rechtssystem

    • (1) 08.09.13 - 06:23

      Liebe urbias
      Gerade habe ich durch zufall wieder einmal über die kleine lea-sofie aus chorweiler gelesen.
      Und ich frage mich tatsächlich ob ich das urteil passend finde.
      Der freund der mutter prügelt das 2 jährige kind grün und blau reißt haarbüschel samt kopfhaut aus. Die mutter kommt nach hause sieht ihr kind und ruft keinen arzt als das kind tage später in der wohnung stirbt geht sie zur polizei und meldet es als vermisst. Obwohl sie es gerade mit ihrem freund entsorgt hat.
      Wie bestraft man sowas? Todesstrafe wäre eigentlich zu milde aber verdienen solche menschen das leben. Dürfen solche menschen weitere kinder bekommen. Aus dem ersten impuls heraus denke ich quälen und verrecken lassen. Aber dann sind wir nicht besser als jene selbst. Nur Gefängnis ist mir zu wenig auch wenn ich weiß, dass diese menschen dort auf der untersten stufe stehen. Vielleicht doch die todesstrafe. Doch wo zieht man da die grenze. Was ging in den köpfen dieser leute vor.
      Aber will ich solche leute mit meinen steuergeldern das weiterleben finanzieren?

      Liebe grüße von einer nachdenklichen und entsetzten
      Winni

      • (2) 08.09.13 - 08:09

        Hallo Winni

        diese Fälle und ihre Urteile sind selbst für Außenstehende (nicht-Angehörige) immer kaum auszuhalten.

        Natürlich sind 12 Jahre (für den Freund) und 7 Jahre Jugendstrafe (für die Mutter) erschreckend wenig, wenn man darüber nachdenkt, was sie dem Mädchen angetan / bzw. durch unterlassene Hilfeleistung zugelassen haben.

        Trotzdem hatte die Tat offensichtlich (ich kenne die Akten nicht, sondern habe nur die Berichterstattung in der Zeitung gelesen) keinerlei Mordmerkmale im juristischen Sinn und muss somit als Totschlag bestraft werden. Das Urteil der Mutter wurde wohl aufgrund ihrer Reife (bzw. mangelnden Reife) gefällt.

        Was in den Köpfen von solchen Menschen vorgeht, weiß ich nicht und kann ich Gott sei Dank nicht nachvollziehen, weil das viel zu weit entfernt von meinen eigenen Gefühlen ist und will es auch nicht - da es aber keine geplante Tat war, ging vermutlich zunächst einmal gar nichts in den Köpfen vor.

        Wie auch immer: trotz der Tatsache, dass wir es kaum aushalten können, uns das vorzustellen, bin ich froh, in einem Rechtsstaat zu leben, in dem es Unterschiede gibt zwischen Mord und Totschlag, in dem Ursächlichkeiten etc. angeschaut werden und in dem es sehr differenzierte Urteile gibt, auch wenn ich als Laie manchmal denke "das ist ungerecht! Das reicht nicht!"

        Die andere Alternative, in einem Staat zu leben, der nicht solch eine unabhängige Gerichtsbarkeit hat, oder gar die Todesstrafe praktiziert, ist für die wesentlich undenkbarere Alternative.

        Ich würde nicht in einem Staat leben und meine Kinder aufwachsen sehen wollen, in dem es für die Menschen ein normales Mittel ist, dass der Staat zur Bestrafung das Recht hat, Menschen zu töten. In Ländern, in denen es die Todesstrafe gibt, ist die Verbrechensrate höher als in Ländern, in denen es die Todesstrafe nicht gibt.

        Wenn Menschen in der Gewissheit leben, dass in ihrer Heimat Rache/Bestrafung mit Tod etwas "rechtlich normales" ist, trägt das niemals zu einem gewaltfreieren Umgang miteinander bei - im Gegenteil.

        Das wäre für mich ein Grund auszuwandern.

        Es gibt Taten und Tragödien, die können nicht gesühnt werden - auch wenn wir es uns wünschten.

        Liki

        PS 1: Nein, nur weil ich gegen die Todesstrafe bin, finde ich es nicht gut, dass Menschen kleine Kinder töten und möchte diesen Menschen auch nicht den Kopf streicheln.

        PS 2: PS 2 habe ich nur schon mal prophylaktisch angeführt, weil im Verlauf der Diskussion vermutlich solche Vorwürfe gegenüber Menschen, die die Todesstrafe ablehnen, aufkommen könnten. Das ging nicht an Dich, TE.

      Deine Gewaltphantasien finde ich eklig. Klar gehoeren die Taeter bestraft - aber willst du dich auf die gleiche Stufe wie die herablassen? Was hat die Gesellschaft davon?

    • Ich will mit Steuergeldern verhindern, dass die das wieder machen. Ich finde aber nicht, dass man deshalb töten muss. D.h. zwangsweise will ich ihnen mit Steuergeldern das Weiterleben finanzieren.

      Grundsätzlich finde ich unser Rechtssystem gut, aber Strafen oft viel zu milde bzw kurz. Ich bin auch für Abschreckungsstrafen bei Gewalttaten. Wenn z.B. ein Jugendlicher jemanden zum ersten Mal zusammenschlägt, sollte er gleich für einige Monate - Jahre in den Knast.

    Hallo,

    für mich ist dies kein Rechtsstaat.

    Dennen gehts doch im Knast gut, Freizeitangebot und und und.

    Auch wenn ich jetzt vieleicht gelyncht werde, aber es sollte ein Arbeitslager geben, wo solche Leute hinkommen und bis zum eigenen Tode bleiben. Jeden Tag arbeiten, arbeiten, über 15 Stunden. Essen und trinken, so einfach wie es geht.

    Glaubt mir, da würden es sich viele Leute überlegen, sowas zu machen.

    Liebe grüße claudi

    • Wieso sollten sie sich das dann überlegen? Meinst du, der Täter ist hingegangen und hat gesagt "Ich überlege mir jetzt, Lea zu quälen", also, dass es einen Moment der Besinnung und überlegten Planung gegeben hat, in dem andere Überlegungen eine Rolle gespielt haben könnten? Wenn die Todesstrafe keine abschreckende Wirkung hat, wieso sollte ein Arbeitslager dann eine haben?

      Und: Was ist für dich ein Rechtsstaat?

      Wiki definiert den Begriff folgendermaßen: "Ein Rechtsstaat ist ein Staat, dessen konstituierte Staatsgewalten rechtlich gebunden sind und der damit in seinem Handeln durch Recht begrenzt wird, um die Freiheit des Einzelnen zu sichern." Inwiefern weicht die BRD davon deiner Meinung nach ab?

Hallo Winni,

dein emotionaler Beitrag zeigt wie schwer es ist solche aufwühlenden Taten objektiv zu beurteilen.

Im deutschen Rechtssystem geht es weniger um Strafe und Zerstörung des Täters, sondern um dessen Rehabilitation auch wenn die Tat schlimme Folgen hatte.

Objektiv (Urteilbegründung) lag wohl weder ein Mord noch eine Tötungsabsicht vor und wäre das Kind nicht aufgrund unglücklicher Umstände an den Folgen der Misshandlung gestorben würde es wie viele andere Kinder weiter regelmäßig misshandelt werden ohne dass sich groß jemand daran stören würde.

Dummheit, Alkohol und Gewaltbereitschaft auch gegenüber Kindern sind verbreiterter als man denkt und ob es dabei zu Todesfällen kommt ist letztlich reiner Zufall.

Das du dich aber allein von den Folgen der Tat lenken lässt ist mehr als gefährlich. Dies führt oft dazu, dass bei besonders schlimmen Taten bestehende Zweifel an der Schuld nicht berücksichtigt und harte Strafen gefordert werden.

PS.: Frage dich einfach selbst: Wenn ein mutmaßlicher Kindsmörder mit 99%iger Wahrscheinlichkeit schuldig ist - würdest du ihn dann verurteilen oder aufgrund des Zweifels freisprechen.

LG Pher

Hallo,

das Urteil ist Unrecht - da hast du Recht.

Ich würde die Zwangsterilisation befürworten. Es gibt Menschen, denen die notwendige Reife oder Einsicht (oder was auch immer fehlt), sich um Kinder auch nur unzureichend, aber überlebenssichernd, zu kümmern. Diese Menschen haben diese Unreife hinreichend bewiesen. Man sollte ihnen keine weiteren Kinder ausliefern.

Gruß

Todesstrafe? NEIN! Zwangssterilisation? Nein! Arbeitslager? Nein!

Damit stellt sich der Gesetzgeber auf eine Stufe der Geschichte, die für Deutschland nicht zum Ruhme reichte.

Das solche Taten, an Kindern verübt, bestraft werden sollten und müssen, steht außer Frage. Bloß was ist dabei gerecht? Was ist Gerechtigkeit?
Ein Richter hat nur die Möglichkeit innerhalb der vorgegebenen Gesetze ein Urteil zu fällen.

Das er sich erhebt, dieses Urteil "im Namen des Volkes" zu verkünden, findet beim Volk nicht immer die Zustimmung.

"Volkes Stimme" ist nun wirklich nicht der beste Ratgeber!

Was mir gegen den Strich geht ist die Tatsache, nicht eine Antwort geht in die Richtung der Mitverantwortung in der Gesellschaft.
Ich meine damit das "Wegschauen". Das nicht rechtzeitige Anzeigen (auch gerne anonym) bei Kindesmisshandlungen. Das Denken, es ist nicht mein Problem.
Doch, es ist jedermanns Problem wenn Misshandlung an Kinder geschehen, diese auch bemerkt werden und es wird nicht zur Meldung bei der Polizei oder Jugendamt gebracht.

Mitschuld durch Unterlassung!

Wie also mit Tätern verfahren?
ICH WEISS ES NICHT!!!

Aber dafür haben wir ja die Legelative. Das ist ihr Zuständigkeitsbereich.

Um auch mal eine Lanze für Richter zu brechen. Meint jemand das der Richter es sich leicht macht? Besonders in Verhandlungen über Misshandlungen mit Todesfolge an Kindern? Wohl eher nicht.
Jeder Jurastudent weiß, Recht und Gerechtigkeit sind selten kompatibel.
Vor Gericht werden Urteile verkündet. Von Gerechtigkeit ist selten die Rede.
FG acentejo

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