Religion - gefährliches Halbwissen?

    • (1) 16.12.13 - 11:01

      Hallo,

      ich war am Wochenede in der Austellung 'Imperium der Götter'. Ganz grob gesagt geht es um die Entwicklung vom römisch/ griechisch /keltischen Politheismus zum heutigen Monotheismus hierzulande.

      Mir ist aufgefallen, wie wenig ich eigentlich über diese Entwicklung weiß, beziehungsweise wie einseitig christlich mein Wissen ist und das es sich größtenteils auf den Ist- Zustand der (Welt-) Religionen und deren Lehren bezieht, nicht aber auf deren Entstehung und Zusammenhänge abseits von einem absolut groben Rahmen a la 'Das Christentum ging aus dem Judentum hervor".

      Zum Beispiel war mir nie bewusst, dass sowohl das Motiv "Gottesmutter mit Sohn", noch das Ritual der Taufe, noch das Motiv des Abendmahls, noch das des Prediger, der in der Wüste Wasser aus einem Stein schlägt, noch das Motiv der Dreieinigkeit schon lange vor dem durchschlagenden Erfolg des Christentums bestanden haben.

      Im Gegenteil, das alles stammt direkt oder leicht abgewandelt aus antiken Göttermythen, Religionen oder Glaubensrichtungen, die heute nicht mehr existieren. Und sie soziokulturell und/oder geographisch in einem engen Zzusammanhang.

      Und auch die geniale "Marketingstrategie" der frühen Christen war mir nie so bewusst. Von deren Missionstätigkeit weiß ich natürlich. Nicht aber davon, dass absichtlich Frauen und Unterschicht geködert wurden, mit dem innovativen Versprechen der Gleichheit vor Gott.

      Allen in allem wurde für mich ein sehr deutliches Bild davon entworfen, dass der christliche Glauben ein Flickenteppich ist, nur dazu zusammengesetzt, möglichst viele Menschen anzusprechen.

      Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass meine Allgemeinbildung in dieser Richtung in Ordnung ist und ich stehe jedem Gotteskult mit guten Argumenten eher kritisch gegenüber, allerdings habe ich noch nie so viele handfeste 'Beweise' dafür gesehen, dass alles Humbug ist. Ich halte das alles im Zusammenhang mit der Religion für fundamentales Wissen, das definiv in die Schulbildung gehört.

      Meinen Begleitern ging es übrigens genauso.

      Wie kann man da noch wirklich "glauben" ? Ist das nicht furchtbar naiv?

      Das einzige Argument, was noch bleibt ist doch mal wieder eine Prüfung Gottes, der falsche Fährten legt um den festen Glauben zu testen.

      Viele Grüße

      "Allen in allem wurde für mich ein sehr deutliches Bild davon entworfen, dass der christliche Glauben ein Flickenteppich ist, nur dazu zusammengesetzt, möglichst viele Menschen anzusprechen."

      aber daraus hat doch das christentum nie einen hehl gemcht.
      jesus, der umherzog um jüngerr einzusammeln und die menschen für sich einzunehmen steht ja am anfang der bewegung.
      der missionsbefehl ist ein wichtiger bestandteil (ander als z.B. im judentum!)

      "Ich halte das alles im Zusammenhang mit der Religion für fundamentales Wissen, das definiv in die Schulbildung gehört."

      ja- deshlab finde ich es ja so dramatisch, daß die deutungshoheit über religion die konfessionellen kirchen haben in unseren schulen!

      "allerdings habe ich noch nie so viele handfeste 'Beweise' dafür gesehen, dass alles Humbug ist. "

      das verstehe ich nun wirklich nicht.
      Wie kann denn deine erkenntnis, daß die großen Ideen/ die archetypen von gottheit schon seit urzeiten die menschen begleiten daraufhindeuten, daß "alles humbug" ist.
      du könntest doch ebenso den anderen rückschluß daraus ziehen und es als beweis dafür nehmen, daß "da was dran sein muß".
      Ganz offenbar sind es immer die gleichen mythen, geschichten, bilder, die menschen ansprechen, die menschen mit transzendentalität verbinden.
      Ganz offenbaer ist also etwas in uns, das wir mit der idee des göttlihen verbinden und daß wir in vielen religionen wiederfinden.

      von daher ist der rückschluß, den du ziehst (dann ists ja klar alles nur erfunden) nur einer, der möglichen.

      • Hallo,

        danke für deine Antwort.

        <<aber daraus hat doch das christentum nie einen hehl gemcht.>>

        Findest du? Für mich wird der christliche Glauben immer 'von Gott gegeben' und als etwas völlig ursprüngliches, neues kommuniziert.

        So etwas wie

        "Ach, das mit dem Abendmahl haben wir uns von einer Strömung im antiken Griechenland geliehen und die Jungfrau Maria wurde von der keltisch-römischen Magna Mater inspiriert. Das Weihwasser war ursprünglich mal das Nilwasser der Isis und ein Mann, der mit seiner Familie durch die Dürre musste und mit seinem Stab Wasser aus dem Stein geschlagen hat, gab es auch schonmal. Aber wir haben eben gemerkt, dass das bei den Menschen gut ankommt, und deshalb fanden wir es für unsere eigenes Buch auch ganz nett. "
        ist mir noch nicht untergekommen.

        Vor allem im katholischen Glauben wird doch gelehrt, dass alles wirklich so geschehen ist, wie es in der Bibel steht.

        <<Ganz offenbaer ist also etwas in uns, das wir mit der idee des göttlihen verbinden und daß wir in vielen religionen wiederfinden.>>

        Ja das sehe ich auch so und das sollte auch nicht Gegenstand der Frage sein.

        Mich beschäftigt vielmehr die Darstellung der Religionen im Kontext, beziehungsweise die Abgrenzung von anderen Religionen als 'heidnisch', vor allem im Christentum, wenn die Bilder doch aus anderen Religionen stammen, die es schon früher gegeben hat.

        Für Humbug halte ich nicht das Konzept der Religiösität bzw. der Transzendenz an sich, sondern die Ausprägungen, die sich schon seit Jahrhunderten halten, wie eben der Katholizismus in der Form, in der er immer noch besteht.

        Und konkret auch, dass im 'Religionsunterricht' zwar die Weltreligionen kurz vorgestellt werden, aber der christliche Glauben doch so dargestellt wird, als sei er das einzig Wahre und auch, als sein Jesus zwischen den Jahren 0 und 30 tatsächlich auf Erden gewandelt, als hätte Mose persönlich die zehn Gebote erhalten. Oder das das zumindest wahrscheinlich ist.

        Ich für mich glaube, dass das komplette neue und das komplette alte Testament ausschließlich Gleichnisse und Parabeln abbildet und das die Bibel an sich ein reines Machwerk von Menschen ist, ein Machtinstrument.

        Aber das diese Glaubenssätzen und Parabeln in frühereren Religionsformen oft 1:1 vertreten sind, halte ich doch für eine wichtige Information, die mit der Religionslehre einhergehen sollte, zumindest wenn das Ziel ist, einen kritischen, denkenden Menschen zu erziehen.

        Ich finde es übrigens schwierig mich hier verständlich auszudrücken, deshalb entschuldige ich mich schonmal für Missverständnisse.

        Liebe Grüße

        • ich meinte damit, daß das christentum von anfang an, die verbretiung des glaubens als wesentliches element der religion hatte.
          und was verbreitet sich wohl gut? nun ja, das was ankommt, das was die menschen kennen.
          aber auch wer die bibel aufmerksam liest, dem dürfte doch nicht entgangen sein, daß die Christen die jüdischen Feste, bräuche und geschichten etwas verändert aber dennoch vielfach beibehalten haben- wir Ostern feiern zur Zeit des pessachfestes, daß wir denn "feiertag" heiligen, haben wir aus dem alten testament (also den jüdischen sabbath zum chistliche nsonntag gemacht)etc.

          aber wer das neue testament kennt und ungefähr weiß wo und wann dies spielt, dem dürfte klar sein, daß es dort keinen geschmückten tannenbaum gab oder daß der Hase mit ostern so rein gar nichts zu tun hat.

          also auch die christliche nfeste wie wir sie heute und hier begehen deuten doch schon mehr als stark darauf hin, daß es sich hier um andere bräuche handelt.

          "Ich für mich glaube, dass das komplette neue und das komplette alte Testament ausschließlich Gleichnisse und Parabeln abbildet und das die Bibel an sich ein reines Machwerk von Menschen ist, ein Machtinstrument. "

          und das ist kein halbwissen?

          nein, die aufzeichnungen sind natürlich mehr als eine sammlung von gleichnissen und sie sind natürlich mehr als ein machtinstrument.
          was nicht heißt, daß die bibel sich nicht der möglichkeit der gleichnisse bedient um ihre inhalte zu transportieren und was nicht heißt, daß religion immer auch schon als machtmittel genutzt wurde.

          selbstverständlich gibt die bibel einblick in gesellschaftliche veränderungen, in die art, wie religion einfluß nahm auf die zivilisation und wie sie regeln schuf für ein zusammenleben imemr größerer menchengruppen, denn das war die aufgabe, dei anstand vor 3-4000 jahren.
          aber auch die weiterentwicklung durch das christentum- also dsa neue testament zeigt, wie Gesellschaft sich wandelte, wie das bild von gott sich langsam wandelte, welche regel weiterhin als sinnvoll galten und welche nicht mehr

          Die bibel komplett ohne den hintergrund ihrer entstehenungsgeschichte und- orte zu lesen ist natürlich zu wenig und wird dich eher nicht dahin bringen, die halbwissen zu ergänzen.

        • "Vor allem im katholischen Glauben wird doch gelehrt, dass alles wirklich so geschehen ist, wie es in der Bibel steht."

          wie war das mit dem "gefaehrlichem Halbwissen"?....

          Uebrigens gab es in den letzten zweitausend Jahren sehr, sehr wenig, was nicht bereits vorher angedacht war oder zumindest seine Wurzeln weit in der Vergangenheit hat.

    Hallo!

    Nun ja, Religion - welche auch immer - ist Teil einer jeden Kultur. Religion ist eine Form der Weltdeutung und -beschreibung, in stetem Wandel begriffen und sehr individuell. Der Glaube an bestimmte Gottheiten, Mächte, Naturgewalten, Heilige.... (such Dir was aus) wird tradiert, dabei verändert, jeder packt das für sich passende dazu, lässt was anderes weg - harte Fakten sind das nicht, da gebe ich Dir recht.

    Der Missionsgedanke ist grundlegendes Element vieler Religionen. Nimmt man dies ernst, verbreitet man seinen Glauben dort, wo er auf fruchtbaren Boden fällt, ganz klar.

    So, wie Du das beschreibst, liest es sich, als gäbe es da jemanden, der die Wahrheit geschaut hat und nun böswillig Unwahrheiten verbreitet um die Menschheit zu verarschen. Das glaube ich nicht. Die Menschen, die ihren Glauben verbreiten, sind der Ansicht, damit Gutes zu tun. Und diejenigen, die das dankbar annehmen, tun dies freiwillig, weil es bei ihnen offenbar ein religiöses Bedürfnis gibt.

    Ich gebe Dir recht, dass die Entwicklung von Religion in den Schulunterricht gehört. Ich kann mich erinnern, Bruchstücke davon in Geschichte gehabt zu haben.

    "Wie kann man da noch wirklich "glauben" ?"
    Wie gesagt - weil ein Bedarf nach Höherem da ist. Weil man glauben will. Weil religiöse Lehren bei allem Wissen darüber immer noch genug hergeben, woran man glauben kann.

    "Ist das nicht furchtbar naiv?"
    Nee, finde ich nicht. Wenn Du allem genau auf den Grund gehen möchtest und dann beschließt, dass Religion "gefährliches Halbwissen" ist - bitte. Andere möchten das nicht. Sie haben ein Bedürfnis nach Religion, wollen das alles gar nicht so genau wissen sondern einfach nur daran glauben dürfen, dass "da oben" jemand ist, der auf sie aufpasst und ihnen Orientierung bietet.
    Nichts Schlimmes dran, finde ich.

    Viele Grüße!

    • "Die Menschen, die ihren Glauben verbreiten, sind der Ansicht, damit Gutes zu tun. Und diejenigen, die das dankbar annehmen, tun dies freiwillig, weil es bei ihnen offenbar ein religiöses Bedürfnis gibt."
      na,ja, im laufe der menschheitsgeschichte war das wohl in den meisten fällen nicht freiwillig:)

      ansonsten kann ich dir da zustimmen

      • Da hast Du wohl recht. Ich meinte auch eher unsere heutige Gesellschaft. Und da ärgert es mich kolossal, wenn immer mal wieder versucht wird, gläubige Menschen "aufzuklären".
        Atheisten können mitunter ganz schön militant sein.

        • na klr- die christen hatte nihre chacne- jetzt sind wir atheisten dran und schlagen jedem den Schädel ein, der nicht einsehen will, wie furchtbar religionen sind :-p

          das problem ist, daß religionsgläubigkeit einfach durch wissenschaftsgläubigkeit ersetzt wird und genauso vehement vertreten und missioniert wird

          • "das problem ist, daß religionsgläubigkeit einfach durch wissenschaftsgläubigkeit ersetzt wird und genauso vehement vertreten und missioniert wird"

            Genau das ist es nämlich. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch den Wunsch nach etwas Höherem hat, nach etwas, das seine eigene Existenz übersteigt. Ob das nun Religion, der freie Markt, die moderne Naturwissenschaft oder Homöopathie ist - das wird oftmals mit großem Eifer vertreten und unters Volk gebracht.
            Nur dass eben die Wissenschaftsgläubigkeit so furchtbar viel vernünftiger ist als die Religion und oft auch entsprechend selbstgerecht vertreten wird. Das ärgert mich. Vor allem, weil so gerne vergessen wird, dass auch zu wissenschaftlichen Lehren eine gute Portion Glauben gehört. Ohne geht es einfach nicht.

            Und ich bin nichtmal gläubiger Christ. Aber eben auch kein gläubiger (:-p) Atheist.

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