"Herdprämie"

    • (1) 29.10.13 - 10:51

      Hallo zusammen,

      ich beobachte seit einiger Zeit die Diskussion zur "Herdprämie" in den Medien und habe mich ein wenig darüber gewundert, dass es quasi keine "Pro-Stimmen" gibt. Ja, das Thema ist nicht unkritisch und auch nicht ideologiefrei, aber de facto können Familien mit mehr als zwei Kindern doch meist eh nicht von anderen Leistungen wie Elterngeld, Ganztagsbetreuung und einer Doppelkarriere profitieren – oder?

      Habe auch ein paar Gedanken in meinen Blog geschrieben (will jetzt nicht alles reinkopieren). Freue mich über Gedanken zum Thema!

      http://essentialunfairness.wordpress.com/2013/10/18/politisch-inkorrekt-oder-das-betreuungsgeld-bashing-ist-populistisch/

      “Und, wie machst Du jetzt nach der Geburt beruflich weiter, Meike?”
      “Eigentlich wollte ich ja den Kleinen in eine Kita geben und wieder meinen Job als Staranwältin aufnehmen, aber jetzt, wo es das Betreuungsgeld gibt, überlege ich mir das nochmal. Ist ja auch ganz schön zuhause, und mein Mann mag es, wenn ich so viel koche und putze.”
      “Verstehe ich sehr gut, 100 Euro sind ja auch eine Menge Geld, so viel verdienst Du jetzt in Teilzeit ja bestimmt nicht mehr.”

      :-)

      Gruß

      pferderosshaar

      • Ganz einfach: das Betreuungsgeld ist nicht nachhaltig angelegt. Es versickert in den Familien und niemand weiß, ob es wirklich den Kindern zugutekommt.

        Das Geld wäre sinnvoller im Ausbau von Kitas angelegt. Das ist nachhaltig, weil davon viele Kinder über Generationen wirklich profitieren. Auch einige Familien mit mehr als 2 Kindern möchten ihre Kinder in einer Kita unterbringen. Schließlich knüpfen sie dort soziale Kontakte und Kitas haben auch einen Bildungsauftrag.

        • Zum Thema versickern: Das tut das Kindergeld aber auch. :-) Von daher: auch abschaffen.

          Klar sind Kitas eine gute Sache, werden wir sicher auch nutzen und uns freuen wenn wir nicht mehr völlig überhöhte Beiträge wie in mancher klammen Kommune dafür zahlen müssen.

          Aber die Frage ist doch: Ist es in einigen Fällen nicht okay, das Kind bspw erst in den Kindergarten zu geben oder erst mit zwei in die Kita? Der Staat freut sich, weil er weniger Plätze braucht, und manche Familien freuen sich, weil sie einen (geringen Teil) der Kosten dieser Plätze zurück"erstattet" bekommen. Wo ist das Problem dabei, wenn man das ideologiefrei sieht?

          Das ist es, was ich nicht verstehe, nicht die Tatsache dass Kitas sicherlich eine gute Sache sind :-)

      Hallo Pferderosshaar (was für ein geiler Name),

      ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Ich denke, da gibt es mehrere Aspekte:

      1.) Es gibt die dummen Leute. Die sind zu dumm zu verhüten und auch zu dumm zum rechnen. Die sehen dann nur "oh, es gibt 100€ Prämie für ein Kind und 300€ Erziehungsgeld und 184€ Kindergeld und und und". Also werden erstmal Kinder in die Welt gesetzt, damit in den Genuss dieses ganzen vielen Geldes kommt. Leider hört dann dort aber auch die Rechenkunst schon wieder auf. Spätestens wenn das Kind seinen 1. Geburtstag feiert und man feststellt, dass so ein Kind ja auch Schuhe braucht und 6 Jahre später dann auch noch eine Schulausstattung oder vielleicht eine Zahnspange, stellt man entsetzt fest, dass das Kind ja doch mehr Ausgaben produziert als es mittels staatlicher Hilfen einbringt.

      2.) Es gibt die schlauen Leute, die alles übertrieben rechnen. Kann ich mir Kinder leisten und wenn ja wieviele. Was verliere ich an Geld, wenn Du durch mein Kind/meiner Kinder X Jahre nicht arbeite. Das sind dann aber in der Regel auch die Leute, die soviel verdient haben, dass man sie mit 100€/Monat nicht locken kann.

      Zudem haben ja die Besserverdienenden auch einen anderen Lebensstandart. Diese haben vielleicht noch eine private Rentenversicherung, die jeden Monat mit mehreren hundert Euro bedient werden will. Der Abtrag für das Eigenheim ist höher als bei anderen die Miete für 3ZKB usw. Also hier muss auch schon genau gerechnet werden, bleibe ich als Frau länger zu Hause oder bekomme ich besser gar keine Kinder.

      3.) Es gibt so Leute die, in der Mitte von beiden stehen oder auch einfach sagen, ein Leben ohne Kinder geht gar nicht. Notfalls braucht man halt noch 3 Nebenjobs, dann klappt das auch. Aber alles in allem sind dort die 100€ auch egal oder fallen nicht ins Gewicht. Denn mal ehrlich, was sind schon 100€, wenn man Kind versorgen muss.

      Ich spanne den Bogen aber mal weiter und provoziere jetzt ganz bewußt:

      Könnte es denn nicht auch sein, dass der Staat es praktisch darauf hinauslaufen lassen möchte, dass Frau mit Kindern zu Hause bleibt ? Denkt man hier logisch drüber nach, hätte dies nur Vorteile.

      a) Der Staat hätte nicht mehr das Problem Kita-Plätze bereitstellen und und finanzieren zu müssen
      b) Man stelle sich vor, alle Frauen mit Kind/ern würden morgen nicht mehr arbeiten gehen. Wieviele Arbeitsplätze wären von heute auf morgen frei ?
      c)Was würde der Staat an Arbeitslosengeld dadurch einsparen ?
      d)Dadurch, dass es weniger Arbeiter gäbe, würden die Gehälter ansteigen und es wäre eventl. auch wieder möglich, dass EIN Familienernährer die ganze Familie ernährt ?

      Dies ist nicht meine Ansicht. Ich bin auch eine Frau mit Kind und bin froh, dass ich die Möglichkeit habe, arbeiten zu gehen.

      Aber aus Sicht des Staates wäre es vermutlich besser, wenn Frauen zu Hause blieben :-)

      Liebe Grüße
      Tiffy

      • Hi Tiffy,

        danke für die ausführliche Antwort! (Pferderosshaar ist übrigens aus der Serie Pastewka, die Saunabürste aus "echt Pferderosshaar" ;-) )

        Finde ich spannend, ich habe eher das Gefühl dass wir uns momentan politisch in Richtung der Doppelverdienerfamilie als Standard entwickeln (was ja gut ist). So benachteiligt ja beispielsweise das Elterngeld Familien, in denen ein Partner wegen Kindererziehung bereits "zuhause" ist, erheblich.

        Aber Du hast vollkommen recht, die Politik will sich per Betreuungsgeld billig von einigen Kita-Plätzen freikaufen. Ich bin ja jetzt auch gar nicht so "pro" dafür, sondern sehe das ganze durchaus kritisch. Es wundert mich halt nur, dass es solche "moderaten Pro-Stimmen" in der Medienwelt praktisch gar nicht gibt. Obwohl ich, wie ja meinem Post zu entnehmen war, durchaus ein gewisse Berechtigung für das Betreuungsgeld sehe. Hauptberechtigung ist meiner Ansicht nach wie angedeutet: in größeren Familien machen meist ohnehin nicht beide Teile Karriere. Da diese dann von kostenlosen Kitaplätzen eh nicht profitieren ist es doch gar nicht so bösartig, wenn man sich freikauft.

        Ich sehe halt auch nicht, wo die Herdprämie eine "zurück an den Herd lenkende" Wirkung hat. Das Beispiel mit "Meike" ist schon ernst gemeint. Welche Karrierefrau bleibt denn wegen 100 Kröten zuhause?

        Viele Grüße

        pfh

        • Ich bin da mir da persönlich nicht ganz so sicher, wie ich das alles finden soll.

          Gehen wir mal hundert Jahre zurück (ja, ja ich weiß früher war nicht alles besser - aber auch nicht alles schlechter ;-) )

          Mann ging arbeiten, Frau war zu Hause mit Kind. Mann hat in aller Regel genügend verdient, dass die Familie überleben konnte - im Reichtum sind vermutlich die wenigsten geschwommen aber überlebt hat man.

          Heute gehen Mann UND Frau arbeiten. Die Löhne fallen, dank Globalisierung, und trotz dass BEIDE arbeiten gehen, sieht es in der Regel auch so aus, dass man nicht in Reichtum schwimmt aber überlebt.

          Also wo ist jetzt der Mehrwert gegenüber den Zuständen von vor 100 Jahren ? Ich denke, es gibt keinen. Damals hatte man oft noch die Mehrgenerationen-Haushalte. Also Oma und Opa wohnten mit dem Rest der Familie noch unter einem Dach.

          Bedeutete für eine Mutter, die ja auch mal gerne mal als 2 Kinder hatte, eine enorme Unterstützung. Heute kocht jeder sein eigenes Süppchen. Mutter, Vater Kinder wohnen hier, Oma und Opa wohnen da.

          Mutter, Vater, Kinder müssen sehen wie sie zurecht kommen. Müssen mit 2 Mann arbeiten gehen, Kinder unterbringen, erziehen, Haushalt stemmen.

          Da kann jetzt der Staat mit noch zu viel Geld locken, die Geburtenraten werden nicht hochgehen. Alleine schon deswegen, weil man als Familie alleine da steht. Selbst wenn man noch Oma und Opa in der Nähe hat, ist es doch oftmals so, dass die beide auch noch arbeiten müssen. Und das wird ja nicht besser werden, das Rentenalter steigt konstant an.

          Also ist die Idee Frau bleibt zu Hause bei den Kindern, Mann geht arbeiten gar nicht mal so schlecht. Wobei ich der ehrlichen Meinung bin, keine noch so gute Kita kann die Eltern/die Familie ersetzen - aber das ist wohl eine Grundsatzfrage über die man sich zu tote streiten kann.

          Es geht aber noch weiter... würde man die Idee des Mehrgenerationenhaushaltes noch weiterführen/wieder aufgreifen, wären wir sogar soweit, dass vielleicht weniger Menschen in Altenheimen leben müßten - würde dem Staat auch wieder Geld einsparen.

          Nichts destotrotz hast Du natürlich Recht. Es mag Ausnahmen geben aber eine echte Karriere ist mit Kind nicht möglich - wenn man das Kind nicht nur von einer zu nächsten Betreuungsperson schubsen will.

          Vor meinem Kind hatte ich auch einen guten Job. Ich war praktisch immer nur am Wochenende zu Hause um dem Koffer aus und den neuen einzupacken. Mit Kind wollte ich das nicht mehr. Ebenso mein Mann - er hätte ja "Karriere" machen können, hätte für ihn aber auch bedeutet, dass er viel reisen muss - darauf hat er uns zu liebe verzichtet. Da hätte jetzt auch keine Prämie eine Rolle gespielt, man kann halt nicht alles mit Geld kaufen :-)

      Hallo,

      ich selbst war lange gegen das Betreuungsgeld. Ich bin Hausfrau und meine Kinder wurden alle jeweils ca. 3 Jahre voll zu Hause betreut. Aber, es widerstrebt mir eigentlich für das natürlichste auf der Welt Geld zu nehmen, also dafür das ich mich als Mutter selbst um meine Kinder kümmere.

      Allerdings, wenn ich dann höre das Stimmen laut werden die eine Kindergartenpflicht einführen wollen und es für alle Kinder Ganztagsbetreuungsplätze geben soll, das widerstrebt mir auch. Denn es gibt noch einige Eltern die sich selbst um ihre Kinder kümmern wollen.

      Mir gefällt es auch nicht das nur immer vom leichteren Widereinstieg ins Berufsleben die Rede ist und davon das Mütter ja arbeiten wollen.
      Nun, ich will nicht wieder arbeiten. Ich wüßte gar nicht wo ich die Zeit dafür hernehmen soll ohne das es zu Lasten meiner Kinder ginge.

      Wir leben doch in einem freien Land und es soll bitte weiterhin jeder sein Familienleben nach eigenen Vorstellungen führen dürfen.

      Ich persönlich fände es schlimm wenn meine Kinder mal in eine Ganztagsschule gehen müßten.

      Und nun mal ehrlich das finanzielle: 150 Euro (ab 2014) sind nicht viel. Stimmt. Aber die normalsterbliche Mutter ist keine Akademikerin und geht mit kleinen Kindern oftmals einem 400 Euro Job nach. Dafür braucht sie womöglich ein Auto, evtl. fallen noch Kosten für Kantinenessen an usw. Die Kosten für den Betreuungsplatz kommen auch noch hinzu Bleiben somit nicht einmal mehr 150 Euro übrig.
      Klar versucht der Staat die Kosten für die Krippenplätze zu reduzieren. Ein Platz kostet schließlich ca. 1000 Euro. Welche Mutter zahlt soviel Steuern? Andererseits nimmt man diesen Betreuungsplatz fürs Kind ja nur wenige Jahre in Anspruch. Danach verdient der Staat meißt schon an der arbeitenden Mutter.
      Da der Staat also den Krippenplatz so großzügig finanziert finde ich es schon gerecht wenn er auch etwas Geld für Kinder spendiert, die in der Familie betreut werden!

      Soweit meine Sicht der Dinge
      liebe Grüße
      Gabi

      • Ich sehe das auch so. Ich war auch mit meiner Tochter 3 Jahre zu Hause und habe es genossen. Der Alltag fängt für die Kinder noch früh genug an, dass man pünktlich um 6 Uhr aufstehen muss, damit man rechtzeitig in der Schule ist, z.B.

        Bei uns im Kiga war es auch so, dass das Kind bis 9 Uhr dortzusein hat. Im letzten Jahr in der Vorschule war sogar Anwesenheitspflicht. Dieses Jahr war aber auch kostenlos.

        Ob der Staat überhaupt Interesse daran hat, Kita´s zu finanzieren, habe ich ja Pferderosshaar schon geschrieben. Ich glaube nicht, dass er wirklich Interesse daran hat :-)

        Andererseits stehe ich auch auf dem Punkt, dass ja keiner gezwungen wird Kinder zu bekommen. Dass der Wunsch nach Kindern da ist verstehe ich. Aber nicht alle Wünsche kann man sich erfüllen.

        Entscheide ich mich nun für Kinder und weiss, dass ein Gehalt nicht reicht, muss ich mir halt überlegen, ob ich die Kinder anderweitig betreuen lassen kann oder ich halt doch zu Hause bleiben. Man kann nicht immer den Staat dafür verantwortlich machen, dass meine Lebensplanung nicht funktioniert.

        Und ganz interessanterweise gibts ja in Ländern,in denen es kaum/wenige staatliche HIlfen für Eltern gibt, mehr Geburten als in Deutschland ! Das sollte man ja auch mal bedenken. Es liegt also nicht nur am Geld.

Mich stört an dem Betreuungsgeld vor allem, wie es verkauft wird:
Als Alternative und Wahlfreiheit zwischen Beruf und Kind.
Was sind denn bitte 100 Euro für eine Alternative, wenn 800 durch den Verdienstausfall der Mutter fehlen und diese 800 einfach gebraucht werden?

Wer auf ein 2. Gehalt angewiesen ist, kann eben nicht wählen und wer mit einem Gehalt auskommt und damit gut leben kann, bekommt quasi noch ein Taschengeld obendrauf.

  • (10) 29.10.13 - 14:35

    sorry, aber wenn ich mir nicht leisten kann, dann kann ich kein Kind bekommen.

    Ich finde das immer hoch gepokert, wie dann manche schon rechnen, ach ich bekomme ein Kind, nehme 1 Jahr Erziehungsgeld und dann geh ich wieder arbeiten. Das ist doch nichts auf was man sich verlassen kann.

    Was ist denn, wenn das Kind eben nicht gesund zur Welt kommt ?

    Was passiert denn, wenn man Arbeitgeber während meiner Elternzeit stirbt, pleite macht usw.
    Was passiert, wenn der Mutter bei der Geburt was passiert und sie nicht mehr arbeiten geht.

    Ich finde so knapp kann man doch bei einem Kinderwunsch nicht kalkulieren.
    Wenn man zu zweit nur mit 2 Gehältern hinkommt, wie will man es dann zu Dritt schaffen ? Vorallem weil es ja auch sein kann, dass man mit dem Kind nur noch 1,5 Gehälter hat ?

    • (11) 29.10.13 - 15:10

      ...Ich finde das immer hoch gepokert, wie dann manche schon rechnen, ach ich bekomme ein Kind, nehme 1 Jahr Erziehungsgeld und dann geh ich wieder arbeiten. Das ist doch nichts auf was man sich verlassen kann...

      Äh, das ist aber die Realität, darum gibt es das Elterngeld. Und wenn man 3 Jahre zuhause bleiben will, dann kann man immerhin die 100 Euro bekommen, die aber diesen Verdienstausfall nicht auffangen und eben KEINE Alternative oder echte Wahlmöglichkeit sind.

      Der Alleinverdienende Familienvater kann doch genauso erkranken oder tot vom Gerüst fallen.
      Wenn die Frau dann die letzten Jahre nur daheim war und evtl. seit der Ausbildung nie mehr gearbeitet hat, weil sie eben 1,2 oder 3 Kinder erzogen hat und das finanzielle Polster gut war, dann steht die doch genauso doof da. Wahrscheinlich wird sie dann auf jeden Fall zum Sozialfall, weil sie überhaupt keine Chance mehr hat auf dem Arbeitsmarkt.

      Wir haben unser Kind sehr bewusst geplant (künstliche Befruchtung) und sehr lange rumgerechnet, was unterm Strich rauskommt, wenn ich erst mal nur noch Elterngeld bekomme und dann Teilzeit arbeite.
      Wenn ich meinen Job nicht hätte, hätte ich mein Kind trotzdem. Nur würde ich dann halt zuhause sitzen, jeden Monat 100 Euro kassieren und wäre trotzdem gefrustet, weil das Geld knapp ist und vieles, was vorher "einfach so" gezahlt wurde, ein echter Kraftakt wird.
      Vielleicht ist das Jammern auf hohem Niveau.

      Bei der heutigen Scheidungsrate würde ich mich aber auch niemals nur auf den Mann als Geldheimbringer verlassen. Das finde ich nämlich sehr blauäugig geplant.

      • (12) 29.10.13 - 16:21

        Äh, als ich geboren worden bin, gabs weder Kindergeld noch Elterngeld. Stell Dir mal vor, meine Eltern mussten schauen, wie sie mich finanzieren. Mein Vater sagt heute immer noch, dass er eigentlich eine Fußballmannschaft wollte aber das halt nicht drin war. Somit bin ich Einzelkind geblieben.

        Damals war trotzdem die Geburtenrate höher ! Und als ich dann mit 3 in den Kindergarten gegangen bin, ging der auch nur von 8-12. Also mal eben 4 Stunden halbtags arbeiten war auch nicht drin. Meine Mutter hats trotzdem getan und musste schauen, dass ich von Oma, Oma, Tante und Uroma betreut wurde.

        Nochmal äh, als ich meine Tochter bekommen habe, gabs nur Erziehungsgeld und das auch nur für Einkommensstufen, bei der selbst eine Putzfrau zuviel verdient hätte. Wir mussten ja auch rechnen.

        Sicher kann immer was schief gehen. Ich habe jetzt auch keine Statistiken im Kopf. Aber schau mal hier im Finanzforum nach. Es kommt doch wesentlich häufiger vor, dass eine Frau nach der Elternzeit nicht mehr arbeiten gehen kann/will als dass der Familienvater gestorben ist.

        Zudem finde ich, es müßte gesetzlich vorgeschrieben werden, dass jeder eine Risikolebensversicherung hat. Wenn man diese in jungen Jahren abschließt reden wir von Cent Beträgen im Monat für enie relativ hohe Versicherungssumme.

        Und das Frauen mit Kind im Job keine bis wenige Chancen haben, verdanken sie in aller Regel sich selbst :-) Noch gerade letzte Woche wollte mein Chef einer jungen Mutter eine Chance geben und hat sie zum Gespräch eingeladen. Dreimal hat sie abgesagt, weil sie keinen für das Baby hatte. Dann hatte mein Chef auch keine Lust mehr - tja... erst planen dann p.... :-)

        • (13) 29.10.13 - 17:43

          ...Äh, als ich geboren worden bin, gabs weder Kindergeld noch Elterngeld. Stell Dir mal vor...
          Das muss ich mir nicht vorstellen, das weiß ich;-) (bin Jahrgang 1973)

          Meine Mutter hat immer gearbeitet und hat meinem Bruder und mir somit ermöglicht, dass jeder von uns 2 Musikinstrumente lernen konnte.
          Allerdings waren die wenigsten Mütter meiner Klassenkameradinnen berufstätig.
          Das Gehalt meines Vaters war zum Leben, das meiner Mutter für "Luxus".
          Es war ja auch nicht normal, dass man jedes Jahr eine Flugreise macht.
          Ich war 18 als ich zum ersten Mal geflogen bin - zum Schüleraustausch nach USA

          Wenn Du hier im Reiseforum schaust - da fliegen sie schon mit 2-jährigen auf die Malediven.
          Ich weiß noch, das war aber schon zu Realschulzeiten, wie wir eine Klassenkameradin beneidet haben, weil sie mit ihren Eltern eine Flugreise machen durfte - nach Tunesien. Die meisten von uns verbrachten ihre Ferien auf "Balkonien" oder vielleicht irgendwo in Bayern.

          Ich arbeite auf einer kleinen Gemeindeverwaltung und leite u.a. auch Anträge für Sozialhilfe/ALG II/Wohngeld, etc. ans Landratsamt weiter.
          Grade Frauen im Alter meiner Mutter - also 60+ - gehören sehr oft zu den Antragstellern. Mann verstorben oder Ehe geschieden.
          Diese Frauen haben sich jahrelang nur um die Kinder gekümmert und zur eigenen Absicherung nichts beigetragen und werden jetzt mit 500 Euro Rente abgespeist.
          Allein schon deshalb finde ich es wichtig, zu arbeiten.

          • (14) 30.10.13 - 07:57

            Oh, dann bin ich wohl im Luxus groß geworden :-) Wir waren jedes Jahr in Urlaub, teilweise auch zweimal. Einmal Flugreise, einmal Bauernhofurlaub. Aber klar, das ging nur, weil meine Mutter arbeiten ging.

            Zudem muss ich sagen, dass die Frauen von denen Du sprichst ja nicht so wenig Rente bekommen, weil sie mal 3 Jahre auf Ihr Kind aufgepaßt haben. Die bekommen so wenig Rente, weil sie 20 Jahre ihre Kinder betüttelt haben. Spätestens wenn das Kind in die Schule geht, kann Frau doch gut, zumindest halbtags arbeiten. Und dann gibt es ohnehin weder Betreuung noch Erziehungsgeld.

            Von meiner Mutter weiß ich, dass sie ja auch ca. 3 Jahre mit mir zu Hause war. Damals konnte man aber wohl irgendwie freiwillig in die Rentenkasse einzahlen, damit man die anrechenbaren Zeiten nicht verlieret bzw. unterbricht. Das hat sie damals gottseidank gemacht und hat somit für die Zeit keine Abzüge, wenn sie in ein paar Jahren in Rente geht.

            Wo wir gerade bei Rente sind. Ich glaube nicht, dass, wenn wir mal in Rente gehen, es noch Unterschiede in der Rentenhöhe gibt. Es wird eine Einheitsrente geben, egal ob Du Dein Leben lang gearbeitet hast oder Dich mit Sozialleistungen durch Leben geschummelt hast.

            • (15) 30.10.13 - 08:43

              ...Zudem muss ich sagen, dass die Frauen von denen Du sprichst ja nicht so wenig Rente bekommen, weil sie mal 3 Jahre auf Ihr Kind aufgepaßt haben. Die bekommen so wenig Rente, weil sie 20 Jahre ihre Kinder betüttelt haben. Spätestens wenn das Kind in die Schule geht, kann Frau doch gut, zumindest halbtags arbeiten. Und dann gibt es ohnehin weder Betreuung noch Erziehungsgeld....

              Das stimmt.
              Ich wohne in Oberschwaben, da war das Familienbild noch lange sehr klassisch. Meine Mutter hat ihr erstes Kind - also mich - mit 27 bekommen und war damals später als spätgebärend.
              Die meisten Mütter meiner Freunde haben nach der Volksschule (Ende mit 14) noch die Handelsschule oder eine Hauswirtschaftsschule besucht und früh geheiratet und früh Kinder bekommen und sich dann jahrelang nur um Familie und Haushalt gekümmert. Viele haben deshalb garkeine Ausbildung.
              Dann gehen die Kinder aus dem Haus, der Mann irgendwann in Rente und auf einmal merken sie, dass sie sich eigentlich nichts mehr zu sagen haben...
              Meine Mutter hat auch keine Ausbildung im klassischen Sinn gemacht.
              Sie hat nach der Handelsschule im Kindergarten gearbeitet, war als Au-Pair in England und USA (das war ein Novum in den 60er Jahren) und hat dann angefangen im Büro zu arbeiten. Aber einen Beruf gelernt hat sie nicht.

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