Was bedeutet für Euch "Europa"?

    • (1) 02.07.13 - 22:57

      Angeregt zu der Frage hat mich die Diskussion über die Aufnahme von Kroatien in die EU.
      Es gibt da wilde Ressentiments gegen eine Erweiterung der EU, die meisten getrieben von diffusen Ängsten, die wirtschaftliche (eigene) Situation betreffend, aber irgendwie fehlte mir in dieser Diskussion die eigene Stellungnahme dazu, was Europa eigentlich ist, wie Europa positioniert ist, schlicht, was ist dieses Europa eigentlich, abgesehen von der rein geografischen Einordnung als Kontinent?

      Gibt es überhaupt Menschen, die Europäer sein wollen?
      Müsste man das vielleicht sein wollen, um Japan und den USA ein Gegengewicht zu bilden?
      Kann ein Europa vielleicht auch wichtig sein, um nicht nur wirtschaftlich, sondern vielleicht auch auf anderen Gebieten gewisse Akzente zu setzen?

      Ich selbst halte es für unabdingbar, die Idee "Europa" weiter zu verfolgen, aber ich möchte nicht allzu viel von meiner Auffassung hier preisgeben, um die weiteren Postings nicht einzugrenzen :-)

      Also: Was bedeutet für euch Europa?

      Beste
      Tom

      • Europa ist für mich zu aller erst eine großartige Idee, aus einem Kontinent, der sich selbst ueber Jahrhunderte selbst verwüstet hat und in einem gigantischen Endzeitgleichen Weltkrieg mündend sich fast komplett der Vernichtung preisgegeben hat, einen Ort der Vernunft und des Friedens zu machen. Auch als Vorbild für andere Regionen in der ganzen Welt.

        Allen, ohne Zweifel gemachten, ökonomischen und bürokratischen Fehlern zum Trotz ist diese Idee für mich sehr lebendig und ich halte es für eine große Errungenschaft, heutzutage als freier Mensch in Eurpoa umherreisen zu können, nur unterschiedliche Sprachen als Grenze. Aber da liegt es ja an einem selbst, die Sprache der Nachbarn zu lernen.

        Zuerst fühle ich mich als Rheinländer und dann als Europäer, das Deutsche ist lediglich meine Muttersprache.

        Bis zu den Vereinigten Staaten von Europa ist es noch ein sehr langer Weg aber der Weg zurück ist länger und egoistisches Denken in alten Nationalgrenzen wird irgendwann nur noch in Geschichstbuechern nachzulesen sein.

        • Hallo,

          so sehe ich das auch.

          Da merkt man, dass sich die Rheinländer und die Bayern doch ein wenig ähnlich sind :-)

          Ich habe immer schon gesagt, dass ich in erster Linie Bayerin bin und dann Europäerin mit deutscher Muttersprache.

          GLG #winke

      Der Begriff "Europa" bedeutet für mich (derzeit) eine rein geographische Bezeichnung und mehr nicht.

      Die "Vereinigten Staaten von Europa" sind für mich reines Wunschdenken.

      Warum? Weil ich der Meinung bin, dass Europa nach dem Fall des eisernen Vorhangs keine Zeit hatte, von selbst zusammenzuwachsen. Bestimmte Politiker hatten es viel zu eilig, sich durch fragwürdige Regelungen und Entscheidungen ein Denkmal für die Ewigkeiten setzen zu wollen. Eine Beachtung der kulturellen und wirtschaftlichen Unterschiede wurde nicht angemessen bei diesen Entscheidungen berücksichtigt.

      In erster Linie sehe ich mich als Schwabe und dann als Deutscher.
      Ich wüsste nicht, wegen welchen Attributen ich mich als Europäer bezeichnen sollte....

    • Leider ist Europa in den Köpfen der Menschen noch nicht angekommen. Und das wird auch so bleiben, solange jeder Staat sein Ding macht!

      (6) 03.07.13 - 09:53

      Ich fühle mich Deutsch...

      Klar ist Europa und die Währungsunion eine tolle Sache, aber die Umsetzung ist mangelhaft!

      Zb. die Lobbyisten in Brüssel, das EU-Parlament ist ein einziger korrupter haufen!

      500.000 illegale Einwanderer Pro jahr!
      Schwerverkehr wird nicht, wie versprochen, auf die Schine verlegt!
      Praxisferne und behindernde Gesetze aus Brüssel!
      EU-Förderungen in Milliardenhöhe versickern in irgendwelchen dunklen Kanälen!

      Wo wir schon bei geldverschwendung sind: Bestes Beispiel ist folgendes: "Das Verfassungsdebakel- Nach 16-monatigen Beratungen, 1500 schriftlichen Eingaben, 6000 Änderungsanträgen und einem geschätzten Kostenaufwand von 21 Mio. Euro lag ein EU-Verfassungsentwurf vor, der wohl nie in Kraft tritt." Und sowas ist in Brüssel an der Tagesordnung. Erst neulich wurden für alle Abgeordneten iPads angeschafft...

      Dann glaube ich, dass das MAximun der EU erreicht ist. Es gibt einfach ncihts mehr wa sman tun könnte. Das Maximun an Integration ist erreicht!

      Es gibt keine europaeische Zivilgesellschaft und die Sprachenvielfalt in Europa wird es auch zukuenftig nicht zulassen, dass eine solche entsteht.

      Gegen die großen Sorgen der menschen in der EU tut dieselbige NICHTS!

      Nationale Idendität sollte erhalten werden finde ich!

      Un nochmal: Die EU ist ein Bürokratieapperat!!!! Verschlingt Milliarden!

      Ich will kein Europäer sein, ich will Deutscher sein! Mit Freunden in Europa vereint, in unseren Werten, Idealen und einer gemeinsamen Währung.... Mehr nicht!

      Für mich bedeutet Euopa nur, dass ich leichter Reisen kann :-)

      • (7) 03.07.13 - 12:41

        Danke für deinen Beitrag, auch wenn ich ihn ein wenig stammtischnah finde.

        Dein Einwand, dass die nationale Identität erhalten bleiben soll, zieht in meinen Augen nicht. Ich bin doch nicht weniger der rheinischen Identität verpflichtet, nur weil ich zusammen mit den Westfalen im Bundesland Nordrheinwestfalen und dann auch noch mit den Bayern im Staat Deutschland leben muss.

        Genauso wenig wird sich meine deutsche Herkunft auflösen, wenn die Integration in Europa fortschreitet und anders als Du glaube ich schon, dass dies der Fall sein wird.

        Dein Argument mit der Verschwendung, also dein bestes Beispiel finde ich auch etwas merkwürdig. Rein rechnerisch gesehen ist ein Aufwand von 21 Mio. bei 28 Mitgliedsstaaten doch verschwindend wenig, um nicht das böse Wort von den Peanuts zu bemühen ;-)

        Deine restlichen Einwände finde ich alle etwas diffus, vielleicht kannst du ja speziellere Beispiele anführen, die bspw. die Korruption präzisieren?

        Beste Grüße
        Tom

        • (8) 03.07.13 - 13:09

          "Dein Argument mit der Verschwendung, also dein bestes Beispiel finde ich auch etwas merkwürdig. Rein rechnerisch gesehen ist ein Aufwand von 21 Mio. bei 28 Mitgliedsstaaten doch verschwindend wenig, um nicht das böse Wort von den Peanuts zu bemühen "

          Das stimmt, wenn es denn dann auch zur Umsetzung kommen würde! Was aber oft nicht passiert... :-(

          Und wie oder wem man sich verpflichet fühlt, bleibt doch jedem selbst überlassen :-) Ich bin Deutsch und möchte, dass es meinen Landsleuten gut geht... Andere Länder sind für mich an 2ter Stelle. Wenn es uns gut geht und wir anderen helfen könne, wunderbar. Dazu ist eine Solidargemeinschaft ja nunmal da...

          Aber in Europa wird gemauschelt ohne Ende. Staaten treten bei, die garnicht hätten beitreten dürfen (Italien, Griechenland) um dort neue Märkte zu schaffen... Es geht ums Geld, das tat es schon immer und es wird auch leider immer so sein. Und jetzt müssen du und ich (die Steuerzahler) Banken retten die sich dann auchnioch darüber lustig machen (siehe aktuell in den medien: irische bank).

          Ich bin einfach frustriert, dass die Idee Europa von geldgeilen korrupten Eu Abgeordneten udn lobbyisten zerstört wird. Man sieht doch das Ergebnis, es enstehen Konflikte..

          Rechtschreibfehler? Mir egal :D

          Achja, die meisten meiner Argumente standen in der FAZ... Von Stammtisch kann da also keine Rede sein, ich habe sie nur ein wenig entpolitisiert, damit sie jeder/jede hier versteht :-)

          • (9) 03.07.13 - 13:23

            Nun offenbar findest du ja "die Idee Europa" eigentlich ganz gut, wenn sie nicht "von geldgeilen korrupten Eu Abgeordneten udn lobbyisten zerstört wird".

            Mal abgesehen davon, dass das ja nun wieder eine platte Pauschalisierung ist, oder in deinen Worten eine "Entpolitisierung, damit sie jeder/jede hier versteht", würde mich interessieren, was du denn unter dieser "Idee von Europa" verstehst. Darauf zielte ja meine Eingangsfrage ab.

            Natürlich geht es auch in der Europäischen Union um Geld, so wie es meist um Geld geht, nur was ist daran verwerflich?
            Glaubst du beispielsweise, der Marshallplan habe keinen finanziellen Hintergrund gehabt und die Siegermächte hätten keinerlei finanzielle Interessen mit ihm verfolgt?

            • (10) 03.07.13 - 13:30

              Natürlich hat der Marshallplan einen wirtschaftlichen Hintergrund... Große US-Firmen haben doch seinerzeit sogar Hitlers Aufstieg finanziert (zB. FORD) um neue Märkte zu genrieren.

              Also, meine Idee von Eruopa sieht so aus: Ein Zusammenschluss wirtschaftlich starker Staaten mit einer gemeinsamen starken Währung. Weniger starke Staaten werden, bevor sie beitreten können, mit Hilfe der bereits vorhandenden Staaten reformiert. Die Völker sollten jedoch vorher abstimmen können, ob ein neuer Staat aufgenommen wird! Das EU-Parlament muss völlig neu gestaltet werden, du glaubst doch nicht (vor allem nach den neusten dämlichen Regelungen) dass dort das Volk regiert?! Da sitzen die meisten Lobbyistenvertreter...

              Das Nationalgefühl soll trotzdem bestehen.. Es wird nie "Die Europäer" geben... Hat es nie und wird es nie. Es ist doch schön, wenn sich alle verstehen und man überall arbeiten kann und sich ausstauschen kann. Aber nunja... Ich bin da recht preußisch erzogen worden, was das angeht!

              Und England ist ja sowieso gegen ein starken zentraleuropa, will immer Extra-Regelungen und und und... Die sollten wir einfach rausschmeissen #rofl

              • (11) 03.07.13 - 13:53

                Demnach ist also deine Vorstellung von Europa die einer reinen Wirtschaftsgemeinschaft, sehe ich das richtig?

                Mir stößt da ein wenig deine Formulierung "Weniger starke Staaten werden, bevor sie beitreten können, mit Hilfe der bereits vorhandenden Staaten reformiert." auf.
                Das hat ja etwas sehr Hegemoniales.

                Ich bin mir nicht sicher, ob man sich nicht gerade von dieser Idee des "großen Einen" - ist irgendwie schwierig das richtig in eine Formulierung zu fassen- verabschieden sollte und gerade eine unterschiedliche auch wirtschaftliche Ausrichtung der Mitgliedsstaaten in bestimmten Situationen ein großer Vorteil sein kann.
                Amerika hat es erlebt, dass die einseitige Ausrichtung der Wirtschaft auf Auto und später dann auch Elektronik recht angreifbar macht, Japan erlebt eben dieses seit einigen Jahren. Mir scheint, dass gerade die Diversifizierung auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine Stärke sein kann.

                Und -an dieser Stelle eigentlich völlig offtopic- die Demokratie gäbe es in der heutigen Form nicht ohne Griechenland, Italien und England.. Also sollten wir vielleicht aus historischer Sentimentalität die Engländer nicht sofort aus der Gemeinschaft ausschließen ;-)

                • (12) 03.07.13 - 13:59

                  Nun, die Japaner leiden an einer Deflation, die Amerikaner ja eher nicht... Denke nicht, dass sich das gut vergleichen lässt...

                  Hegemonial? Das gefällt mir. Es ist doch auch für alle Staaten besser und für die menschen sowieso. Wenn sie selbst entscheiden, dass Land XY soll aufgenommen werden, dann ist im Fall der Fälle die Bereitschaft auf etwas für deren Wohl zu verzichten sicherlich etwas größer. Und dadruch, dass sie vor der Aufnahme saniert werden, entstehen doch für alle nur Vorteile finde ich!

                  • (13) 03.07.13 - 14:13

                    "Nun, die Japaner leiden an einer Deflation, die Amerikaner ja eher nicht... Denke nicht, dass sich das gut vergleichen lässt..."

                    Nicht die genaue Situation, aber die Fixierung auf einen bestimmten Markt hat in beiden Fällen zu einer Abhängigkeit geführt, die sich rächte :-)

    Ich bin gerne Deutsche. Ich bin gerne Europäerin. Mich nur als "Sächsin" zu bezeichnen (so wie hier sich manche nur als "Schwabe" bezeichnen), finde ich ein typisches kleinkariertes deutsches Verhalten. Kein Wunder, dass viele Ausländer die Deutschen als unnahbar und kalt bezeichnen.

    Das grenzenlose Reisen hat schon seine Vorteile. Dass viele Länder auch die gleiche Währung haben, finde ich für mich sehr positiv.

    Aus der Sicht eines Unternehmens finde ich z.B. positiv, dass dieser ganze Schriftkram für den Zoll komplett wegfällt innerhalb der EU. Der Verwaltungsaufwand ist viel geringer.

    Es gibt jedoch für mich auch Negatives von einem Europa ohne Grenzen. Ich wohne zeitlebens an der deutsch-polnischen Grenze, Tschechien ist auch nicht weit. Es ist natürlich nicht schlecht, schnell mal nach Polen zu fahren, ohne einen Ausweis zu zeigen, um einzukaufen, zu tanken oder was auch immer. Kurzurlaub, Ski fahren, billig und gut essen gehen - alles kann man ganz gut machen in Polen und Tschechien (vor allem auch weil die Standards immer westlicher werden).
    Auf der anderen Seite haben wir seit der Wende doch auch einige Sachen erlebt. In den 90ern flogen in der Nacht die Helis des Zolls. Autos verschwanden nach Polen, "menschliche Ware" wurde nach Deutschland geschmuggelt. Ende der 90er wurde es deutlich ruhiger. Durch den EU-Beitritt von Polen 2004 vielen auch noch die letzten Kontrollen. Das war erst auch gar kein bzw. kaum ein Problem.

    Die letzten Jahre wird jedoch wieder auffällig viel geklaut (Autos, Traktoren!, teure Fahrräder, Kupfer, als das was gebracht hat). Das sind jedoch nicht mehr die Polen, sondern irgendwelche anderen organisierten (deutschen) Gruppen. Man spricht auch von der Rumänen-/Bulgaren-Maffia. Jetzt merkt man, wie sehr Zoll & hier auch die Polizeipräsenz fehlt.

    Außerdem hat der Drogenhandel ( Crystal Meth), speziell an der deutsch-tschechischen Grenze Hochkonjunktur. Schöne neue Welt...

    Soviel Positives ein Europa auch hat, so unsicher finde ich unbewachte Grenzen. Gerade durch Deutschland kann jeder durchgondeln.

    Dann gibt es es diese ganzen russischen Länder, Die sind so weit weg, leben in anderen Zeitzonen, haben ihre eigenen Mentalitäten. Für mich sind das weder Europäer, noch Asiaten, sondern irgendwas dazwischen - schon fast ein eigener Kontinent - der Kontinent "Russland". Sie sind rein geographisch gesehen Europäer. Aber was passiert in den nächsten 50 Jahren. Wie viele von diesen Staaten wollen dann in die EU und Unmengen von Geldern abgreifen, die dann im westlichen Europa fehlen? Europa hört für mich mit dem Balkan auf. Dabei kommt da noch ein kleiner Rattenschwanz, von dem man meist nur was hört, wenn gerade der Eurovision Song Contest ist (um es mal überspitzt zu sagen). Wo soll das alles noch hinführen? Wie soll man all diese Länder unter einen Hut bekommen? Die Vereinigten Staaten von Europa wird es für mich auch nie geben.

    • Schönes Posting.
      Nur eines frage ich mich ja bei all deinen richtigen Ausführungen bzw. Beobachtungen.
      Glaubst du, dass mit der alten Form der Grenzkontrollen, also Zoll und Grenzschutz, die Kriminalität nicht in diesem Ausmaß existieren würde?
      Ich bin beispielsweise bei der Drogenkriminalität ziemlich sicher, dass dieses in ähnlicher Form auch existierte, hätten wir noch die "alten" Grenzen. Es würde dann eben anders abgewickelt, vielleicht eher auf dem Gebiet jenseits unserer Grenze, aber ich glaube eher nicht, das der Umfang dieser Kriminalität wesentlich geringer ausfiele.

      Natürlich wirst du dich auch nie überall in Europa gleich zuhause fühlen und die unterschiedlichen Mentalitäten werden und sollten meiner Meinung nach auch erhalten bleiben. Du wirst halt nicht ganz natürlich in Warschau leben, wenn du aus München kommst. Dennoch denke ich, kann ein Europa trotzdem mit einer gewissen Identität existieren, auch wenn die Mentalität und die wirtschaftlichen Gegenheiten lokal sehr unterschiedlich sind. Schließlich ist das ja schon zwischen Kölnern und Düsseldorfern möglich, die sich alle als Rheinländer fühlen, und zwischen dem Texaner und jemandem aus Miami liegen genauso Welten.

      Vielleicht lässt sich die "Identität" als Europäer oder eben im Vergleich als Amerikaner nicht nur an Mentalität und lokalen wirtschaftlichen Gegebenheiten festmachen?

      Beste Grüße
      Tom

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