" Das ist aber ungerecht!"

    • (1) 14.06.13 - 00:55

      Das habe ich heute gehört als ich den Rest der Schokolade zwischen meinen beiden Großen aufteilte. Auf die Nachfrage, warum es ungerecht sei, sagte mein Sohn:" Weil sie schon von der Oma Schokolade gekriegt hat."
      Also: Was ist gerecht? Das, was momentan zur Verfügung steht, zu gleichen Teilen herauszugeben? Oder zu berücksichtigen, was vorher war? Oder weitere Faktoren hinzuzuziehen( "Du bist älter und ißt deshalb mehr." " Du hattest die Idee Schokolade zu essen und bekommst deshalb ein größeres Stück.") Oder wäre es gar richtig gewesen, den kleinen Geschwistern, die Mittagsschlaf hielten etwas übrig zu lassen, weil alles unter allen Umständen geteilt werden muß?
      Muß alles immer gerecht sein? Muß überhaupt etwas gerecht sein?

      Ich freue mich auf Antworten!

      • "Was ist gerecht?"

        Meiner Meinung nach wäre es gerecht (gewesen), wenn die Oma ihre Schokolade bereits geteilt hätte, und zwar so, dass alle Deine Kinder etwas davon haben.

        "Muß alles immer gerecht sein?"

        Ersetze mal die Schokolade in Deinem Beispiel durch "Liebe". Stell Dir vor, wie Du einem Deiner Kinder erzählst, dass Du es weniger liebst als seinen Bruder. Da stellt sich doch für Dich auch nicht die Frage nach der Gerechtigkeit, oder?

        Eine andere Herangehensweise zum Verteilungsproblem der Schokolade wäre, den Kindern Großzügigkeit, Freigiebigkeit und Nächstenliebe vorzuleben, damit sie das aufnehmen und sich selbst aneignen. Dann teilen sie sich nämlich die Schokolade selbst (meine Kinder tun das und heben den anderen einen gleichgroßen Teil auf). Indem Du selbst die Verteilung vornimmst und dabei einen den anderen gegenüber bevorzugst, säst Du Neid auf der einen, Gier und Hass auf der anderen Seite. Das ist in unserer Gesellschaft ganz gut zu beobachten, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht.

        • Hallo,

          ich finde, das Beispiels hinkt etwas:

          1. Schokolade ist quantitativ messbar, Liebe nicht quantifizierbar
          2. Schokolade kann theoretisch in unbegrenzter Menge nachgekauft werden (Mutterliebe ist im Regelfall wohl auch grenzenlos, aber eben nicht in Stücke teilbar)
          3. Omaliebe und Mutterliebe sind nicht vergleichbar, Omaschokolade mit Mutterschokolade aber schon

          Im Übrigen finde ich nicht, dass unter Geschwistern in jeder einzelnen Situation alles gerecht sein muss, sondern im Gesamtüberblick. Das ist gür Kinder wahrscheinlich schlecht nachvollziehbar, wenn sie jünger sind aber für mich die beste Lösung.

          vlg#winke

            • Ich finde auch, du kannst die Liebe da nicht mit einbringen.

              Die Oma hat dem Kind die Schokolade gegeben, das war also "die Liebe" der Oma zur Enkelin. Soll nun Mama dem Kind "Liebe" vorenthalten, weil es ja bereits von Oma geliebt wurde?

              Nein, oder?
              Die Mama kann ihre Kinder lieben, auch wenn sie von Oma anders, weniger oder mehr geliebt werden.
              Das ist eine Tatsache, mit der alle Menschen leben müssen: Von den einen Mitmenschen werden sie SO geliebt, von anderen Menschen ANDERS.

              Beispiel: Weil ich von meinem Vater weniger geliebt werde als mein Bruder, meint das nicht, dass meine Mama nun meinen Bruder weniger lieben darf und mich mehr.

              Ich muss als Kind aber mit der Tatsache umgehen lernen, dass mich nicht jeder Mensch gleich liebt.

              Und dass ich dennoch geliebt bin.

              Puh. War das okay vom Verständnis her?

              Und all das kann ich nun eben NICHT auf die Schokolade übertragen.

              L G

              White

                • Danke.

                  Mir ist es einfach wichtig, dass man Liebe niemals mit dem Konsum anderer Güter vergleichen oder gar gleichsetzen sollte.

                  Liebe sollte nie käuflich sein. Bzw. ist das dann keine Liebe. Und wenn man dann Schokolade mit Liebe vergleicht, bekomme ich ein Geschwür in der Magengegend.

                  Kinder müssen lernen, dass die Schokolade nicht allzu viel mit der Liebe zu tun haben muss. Das kann schwer sein, ist aber wichtig.

                  L G

                  White

                  • Hallo white,

                    so seh ich es auch. Ich habe im Zusammenleben mit meinen Kindern (die drei sind längst erwachsen , zwei haben selbst schon Kinder) unzählige Gespräche und Diskussionen über das Thema Gerechtigkeit und eben auch über diese Verwechslungen und Vermischungen von z. B. Liebe und Schokolade geführt. In der Erinnerung fühlt sich das heute schön an, es war so wichtig, ihnen klar zu machen, dass - um bei der Schokolade zu bleiben - ein größeres Stückchen nicht auch ' lieber haben ' bedeutete. Damals fand ich es unglaublich anstrengend!

                    Es gab aber auch etliche Gespräche darüber, dass ein Kind fand, ich hätte den Bruder/ die Schwester oder gar beide lieber. ( Es war nicht immer das selbe Kind, das wechselte ständig ) Diese 'Auseinandersetzungen' fand ich noch viel anstrengender!!! Da ging es dann um Ungerechtigkeit meinerseits, Vorwürfe " du hast mich nicht so lieb, wie XY" usw. Und Antworten konnte ich dann nur: "nein, ich habe dich nicht so lieb, wie XY, ich habe dich anders lieb, genau so intensiv, aber jedes Kind hat seinen ganz eigenen Platz in meinem Leben/Herzen. Jedes Kind ist mir mal näher, als die Geschwister und auch mal nicht so nah."

                    Das war nicht leicht zu verstehen für meine Drei, aber so habe ich es gefühlt und ich wollte ehrlich sein. Irgendwann kamen dann Frotzeleien " jaja, natürlich wieder das Lieblingskind", begleitet von Augenzwinkern und Grinsen - da wusste ich, dass es klar war und nicht mehr 'bedrohlich'!

                    Ich find's unbedingt wichtig, zum Einen zu klären, dass Geschenke (ob nun Schokolade oder Sonstiges) nicht mit Liebe gleichzusetzen sind und, zum Anderen, dass die Beziehung zu jedem Kind exklusiv ist, und dass das nicht bedeutet, dass man ein Kind mehr liebt, als das andere! Tja, und Gerechtigkeit.............. die definiert ja wohl jeder Mensch auf seine eigene Art und Weise.........

                    Puh, ist jetzt sehr lang geworden!

                    Liebe Grüße - widerworte

              "Ich finde auch, du kannst die Liebe da nicht mit einbringen."

              Es ging doch um Gerechtigkeit und um meine Meinung dazu zu verdeutlichen, habe ich die Schokolade (oder was auch immer da ge- und verteilt wird) durch Liebe ersetzt. Ist es gerecht (vor allem aus der Sicht des Kindes), ein Kind mehr als das andere zu lieben?

              "Die Oma hat dem Kind die Schokolade gegeben, das war also "die Liebe" der Oma zur Enkelin. Soll nun Mama dem Kind "Liebe" vorenthalten, weil es ja bereits von Oma geliebt wurde?"

              Du verdrehst hierbei die Dinge. Es geht doch nicht darum, ob Oma und Mama unterschiedlich stark ein und das selbe Kind lieben, sondern ob die Oma alle Enkel gleich stark liebt oder Mama alle ihre Kinder. Das ist ein himmelweiter Unterschied!

              • Dann verstehe ich dich nicht.
                Was soll die Mama tun, wenn das eine Kind von Oma mehr Schokolade bekam als das andere Kind?

                • Im Idealfall mit der Oma reden, dass die Bevorzugung eines Enkels ein Gefühl der Ungerechtigkeit nach sich ziehen kann...

                  Wir reden hier aber wohl mehr über den reinen Theoriefall. Natürlich - und das wurde von anderen Threadteilnehmern hier schon ausgeführt - bestehen von Kind zu Kind auch noch Interessenunterschiede. Vielleicht hat das eine Kind gar nicht so einen Bedarf an Schokolade, wie das andere? Wenn aber schon die Kinder kommen und sagen, dass da etwas nicht gerecht sei, dann muss man sich Gedanken machen, woher diese Einschätzung kommt und diese entweder aus der Welt schaffen, oder aber dem Kind gut erklären.

          Stimmt ja, an Weihnachten und Geburtstagen gibts 3 Stück Liebe am Tag, an alle anderen Tagen nur 2 und wenn Sie Blödsinn gemacht haben, müssen sie 1 Stüvk wieder abgeben.

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