Unterschiede Ost und West

    • (1) 08.10.13 - 09:48

      Guten Morgen,

      Vor ein paar Tagen war ja Tag der Deutschen Einheit! Ich hatte mit meinem Vater eine hitzige Diskussion darüber ob es sinnvoll war..also die Einheit! Er meinte dass vieles dadurch im Westen schlechter geworden ist und nur der Osten profitiert hat! Ich finde dass die älter Generation das immer viel zu kritisch sieht und die jüngere Generation sich da viel mehr mit abgefunden hat! Aber wieso ist das so? Gibt es wirklich sovielmal Streitpunkte für die älteren? War die Einheit für den Westen ein großer Nachteil so wie es immer behauptet wird?

      • Hallo,

        ich bin in einem Deutschland aufgewachsen, das bereits vereinigt war. Ich kann also nichts dazu sagen, ob ich ein getrenntes oder ein geintes Deutschland persönliche als 'besser' empfunden habe.

        Trotzdem finde ich die Unterschiede sehr auffällig und denke, dass die viel zitierte Mauer in den Köpfen immer noch sehr stark ist, vor allem auf Seiten der 'Ossis'.

        Außerdem ist mir aufgefallen, dass viele 'Ossis' sich als solche definieren, ein starker Zusammenhalt und eine Wellenlänge herrscht, wenn sie sich im Westen oder im Ausland treffen und sie auch sehr darauf bedacht sind, die Überbleibsel der Ostkultur zu bewahren. Das habe ich bei 'Wessis' nie so erlebt.

        Ich persönlich kenne einmal die jüngeren Ossis, die sich zwar ein Stück weit als Ossis fühlen aber eigentlich Deutsch oder Europäer sind, diejenigen, die ohne Mauer aufgewachsen sind.

        Ich kenne aber auch, vor allem ältere Ossis, die dem Westen gegenüber kritisch sind. In der Verwandschaft meines Freundes gibt es einige, die beispielsweise denken dass die Wessis pauschal reich sind - das äußert sich dann darin, dass ein 50 jähriger Mann von seinem 20 Jährigen Neffen erwartet, dass dieser ihn finanziell unterstützt oder darin, dass jemand, der im Osten aufgewachsen und und mittlerweile im Westen studiert regelmäßig von ehemaligen Mitschülern angeschnorrt wird; "Du hast es doch, kannst du mir 400€ mit der Post schicken?"

        Ich denke, dass während der Trennung von der Politik stark daran gearbeitet wurde, die jeweils anderen als Feindbilder und die eigene Staatsform als richtig darzustellen.

        Genauso wie die Menschen, die mit diesen Bildern aufgewachsen sind nicht ganz aus ihrer Haut können, spielt es für die kommenden Generationen immer weniger eine Rolle ob Ost oder West.

        Das ganze braucht einfach Zeit!

        • p.s. Ein wichtiger Faktor wird auch sein, dass der Westen dem Osten hin geöffnet wurde und die DDR im Gegensatz zur BRD abgeschafft wurde - die Kultur ist quasia lels was bleibt, eine gewissen Skepsis und ein 'wenn bei euch alels besser ist' auch

          "Außerdem ist mir aufgefallen, dass viele 'Ossis' sich als solche definieren, ein starker Zusammenhalt und eine Wellenlänge herrscht, wenn sie sich im Westen oder im Ausland treffen und sie auch sehr darauf bedacht sind, die Überbleibsel der Ostkultur zu bewahren. Das habe ich bei 'Wessis' nie so erlebt."

          Kannst du das mal ein bisschen genauer erklären?

      (5) 08.10.13 - 13:58

      Naja, du musst immer bedenken dass zwischen West und Ost damals große Unterschiede herrschten und der Westen viel für den Osten getan hat! Vor allem das Rentensystem gab es ja so im Osten gar nicht! Die ältere Generation hat das alles so miterlebt! Die jüngeren nehmen es wohl eher als Selbstverständlich an und akzeptieren es! Siehe dazu auch diesen Artikel:
      http://solidaritaetszuschlag.org/die-deutsche-einheit/

      (6) 08.10.13 - 14:06

      Aus meiner Sicht ist die Frage falsch gestellt. Gerade vom Westen her war es ja seit 1949 Staatsziel, eines Tages zu einer deutschen Einheit zu kommen, das hat ja nie jemand in Frage gestellt oder unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten abgewogen. Es gab schon verfassungsrechtlich gar keine Alternative - laut Artikel 23 durften Gebiete beitreten, aber eine Ablehnungsmöglichkeit existierte nicht .

      Und ohne Einheit wäre bei DEN wirtschaftlichen Problemen 1989/90 wohl ein Großteil der DDR- Bürger nach dem Mauerfall nach Westen gezogen, das wäre auch nicht billiger gekommen.

    • Hallo,

      ich habe meine Kindheit und Jugend in der ehemaligen DDR verbracht, kenne also beides. Habe Montagsdemos und Mauerfall schon ganz bewusst miterlebt.

      Ich finde es schlimm, dass es dieses Ost-West-Ding immer noch gibt.
      Wir sind ein wiedervereinigtes Deutschland, ich fühle mich als Deutsche - nicht als Ossi oder Wessi. Wenn ich neue Menschen kennen lerne, ist es mir sch...egal, woher sie kommen.

      Und ja, ich muss dir Recht geben, Vorurteile und Ossi-Wessi-Gehabe gibt es vorwiegend in der heutigen Rentner-Generation. Das ist meine persönliche Erfahrung aus meinem Umfeld.

      Ich denke, die Mauer in den Köpfen der älteren Generation wird nicht mehr ganz weggehen.
      Dazu haben diese einen viel zu großen Teil ihres Lebens eben in diesem oder jenem Teil Deutschlands verbracht.

      "Er meinte dass vieles dadurch im Westen schlechter geworden ist und nur der Osten profitiert hat! "
      Mich würde mal interessieren, welche Punkte dein Schwiegervater genau meint.

      LG

      Nici

      LG

      Nici

      Ich bin sehr sicher, dass sowohl Ost als auch West profitiert haben. Nachhaltig dumm war, dass der Westen dem Odten seine Lebensart aufgedrängt hat ohne zu berücksichtigen, dass sich nach über 40 Jahren absoluter Trennung auf beiden Seiten unterschiedliche Mentalitäten entwickelt haben, die erst zusammenwachsen müssen.

      Ich komme ursprünglich dem tiefen Westen, aus dem Ruhrgebiet, was sich in vielerlei Hinsicht ebenfalls verändern und anpassen musste und in dem viele Menschen durch die Schließung der Zechen "entwurzelt" wurden. Schuld sind immer andere. Erst "die Ausländer", die die Arbeit wegnehmen, dann"die Ossis", die alimentiert werden müssen. Im Osten sind dann eben "die Wessis" Schuld, die den Hals nicht voll genug kriegen, gierig sind und über Leichen gehen.

      Dabei ist es eben so, dass sich Zeiten ändern und zwar immer schneller. Die, die dann flexibel genug sind, sich mitzuverändern, brauchen den Ossi-Wessi-Kram nicht mehr. Die, die zurückbleiben, was meist die Älteren und/oder solche ohne Ausbildung oder nur mit schlecht passender Ausbildung sind, brauchen meist jemanden, der die Schuld hat. Da ist der Mauerfall doch ganz passend.

      Bei den U30 gibt es einen geringen Teil derer, die noch dieses Ost-West-Schranken im Kopf haben. Je älter aber die Menschen werden, desto schlimmer wird es.

      Ich als Ossi habe die Wiedervereinigung begrüßt, auch wenn ich mich immer wieder über die heutige Kinderbetreuung und das Fehlen des typischen, aber heute fast fehlenden Ossi-Gemeinschaftsgefühl beklage. Auch das typische Ossi-Improvisationstalent ist bei der Jugend komplett verloren gegangen.

      Von den älteren Ossis muss ich mir immer wieder anhören, dass die Wessis Schuld sind an der hohen Arbeitslosigkeit. Dass aber die Produktion von vielen DDR-Produkten gar nicht rentabel war und dass viele Arbeitsstellen einfach nur Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen waren, sehen die meisten nicht ein. Der DDR-Wirtschaft ging es bescheiden. Aber wer will und kann das von den älteren Ossis schon verstehen!?

      Ich arbeite selbst im Osten in einem produzierenden Unternehmen. Da merkt man jeden Tag aufs Neue, was es für Unterschiede zwischen Ost- und West-Kunden gibt. Arrogante Ossis hat man selten, arrogante und zu tiefst herablassende Wessis sind an der Tagesordnung. Das ist nicht der Großteil der Kunden, aber da gibt es einige, die meinen, jetzt muss ich mal den kleinen, dummen Ossi niedermachen und klein halten.

      Ob nun der Westen einen großen Nachteil durch die Wiedervereinigung kann ich nicht beurteilen.

      • "Arrogante Ossis hat man selten, arrogante und zu tiefst herablassende Wessis sind an der Tagesordnung. "

        Aber genau das sind die Äußerungen, die ein Zusammenwachsen so mühsam machen. Ich habe auch schon mit "Ossis" zusammen gearbeitet. Das fand ich nicht immer angenehm, weil es so wenig Individualität gab in einem Bereich, in dem es wichtig gewesen wäre, auf einzelne Vorlieben zu achten. Ewig diese Gleichmacherei. Wenn man anders war oder etwas außer der Reihe wollte, konnten auch "Ossis" unangenehm arrogant werden.

        Deshalb weiß ich aber doch, dass das kein pauschales Urteil sein darf. Ich kenne auch viele "Ossis", die nicht so sind. Wahrscheinlich kenne ich auch viele "Ossis", von denen ich gar nicht weiß, dass sie welche sind.

        Deshalb wehre ich mich gegen den Spruch der zutiefst herablassenden "Wessis". Davon kenne ich nämlich eher weniger und mit denen will auch ich nichts zu tun haben.

    (11) 09.10.13 - 08:45

    Es ist nunmal ein Deutschland, also klar war die Wiedervereinigung sinnvoll! Es wurde viel dafür gekämpft und es wurde viel dafür gegeben...

    Im Osten gab es eine Reihe guter Unternehmen und Betriebe, viele wurden geschlossen, viele wurden aufgekauft. Viele dieser Betriebe hätte aber eine Chance gehabt zum überleben, wenn diese langsam an das neue System herrangefüht wurden wären.

    Daraus folgte so natürlich der Verlust von vielen guten Arbeitsplätze für die Bevölkerung. Und ich glaube das ist auch noch viel in den Köpfen.

    Ja, selbst heute noch gibt es Unterschiede. Die Lohnzahlungen zum Beispiel.

    Solidaritätsbeischläge zahlt man übrigens in ganz Deutschland...

    Ich würde sagen, dass beide Seiten profitiert haben. Aber auch beide Seiten gewisse einbußen hatten... Für den Westen war die Wiedervereinigung auch ein großer Vorteil gewesen, gerade wirtschaftlich.

    Selber war ich in beiden Teilen Deutschlands unterwegs. Von den Menschen her gibt es wohl auf beiden Seiten gewisse .... . Aber ich habe auch auf beiden Seiten sehr tolle Menschen kennengelernt. Daran würde ich es also nie festmachen.

    Ich habe auch als Ossi in "Westen" gearbeitet. In dem einem Betrieb wurde ich deswegen gemobbt, in den anderen Betrieb wurde ich als Mensch anerkannt.

    (12) 09.10.13 - 09:02

    Es mag sein, dass der Osten mehr profitiert hat als der Westen. Aber man darf nicht vergessen, in welchen Verhältnissen die Menschen damals in der DDR gelebt haben.

    Das steht in keiner Ralation zu den Nachtteilen, die der Westen durch die Wiedervereinigung hat.

    VG
    Mateo

    (13) 10.10.13 - 13:23

    Ich war kein Freund der aus meiner Sicht überhasteten Wiedervereinigung und bin es auch heute noch nicht. Gerne hätte ich den Menschen im Osten nach der Wende dort die Chance gegeben, sich selbst am eigenen Schopf aus dem sozialistischen Sumpf zu ziehen, anstatt mit Milliarden aus dem Westen alles binnen kürzester Zeit auf westdeutschen Standard (und darüber hinaus) zu bringen.

    Das hätte jede Menge Ressentiments verhindert.

    Dass es diese Ressentiments immer noch gibt, kann ich verstehen. Ja, den Solidaritätszuschlag zahlt jeder, aber er wird nur im Osten ausgegeben. De facto fließt also Geld von West nach Ost, und de facto auch von bettelarmen westdeutschen Städten in mittlerweile florierende ostdeutsche Städte. Das will und werde ich nicht gerecht finden.

    Ich leite daraus keine Meinung über die Menschen im Osten ab - und muss doch manchmal merken, dass die Ostdeutschen mit Meinungen über Westdeutsche immer noch sehr schnell bei der Hand sind.

    • "Ja, den Solidaritätszuschlag zahlt jeder, aber er wird nur im Osten ausgegeben"

      Diese Aussage ist falsch.

      Wie jede andere Steuer auch, wird der Solidaritätszuschlag auch für den Ausbau der Krippenplätze im Westen genutzt.

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