Neuer Tatbestand - Steuervermeidung -

    • (1) 29.05.13 - 08:58

      Hallo,

      gestern Abend kam in Frontal ein interessanter Beitrag über Firmen, die sich immer wieder neue Tricks zur Steuervermeidung einfallen lassen.

      Insbesondere ging es hier um Apple, die mit geschickt geplanten Firmensitzen faktisch nirgends mehr steuerpflichtig sind.

      Ein deutscher Experte hat nun eine Zahl in Millionenhöhe ausgerechnet, die dem deutschen Staat dadurch durch die Lappen gehen. Er hat von einem Steuersatz in Höhe von 25% gesprochen.

      Ich finde das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen... 25% sprich das Unternehmen muss ein Viertel von seinem erzielten Gewinn an den Staat zahlen. Und nicht nur das - für die Angestellten werden ja auch noch Sozialabgaben gezahlt.

      Hätte der Staat nicht mehr davon die Steuer etwas zu reduzieren ? Sagen wir auf 5 % ? Vielleicht würde Apple dann von sich auch diese gerne zahlen.

      Der Aufwand der betrieben werden muss um diese Firmensitze geschickt zu planen und verwalten kostet immerhin auch Geld - aber anscheinend weniger als diese 25% an Steuern.

      Wäre der Staat nicht so gierig und würde sich mit einem moderaten Steuersatz begnügen hätte er vielleicht diese 5% cash auf die Kralle und müsste nicht den 25% hinterher trauern, die er nicht hat....

      So ist es, wenn man den Hals nicht vollbekommen kann - man hat am Ende gar nichts...

      Liebe Grüße

      Tiffy

      • Dann doch am besten 0%, dann müssten doch alle erst recht zufrieden sein oder?

        Wie der Staat dann noch z.B. die Infrastruktur bereithalten soll, die diese Unternehmen benötigen um ihr Geschäftsmodell aufrecht zu erhalten, kann man sich ja später überlegen :-)

        Der Staat hat in seiner Gesamtheit bestimmte Aufgaben wahrzunehmen, die erfordern auf der Einnahmeseite eine bestimmte Summe Geldes. Insofern ist Dein Vorschlag von generellen 5% Unternehmenssteuern auf Gewinn ehrlich gesagt

        Unternehmen wie Apple, Amazon, Google, ebay, Microsoft machen das, was sie machen müssen: Profitmaximierung, auch durch Steuervermeidung. Dass sie das können, haben sie einem Staat zu verdabken, der diese legale Vermeidung zulässt. Es wäre also für den Staat - der wir in der Gesamtheit ja alle sind - besser, diese Lücken zu schliessen inkl. Steuerabkommen mit anderen Ländern (im Fall von Apple wäre das Irland) um an die Steuern zu kommen, die eigentlich zu zahlen wären.

        Genau hier tuen sich die Regierungen enorm schwer. Denn für Länder wie irland ist ein Steuersatz von 2% auf Unternehmensgewinne, auch gerade für große Kaptalgesellschaften, ein echter Standortvorteil um Kapital ins Land zu locken. Mit all den Schattenseiten, die das nach sich zieht.

        • ja, ja da hast Du schon recht...

          allerdings ist es doch jetzt so, dass der Staat erstmal überhaupt keine Einnahmen durch diese Unternehmen hat... und die Infrastruktur trotzdem zur Verfügung stellt...

          Nur was für ein Interesse hätte z.B. Irland daran mit Deutschland ein Steuerabkommen zu schließen ? Gerade solche Länder, in denen es ja faktisch nix gibt, sind ja dankbar dafür, wenn Apple usw. ihren Firmensitz dorthin verlegen... Welche Vorteile hätte Irland also davon ?

          • "Nur was für ein Interesse hätte z.B. Irland daran mit Deutschland ein Steuerabkommen zu schließen ?"

            Vielleicht sollte man fragen, welche Interessen hat Irland wenn sie es nicht tun?

            Mitunter, wenn das manche auch brachial finden werden, kann man auch mit etwas Drohkulisse in die Verhandlungen gehen, siehe auch USA vs. Schweiz.

            Angleichung der Steuersätze, eventuell gepaart mit entsprechenden Ausgleichszahlungen, ist mit Sicherheit, auch auf dem Hintergrund der ganzen Hinterziehungsdebatte, ein wichtiges Vorhaben der Regierungen der G20-Staaten.

            • Naja also drohen ist auch nicht immer die Non-Plus-Ultra-Lösung... wenn man immer nur droht und dann keine Konsequenz folgt, wird man irgendwann nicht mehr ernst genommen.

              Und was sollen Ausgleichszahlungen ? Deutschland sollte sich mal überlegen, wie es für Konzerne attraktiver wird und nicht andere Länder bedrohen oder Geld anbieten...

              • Deutschland lebt nicht von großen Konzernen sondern von einer großen Anzahl mittelständischer Unternehmen.

                Und Attraktivität allein durch Steuersenkungen herbeizuführen bei einem lächerlichen Satz von 25% Körperschaftssteuer (ich als Nichtselbstsändiger zahle einen höheren Satz).....wohin soll das führen?

                • Ich zahle auch mehr (aber nicht mehr lange ;-) )

                  Dann schau Dir mal an, wie es den meisten mittelständigen Unternehmen geht ! Dank Mindestlohn und anderen netten Idee, gehts denen auch nicht soooo super... o.k. es mag Ausnahmen geben...

                  Aber deren großes Problem ist halt, dass sie hier bleiben müssen...da fehlt einfach das Kapital um solche Dinge durchzuziehen...

                  Wobei ich schon der Meinung bin, dass Deutschland irgendwie von Konzernen lebt... schau Dir doch mal an, was passiert, wenn eine Quelle oder ein Neckermann in die Pleite geht... 1000nde Arbeitslose, die den Staat nun auch erstmal Geld kosten....

                  So ganz unnötig sind sie wohl doch nicht

      (8) 29.05.13 - 10:08

      Ich habe das auch gesehen und mir war schon vorher klar, dass wir wieder Bei Foxconn landen... Apple ist ja auch weltweit der einzige Hersteller, der dort produzieren lässt ;-) Das die Zustände dort nicht ideal sind, stimmt zwar aber man muss alle Kunden von Foxconn in die mangel nehmen. Nicht nur Apple. Und dann können wir bald alle mindestens 1000€ für ein Elektronikprodukt egal welcher mArke zahlen ;-)

      Zu den Steuern: Ich finde völlig richtig, was Apple und andere Konzerne dort tun. Stell dir mal vor, du als Cheff eines Weltmarktführers müsstet in jedem land, in dem du Gewinne machst horrende Steuern bezahlen. In Deutschland, wo das Produkt verkauft wird, und in den USA, wo der Firmen sitz ist...

      Und rechne dir doch mal 0,6% von 11,6 MILLIARDEN aus, das ist nicht wenig! Zu verlangen, dass Apple in jedem land in Europa den höchsten Steuersatz zahlt, ist schwachsinn! Damit vertreibt man die Firmen.

      • (9) 29.05.13 - 16:13

        Du sprichst mir aus der Seele, das ist das was ich die ganze Zeit schon sage !

        Deutschland hat sich darin perfektioniert Unternehmen zu vertreiben, auch mit dem Mindestlohn und was sie sich sonst noch für tolle Schikanen ausgedacht haben.

        Und womit Du am meisten Recht hast: Jeder von uns, der über ein solches Unternehmen entscheiden dürfte, würde es genauso tun.

        • (10) 29.05.13 - 16:15

          Vor allem tut es beinah jeder Bundesbürger auch.. Nur im kleinen Maßstab! Wer von uns hat noch nie etwas "schwarz" machen lassen, sprich ohne Rechnung. Dabei ist das, im Gegensatz zu Apples Tricks, verboten ;-)

          • (11) 29.05.13 - 16:19

            Sicherlich :-) fängt beim Haare schneiden an, dass die Nachbarin grad mal schnell zwischendrin macht und hört beim Schwager vom Onkel der Schwester vom Opa auf, der mal eben den Flur tapeziert ;-) aber das sieht ja keiner.

            Aber von den Damen und Herren an der Macht, fragt sich ja leider nie jemand, wieso das gemacht wird ? Die einzige Frage ist, wie kommen wir möglichst schnell an noch mehr Geld, was wir dann sinnlos in Drohnen und nicht realisierbare Flughäfen stecken können :-)

            Und das schlimme ist, was man hier ja auch sieht, der Großteil der Bevölkerung findet das noch in Ordnung !

    (12) 29.05.13 - 12:37

    „Ich finde das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen... 25% sprich das Unternehmen muss ein Viertel von seinem erzielten Gewinn an den Staat zahlen“

    Ich zahle als Arbeitnehmer einen höheren Steuersatz auf meine Einkommen. Daneben zahle ich aus meinem versteuerten Einkommen noch so einige Steuern, die Unternehmen als Betriebskosten vor der Steuer abziehen können.

    Man sollte nicht vergessen, dass sowohl Unternehmensgewinne und auch Arbeitseinkommen nur dann entstehen, wenn der Staat die Rahmenbedingungen dafür schafft (Infrastruktur, Bildung und Ausbildung, innere Sicherheit, Rechtsprechung etc.).

    Gemessen an den Anforderungen, die an den Staat gestellt werden ist der Steuersatz von 25% für Kapitalgesellschaften (die tatsächliche Steuerlast ist deutlich geringer!) sicherlich alles andere als zu hoch angesetzt.

    Es ist ein großes Problem, dass sich Konzerne wie Amazon oder auch Siemens der Verantwortung entziehen und geringe Steuern in Ländern bezahlen, die nicht an der Entstehung der Gewinne beteiligt sind.

    Das kann allerdings nur durch ein konsequentes Schließen von Gesetzeslücken in internationaler Zusammenarbeit gelöst werden. Die Reduzierung von Steuersätzen verschärft das Problem nur weiter.

    • (13) 29.05.13 - 16:11

      hmm ich sehe das nicht so direkt.

      Klar, im ersten Moment sagt jeder " das kann nicht sein, diese Schmarotzer, da muss eine politische Lösung her"

      Ich denke aber eher, dass sich die Konzerne nicht die Butter vom Brot nehmen lassen ;-)

      Sprich alles was am Ende mehr an Steuern gezahlt werden muss, zahlen die Kunden - so wie es immer ist und das sind am Ende wieder wir und das kann auch nicht wirklich die Lösung sein.

      • (14) 29.05.13 - 16:29

        "Ich denke aber eher, dass sich die Konzerne nicht die Butter vom Brot nehmen lassen "

        Die Staaten (insbesondere innerhalb eines gemeinsamen Wirtschaftsraums wie der EU) müssen Einigkeit darüber erzielen, wie Steuerflucht verhindert werden kann.

        Erste zaghafte Schritte in diese Richtung gibt es nun endlich.

        Die Macht der Konzerne endet, wenn sich die einzelnen Staaten nicht gegeneinander auspielen lassen.

        Wohin führt Dein Vorschlag, die Steuern auf 5% zu senken?

        In diesem Fall gingen Länder wie Irland wahrscheinlich auf 1% und alle Staaten hätten am Ende weniger Steuereinnahmen aus Unternehmensgewinnen, die sie anderweitig kompensieren müssten.

        "Sprich alles was am Ende mehr an Steuern gezahlt werden muss, zahlen die Kunden "

        Nein, Unternehmensgewinne und Preise lassen sich in einer Marktwirtschaft nicht willkürlich festlegen.

        • (15) 29.05.13 - 16:35

          Ich gehe mal ganz stark davon aus, dass Apple ja nicht freiwillig in Irland hockt. Ich bin jetzt nicht wirklich ein Irland-Kenner, kann mir aber vorstellen, dass es für Konzerne wesentlich strategisch günstigere Orte auf dieser Welt gibt.

          Und auch die Forschung der Unternehmen, wo denn nun der steuergünstigste Standort ist und auch der Aufbau dort usw. kostet ja erstmal Geld.

          Meine Überlegung ginge eher dahin, dass diese Organisation eines Standortes in ein "exotisches Land" teurer sein muss, als in einem angestammten Land zu bleiben und dort Steuern zu zahlen.

          Hinzu kommt ja, dass jeder Arbeitsplatz der nicht in Deutschland ist, ja auch kein Geld bringt.

          Also müsste man einmal mal ausrechnen, was den Staat besser käme:

          Einen niedrigen Steuersatz, der Unternehmen anlockt + die Steuereinnahmen aus den dort entstehenden Arbeitsplätzen + die gezahten Sozialabgaben

          oder einen hohen Steuersatz verlangen, den eh keiner zahlt, vorhandene Unternehmen noch vertreibt und keine Arbeitsplätze zu haben....

          Sollte doch leicht auszurechnen sein :-)

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