"Urbia" und die Gefahr von rechts...

    • (1) 14.10.13 - 20:31

      Hi!

      Ich habe lange überlegt ob ich dieses Thema hier überhaupt ansprechen soll.

      Aber nach den letzten Tagen, in denen einige Threads eröffnet wurden bei denen sich mir die Nackenhaare aufgestellt haben, möchte ich es doch loswerden.

      Dieser Rechtsruck, der auch hier im Forum deutlich zu spüren ist, macht mir Angst.
      Es mag sein, dass manche nicht darüber nachdenken was! sie gerade von sich geben.
      (Is doch alles nur Spaaaaaaaaaaaß und Iiiiiiiiiironie und so...)
      Dass damit genau die Leute, für die das in ihrer verqueren Einstellung bitterer Ernst ist, und die ihre Einstellung dann auch lauthals kundtun,und Beifall und "Sternchen" damit bei Urbia einheimsen, auf den Plan gerufen werden, daran denkt scheinbar niemand. Auch das Urbia-Team nicht.

      Ich möchte niemandem unterstellen rechtsradikale Tendenzen zu pflegen.

      Aber, ich möchte darauf hinweisen, dass es genügend rechtradikaleTrottels gibt, die genau darauf warten dass irgendjemand im Internet, ob gewollt oder ungewollt, auf eben diesen "neumodischen", unbedarften Rechtsradikalismus anspringt.

      Von "hahaha Sinti und Roma- Schnitzel" bis "die nehmen uns die Arbeit weg" ist es kein weiter Weg...

      Liebe Grüße,

      Nicole

      Vielen Dank an die User die gegen diesen Müll angehen!

      • Hallo!

        Ich stimme Dir voll und ganz zu - ich bin über diese stumpfsinnige Grütze auch einigermaßen entsetzt. Es ist wichtig, dass immer wieder dazu Stellung bezogen wird, auch mit neuen Diskussionen wie dieser hier.

        Allerdings befürchte ich, dass auch hier nur eine weitere wahnsinnig reflektierte "Man-wird-ja-wohl-noch-sagen-dürfen..."-Tirade losbrechen wird.

        Dummheit stirbt einfach nicht aus.

        Trotzdem danke für Deinen Beitrag.

        Viele Grüße!

        • Du schriebst:
          >>> Allerdings befürchte ich, dass auch hier nur eine weitere wahnsinnig reflektierte "Man-wird-ja-wohl-noch-sagen-dürfen..."-Tirade losbrechen wird.<<<

          Ich glaube nicht, dass eine solche Tirade hier losbrechen wird, aber da du den Ball nun mal so schön in die Mitte gespielt hast, nehme ich ihn einfach mal auf, vielleicht wird daraus ja tatsächlich eine Diskussion!?

          "Man wird ja wohl noch sagen dürfen" ... dass es tatsächlich wirtschaftlich ein Problem darstellt, eine große Anzahl von sogenannten Flüchtlingen in unserem Land auf unbestimmte Dauer aufzunehmen.

          Man wird dies sagen dürfen, darf dabei aber mehrere Dinge nicht verschweigen:
          Es handelt sich bei "diesen" Flüchtlingen nicht in der überwiegenden Mehrzahl um dumme Neger, die es in der Heimat nicht gebacken bekommen, die Schule abzuschließen, sondern zu einem großen Teil um Menschen, die nicht die Chance hatten, eine Schule zu besuchen und zu einem anderen gar nicht so kleinen Teil um Menschen, die sehr wohl eine Ausbildung genossen haben, die der unseren ebenbürtig ist, die aber aus politischen und oder religiösen Gründen in ihrer Heimat nicht arbeiten dürfen und oder verfolgt, i.e. an Leib und Leben bedroht, werden.

          -> Schöner Ansatz nicht? Geht aber am eigentlichen weit vorbei!

          Es ist mitnichten so, dass diese Flüchtlinge sich dachten, "Och, Harz4 gibbet ja bei uns nich, dann schwimmen wir mal einfach nach Lampedusa oder (setzen Sie hier die abenteuerliche Fluchtmöglichkeit Ihrer Wahl ein)", sondern diese Menschen sind in den allermeisten Fällen bedroht von einer für den hiesigen Standard unvorstellbaren Armut, wenn nicht mehr.
          Das Problem ist nun bei den Kommentatoren hier, die darum bitten, man möge doch ersteinmal die Straßen in Deutschland von den Schäden des letzten Winters erlösen, oder man möge doch die armen Eltern, die nicht einmal in der Lage sind, für ihre Kinder Weihnachtsgeschenke zu kaufen, dass sie sich wie wir alle diese unglaublich desaströse Lage eines Flüchtlings aus der dritten Welt (ja, ich darf das sagen, mein Opa hat sie persönlich nummeriert!) versetzen können.

          Wenn ich jetzt nur mal in diesem Thema sage (wird man ja noch dürfen), dass es auch für den deutschen Staat eine finanzielle Belastung darstellt, mit einer großen Menge "Flüchtlingen" umzugehen, dann ist das nicht falsch.
          Wenn ich jetzt sage, dass es ebenso ein Problem darstellt, wenn große Mengen Flüchtlinge irgendwo unterzubringen sind und das zu einer Art Ghettoisierung führen kann, was wiederum wie in Duisburg zu schlimmen Zuständen UND einer weiteren vereinfachten Sicht der Bevölkerung auf das Problem bereits geführt hat, dann ist das ja sicher auch nicht von der Hand zu weisen.
          Wenn ich jetzt mit einem gewissen Menschen aus der SPD sage, dass der Anteil der ausländischen Mitbürger sich vergrößern wird, weil sich "die Migranten" und "die Flüchtlinge" ja lieber fortpflanzen als "wir Deutschen" ist das rein formal auch noch prima zu belegen.

          NUR: Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit? Was wiegt mehr? Das Elend von Menschen, die lieber ein verdammtes Vermögen in ihrer Lebensrealität für die Möglichkeit ausgeben, auf See jämmerlich zu ersaufen, oder vielleicht ein nichtmal definitiv rettendes Ufer zu erreichen, oder wiegt doch mehr die Stabilität unserer heilen Welt, in der man auch aus dem sozialen Netz den Kindern etwas bieten kann in Form einer Wii, einer PS3 und dem jährlichen Besuch im Phantasialand?
          Überspitzt formuliert, natürlich, aber ich bin ganz ehrlich, ich kann mir das Elend, das einen dazu bringt, sich auf eine Nussschale zu begeben, um auf ein kleines Eiland zu kommen, das einen eh nicht haben möchte, nicht wirklich vorstellen. Ich kann es mir nicht vorstellen, für Nestle zu arbeiten, in der Produktion von finest tablewater und am Abend 3 km zu Fuß aus einer verdreckten Quelle Wasser für die Familie holen zu müssen..
          All das ist sooo fern von meiner Realität, in der ich mich sonntags über die lange Schlange an der Shelltankstelle ärgere, weil das Benzin dann ja um 5 ct/Liter billiger ist.
          Und genau darum wird man das ja noch sagen dürfen! Ja, wirklich, ich finde, man wird das sagen dürfen, man sollte dann nur sehr viel öfter das Elend derer um die Ohren gehauen bekommen, die für all unseren Luxus bluten, sterben, hungern, dursten.
          Nur wenn wir das bekommen, dann ist's gar nicht recht, denn dann tritt diese Realität in unser Leben, wie schon geschrieben, in Duisburg, in Berlin... überall da, wo die hungernden und durstenden plötzlich mitten unter uns leben und das in Zuständen, die zynischerweise noch besser sind, als die Zustände, denen sie entflohen sind.

          Man wird das wohl noch sagen dürfen...

          Ja! Entscheidend ist, wo man die Null-linie setzt. Wieviel Elend lasse ich in anderen Teilen der Welt zu, um meine Null-linie bei einem Mindestlohn und unseren gewohnten Standards der Sozialsysteme setzen zu können?
          Und ja, es könnte jetzt die Sache mit der Statistik über hungernde Kinder in Deutschland kommen. Kriegen kein Frühstück, müssen hungrig in die Schule. Wird man sagen dürfen, aber die Sache mit der Nulllinie bleibt, denn es wäre ja für die Eltern in Deutschland möglich, den Kindern ein Frühstück zu bereiten, diese Wahl haben viele Eltern in den ausgebeuteten Ländern nicht.

          Letztlich: Man wird sagen dürfen, was man will, aber das Elend, das wird uns einholen, ob wir versuchen, unsere eigene kleine Welt mit aller Macht zu verteidigen, oder nicht. Es wird in unsere Straßen einbrechen, es ist schon da, aber dann können wir guten Gewissens sagen: Da siehste es mal wieder! Die sind halt doch alle kriminell und deswegen sind die auch arm! ...

          Ach neee, das sagen wir ja nicht, das tippen wir in unser Smartphone, das mit Lithium aus... wo war es gleich her??... in China von Kindern....

          • wow.
            Danke für so viel Engagement. Mit fehlt hier absolut die Geduld dafür.

            Ich musste heute an drei sehr bewegende BBC-Radioreportagen denken.

            Der eine Beitrag beschrieb die Geschichte eines jungen Afrikaner, der über London aus dem Fahrwerk eines Flugzeugs gefallen ist.

            Der zweite Beitrag handelte von einer versuchten Überfahrt nach Italien bei der die Leute verreckt sind, weil sie einfach nicht ankamen und ihnen niemand geholfen hat. (The left to die boat)

            Der dritte Beitrag von dieser Woche befasste sich mit Näherinnen in Bangladesh.

            Aber wie hier irgendwo (ich verliere den Überblick) jemand mit bezeichnendem Spitznamen sinngemäß schrieb: Wenn es UNSEREN Wohlstand bedroht, ist Schluss mit lustig...

            • Du schriebst:
              >Wenn es UNSEREN Wohlstand bedroht, ist Schluss mit lustig... <

              Das (Aber-)Witzige ist doch, dass "unser Wohlstand" zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf dem fehlenden Wohlstand, nö, auf dem Elend, dem zum Himmel schreienden Elend anderer beruht.
              "Wir" in den Industriestaaten konsumieren Güter zu einem Preis, der ein Phantasiekonstrukt ist. Allem voran ist hier genau die Technologie, derer wir auch hier in diesem Forum bedienen und die mittlerweile ja auch aus Autos und dem gesamten westlichen Leben nicht mehr wegzudenken ist.
              Die Nachhaltigkeit haben wir dabei ein bisschen vergessen, sogar dann, wenn wir versuchen, unsere Stromnetze intelligenter zu machen und dabei doch nur uns selbst vor einer ähnlichen Katastrophe wie in Fukushima schützen wollen.

              Wir erzeugen schlichtweg Wachstum auf Leichen und wenn dann die Kinder der Leichen vor unserer Tür stehen, weil sie entweder nichts zu fressen finden in den Wüstenminen, oder wahlweise von den zwar tyrannischen Ausbeutern, die ob guter Handelsbeziehungen durch "die westliche Welt" gestützt und hofiert wurden, verfolgt werden, dann denken wir über Quoten nach, und mancher gar darüber, warum "die" das dann nicht mal in ihrem Land auf die Reihe bekommen.
              Klar, gerade in Bangladesh könnte man ja mal was gegen Stürme tun, statt immer nur minderpreisige halterlose Strümpfe für KIK zu nähen, die dann doch nur einen Abend zum Feuerwerk an Silvester getragen werden, aber so sind sie halt, die Neger, gell?

              Der Handel funktioniert derzeit so, das kann man sicher auch nicht so schnell ändern.
              Bei "Wirtschaftsflüchtlingen", die "uns nur ausnutzen wollen", kann ich aber durchaus umdenken und mich fragen, wäre es nicht nur gerecht, wenn wir alle, jeder einzelne, ein kleines bisschen einbüßén würden, angesichts des Elends und angesichts der Hilfsbedürftigkeit dieser armen Menschen?
              Und im Prinzip genauso wie jemand, der völlig überschuldet ist, dann doch besser daran täte, ab und an auf sein Konto zu schauen, um der Realität ins Auge zu sehen, müssten wir dann nicht auch mal alle zugeben, wir stehen bei diesen Menschen tief in der Schuld?
              Nur, was würde das bedeuten? Verzicht für alle wird sich kaum predigen lassen, wäre aber im Prinzip exakt das, was es zu tun gälte, ich will hier Griechenland nicht wirklich ins Gespräch bringen, aber genau da würde diese Herangehensweise genauso sinnvoll sein.

              "Unser" Wohlstand wird auf die Dauer nur funktionieren, wenn es Wohlstand überall gibt. Das Ausbeutungsprinzip mag lange funktioniert haben, wird es aber in der Zukunft mit steigender Weltbevölkerung nicht mehr tun.
              Wir werden umdenken, auf die ein oder andere Weise, denn je größer die Masse der Ausgebeuteten wird, desto höher wird der Druck auf die Ausbeuter werden.
              <- Huch, das hört sich ja fast postmarxistisch an, dabei war das nu gar nicht meine Intention->

              • Danke dass du das noch mal so deutlich erklärt hast. Ich wollte eigentlich nur auf eben diese Verkürzung hinweisen, die da wieder passiert ist. :-)

                Ich finde leider den Beitrag nicht, da wurde jemand keifig, weil es "unseren Landsleuten" auf keinen Fall schlechter gehen darf.

                Ich bin kein Freund von Marxismus weder klassisch noch Post- ;-)
                aber wo du Recht hast, hast du wohl leider Recht.

                Mir fällt auch immer wieder auf, wie anderen Menschen zum Vorwurf gemacht wird, dass sie ein "bequemeres" Leben für sich wollen (Trinkwasser, Krankenversorgung, nicht 7 Tage 12 Stunden arbeiten). Gleichzeitig werden hier täglich Anfragen gestellt, was man denn noch alles beantragen kann, was einem "zusteht".

        • Du hast in weiten Teilen recht (ähm, eigentlich kann ich deinen Beitrag so unterschreiben), ich möchte nur etwas hinzufügen:
          Wenn wir mehr Flüchtlinge aufnehmen, dann wird es unumgänglich sein, dass wir auch unsere Standards in der Asylpolitik überdenken. Bspw. Asylbewerberheime: Ja, der Punkt mit der Ghettoisierung ist nicht von der Hand zu weisen. Überlegungen gehen inzwischen dahin, dezentrale Lösungen zu finden, also bspw. Wohnungen inmitten der deutschen Bevölkerung zuzuweisen.
          Und wenn es rein um die finanzielle Belastung geht, lässt die sich auch in dem Moment abmildern, da Asylbewerber arbeiten dürfen wie jeder andere auch, was natürlich voraussetzt, dass ein flächendeckender Mindestlohn gegeben ist, damit niemand auf die Idee kommt, diese Menschen ("Sei doch froh, dass du Arbeit hast") für Zweifuffzich auszubeuten.

          • Alles richtig. Aber:

            Woher sollen die entsprechenden Arbeistplätze allgemein kommen?
            Zudem sind Sprachkurse und andere integrative Maßnahmen notwendige Voraussetzung für die meisten Beschäftigungsmöglichkeiten, die menschenwürdig sind und eine Zukunft ermöglichen. Da muss viel Vorleistung erbracht werden, die nicht "zurückgegeben" wird.

            • Naja, wir haben in mehr als einer Branche Fachkräftemangel. Die meisten Flüchtlinge dürften im Laufe ihres Lebens einen Beruf erlernt haben. Wenn sie den hier ausüben können, ist das doch super. Dass nicht jeder Flüchtling in Vollbeschäftigung kommen wird, ist klar, aber immerhin hätten sie eine Perspektive. Auch eine Nebentätigkeit bietet (denke ich) die integrativen und psychischen Vorteile einer Arbeitsaufnahme.
              Ja klar, das kostet. Ich glaube aber, dass es uns langfristig mehr kostet, die Folgen mangelnder Integrationspolitik aufzuarbeiten. Ich gehe davon aus, dass sich die Kosten für Sprach- und Integrationskurse insgesamt amortisieren, wenn man die daraus folgenden Vorteile ins Betracht zieht, nicht nur die direkten finanziellen (Verringerung staatlicher Leistungen und Beitrag zum BSP bei Arbeitsaufnahme), sondern auch die gesellschaftlichen und gesundheitlichen.

    Hallo Nicole,

    ich kann dich sehr gut verstehen und es macht mir ebenfalls Angst. Die Anzahl der Sterne, die manche Beiträge bekommen, sprechen für sich. Die wenigen (und es sind immer die selben), die sich gegen diesen Müll zur Wehr setzen, tun mir schon leid, weil sie auf verlorenem Posten stehen.

    Ich habe übrigens, genau wie du überlegt einen Beitrag zu diesem Thema zu verfassen. Ich überlege auch noch, ob ich nicht bei urbia-intern etwas dazu schreibe. Ich bin vom Team sehr enttäuscht!

    GLG
    Shirley

    Hey,

    ich danke dir für deine Mühe, aber du wirfst mit deinen teilweise auch sehr informativen Beiträge wohl leider Perlen vor die (sprichwörtlichen) Säue.

    Vermutlich ist das aber gar kein Rechts-Ruck, im Sinne einer Gesinnungsveränderung. Ich denke, "die Leute" haben schon immer so gedacht. Wir nehmen es nur verstärkt wahr, weil sie es hier herumposaunen können.

    Wenn man sich normalerweise mit Menschen umgibt, die einen ähnlichen Bildungsstand haben – natürlich nicht gerade die Jungs aus der Burschenschaft – begegnen einem die etwas platteren Ansichten kaum.

    Zu Studienzeiten sind mir auch bei verschiedensten Themen erst die Augen für andere Schattierungen als schwarz und weiß geöffnet worden. (Das kann natürlich in jedem Bildungskontext so sein, oder auch durch die pure Lebenserfahrung. Man muss nicht unbedingt studieren...)

    Jedenfalls kommt mir mittlerweile bei vielen Sachen (Maximalpigmentierung etc.) einfach nur das Kotzen. Ich kenne persönlich zum Glück nur wenig Leute, die so unreflektiert sind, vermute dahinter aber die Mehrheit, leider.

    Lieben Gruß

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