Was würde passieren wenn...

    • (1) 18.09.13 - 17:47

      Hi!

      Da sich in den letzten Tagen sämtliche Gespräche in meinem Bekanntenkreis nur um die anstehende Wahl gedreht haben stelle ich hier mal folgende Frage:

      Was würde passieren, wenn die Wahlbeteiligung nur bei 35% liegen würde?
      Oder wenn so viele Stimmen zunichte/ungültig gemacht werden würden, dass die gewählten Parteien alle irgendwo im 5-10% Sektor dümpeln würden.
      Kämen die dann trotzdem an die Macht?
      Und, vor allen Dingen, wäre das dann eine demokratisch gewählte Regierung?

      Hintergrund der Fragen ist, dass ich in letzter Zeit so oft die Sätze

      "Ich weiß diesesmal gar nicht wem ich meine Stimmen geben soll. Vielleicht lass ichs einfach ganz bleiben",

      und

      "Ich bin mit keiner Partei einverstanden, also mache ich meinen Wahlzettel ungültig und zeige damit meinen Protest."

      gehört habe.

      Was meint ihr? Was würde passieren?

      Ich bin gespannt,

      vam-pir-ella, die natürlich weiß, dass ihr Bekanntenkreis nicht stellvertretend für alle Wahlberechtigten steht!

      • Nun ja, das ist ja nicht nur deinem Bekanntenkreis erade ein aktuelles Thema, sondern offenbar in diesem wahlkampf die spannenste Frage überhaupt:)

        aber vielleicht kurz zu meienr sicht der dinge auf dei frage: was würde passieren

        1. eine wahlbeteiligung vom 35% würde formal erst mal nichts bedeuten, denn die prozentverteilung bleibe die gleiche.
        also von den 35% der wahlberechtigen geben dann 40% ihre stimme der CDU/CSU, 40% der stimmen fallen auf dei SPD usw.

        es würde aber bedeuten, daß unsere repräsentative Deomkratie im Grunde gescheitert ist, da das Parlament nicht mal 35% der wahlberechtigen repräsentieren würde

        2. Auch die unglütligen Stimmen haben nur indirket einfluß.
        sie zählen als abgegeben stimmen (zählen also zur Wahlbeteiligung), werden explizit aber aufgeführt (also wahlbeteiligung: 75%, davon unültige stimmen 25% wäre natürlich ein Knaller.
        denn bei einer nicht abgegeben stimme weiß niemand warum diese nicht abgegeben wurde (ob zu faul, zu doof, zu desintessiert oder als politisches statement), bei einer hohen anzahl ungültiger stimmen wäöre jedoch die vermutung näher liegender, daß es hier um einen Protest ginge (bei einen gerinen anteil jedoch auch kaum, denn es gibt auf den stimmzetteln keine möglichkeit der kenntlichmachung. es wird also nirgens erfasst, WARUM der zettel ungültig war (zu doof zum wählen oder steht noch ein ellenlanger erklärungsroman drauf- spielt keine rolle)
        ABER: auch dieses stimmen haben keine Einfluß auf die Anteilige Prozentvergabe an dei Parteien, denn hier zählen nur die GÜLTIGEN abgegebenen Stimmen

        3. Neben den formalen direkten Konsequenzen (nämlich keinen!) hätte natürlich eine wahlbeteiligung unterhalb von 50-60% im Grunde das scheitern der Demokratie als Aussage.
        Wenn Millionen von Menschen nicht mal mehr so viel politisches Engagenemt zeigen, daß sie die geringste aller partizipationen wahrnehmen, die eine Deomkratie bietet, dann ist sie faktisch gescheitert.
        Das Parlament würde demnach nur eine teil der Bevölkerung repräsentieren, die Regierung des Landes nur noch eine minderheitenmeinung vertreten.

        Was mittel- oder langfristig passieren würde- keien Ahnung.
        ich denke durchaus, daß es bei iener Wahlbeteiligung von 35% zu neuwahlen käme (aber von 35% geht ja wohl niemand ernsthaft aus), ich denke vielmehr, daß es ein schleichender prozess ist und wo der hinsteuert (ob zu einer Oligarchie oder zu einer Revolution oder zu einer sich langsam etablierenden Diktaktur) oder ob das nur wellenbewegungen sind, die auch wieder gegenläufige Erscheinungsformen bringen (eine neue, politisierte Jugend, neue Parteien, mehr politishes Engagement, wiedereinbinung von besonders armen und bildungsfernen schichten in demorkatische Prozesse, zu einer verstärkung von Plebisziten (stärkere frage nach einzelnen sachfragen, wenn die großen ideologichen entwürfe nicht mehr in allgemeinen Parlamentswahlen zur debatte stehen)- wer weiß....

        • Dann würde es vielleicht zu einer Ampelkoalition kommen, die dann wie wirs schon 2005 hatten, vorzeitig Neuwahlen anstreben muss, weil vielleicht wieder mal das Vertrauensvotum gestellt werden würde und schließlich die Wahl vorgezogen wird. Dann wird wieder die konträre Partei gewinnen, um dann wieder dort zu landen, wo wir jetzt sind?Nur so ein Gedankenspiel. Mich würde mal eher interessieren, was wäre wenn eine "kleine" Partei, sagen wir mal die AfD oder die Piraten mehr Stimmen hätten, als CDU und SPD, sodass mal eine ganz neue Partei an der "Macht" sitzt. Würde dann die CDU koalieren mit der SPD, damit die widerrum zusammen die Mehrheit hätten???Ist das dann noch Demokratie?
          Ach übrigens....es gibt ja keine Mindeswahlbeteiligung, aber würden alle Nichtwähler für eine fiktive Partei stimmen, wäre diese fiktive Partei die stärkste Partei im Parlamant. Das muss man sich mal vorstellen.

          Ich finde es traurig, dass sich soviele Leute aufregen und im Gegenzug nicht wählen gehen.

          • nein, die möglichkeit eine fiktive parei zu wählen gibt es nicht und würde so aucfh nicht in einem wahlergebnis auftauchen
            das wären alles unglütlige stimmen

            zu deinem anderen beispiel: die Piraten hätten die meisten stimmen.
            Natürlich würden dann spd und Cdu/csu koalieren.
            denn "nur" stärkste partei/ fraktion zu sein, bedeutet ja nicht, regierungsfähig zu sein.
            Um regierungsfähigkeit zu erhalten, braucht es eine merhheit im parlament.
            insofern wäre dann dei frage, ob die Piraten (afd oder "die partei", völlig wurscht:) es schafft, koalitionspartner zu gewinnen oder zumindest partein, die bereit wären den spitzenkanditaten dieser partei zum Bundeskanzler zu wählen.

            allerdings wäre dann relativ schnell klar, daß diese regierung nicht lange handlungsfähig wäre und es würde recht bald zu neuwahlen kommen.

            • *lach* ja Mäuschen das ist mir auch klar, dass es keine fiktive Partei zum wählen gibt. Es steht ja auch eindeutig geschrieben, "Würden alle Nichtwähler eine fiktive Partei wählen, dann...." Vielleicht hätte ich zum besseren Verständnis noch ein "nehmen wir mal an"

              Wenn du nachlesen möchtest, Schau mal auf Wikepedia zum Thema Wahlbeteiligung, dort findest du dieses von mir beschriebene Phänomen :-)

              • oh sind wir schon beim mäuschen?

                du schreibst
                "aber würden alle Nichtwähler für eine fiktive Partei stimmen, wäre diese fiktive Partei die stärkste Partei im Parlamant"

                ich sage: nein, das ist nicht so

                wo liegt da mein gedankenfehler?

                • Du hast geschrieben "nein es gibt keine Möglichkeit eine fiktive Partei zu wählen ..." Tatasächlich gibt es diese Möglichkeit nicht-gut erkannt- es ist ein reines Gedankenspiel, denn aus der hohen Anzahl der Nichtwähler aus den vergangenen Jahren hat man einfach ein "Bild" von einer "Partei der Nichtwähler" gedanklich (!!!) gemalt, um zu verdeutlichen, welches Ausmaß diese Nichtwähler überhaupt haben. Und diese Nichtwähler kann man einfach bildlich prozentual auf's Parlament projizieren, dann würden diese Nichtwähler(wenn sie eine weitere fiktive Partei "Partei der Nichtwähler" wählen würden) die stärkste Partei im Parlament ausmachen. Und damit komme ich auf Vampirellas Thread zurück, denn ist es bei zB 35% Wahlbeteiligung überhaupt demokratisch?Wenn 65% garnicht wählen gehen würden, aus welchen Gründen auch immer, dann müßte man dringend die Frage stellen, ob Parteien überhaupt Spiegel der Gesellschaft sind und damit ein Kreuzchen Wert wären. Das wäre dann auch geschichtlich die niedrigste Wahlbeteiligung zur Bundestagswahl und ich kann mir das zwar nicht vorstellen, möglich ist alles, aber so ein Desaster wäre echt krass und würde in den Medien ordentlich durchgeheizt werden.

                  Ich wünsche mir, dass die Wahlbeteiligung gut ausfällt, knapp 90% wie 1972 wär echt der Burner.

                  • eine Partei der nichtwähler gibt es durchaus
                    http://www.parteidernichtwaehler.de/

                    und was du als "gedankenexperiment" schilderst habe ich in meinem Beitrag doch ausführlich beleuchtet
                    es wäre nämlich eben nicht gleichzusetzen mit einer einheitlichen FRAKTION im Parlament, wie du schlußfolgerst (werder rechtlich/ statistisch ausgewertet noch qua Interpretation durch Politik/ Gesellschaft/Medien)

                    "Und damit komme ich auf Vampirellas Thread zurück, denn ist es bei zB 35% Wahlbeteiligung überhaupt demokratisch?"

                    Da stellt sich die frage, was Demokratie in ihrem Kern ist.
                    Hierzu vielleicht ein paar Gedanken Karl Poppers
                    http://www.gewaltenteilung.de/popper.htm

                    • Ok völlig richtig. So eine Fraktion wäre nicht real, geh ich völlig mit und das muss man hier auch außen vor lassen. Gedankenspiele sind einfach auch mal dazu da, losgelöst von allen Gesetzmäßigkeiten, aus einen anderen Blickwinkel also, eine Sache zu betrachten. Einfach mal das Feld von hinten aufrollen. Ein Experiment ist das nicht.

                      • nein, es geht nicht drum, daß sie nicht real wäre, sondern daß du damit gemeinsamkeiten unterstellest, wo keine da sein müssen/ da sind.

                        wäre es anders ,müßtest du die Stimmen aller Wähler den Stimmen aller Nichtwähler gegenüberstellen, dann wäre dein Gedankenspiel erst ab 50%+1 Stimme überhaupt schlüssig, würde dennoch keinerlei Aussage machen.

                        Dies gilt füs nichtwählen ebenso wie für die Ungültigen Stimmen

                        das ist ja das Problem, das ich hier beschreib:

                        "denn bei einer nicht abgegeben stimme weiß niemand warum diese nicht abgegeben wurde (ob zu faul, zu doof, zu desintessiert oder als politisches statement), bei einer hohen anzahl ungültiger stimmen wäre jedoch die vermutung näher liegender, daß es hier um einen Protest ginge (bei einen geringen anteil jedoch auch kaum, denn es gibt auf den stimmzetteln keine möglichkeit der kenntlichmachung. es wird also nirgens erfasst, WARUM der zettel ungültig war (zu doof zum wählen oder steht noch ein ellenlanger erklärungsroman drauf- spielt keine rolle)"
                        http://www.urbia.de/forum/64-politik-philosophie/4292827-was-wuerde-passieren-wenn/27599735

                        Insofern ergibt es keinen sinn- das ist der Punkt.

                        • Dann macht aber auch das Wählen keinen Sinn.

                          Wenn ich jetzt z.B. mit den Wahlprogrammen oder der Arbeit von CDU oder SPD nicht einverstanden bin, bleibt mir ja faktisch nur noch die Alternative eine kleinere Partei zu wählen. Diese sind dann aber mit so wenigen Abgeordneten vertreten, dass deren Ziele aber ohnehin nicht oder kaum durchgesetzt werden.

                          Ein weiterer Punkt ist, dass es keine Partei gibt, mit deren Programm ich zu 100 Prozent einverstanden wäre, daher bleibt mir ja auch nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

                          Dann kommt noch hinzu, dass die Wirtschaft viel zu viel Macht aud fie Politik ausüben kann und viele Politiker auch noch zeitgleich in führenden Positionen in großen Wirtschaftsbertrieben sind. Die werden immer erstmal ihre eigenen Interessen verfolgen und dann ist es auch wieder egal wer an der Macht ist.

                          Von daher macht wählen für mich keinen Sinn - leider.

        Direkt zu deiner Frage kann man wohl nur sagen, dass eine niedrige Wahlbeteiligung vermutlich erst mal wenig Auswirkungen haben würde. Deshalb ist das Nichtwählen als Protest auch nicht geeignet. Wenig besser ist das ungültige Wählen. Das mag den Protest vielleicht etwas mehr ausdrücken in den Statistiken als gar nicht erst hin zu gehen, aber hat effektiv ebenso keinerlei Einfluss auf die Ergebnisse oder die Parteienfinanzierung.

        Der einzige Protest ist, wenn man wählen geht oder eine Partei gründet. Also wählen gehen! Wenn einem eine der Parteien zusagt wählt man halt eine Kleinstpartei, die einem noch am ehesten zusagen würde, oder aber z.B. Satire mit "Die Partei". Alles besser als gar nicht wählen!

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