.... der Beschaeftigtenzahl hat es immerhin auch geholfen...

        • Wir haben bereits seit vielen Jahren in Deutschland Lohn- und Gehaltssteigerungen unterhalb des Produktivitätszuwachses. Daher würde ich nicht davon sprechen wollen, dass die normalen Arbeitnehmer profitiert haben - höchstens vielleicht dadaurch, dass unsere Wirtschaft noch nicht so eingebrochen ist wie die in den Südländern. Ob es so bleiben wird?

          Schön, dass Du auch mal wieder dabei bist. :-)

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