"Prism" zum ersten, zweiten, dritten...

    • (1) 17.07.13 - 19:49

      Guten Abend!

      So langsam wird es in meinen Augen lächerlich.
      Und ich komme mir, gelinde ausgedrückt, veräppelt vor.
      "Prism", dieses Wort kannte ich vor 3 Wochen noch gar nicht.

      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/prism-bundesregierung-spricht-von-zwei-programmen-a-911627.html

      Möchte mir jemand erklären wie und warum es dazu kam, dass das Wort "Prism" in Politiker-bzw. Bundeswehrkreisen schon längst bekannt war?

      Ich bin gespannt auf eure Erklärungen.

      Liebe Grüße,

      bim

      • Hi bim!

        Leider kann ich Dir nicht erklären, wie und warum es dazu kam.

        Ich finde etwas anderes an diesem Medienhype interessant.

        Als vor gar nicht so langer Zeit Frau Merkel Neuland entdeckte, war das Netz voller Häme und gerade diejenigen, die damals als vermeintliche Nerds am lautesten gelacht haben, schreien jetzt am lautesten (ok, am lautesten nach Peer (ich bin eine Bulldogge) Steinbrück) auf.
        Dabei haben wir hier doch ein ganz deutliches Zeichen dafür vor Augen, dass es sich bei einer so großen Datenagglomeration wie "dem Internet" tatsächlich in mehr als einer Hinsicht um Neuland handelt.
        Diese Möglichkeiten der Datenaggregation, die "das Internet" bietet, sind in dieser Form doch noch sehr jung und es hat eben bis auf einige Randgruppen wie die diversen Chaos Computer Clubs eigentlich noch keine nennenswerte Auseinandersetzung mit den Risiken und Chancen gegeben. Gesellschaftlich setzt man sich allenfalls mit Phänomenen wie facebook auseinander und dann eigentlich auch nur, wenn es durch unvorsichtige Nutzung dieser Dienste mal wieder zu irgendeinem schlimmen Zwischenfall gekommen ist, oder bestenfalls noch, wenn Spendenaktionen durch die schnelle Verbreitung per Facebook und Twitter besonders schnell Erfolge erzielt haben.

        Dass durch das Internet und die fortschreitende Weiterentwicklung von Rechnerleistung und eben auch Softwareleistung die Datenverarbeitung in einer neuen Qualität möglich ist, interessiert allenfalls Nerds und google und die NSA :-)
        Technisch gesehen hat gerade google immense Summen investiert um eine Suche "intelligent" zu machen, die NSA sicher auch, wobei ich mich nicht wundern würde, wenn sie großenteils auch auf die Filtertechnologie von google zurückgreifen würden und vielleicht noch die beiden großen Hersteller von Betriebssystemen.
        Nur wenn jemand "intelligent" suchen kann, und das in riesigen Datenmengen, die öffentlich zur Verfügung stehen, dann kann er das für verschiedene Zwecke benutzen. Im Guten wie im Schlechten.

        Ein simples Beispiel stellt ja dieses Forum hier dar. Es wurde vor geraumer Zeit die Funktion abgeschafft, nach Beiträgen eines bestimmten Nutzers zu suchen, weil diese Funktion des öfteren missbraucht wurde, um Nutzern quasi nachzustellen.
        Nun ist es für jemanden, der halbwegs fähig in der Benutzung gängiger Software ist, ziemlich einfach, diese Funktion quasi in zwei bis drei Stunden auf dem eigenen Rechner nachzubauen.

        Neben dem jetzt ja gern benutzten Weg der Googlesuche nach dem Nutzernamen in Kombination mit dem Forennamen, gibt es hierzu ganz gute Angebote, die auch jemand bedienen kann, der nicht programmieren kann, Stichwort hierzu wäre "Mashup".
        Weil ich ein Spielkind bin, habe ich das mal mit einem Opensourcesystem spaßeshalber realisiert, ich musste die Funktionalität ohnehin in einem Projekt testen, und siehe da, es war ein leichtes, innerhalb weniger Minuten fast alle Beiträge eines bestimmten Nutzers aus dem Forum zu extrahieren und schön übersichtlich als Linkliste darzustellen.

        Wenn das aber nun alles so einfach geht und die Daten quasi "auf der Straße" liegen, wer würde dann annehmen, dass ein ganz geheimer Geheimdienst diese Daten nicht (auf)liest?

        Natürlich ist dieses Datensammeln im Internet nur die eine Seite von Prism, die andere ist die, dass Daten gezielt bei der Übermittlung abgefangen wurden.

        Wenn die bösen Hacker das tun, nennt man sowas "man in the middle attack", weil man sich einfach in die Mitte zwischen Sender und Empfänger stellt, sich dem Sender gegenüber als Empfänger ausgibt, die Daten abfischt, speichert, und dann sich dem Empfänger als Sender ausgibt und ihm die Daten zustellt.
        Weder Sender noch Empfänger merken dann was, theoretisch :-)

        Nun weist der CCC bereits seit den späten 80ern darauf hin, dass eine Datenübertragung über ein Netzwerk wie das Internet a priori eigentlich nicht sicher ist, man erinnere sich hier an diese lustigen Skandale als damals über diverse Unirechner angeblich das Pentagon gehackt wurde, etc.
        Erstaunlicherweise hat man bis heute daraus auf Seite der User offenbar nicht sehr viel gelernt, denn es ist noch immer sehr wohl möglich, Emails und andere Nachrichten gut verschlüsselt zu versenden, so dass der man in the middle mit dem abgefangenen Datenverkehr nicht viel anfangen kann. Wenn das aber nicht mal die Leute um Mohammed Atta getan haben, wo ist denn dann da die so called "Medienkompetenz" oder, um auf den Anfang zurückzukommen, ist dann Merkels Spruch vom Neuland nicht tatsächlich sehr wahr?

        Nun, warum "Prism" den Diensten und damit dann ja auch zumindest den zuständigen Ministern bekannt war, ist doch einfach zu beantworten.
        Hätten sie nichts in dieser Richtung unternommen/gewusst, wäre das grob fahrlässig, denn die Aufgabe eines Geheimdienstes ist es nun mal, Informationen zu sammeln.
        Hätten sie das nicht getan, DANN würde ich mir ernste Sorgen machen.

        So sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.

        henny

        • "Diese Möglichkeiten der Datenaggregation, die "das Internet" bietet, sind in dieser Form doch noch sehr jung"#

          Kompletter Quatsch, den Du da erzählst. Schon Suchmaschinen wie altavista konnten 1998 aufgrund ihrer Architektur immense Menge Daten aus dem Netz abschöpfen. Kam nur darauf an wie viel Blech man im Rücken hat um das gesammelte zu speichern.

          Insofern ist das Neuland-Gefasel von Merkel eine unglaubliche Frechheit, zumal die ihr unterstellten Behörden natürlich wussten, was die Amerikaner machen.

          Lass Dich ruhig weiter verarschen.

          • 1998 - 2013, mh... also ich finde 15 Jahre für eine solch immense Veränderung der Menge und Verarbeitbarkeit von Daten nicht sonderlich lang, zumal sich die Qualität der Datenverarbeitung allein dadurch verändert hat.

            Natürlich konnte altavista schon große Datenmengen anhäufen, die Qualität der Verarbeitung hat sich seither aber doch ziemlich verändert, bessere Algorithmen, die unter anderem deshalb erst möglich wurden, weil sich die Rechnerperformance seither immens gesteigert hat.
            Die reine Datenmenge macht's ja nicht, sondern die Möglichkeiten, die man hat, damit etwas anzufangen. Mal abgesehen davon, dass auch die Menge der im Netz verfügbaren Daten heute ein Vielfaches derer von 1998 ist.

            Im Übrigen sehe ich nicht, wo ich mich "verarschen" lasse, gewertet habe ich die Praxis des Datensammelns doch maximal am Rande.

      Hallo henny!

      Hab vielen Dank fuer deine ausfuehrliche Antwort.
      Ueber eben diese denk ich jetzt nach.
      Ich gebs ehrlich zu, ich bin ein kleines "Internet-Naivle"...

      Schoenen Abend noch,

      Bim

      Erklären kann ich dazu nichts, aber was mich dennoch sehr traurig macht ist der Umstand, dass seit langer Zeit schon viele Menschen vor der umfangreichen Überwachung gewarnt haben, diese jedoch immer als Verschwörungstheoretiker oder linke Spinner bezeichnet wurden. Dass mit der heute bereits vorhandenen Technik jegliche Kommunikation mitgeschnitten werden kann (Handygespräche z.B. werden auch nur digital übertragen und bestehen aus speicherbaren Bits und Bytes) ist nicht neu. Es ist auch nicht verwunderlich, dass es gemacht wird, aber es ist ziemlich bitter, dass sich darüber keiner wirklich aufregt. Oft hört man ja solche Sätze wie "Ich habe doch nichts zu verbergen". Naja, wer nichts zu verbergen hat, der könnte hier auch mit seinem richtigen Namen schreiben oder seine Adresse in der Visitenkarte angeben. Das tut offensichtlich keiner und das aus gutem Grund.

      Was man sonst noch für Sprüche hört, haben die Piraten mal zusammengestellt:
      http://wiki.piratenpartei.de/Ich_habe_nichts_zu_verbergen

      Klar, die Piraten sind unwählbar, weil die einzig und alleine die persönliche Freiheit eines jeden Einzelnen schützen wollen und sonst nichts im Wahlprogramm steht. Da muss man freilich abwägen zwischen dem einen und dem anderen...

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