es wird Zeit für einen Mindestlohn

    • (1) 06.09.13 - 09:26

      Es wird wirklich Zeit für einen Mindestlohn.
      Wenn man überlegt, dass z.B. Mitte der 90er - also vor ca. 20 Jahren - eine Schülerin ohne Schulabschluß in einem Supermarkt für das Auffüllen von Regalen einen Stundenlohn von 10 DM bekam - umgerechnet: 5,11 Euro.

      Heute bekommt die gleiche Person, mit Schulabschluß (Abitur), Berufsausbildung, Zusatzqualifikation, mehrjährige Berufserfahrung im Kaufmännischen Bereich für die Tätigkeit in einer Bürostelle zwischen 6-7 Euro angeboten.

      Ist das nicht traurig - gerade mal 1-2 Euro mehr für eine quafifizierte Bürostelle als qualifizierte Kfm. Kraft - als damals fürs Regale auffüllen im Supermarkt.
      Eigentlich gehört das Verboten.
      Vorallem handelt es sich für eine regelmäßige Tätigkeiten an ca. 5 Tagen in der Woche auf 400 bzw. 450 Euro Basis.

      Das ist das nächste was man verbieten müßte. Es dürften keine Minijobs mehr für regelmäßige Tätigkeiten vergeben werden. Sobald der Job regelmäßig jeden Tag wie ein Halbtagsjob stattfindet, müßte es in einen Halbtagsjob umgewandelt werden und so auch behandelt werden.
      Minijobs dürften nur zum Hinzuverdienen vergeben werde, für kurzfristige Tätigkeiten, für Aushilfstätigkeiten, usw.
      Aber nicht für einen Halbtags-Bürojob.

      Außerdem müssen für diese Minijobs endlich wieder Stundengrenzen her. Z.B. Minijobs nur bis zu 10 Stunden in der Woche oder 40 Stunden im Monat. Wird dies überschritten, muß der Job in einen Steuer- und Sozialversicherungspflichtigen Job umgewandelt und entsprechend bezahlt werden.

      Desweiteren müssen Mindestlöhne her. Eine qualifzierte Kraft für einen qualifizerten Minijob mit mindestens 8,50 Euro bekommen.
      Für einen Steuer- und Sozialversicherungspflichtigen Job müssen mind. zwischen 10-12 Euro gezahlt werden.

      Außerdem dürfen Frauen aufgrund ihres Geschlechtes nicht mehr weiterhin benachteiligt werden. Gleiche Chancen für Frauen am Arbeitsmarkt.

      Eine Firma ab 100 Mitarbeitern muß mind. 25 % Mütter beschäftigen und zwar so in Teilzeit beschäftigen, dass ein Teilzeitvertrag mit einer guten Kinderbetreuungszeit vereinbar ist. Und nicht einer Mutter mit einem Schulkind einen Bürojob für jeden Nachmittag ab 15 Uhr anbieten. Das ist eine ganz große Schweinerei so was überhaupt anzubieten, denn zu dieser Zeit haben die meisten Kinder Schulaus und die Schulbetreuung ist dann auch geschlossen. IdR arbeiten die meisten Familienväter in Vollzeit und kommen idR nicht vor 15 Uhr nach Hause.

      Alle Mütter, die aus der Elternzeit kommen, müssen mind. für ein Jahr in Teilzeit - ca. 50% - und zu vertretbaren Arbeitszeiten übernommen werden.

      Arbeitgeber, die sich an diese Regeln nicht halten, müssen mit hohen Geldstrafen bis hin zu mehrjähriger Freiheitsstrafe bestraft werden.

      Wenn wir das schaffen, schaffen wir bessere Arbeitsbedingungen für alle Bürgerinnen und Bürger.

      Vielleicht liest ja der eine oder andere Politiker mein Posting.

      • Ohmannomann... Das war ja viel... Schon mal an einen Parteibeitritt gedacht? ;-)

        Also grundsätzlich finde ich Deine Einstellung toll, der Mensch sollte als Arbeitnehmer mehr in den Vordergrund rücken und sollte in einem Angestelltenverhältnis nicht schlechter dastehen als ohne bzw. angemessen entlohnt werden.

        Was allerdings ist angemessen? Der Vergleich zwischen DM-Zeiten und heute hinkt enorm, die Preise haben sich zwischenzeitlich derart verschoben, dass ein Vergleich kaum mehr möglich ist. ABER ein Vergleich einer gelernten Tätigkeit hin zu einer ähnlichen ungelernten Tätigkeit wäre durchaus akzeptabel.

        Zum Thema Mindestlohn kann ich nur sagen: Eine Tätigkeit, die einen Wert auf dem freien Markt hat, sollte diesen in ihrer Entlohnung auch widerspiegeln. Liegt dieser unterhalb der 8,50€ (z.B. bei Friseurinnen) so kann man den Wert nicht künstlich herstellen - jedenfalls nicht, wenn man eine freie Marktwirtschaft mit Angebot und Nachfrage Regulierung beibehalten möchte (Alternativen kennen meine Eltern hier in den neuen Bundesländern leider zur Genüge). ABER ich gebe Dir recht, dass eine Friseurin keinesfalls Probleme haben sollte, sich und ihre Familie zu ernähren, daher wäre es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass sie ohne Repressalien aufstockt auf ein bedingungsloses Grundeinkommen, welches vom Staat unterstützt wird. Es sollte definitiv nicht so sein, dass ein 40h/Woche-Arbeitender weniger zum Leben hat, als ein SGBII-Empfänger... Aber wenn es weiterhin einen freien Markt geben soll mit UNternehmen, die Deutschland weiterhin so erfolgreich machen, kann man Dienstleistungen nicht künstlich verteuern. Das würde nämlöich zum Beispiel bedeuten, dass die Preise der produzierenden Industrie in die Höhe schnellen und dementsprechend auch die Produkte teurer werden. Daraufhin wären wir nicht mehr konkurrenzfähig und entweder stirbt ein Unternehmen daran oder es sucht sich einen günstigeren Standort. Und dann, so schimm es sich anhören mag, gibt es niemanden mehr, der diese Seifenblase von Mindestlohn finanzieren könnte.

        Zum Thema Frauen und Mütter: Ich selbst engagiere mich in meinem Unternehmen für die (!) Gleich- (!) Behandlung von Frauen und Männern. Das heißt nicht, dass Frauen eine Sonderbehandlung erhalten sollten (Warum auch in aller Welt?!), sondern dass allen "Eltern" gleiche berufliche Chancen zum Beispiel auf Teilzeit, Kinderbetreuung oder Wiedereinstieg / beruflichen Aufstieg zustehen sollten. Warum MUSS eine Mutter nach der Elternzeit in Teilzeit gehen? Kannst Du Dir vorstellen, dass es Berufe gibt, in denen das überhaupt nicht geht? Teilzeit ist Luxus und es ist toll, dass es manchen Menschen angeboten wird, aber ich als Mutter von bald drei Kindern MÖCHTE gern in Vollzeit arbeiten. Dass ich das kann, liegt an der unheinmlich guten Kinderbetreuung in meiner Gegend. DARAN sollte man dringend arbeiten, damit dies auch endlich ins letzte Dörfchen von Niederbayern vordringt. Ich möchte gern Karriere machen, auch wenn ich eine Frau und Mutter bin. Das geht aber nicht, wenn meine Kunden, Kollegen und Partner sich nicht auf mich verlassen können. Wenn ich nur zwanzig Stunden in der Woche da bin, wie soll ich da beispielsweise ein wichtiges Entwicklungsprojekt betreuen? Der SOP für ein Auto z.B. wird nicht um drei Jahre verschoben, nur damit ich bei meinen Kindern sein kann...

        Ansprüche stellen ist leicht, aber es sollte auch eine logische Verkettung von Bedarf und Umsetzbarkeit geben. Alles Andere gehört auf eine Liste an den Weihnachtsmann.

        lG
        Lucyfe

        • In den Niederlanden ist das Modell der Teilzeitarbeit sehr verbreitet. Da gehen sehr viele Frauen (und auch Männer) nur 3, höchstens 4 Tage voll arbeiten.

          Das Problem: es werden dann 2 für den gleichen Job eingestellt. Meine Firma hat einen Kunden in den Niederlanden, wo das so jahrelang gehandhabt wurde. Die eine Dame kam an den Tagen zur Arbeit, die andere an den anderen Tagen. Beide mussten jedoch über die gleichen Aufträge Bescheid wissen. Die beiden hatten noch einen kleinen Chef, der natürlich auch über alles Bescheid wissen musste. Das war so nervig, drei Mal das gleiche zu erzählen. Dann weiß die eine nicht, was die andere schon gemacht hat. Ist das förderlich für die Wirtschaft und für den Umsatz eines Unternehmens? Mit Sicherheit nicht... Ende vom Lied: die niederländische Firma gibt es nicht mehr, wurde vom größeren Konkurrenten geschluckt, wo man effizienter arbeitet. Wenn die überall so ineffizient gearbeitet haben wie in ihrem Teilzeit-Einkauf, dann wundert mich das gar nicht. #rofl

          • Ernsthaft, ninnifee, das System wird doch in Deutschland auch angewandt und es funktioniert in unzähligen Bereichen sehr gut.

            Warum haben denn die beiden Frauen es nicht geschafft, so zu arbeiten, dass nachzuvollziehen war, was bereits erledigt wurde?

            L G

            White, die meint, eine gute Dokumentation der Arbeit wäre da das richtige.

        "Was allerdings ist angemessen? Der Vergleich zwischen DM-Zeiten und heute hinkt enorm, die Preise haben sich zwischenzeitlich derart verschoben, dass ein Vergleich kaum mehr möglich ist."

        Das ist richtig. Daher ist ihr Vergleich eigentlich noch sehr beschönigend, da inkl. Inflation der heutige Lohn, den sie anspricht, noch viel niedriger im Vergleich zu damals wäre.

        "Liegt dieser unterhalb der 8,50€ (z.B. bei Friseurinnen) so kann man den Wert nicht künstlich herstellen - jedenfalls nicht, wenn man eine freie Marktwirtschaft mit Angebot und Nachfrage Regulierung beibehalten möchte"

        Liegt dieser Wert denn wirklich unterhalb der 8,50€? Oder trifft nicht eher das Gegenteil von dem zu, was du geschildert hast? Ist nicht eher die Unterbewertung der Arbeitskraft ein Resultat von Einmischung in die Kräfteverhältnisse des Marktes? Welche Möglichkeit hat der Arbeiter denn einen gerechten Lohn für sich durchzusetzen? Nach den heutigen Regeln so gut wie gar keine! Es wäre also kein Einmischen in einen funktionierenden Markt sondern ein zurecht rücken von verbogenen Marktregeln.

        "ABER ich gebe Dir recht, dass eine Friseurin keinesfalls Probleme haben sollte, sich und ihre Familie zu ernähren, daher wäre es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass sie ohne Repressalien aufstockt auf ein bedingungsloses Grundeinkommen, welches vom Staat unterstützt wird."

        Das wäre dann, so wie du es schilderst, eine Subvention für Unternehmen. War da nicht eine Forderung nach einem freien Markt?

        "Das würde nämlöich zum Beispiel bedeuten, dass die Preise der produzierenden Industrie in die Höhe schnellen und dementsprechend auch die Produkte teurer werden."

        OH MEIN GOTT! Dann könnte Deutschland endlich seinen Binnenmarkt stärken, den Leistungsbilanzüberschuss abbauen und anderen EU-Ländern die Möglichkeit geben selbst wieder etwas zu wachsen. Man könnte gar - und das geht nun wirklich nicht - etwas gegen die Wirtschaftskrise tun. Dann bricht das Abendland zusammen oder?

        "Und dann, so schimm es sich anhören mag, gibt es niemanden mehr, der diese Seifenblase von Mindestlohn finanzieren könnte."

        Komisch, dass es in so vielen anderen Ländern Firmen gibt, die gerne Seifenblasen finanzieren!

        • "Daher ist ihr Vergleich eigentlich noch sehr beschönigend, da inkl. Inflation der heutige Lohn, den sie anspricht, noch viel niedriger im Vergleich zu damals wäre."

          --> Mag sein. Aus meiner Sicht hat es sich eher zum Positiven entwickelt, d.h. ich kann mir mit meinem Gehalt heute mehr leisten als früher. Das trotz gestiegener Preise. ABER ich gehöre auch eher zu den "Besserverdienenden", daher kann ich es vermutlich nicht gut einschätzen.

          "Oder trifft nicht eher das Gegenteil von dem zu, was du geschildert hast? Ist nicht eher die Unterbewertung der Arbeitskraft ein Resultat von Einmischung in die Kräfteverhältnisse des Marktes? Welche Möglichkeit hat der Arbeiter denn einen gerechten Lohn für sich durchzusetzen?"

          --> Auch hier: Das ist natürlich auch eine Sichtweise. Allerdings muss ich sagen, dass aus meiner Sicht jeder eine andere Chance hat. Aufgrund von Bildung, Herkunft, bereits vorhandener Finanzen, sozialem Milieu und Ähnlichem sind wir eben nicht gleich. Insbesondere die Bildung steht jedoch erstmal jedem frei. Nach den eigenen Möglichkeiten kann man einen Job mit der angestrebten Entlohnung anstreben. Und ich weiß, das tut jetzt weh und scheint im ersten Moment eventuell herablassend, aber ich sehe dies in der Realität. Und ich denke, der Mechatroniker, der 3 Jahre einen Berufsabschluss anstrebte und nun genauso viel verdienen soll, wie der ungelernte Regalbefüller bei LIDL würde einen Mindestlohn vermutlich ebenfalls als nicht "gerecht" empfinden. Ich betone noch einmal, das mein Anliegen nicht ist, hier gesellschftlich zu sortieren zwischen Menschen mit Anrecht auf ein Leben in Würde und den Reichen und Schlauen, sondern ich sehe lediglich keinen Zwang, künstlich Preise zu beeinflussen, wo doch die Leistung tatsächlich einen anderen Wert haben sollte. Der MENSCH sollte vom Staat unabhängig von seinem Alter, seiner Bildung, seiner Gesundheit, Sexualität etc. gesichert werden. Diesen "Luxus" finanziere ich gern als Mehrverdiener mit. Gern auch noch mehr als bisher. Aber dass mein Friseurbesuch künftig nicht mehr 70€ (was ohnehin schon mehr ist, als Normalbürger zu zahlen fähig sind, m.M. nach) sondern 150€ (Annahme zur Verdeutlichung), würde nicht nur mich treffen (die dann wieder zur Flasche aus dem Supermarkt greifen würde), sondern besonders jene, die es sich vorher schon nicht oder nur schwer leisten konnten.

          Ich ziehe für mich zwei Schlussfolgerungen:
          1. Die steigenden Endpreise haben weniger Konsum zur Folge, auch wenn die Kaufkraft von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe steigt. Somit wird die Wirtschaft, die ja eben noch die Arbeitnehmer retten sollte geschädigt. Stellt weniger AK ein etc... Naja, für mich eine unheilvolle Kette

          2. Wird der AG gezwungen einen ungerechtfertigt hohen Preis für eine Arbeitskraft zu zahlen, so wird er vermutlich eher nicht einen 16-jährigen Azubi oder 19-Jährigen frisch ausgelernten einstellen... Das mag nur ein kleines Randproblem sein, aber ich denke, die Wahl bleibt im Sinne unserer Kinder lieber frei beim AG...

          Noch einmal: Niemand sollte unter deutschem Niveau hinsichtlich seiner Lebensqulität leben müssen. Das ist jedoch eine soziale Verantwortung, die wir alle tragen und nicht die Wirtschaft. Die Wirtschaft ermöglicht uns allen dieses Niveau, ich bin nur zu gern bereit, im Gegenzug weniger gut gestellte Bevölkerungsschichten mit zu tragen. Anstatt unser aller Niveau zu senken.

          Was macht wohl der Daimler, wenn seine Preise aufgrund steigender Lohnkosten soweit angepasst werden, dass er nicht mehr mit z.B. Toyota mithalten kann?!...

          lG
          Lucyfe

          • "Aufgrund von Bildung, Herkunft, bereits vorhandener Finanzen, sozialem Milieu und Ähnlichem sind wir eben nicht gleich."

            Wenn man bei dieser Aufzählung noch die heutige Tendenz berücksichtigt, auch Bildung mehr und mehr von finanziellen Voraussetzungen abhängig zu machen, sehnst du dich also insgeheim in Zeiten der Feudalherrschaft zurück?

            "Nach den eigenen Möglichkeiten kann man einen Job mit der angestrebten Entlohnung anstreben."

            Das widerspricht dem Vorhergehendem!

            "Und ich weiß, das tut jetzt weh und scheint im ersten Moment eventuell herablassend, aber ich sehe dies in der Realität."

            Das habe ich nicht verstanden.

            "Und ich denke, der Mechatroniker, der 3 Jahre einen Berufsabschluss anstrebte und nun genauso viel verdienen soll, wie der ungelernte Regalbefüller bei LIDL würde einen Mindestlohn vermutlich ebenfalls als nicht "gerecht" empfinden."

            Das ist nun wieder ein klassische Fall von verkehrter Logik. Warum sollte der Mechatroniker nach Etablierung eines Mindestlohns denn nach wie vor den gleichen Lohn haben wie vor dem Mindestlohn? In den meisten Fällen würde man wohl eher auf einen angemessenen Lohnabstand achten, um den Mechatroniker zu halten.

            "... sondern ich sehe lediglich keinen Zwang, künstlich Preise zu beeinflussen, wo doch die Leistung tatsächlich einen anderen Wert haben sollte."

            Und genau diese Grundannahme habe ich zuvor schon in Frage gestellt. Preise sind gerade in Deutschland momentan eher unterbewertet. Unsere Inflation lag Jahre lang eher unter dem Zielwert von 2% u.a. weil unsere Löhne nicht entsprechend gestiegen sind.

            "Der MENSCH sollte vom Staat unabhängig von seinem Alter, seiner Bildung, seiner Gesundheit, Sexualität etc. gesichert werden."

            Hat dagegen wer argumentiert?

            "Aber dass mein Friseurbesuch künftig nicht mehr 70€ (was ohnehin schon mehr ist, als Normalbürger zu zahlen fähig sind, m.M. nach) sondern 150€ (Annahme zur Verdeutlichung),..."

            Das ist allerdings eine mehr als abenteuerliche Annahme!

            "... würde nicht nur mich treffen (die dann wieder zur Flasche aus dem Supermarkt greifen würde), sondern besonders jene, die es sich vorher schon nicht oder nur schwer leisten konnten."

            Die dann allerdings auch mehr Geld in der Tasche haben für solche Ausgaben.

            • - Tendenziell geht es eher in die andere Richtung: Jedem steht jeder Bildungsweg heute mehr offen, denn je. Ich denke da zum Beispiel an elternunabhängiges Bafög, an all die Fördervereine wie z.B. Netzwerk Gesunde Kinder, bessere Kinderbetreuung, neue / individuellere Schulkonzepte etc.

              - Nein, widerspricht sich nicht. Meine Möglichkeiten sind durch die genannten Bedingungen wie z.B. Intelligenz beschränkt, richtig. Aber mit den verbleibenden Möglichkeiten kann ich versuchen, den möglichst am Genauesten zu meinen Lebensvorstellungen passenden Job zu wählen. Wenn ich trotzdem Sport und Englisch studieren möchte, sollte ich mir lieber kein Leben auf einer Yacht vorstellen...

              - "würde man auf einen angemessenen Lohnabstand achten" - achja? Wer soll denn darauf achten? Der KFZ-Mesiter guckt doch nicht nach den Löhnen der Friseusen?! Der Mindestlohn richtet sich nur an die Niedrig-Lohnempfänger. Ein KFZ-Mechatroniker wird sicher auch nicht reich, aber er wird einfach nicht berücksichtigt. Und wenn ich das mal weiterspinne könnte ich dann als Informatikerin ebenfalls einen MIndestlohn verlangen? Ich sehe meine Kollegen in Indien, die sich die Hände reiben, weil sie zukünftig die Leistung als Auftragnehmer erbringen...

              - Na ich dachte - ansonsten müsste man doch nicht vehement ein wirtschaftstörendes System einfordern, sondern könnte auf ein funktionierendes Prinzip wie die Sozialstaatlichkeit aufbauen und hierüber dafür sorgen, dass niemand zu leiden braucht... Und mehr...

              - So abenteuerlich ist sie nicht. Es geht darum, dass eine ohnehin schon teure Leistung noch teurer wird. Ich bin jetzt kaum gewillt, sie zu zahlen und werden es bei einem weiteren Anstieg sicher nicht mehr tun, sondern meine Freundin am Abend zur Frisierparty einladen... Und die mit angeblich mehr Kaufkraft braucnen diese ja auch um die gestiegenen Preise abdecken zu können.

              Und ich komme im Übrigen zu der Kausalkette Lohn-Preis, weil dies zum Beispiel in der Automobilindustrie tatsächlich die Berechnungsgrundlage zur Preisgestaltung darstellt. Ich hatte die Möglichkeit mal bei der Preisfindung für ein VW-Sondermodell über die Schultern zu schauen. Tatsächlich läuft es am Ende auf ganz billige Mathematik hinaus. Und wenn der Business Case nicht funktioniert, wie Du glaub ich auch schon mehrfacah vermutet hattest, dann wird dieses Sondermodell nicht gebaut. Beziehungsweise - wenn der neue Golf dann nicht mehr bei 23.000€ liegt sondern bei 30.000€, weil das Zusammenschrauben in Deutschland teurer geworden ist, dann plant das Werk Mexiko sicher bereits eine neue Produktionsschiene...

              • "Tendenziell geht es eher in die andere Richtung" / "Nein, widerspricht sich nicht."

                Warum nimmt dann die Zahl derer, die aus ihrem sozialen Umfeld aufsteigen können, immer mehr ab? Warum ist in den letzten Jahren der Zusammenhang von finanziellem Status und Bildung wieder enger geworden? All dies widerspricht deinen Meinungen/Vermutungen.

                " achja? Wer soll denn darauf achten? Der KFZ-Mesiter guckt doch nicht nach den Löhnen der Friseusen?!"

                Das war jetzt echt einer der plattesten Sätze, die du in dieser Diskussion formuliert hast. Wenn es um die Lohnfindung geht, wird eigentlich ständig auf den Lohnabstand geschielt. Und auch ein KFZ-Meister mit eigenem Betrieb wird sich dem nicht auf Dauer entziehen und seine Löhne angleichen.

                "Und wenn ich das mal weiterspinne könnte ich dann als Informatikerin ebenfalls einen MIndestlohn verlangen? Ich sehe meine Kollegen in Indien, die sich die Hände reiben, weil sie zukünftig die Leistung als Auftragnehmer erbringen."

                Hast du denn einen Mindestlohn nötig? Aber selbst bei dir würde wohl über die Zeit der Mindestlohn spürbar sein, weil dann auch bei deinem Lohn der Lohnabstand greift. Je höher bereits das Einkommen desto niedrige dürfte allerdings die Auswirkung ausfallen. Und die billigen Arbeitskräfte aus Indien werden sich bei deinem Job nur die Hände reiben, wenn dein Job zur Verlagerung geeignet ist. Und wenn er das wäre, würde dein Unternehmen vermutlich jetzt schon über eine Verlagerung nachdenken.

                "Na ich dachte - ansonsten müsste man doch nicht vehement ein wirtschaftstörendes System einfordern, sondern könnte auf ein funktionierendes Prinzip wie die Sozialstaatlichkeit aufbauen"

                Ist in diesem Populismus auch ein Stückchen Bezug auf die bisherige Diskussion oder speziell meine Argumentation? Ich bekomme den Eindruck, dass dir langsam vernünftige Argumente abhanden kommen!? Es ist schon sehr starker Tobak bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage gegen einen Mindestlohn zu "argumentieren", in dem man ihm vorwirft wirtschaftsstörend und gegen die Sozialstaatlichkeit zu sein. Wohingegen staatliche Subventionen für Niedriglöhne, immer mehr verarmenden Bevölkerungsteile und explodierende Unternehmensgewinne wohl das sozialstaatlichste überhaupt sind und ungemein wirtschaftsfördernd!

                "So abenteuerlich ist sie nicht. Es geht darum, dass eine ohnehin schon teure Leistung noch teurer wird."

                Legen wir mal ein Rechenbeispiel zugrunde: Hier kriegt man einen Haarschnitt z.B. ab ca. 15€ aufwärts, ein vernünftiger Kurzhaarschnitt inkl. Waschen vielleicht bei 30€. Die Dame investiert dabei rund eine Stunde Arbeit bei einem aktuellen Lohn von ca. 5€/Stunde. Diesen steigern wir nun auf satte 12€/Stunde und der Haarschnitt wird mich anschließend halt knappe 40€ kosten (der Unternehmer wollte auch noch was extra). Werd ich da bei einem Besuch 1-2 mal pro Monat arm bei? Wohl nicht! Deinem kruden Rechenbeispiel kann man kaum folgen und als teuer kann ich diese Dienstleistung auch nicht bewerten.

                "Und die mit angeblich mehr Kaufkraft braucnen diese ja auch um die gestiegenen Preise abdecken zu können."

                Ja dafür ist Kaufkraft wohl u.a. da. Allerdings darf man nicht unterschlagen, dass sich Preiserhöhungen ja nicht soweit durchziehen werden, dass man sich von der gewonnenen Kaufkraft nichts mehr leisten kann. Die Lohnanpassung, wo sich dies direkt auf die Preise auswirken dürfte, betrifft ja hauptsächlich nur bestimmte Branchen meist im Dienstleistungsbereich.

                "Und ich komme im Übrigen zu der Kausalkette Lohn-Preis, weil dies zum Beispiel in der Automobilindustrie tatsächlich die Berechnungsgrundlage zur Preisgestaltung darstellt."

                Der Lohnkostenanteil der Autoindustrie beträgt im Schnitt ca. 18%. Bei einem Auto von 23.000€ also 4.140€. Würden die Löhne dort nun um 25% zulegen (da in der Industrie die Löhne schon relativ gesehen hoch sind, eine eher abenteuerliche Annahme), würde das Auto danach 24.035€ oder 4,5% mehr kosten. Ein Grund ganze Produktionsketten zu verlagern und dafür Transportkosten zu erhöhen? Wohl eher weniger! Wenn sich ein Bereich zum Auslagern lohnt, wird dies auch ohne Lohnanstieg getan.

      "jedenfalls nicht, wenn man eine freie Marktwirtschaft mit Angebot und Nachfrage Regulierung beibehalten möchte "

      Wir haben keine "freie" Marktwirtschaft! Wir haben eine soziale Marktwirtschaft!

      Gott sei Dank.

      Der Staat greift in vielen Bereichen regulierend ein.

      Bekommst Du z.B. Kindergeld?

      Na dann, Kindergeld ist eine Subvention des Staates zur Förderung von Familien. Eine Regulierung.

      Die Liste lässt dich meterweit fortsetzen.

      BTW: Hast Du Dich mal mit "freien" Märkten auseinander gesetzt und wie es dort zugeht?

      Das Manchestertums des 19. Jahrhunderts gibt Dir darüber einen guten Einblick

      • Hallo,

        Danke für den Hinweis!

        Ich verstehe nicht so ganz, inwiefern Kindergeld Den "Markt" beeinflusst, aber ich sehe bessere Beispiele wie Solarsubventionen... Und da bin ich geteilter Meinung, ob man eingreifen sollte... Nunja, es kommt vielleicht auf das Ziel und die Sinnhaftigkeit der Förderung an. Das grundsätzliche Problem des Zusammenhangs zwischen PREIS und WERT bleibt jedoch. Und dementsprechend sind auch die zusammensetzenden Faktoren wie Leistung m.e. Nicht frei definierbar.

        Nur weil sich jedes Jahr zehntausende Studenten entscheiden, der nächste arbeitslose BWLer zu werden, kann doch der allgemeine Lohn für einen BWL-Absolventen nicht steigen?! Ich sehe da jedenfalls ein kausal-logisches Problem.
        Wie gesagt: gegen eine mindestsicherung habe ich nichts, nur nicht im Sinne einer Marktverzerrung wie beim Mindestlohn.

        Vg
        Lucyfe

        • "Ich verstehe nicht so ganz, inwiefern Kindergeld Den "Markt" beeinflusst,"

          Nicht? Nun zunächst bekommt man doch Kaufkraft vom Staat geschenkt. oder nicht?

          Jede staatliche Intervenstion wirkt sich, mal mehr oder weniger, auf Märkte aus.

          • Wie gesagt, es gibt sicher bessere Beispiele...????

            • Warum wehrst Du Dich gegen das Beispiel?

              Mit insgesamt 38,8 Milliarden Euro ist das Kindergeld der größte Posten innerhalb der staatlichen Ausgaben für Familien.

              Natürlich gibt es noch andere Summen.

              Trotzdem halte ich das Beispiel für sehr treffend weil gerade einige Menschen, die es in Anspruch nehmen, auf der anderen Seite immer Argumente gegen andere staatliche Regularien finden.

              Vielleicht deswegen weil sie es nicht betrifft? Es ist eben immer leicht, erst mal bei anderen zu kürzen oder Zuwächse zu verhindern.

Ich kann das unterschreiben.

Bis Januar habe ich neben der Abendschule noch gejobbt und das für 4,50 die Stunde. Ich wohne sehr ländlich und das war schon ein "Glücksgriff", aber um da auf 400Euro oder gar 450 Euro zu kommen muss man ziemlich lang bei dem Gehalt arbeiten.

Neben der Schule welche 4 Abende die Woche ging plus eine Fahrtzeit von 1h (sonst gibt es hier keine Schule, ausser die normalen Öffentlichen) war das teilweise eine richtige Zerreissprobe.

Manchmal hat man sich echt gefragt wofür man das macht, aber ich hatte keine andere Wahl.

Damals stand ja schon im Raum, dass es einen Mindestlohn von 7,50 eingeführt werden soll. Das haben die bis heute nicht gemacht und deswegen halte ich (auch wenn es angebracht wäre) 8,50 für Wahlkampftaktik. Je höher sich die Zahl anhört desto besser.

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