Arm und reich - ZDF gestern, wer hats gesehen?

    • (1) 20.03.13 - 08:36

      Hab die Doku leider nur teilweise sehen können, aber was ich da gesehen habe, fand ich schon beklemmend.

      Auch die offene Aussage der Lehrer an den Brennpunktschulen - das es Chancengleichheit nicht gibt - viele aus der älteren Generation (wie bspw. meine Eltern) glauben das nämlich nicht. Sie haben es ja mit redlicher Arbeit auch geschafft, nie Transferleistungen in Anspruch genommen und aus den Kindern ist auch was geworden (...)

      Das wir zum Beispiel heute aber so leben dass wir nix beiseite legen können, weil wir alles in Wohnung+Bildung der Kinder investieren, in ungewissen Jobs ausharren, keinerlei Vergünstigungen haben (meine Mutter hat als ungelernte Kraft eine Betriebsrente - soviel würde sie heute in Vollzeit nicht mal verdienen...) ist ihnen irgendwie nicht begreifbar.

      Dann in der Sendung der Gegensatz: das Schlossinternat, in dem die Elite von morgen herangezüchtet wird oder der Kinderkarten, der keine Kinder, sondern kleine Giganten betreut - zum Kotzen eigentlich.

      Ich bin nur gespannt wie sich das Ganze entwickelt wenn man sich die demographische Entwicklung mal so anschaut, wenn nämlich immer mehr Chancenlose immer mehr Kinder in die Welt setzen (warum auch immer) wird die Elite irgendwann niemand mehr haben, über den sie herrschen kann. Ich finde das ein gruseliges Szenario das sich da abzeichnet.

      Macht euch dieses Thema Sorgen oder haltet ihr es für übertrieben?

      • Ich habe den Bericht nicht gesehen und er ist vielleicht auch etwas tv-typisch überspitzt.

        Ja, die KLuft zwischen Arm und Reich wird auch in Deutschland immer spürbarer. Was mir persönlich Sorgen macht, ist die Rente. Wie viel Geld werde ich dann haben? Was gibt mir der Staat? Wie lange muss ich arbeiten? Etc. pp. Man weiß ja nie, wie sich das Geld abwerten wird und was sonst noch passiert.

        Meines Erachtens haben Kinder der normalen und gehobenen Mittelschicht die gleichen beruflichen Chancen wie die Oberschichten-Giganten. Häufig fehlt für die "normalen" Kinder Geld für besondere Förderungen oder (längere) Auslandsaufenthalte, was schon ein Vorteil für betuchtere Kinder im Berufsleben sein kann. Unterschichten-Kindern fehlt häufig komplett eine Förderung. Wie sollen die in die gut bezahlten Berufsebenen kommen, wenn sie zu einer "Loser-Gesellschaft" gehören? Wahrscheinlich nur mit eisernem Willen und Intelligenz (solche Fälle kenne ich auch persönlich).

        Ich empfehle dir den Film "Idiocracy". Der Film behandelt dieses Szenario: "wenn nämlich immer mehr Chancenlose immer mehr Kinder in die Welt setzen (warum auch immer) wird die Elite irgendwann niemand mehr haben, über den sie herrschen kann." Der Grundsatz des Films ist gut. ZUm Ende hin wird aber zuviel rumgeblödelt (typisch amerikanisch halt). Aber der Film lässt einen nachdenklich zurück.

        Habs nicht gesehen, aber was mir ein wenig Sorgen macht ist diese Neid-Mentalität in Deutschland... Ich kann mein Kind nciht auf einen Elite Schule schicken, also darf es auch nicht der Millionär, der mitunter hart und viel für seinen Wohlstand arbeitet, auch nicht.

        :-( Ich glaube immernoch daran, dass man es mit ein wenig Grips und viel Schweiß zu etwas bringen kann. Selbst als Kind in der untersten Schicht. Beispiele gibt es dafür genügend

        • Ich glaube immernoch daran, dass man es mit ein wenig Grips und viel Schweiß zu etwas bringen kann. Selbst als Kind in der untersten Schicht. Beispiele gibt es dafür genügend

          Als Aufsichtsratmitglied in ein DAX-Unternehmen wird es kein Unterschichtskind schaffen. Vermutlich auch keins aus der so genannten Mittelschicht.

          Auch gehts mir nicht um Neid - ich will mein Kind auf keine Eliteschule schicken, es wär nur schön, wenn auf der normalen Schule auch normal ausgebildet und versorgt würde.

          Und an die Mär von den selfmade-Milliönaren glaube ich nicht so recht. Selbst der Herr gestern (Schraubenkönig Würth) hat das Unternehmen von seinem Vater geerbt und es dann zum Erfolg gebracht - aber zumindest war eine Grundlage da.

          • Prinz markus von Anhalt hat es zu was gebracht, von ganz unten... Stefan Raab... Und das es nunmal Strukturen gibt, in den nicht jeder in Spitzenpositionen kommt?! Nun, schon immer gab es ebend herrscherfamilien :-)

            Hi,
            und was ist eigentlich so schlimm daran, wenn nicht jeder Mensch die Möglichkeit hat, Millionär zu werden?

            Mein Mann und ich, wir haben beide studiert. Wir haben beide gute Jobs und gehören zu dem, was man "Mittelschicht" nennt, je nachdem, was man wie nennt wohl im eher oberen Bereich derselben. Ach ja, mein Mann ist übrigens in seiner Familie der erste - aber nicht der letzte - der Abi hat. Reine Arbeiterfamilie bis dahin.

            Wir werden beide weder jemals Aufsichtsratmitglied eines DAX-Konzerns noch (vermutlich) Millionäre werden....3000 euro für ein Elite-Internat pro Kind könnten wir uns nicht leisten. Ja, und? Muss mich das irgendwie stören? Warum eigentlich?

            ABER wir könnten (und würden auch wollen) uns durchaus ein paar Euro (oder ein paar mehr, im TV-Beitrag wurde ja mal die Zahl 40 Euro monatlich in den Raum geworfen und das thema dann wieder unter den Tisch fallen gelassen...) leisten, die wir in die SCHULbildung unserer Kinder stecken. Z.b. für eine monatliche Abgabe, um die schlechte Ausstattung der Schule zu verbessern.

            Leider ist das an staatlichen Schulen nichts, worüber man in D diskutieren darf (wenige Insellösungen mal ausgenommen). Da kommt gleich das Totschlagsargument "Bildung hat gefälligst kostenlos zu sein!!!!" - und damit hat sich die Sache erledigt. Also lieber schlechte Bildung, und damit kostenlos.

            die Alternative wäre also nur eine nicht-staatliche Schule. Die es natürlich auch für weit weniger als 3000 euro monatlich und eben auch für die Mittelschicht erschwingbar gibt. Ich kam mal in den Genuss einer nicht-staatlichen, sehr guten Schule. Damals 50 Mark Schulgeld im Monat, heute m.W. nach irgend etwas im Bereich 50 Euro. Bezahlbar wohl ab Mittelstand aufwärts für fast jede Familie...mit engierteren Lehrern, besserer Ausstattung...

            Na ja, und wieder eine Möglichkeit verpennt, wo Familien, bei denen solche Ausgaben nicht gleich zum Hungertuch führen würden und die - achtung, überraschung! - keine vorsitzenden von DAX-Konzernen sind dazu beitragen könnten - und oft eben auch wollen würden - die Situation an Schulen zu verbessern.

            Das mag in Brennpunktschulen nicht viel helfen, dafür müssten andere Lösungen her. Aber die Durchschnittsschule HIER (weiterführende) hat eben -noch- eine gemischte Schülerschaft. Nur je schlechter sie ist, desto eher werden die Eltern, die es sich - vielleicht gerade so - leisten könnten ihre Kinder woanders hin schicken.

            Aber da Bildung ja kostenlos zu sein hat wäre eine solche "Abgabe" natürlich nichts, worüber man hier auch nur nachdenken darf.

            Und du findest 900 Euro für einen Krippenplatz "zum Kotzen"? Mein Babysitter bekommt mehr als 4,60 pro Stunde (900 euro umgerechnet auf ca. 45 Wochenstunden Betreuung bedeuten ungefähr diesen Betrag - und so, wie es in dem Beitrag klang hat die Krippe länger auf, was dem Wunsch vieler Eltern sehr entgegenkommt). Und soooo riesengroß ist ja der Unterschied dann auch nicht zwischen einem ungelernten Babysitter für 2 Kinder - und 6 lange ausgebildeten Erzieherinnen für 20 Kinder (was in der Krippe der Fall war).

            Oder stört dich der Name? Immer noch besser als "Mäuschengruppe" oder gar "Zwergengruppe" - alltägliche Namen deutscher Kindergartengruppen.

            Ich fand den Beitrag leider an einigen Stellen sehr einseitig. Sicher, die Vorstandsgehälter sind an vielen Stellen explodiert - aber was bitte (außer vielleicht weniger Neid) ändert sich wirklich, wenn der eine oder andere auf ein paar Millionen verzichtet?

            Ich meine nicht den goldenen Handschlag, Verabschiedung mit vielen Millionen für die "spitzenkräfte", wenn man so richtig Mist gebaut hat - DAS gehört abgeschafft.

            Aber nur, weil mein oberster Boss nicht mehr so viel verdienen darf wie er es vielleicht jetzt tut ändert sich sonst für mich doch gar nichts.

            "Die Mär vom Selfmade-Millionär..." - stimmt, die sind tatsächlich eher selten. Aber nicht nur bei uns. Auch in Amerika wird nicht jeder Tellerwäscher Millionär. Nur - zurück zur Ausgangsfrage: was bitte ist so schlimm daran, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, Millionär zu werden?

            Sinnvoll wäre für mich nicht die Betrachtung "wie viele Kinder aus der Unterschicht schaffen es in den Aufsichtsrat des DAX-Konzerns". Sondern "wie vielen ist die Chance gegeben, einen ordentlichen Schulabschluss zu machen und eine ordentliche Ausbildung - und damit die Chance auf ein stinknormales Leben zu haben". Stinknormal heißt für mich, arbeiten zu gehen für ein nicht gerade Hungergehalt, wovon man leben kann (ob man von EINEM eine 4köpfige Familie ernähren können muss finde ich schon wieder diskussionswürdig, aber das ist ein anderes Thema...).

            Und das war ja irgendwie nur Randthema bei der Diskussion.

            Viele Grüße
            Miau2

            • Ok, lassen wir mal die Millionäre außen vor - kann und muss nicht jeder werden. Das aber so wenige Kinder aus Nichtakademikernfamilien studieren und entsprechend bestimmte Jobs nicht bekommen war ja auch ein Thema und das ist in Deutschland schon ein Problem.

              Und bei den Little Giants - ja mich stört der Name. Das sind keine Kinder, sondern die Erfolgsträger von morgen. Und das werden sie nicht, weil sie von Natur aus so genial sind, sondern weil sie dazu getrimmt sind. Die kommen dann zweisprachig in die Schule, während die Brennpunktkids keine einzige Sprache richtig beherrschen.

              Und das war meines Erachtens früher nicht so ausgeprägt.

              • Ich hatte, obwohl ich aus einer Akademikerfamilie stamme, nie Englisch im Kindergarten. Und auch nicht in der Grundschule.

                Diese Mode, über deren Sinn und Unsinn heute noch Experten streiten kam erst später auf.

                Geschadet hat es mir nicht.

                Und was hat bitte der Name "Little Giants" mit "genial" zu tun? Ist es besser, die Kinder als "Zwerge" zu bezeichnen und sie damit namentlich erst mal richtig klein zu halten? Nur, weil da jemand eine bessere Idee hatte wie man schon durch den Namen Kinder groß machen kann, als der städtische Brennpunktkindergarten ist das doch nicht schlecht - da würde ich eher den nicht-privaten Kindergarten kritisieren, der auf so eine Idee gar nicht erst kommt. Wenn man schon so viel Gewicht auf den Namen legt.

                Ich hatte damals reichlich Klassenkameraden, die kaum Deutsch gesprochen haben (u.a. meine beste Freundin - mit ihrer Mutter habe ich mich mit Handzeichen verständigt, oder die Tochter hat übersetzt). Damals war die Einwandererfamilie, wo Papa einen Job macht, den kein Deutscher wollte, und eine Mama, die zu hause war und kaum ein Wort Deutsch gelernt hat noch vollkommen normal. Hat auch niemanden gestört, im Gegenteil, waren doch alle froh, dass jemand diese Jobs gemacht hat. Hätte es aber vielleicht besser (das mit der Sprache). Und die Kinder haben in der Grundschule sehr oft mehr als nur gebrochen Deutsch gesprochen.

                Ja, es ist richtig, dass aus Nicht-Akademikerfamilien wenige studieren. Was aber nicht unbedingt daran liegt, dass es zu wenige dürften - neben der allgemeinen Hochschulreife gibt es ja auch andere Wege zum Studium. Meine ehemalige Kollegin hatte den Weg über Realschule und später Fachhochschulreife gewählt.

                Nur frage ich mich halt schon, ob alles, was über die Reichen berichtet wurde da auch nur irigendeine Ursache auch nur irgendwie ankratzt. M.E. nach hatte der Bericht in weiten Teilen mehr mit dem Aufspringen auf die "Neid-Debatte" zu tun als mit den wirklichen Problemen, ihren Ursachen - und vor allem auch: Lösungsansätzen.

                Geld hatte die Familie meines Mannes auch nicht. Er hat vollen BaFöG-Satz bekommen und nebenbei gearbeitet - und er hatte einen sehr anspruchsvollen Studiengang.

                Ich finde weder Elite-Unis schlimm noch private Kindergärten. Weil ich mir sage: wenn die verboten wären würde sich schlicht und einfach NICHTS ändern.

                So lange man in dieser ganzen Diskussion nur die Neid-Dabatte schürt statt am anderen Ende nach Lösungen zu suchen wird sich an der Situation halt auch nichts ändern. Und das war m.E. nach der große Fehler in dem Bericht (frage ist, was der für eine Zielsetzung hatte).

                • "Und was hat bitte der Name "Little Giants" mit "genial" zu tun? Ist es besser, die Kinder als "Zwerge" zu bezeichnen und sie damit namentlich erst mal richtig klein zu halten?"

                  Giant heißt soweit ich weiß Gigant, nicht genial. Ich finde diese Bezeichnung daneben, "Kleine Riesen" hätte ich mir noch gefallen lassen, das hat was augenzwinkerndes, aber in Englisch hat es gleich die Assoziation von "Riese" oder - siehe Duden:

                  Gigant: jemand, der durch außergewöhnlich große Leistungsfähigkeit, Machtfülle, Bedeutsamkeit o.?Ä. beeindruckt; etwas, was hinsichtlich einer Größe, Mächtigkeit, Wirksamkeit o.?Ä. Vergleichbarem weit überlegen ist

                  und diese Konnotation passt ganz wunderbar zum Konzept dieses Kindergartens und dessen Leiterin...

              Ich bin Studentin. Meine Eltern haben nicht studiert.
              Mein Mann promoviert momentan. Seine Eltern haben nicht studiert.

              Wieso viele meiner und seiner ehemaligen Mitschüler (deren Eltern ebenfalls nie studierten) lieber eine Ausbildung machten und nicht studierten? Ich weiß es nicht genau. Einige wollten gleich Geld verdienen. Manche meinten, dass ihnen sei der Lernaufwand zu hoch sei. Wenn man sich an seiner unstudierten Familie ausrichtet und nicht mehr möchte, dann hat man halt Pech gehabt. Daran ist aber nicht das Bildungssystem schuld.
              Die Möglichkeiten sind da!

              Wenn man sich an einer Hochschule bewirbt schaut doch niemand auf die Eltern. Wenn die Eltern zu arm sind, um Unterhalt leisten zu können gibt es Bafög. Wenn man mehr möchte, muss man nebenbei arbeiten gehen.

              • Ok - dann gibt es die Chancengleichheit eben doch und die Zahlen gehen an der Realität vorbei...

                Ja, ich habe auch studiert und der Sohn eines italienischen Änderungsschneiders ist ein angesehener Arzt geworden - das sind aber eher die Ausnahmen als die Regel. Und um beim Beispiel bei den Hochschulen zu bleiben: die gutbetuchten Studenten absolvieren in den Semesterferien Praktika im Ausland, die sie beruflich weiterbringen, die anderen gehen jobben. So ist das.

          Schön geschrieben!

    "Ich glaube immernoch daran, dass man es mit ein wenig Grips und viel Schweiß zu etwas bringen kann."

    Das sehe ich - als promoviertes Arbeiterkind - auch so. Allerdings war meinen Eltern der Wert einer guten Bildung durchaus bewusst.

    LG Nina

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