Gedanken zu dem Sonne-Mond-Sterne Thread

    • (1) 04.11.13 - 08:56

      Ich frage mich immer, wieso kein Volk/Religion seine Bräuche behalten soll?! Ist die Vielfalt der Völker und Religionen nicht super? Anstatt alles an zu gleichen, Neutral zu halten, sollte jeder stolz sein auf das, wofür seine Religion oder sein Volk steht. Wer will schon so einen Einheitsbrei von neutralen Festen? Zumal sowas immer nur hierzulande diskutiert wird. Denn vor 70 Jahren gab es ja diesen Österreicher blablabla... Mir ist das egal! Ich habe damit nichts zu tun, das war lange vor meiner Zeit.

      Ich möchte in Deutschland endlich mal sagen können "das bleibt so, wie es ist" ohne, dass ein Linker Opa gleich mit seiner Nazikeule kommt! Religionsfreiheit gilt für ALLE in diesem Land. nicht nur für zugewanderte Religionen! Wir verbieten anderen nicht ihre Feste, zum Ramadan zB. stehen hier in der ganzen Stadt große Zelte wo man sich Abends zum Essen trifft. Ich finde das toll, ist sehr gesellig und alle super nett. Aber dann kommt wieder irgendein hardliner, der Weihnachtsbeleuctungen und Feste an nur einen zentralen Ort verbannen soll. Da scheissen sich wieder ein paar leute ein und meinen, mit regelungen eingreifen zu müssen!

      Deutschland ist einfach total krank was sowas angeht! Und anstatt das diese gesetze helfen, schürt es nur das gegenseite Unverständnis und Vorurteile in der Bevölkerung.

      LG,
      Sarah (die manchmal die Welt nicht mehr versteht)

      Ach, daher weht der Wind ...
      Wenig los im virtuellen Traumland der Identitären, soll mal wieder ein bisschen Werbung gemacht werden?

    ich habe den Thread weiter unten nur überfolgen, weil es doch einfach ein bisschen zu arm und plump und wenig differenziert ist.

    Falls aber neben der "das muß alles so bleiben wie e immer war" Parole doch den ein oder anderen eine differenziertere Auseinandersetzung interessiert- hier meine Gedanken dazu

    das St. martins fest ist sicher ein guter Aufhänger für eine solche Betrachtung.
    Deine Position, so wie ich sie verstehe fasse ich mal o zusammen:
    Wir feiern st. martin als ur-deutsches fest. das ist ein brauch, ein teil unserer Kultur und deshalb darf sich das auch keinesfalls ändern.

    das ist sicher eine mögliche Betrachtungsweise.

    ich kann dir vielleicht meine ergänzen:

    die Heiligsprechung und die Heiligenverehrung ist ein teil des Katholizismus. Dieser ist seit Jahrhunderten in Deutschland beheimatet, deshalb ist es selbstverständlich teil der deutschen Kultur geworden (ob man das nun "ur" deutsch bezeichnen will oder wo man eben dieses "ur" sieht, ist natürlich individuell sehr unterschiedlich).
    aber gehen wir gar nicht so weit zurück und schauen uns einfach mal die Entwicklung der letzen Jahrzehnte an.
    in der BRD gehörten 1970 noch über 90% der Menschen einer christlichen Kirche an- fast 50% von ihnen der Katholischen.
    Demnach waren christliche feste selbstverständlich überall als teil der Kultur akzeptiert.
    Innerhalb dieser letzen 40 Jahre jedoch ist (unter andrem natürlich auch durch das hinzukommen der DDR und deren andere Bezug zur christlichen Kirche, durch Zuzug von andersgläubigen sowie durch eine Säkularisierung) der Anteil der kirchenzugehörigen innerhalb Deutschlands auf unter 60% gesunken-
    der katholischen Kirche gehören also noch knapp 30% der Bevölkerung an.

    Nun wäre das eine mögliche Betrachtungsweise, warum sich solcherlei kulur verändert.
    Heiligenverehrung der katholischen Kirche, der nur noch 30% der deutschen überhaupt angehören soll also wichtiger Bestandteil säkularer Einrichtungen sein?

    Und ist es nicht schlichtweg normal, daß Kultur und Tradition sich verändert?
    Daß in einem Land, in dem 40% nicht mehr zu einer Kirche zugehören, auch diese an Macht und Einfluss verliert?

    ist es nicht normal, daß sich im Zuge dieser Säkularisierung Einrichtungen des Staates immer weiter distanzieren von den Kirchen, da der Staat die Gesamtheit seiner bürger und nicht nur 60% repräsentieren und ansprechen muß?

    Ist es nicht normal, daß sich traditionen und kutlruz wandeln?

    warum spielen wir im Kindergarten an Karfreitag nicht die Kreuzigung nach?
    welcher Kindergarten feiert denn die Auferstehung Jesu? oder werden in den meisten Kindergärten einfach nur eier gesucht (was mit Ostern als christlichem fest rein gar nichts zu tun hat)

    welche Feierlichkeiten finden denn zu Pfingsten in den Kindergärten statt?
    was hat das "Christkind" oder der "Weihnachtsmann" mit dem christlichen fest zu tun?
    warum stellen wir uns eine tanne ins Zimmer? weil das ur-christlich oder ur-deutsch ist oder einfach eine Tradition die sich als einem kulturellen Gemisch ergeben hat?

    wer feiert denn heute den Reformationstag? auch 30% der Bevölkerung gehört einer protestantischen Kirche an. dennoch werden die allermeisten am 31.10. eher Halloween feiern und nicht die Reformation.
    ist das ein Problem?
    ist das nicht eine völlig normale Entwicklung und eine Weiterentwicklung von Kultur?

    ist es in einer globalisierten Welt nicht selbstverständlich, daß sich Kulturen anpassen, daß neue hinzukommen, daß der Wandel viel schneller von statten geht?

    und jetzt nochmal auf st. martin zurückzukommen.
    Dass wir in unsere Kultur genau dieses Heiligenverehrung eingebaut haben, hat sicher etwas damit zu tun, daß es auch vorchristliche Traditionen dazu gab, daß es sinnvoll war, in der trüben, dunklen Jahreszeit, lichter zu nutzen, daß es sich als fest für kinderanbot etc.
    Dass wir heute in aller regel eben NICHT mehr Heiligenverehrung betreiben sondern einem Ritter auf dem Pferd nachlaufen und "sonne Mond und Sterne" singen ist völlig normal- ich glaube kaum, daß diese Traditionen (die völlig unterschiedlich innerhalb Deutschlands sind) seit Jahrhunderten bestehen, sondern eher der Neuzeit geschuldet sind

    also: warum ist es für dich und deine kulturelle Identität wichtig, daß das fest überall in Deutschland gleich heißt und gleich begangen wird (was ja noch nie der fall war) und warum sollte eine mehrheitlich aus nicht Katholiken bestehende Bevölkerung eine katholische Heiligenverehrung begehen in einer staatlichen Einrichtung?

    • nun, zunächst hast du natürlich recht, dass sich die Kultur und auch die Religion verändert. Schauen uns wir nur die Römer an, die hierzulande den bestehenden Glauben abgelöst haben. Aber es ist auch völlig normal, dass man sich dagegen wehrt! Das haben alle Völker/Religionen bishe rgetan oder sie wurden dazu gezwungen!

      Ich empfinde es für mich, das ist mein persönliches Empfinden, als aufgezwungen, wenn meine Kinder nicht mehr St. martin feiern "sollen" sondern das XY Fest. Mal davon abgesehen, dass es eh jeder weiterhin St. martin nennt. genauso, wie die meisten weiterhin ein Zigeuner Schnitzel esse werden und kein Schlitzel Putsta Art...

      Wie auch immer... Ich bin einfach nur dafür, dass wir die Vielfalt erhalten! Wir haben hier in diesem land eine Multikulurelle Gesellschaft. Es kann nicht sein, dass wegen beschwerden anderer, Feste umbenannt werden oder verboten werden (was bisher gott sei dank nciht vorgekommen ist). Denn das ist keine natürliche Veränderung mehr.

      Ist es nciht viel natürlicher, wenn sich menschen mit den anderen Religionen beschäftigen und für sich entscheiden, was sie davon aufnehmen, ablehnen, ausprobieren? Ich finde, das ist eine viel schönere Vorstellung als "Das gesetz sagt, wie müssen es so und so machen!"

      LG

      • "Ich empfinde es für mich, das ist mein persönliches Empfinden, als aufgezwungen, wenn meine Kinder nicht mehr St. martin feiern "sollen" sondern das XY Fest"

        das habe ich verstanden.

        und ich emfpinde es als aufgezwungen, wenn meien kinder in einirchtungen eiens sekulraen staates eine heiligenverehrung aufgezwungen bekommen.
        das fest heißt überall anders, es gibt keine einheitliche deutsche tradition dazu.
        in manchen (protestantischen) gebieten, wurde gar der name auf "martin luther" erweitert, weil der martinstag nicht nur der tag von st. martins beerdigung sondern auch luthers taufdatum ist.
        in vielen gebieten deutschlands (vor allem denenm, in denen die christliche kirche kaum eine rolle spielt) wird es von vornherein eher als laternenfest bezeichnet etc.
        in anderen reitet martin auf einem pferd (was wohl nicht dem histroischen martin entsprechen dürfte), in anderen gehen die kinder von haus zuhaus, in dne nächsten ist die schlachttradition vorherrschend und in anderen das beschenken der kinder mit süßigkeiten (dem martinsmann, der martinsgans als keks, dem stutenmann,...)

        es ist alos ein regional völlig unterschiedlicher brauch.
        ob da nun im taunus also ein städtischer kindergarten das fest "laternenumzug" nennt, "martinsfest", oder "sonne mond und sterne fest" tut weder unserer kutlur weh noch der viefalt noch der tradition

        und wenn du wert drauf legst, dann darfst du zu hause bei dir sicher einen st. martins umzug organisieren. die örtliche kirche hilft sicher gerne!
        niemand nimmt dir den martinsumzug weg-
        du willst doch vielfalt.
        nehm den neuen zug mit dazu und schon hast du deine vielfalt!

        "Ist es nciht viel natürlicher, wenn sich menschen mit den anderen Religionen beschäftigen und für sich entscheiden, was sie davon aufnehmen, ablehnen, ausprobieren?"

        was meisnt du mit "natürlicher"
        ich denke, wenn du es in der menschheitsgeschichte anschaust, wird das vermutlich niemals so gewesen sein. ob das nun die "natur" des menschen ist oder die kultur, wie geschichte, natur und kultur heir zusammenhängen- keien ahnung.

        aber daß kultureller wandel unaufhaltsam ist, das hat uns die geschichte gezeigt.
        und auch wenn ds für eingie menchen immer schwierig ist (so wie für dich), so wirst auch du diese entwicklung nicht aufhalten.
        und kultur paßt sich immer den aktuellen gegebenheiten an.
        wenn diese also eine gesellschaft ist, die merhheitlich nicht mehr der heiligenverherung der katholichen kirche anhängt, dann wird sich die kultuzr dem anpassen.

        und das ist auch gut so

        • Ich sehe es halt einfach nicht als "Anpassung" an, wenn etwas staatlich erzwungen wird!

          In allem anderen gebe ich dir ja nahezu komplett recht... Befremdlich finde ich es trotzdem, dass die Anpassung hierzulange nur auf Kosten der Christen bzw. nicht muslimischen Bevölkerung geht. Da wird es verboten, überall in der Stadt Weihnachten zu feiern, weil sich beschwert wurde.

          • in welcher stadt wird der weihnachtsmarkt verboten?

            das würde mich wirklich interessieren!

            Und natürlich hat der staat, so er religionsfreiheit wahren will (seine aufgabe!) sich als sekular zu zeigen.

            ich habe die zahlen jetzt nicht vborleigen, aber eine kurze hochrechnung:
            wenn heute nur noch knapp 60% der bevölkerung einer christlichen kirche angehört, dann kann man davon ausgehen, daß dies ungleich innerhalb ver verschiedenen altersgruppen verteilit ist.
            geht mal also von maximal 50% bei den kindern und jugendliche naus (und ich halte diesen wert für zu hoch gegriffen), dann KANN doch eine staatliche einrichtung nicht die ausübung von christlichen ritualen vorgeben, sondern ist gerade zu verpflichtet, sich neutral zu verhalten.

            von daher: ja, es ist sogar wichtig, faß der staat sich daraus zurückzieht.
            religion ist privatsache. da gehört sie hin und da hat sie ihre daseinsberechtigung

            • "religion ist privatsache. da gehört sie hin und da hat sie ihre daseinsberechtigung "

              dann findest du es bestimmt auch in Ordnung, wenn Muslime nicht mit Kopftuch an staatlichen Schulen unterrichten, oder hab ich das jetzt falsch verstanden?

              • ich wäre schon dankbar, wenn in unseren bayerischen klassenzimmern nicht mehr das obligatorische kreuz hinge.
                und ja, ich will lehrer an staatlichen schulen, die ihre eigene religiösen und politischen überzeugungen für sich behalten.
                daher bin dafür, daß die kirchen sich aus der schule zurückziehen (d.h. kein konvessioneller Religionsunterricht)

                und ja- ein kopftuch als religiöser ausdruck hat bei einer lehrerin an eienr staatlichen schule mMn. nichts zu suchen.
                so lange aber prister in unseren schulen ein und aus gehen, pfarrer mit samt ihrem gewand unterrichten, lehrer ihr kruez offen zur schau stellen und der schultag mit dem "vater unser" beginnt- so lange kann ich verstehen, wie muslimische lehrerinnen dies als unzulässige benachteiligung empfinden.

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