Homosexualität, warum?

    • (1) 16.12.13 - 23:03

      Ein ziemlich bekloppter Titel, aber ein besserer fällt mir nicht ein...

      Nachdem auf unserer Weihnachtsfeier mein schwuler Kollege von meinem hetero Kollegen "ausgefragt" wurde, haben wir ziemlich lange über dieses Thema geredet (wie er es bemerkt hat, es für ihn war, wie die Eltern, bayrische katholiken, reagiert haben... ) aber eine Frage bleibt offen und hat uns, zu dem Zeitpunkt schon leicht alkoholisiert, zwar zum lachen aber zu keiner Antwort gebracht.

      Warum gibt es Homosexualität? Rein evolutionstechnisch macht es ja überhaupt keinen Sinn (wie diverse andere Dinge auch, wenn man mal drüber nachdenkt - jetzt denke ich aber gerade über Homosexualität nach). Wir konnten wie gesagt zu keiner Antwort kommen und jetzt frage ich mich aber trotzdem ob es dazu eine "ordentliche" Erklärung oder These gibt (nicht so ein Hetzkram a la es ist eine Krankheit, anerzogen oder sowas).

      Vielleicht hat ja jemand von Euch dazu mal was gehört oder gelesen oder hat eine ganz eigene Theorie (die mich ehrlicherweise aber nur interessiert, wenn es keine "homophobe" Antwort ist, solche Beiträge werde ich direkt überlesen, da ich hier nicht danach frage welche Sexualität die "richtige" ist)

      Gruß und gute Nacht fürs erste
      Cola

      • Ich kann dir jetzt nicht mehr die Quelle nennen, aber ich habe mal von einer Theorie gelesen, die etwas mit der Sozialstruktur bzw. mit dem sozialen Miteinander von kleinen Menschengruppen zu tun hat.

        Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht die Gruppe zum überleben. Wenn also kleinere Menschengruppen miteinander leben und es gibt einen Geschlechterüberschuss, heißt, in der Gruppe gibt es mehr Weibchen oder Männchen gerät durch den Sexualltrieb das soziale Gefüge ins Wanken. Es entsteht Streit, Missgunst, Eifersucht und soweiter. Homosexualität soll das ausgleichen.

        Dieses Verhalten ist auch in der Tierwelt, vor allem bei Tieren, die in sozialen Gruppen zusammenleben beobachtet worden.

        Dies ist aber auch nur eine Theorie, also nicht bewiesen. Die Ursache für Homosexualität ist ja nicht bekannt.

        Ich hab auch mal was gehört oder gelesen, kriege es aber nicht mehr zusammen, da ging es irgendwie darum das Homosexualität als Prevention gegen Inzest dienen soll. Aber schlag micht tot.. ich weiß nicht mehr wie und was und warum..

        VG
        Mateo

        • Danke für die Antwort, so einen ähnlichen Gedanken (Ausgleich bei Geschlechterüberschuss) hatte ich auch schon.
          Klar ist das alles nur graue Theorie und nix kann bewiesen werden - aber ich find es ist ein spannendes Thema, wo doch eigentlich alles irgendwie auf Arterhaltung ausgelegt ist (andererseits trägt es natürlich enorm zur Arterhaltung bei, wenn sich die Mitglieder einer sozial Gruppe nicht gegenseitig abschlachten weil es nicht ausreichend sexual Partner anderen Geschlechts gibt^^)

          Ja so kenne ich es auch und es hat eine gewisse Logik und würde auch die Gleichverteilung in der gesamten menschlichen Population erklären. Die ganze Sache hat in meinen Augen allerdings einen Haken. Wie erfolgte die Weitergabe des evolutionäeren Vorteil. Die gängige Lehre zur Vererbung ist ja das Eigenschaften weitergegeben werden die sich für das Überleben der Art als erfolgreich erwiesen haben. Also der jenige der länger überlebt kann sich fortpflanzen und die Chance das das Kind dann in ähnlicher Situation auch überlebt hat sich gesteigert. Nur bei homosexuellen Vertretern ihrer Art funktioniert das ja nicht da die sich ja eben nicht fortpflanzen. Also hier fehlt mir noch einiges um es zu verstehen.

          • Wie gesagt, entwickeln sich genetische Veränderungen zufällig, durch Mutation.

            Nehmen wir an, Homosexualität ist genetisch festgelegt und wird rezessiv vererbt.

            Hans und Inge, beide heterosexuell im Phönotypen aber Träger des rezessiven merkmals im Genotypen, auf einem Chromosom und dem Merkmal heterosexuella auf dem anderen. Inge hat außerdem einen genetischen Vorteil durch Mutation auf einem Chromosom, auf dem NICHT das Merkmal für Homosexualität liegt. Diese Mutation sorgt dafür, dass Inge fliegen kann.

            Hans und Inge bekommen drei Kinder. Klaus, Peter und Berta mit dem folgenden Merkmalen:

            Klaus (Fliegen, homo, hetreo)
            Peter (Fliegen, homo, homo)
            Berta (Fliegen, hetero home)

            Alle drei bekommen als das Merkmal Fliegen von der Mutter vererbt und die Sexualitätsmerkmals Homo und Hetero in verschiedenen Kombinationen von beiden Elternteilen.

            Peter ist in dem Beispiel als homosexuell, Klaus und Berta heterosexuell und alle tragen das vorteilhafte Merkmal "Fliegen".

            Wenn Klaus und Berta sich also fortpflanzen, vererben sie das Merkmal "Fliegen" an die nachfolgenden Generationen. Hilft Peter ihnen also be direkt oder indirekt bei der Aufzucht ihrer Kinder, ist das positive Merkmal seiner Familie weitergegeben und damit hat er seine Aufgabe quasi erfüllt.

            Außerdem, da Klaus und Berta beide das Merkmal homosexuell im Genootypen tagen, wird dieses auch weitervererbt und äußert sich je nach genetischer Anlage von Klaus und Bertas Sexualpartnern möglicherweise auch im Phänotypen ihrer Kinder, womit das Spiel wieder von vorne losgeht.

            Die gesamte Story kann auf die Menschheit als Großfamilie erweitert werden.

            Viele Grüße

            • Die Kombi von Peter wird aber nicht weitergegeben. Sein Anteil an der "Aufzucht" geht gegen Null oder KANN das Überleben sichern. Der nächste HS ergibt sich erst wieder wenn irgendwo in der weiteren Reihe wieder eine Kombi fliegen, homo, homo ergibt. Nur Klaus und Berta geben weiter. Aber alle Kinder können fliegen. In dem Beispiel würde es bedeuten das HS keinen Vorteil hat aber auch keinen Nachteil bedeutet. Es wäre eine Zufallskombination die nur auftritt weil sie latent möglich ist hat aber evolutionstechnisch keine Relevanz. Ob sie da ist oder nicht ist egal. Der einzige "Vorteil" wäre das der Platz für das zweite "homo" schon belegt ist und sich dort keine andere deutlich negativere Eigenschaft festsetzen kann. Müsste das aber nicht auch bedeuten das die HS Linie innerhalb einer Struktur sich auch mal verliert? Und müsste das heute nicht auch noch nachweisbar sein?

          Meine Mutter hat blaue Augen, mein Vater braune.

          Ich habe braune Augen.

          Trotzdem trage ich die Erbinformation "blaue Augen" in meinen Genen.

          Es wurden sogar schon dunkelhäutige Kinder geboren, wo weder Mutter noch Vater dunkelhäutig waren, aber eben irgendeine Uroma.

          Und "frühere" Homosexuelle/Bisexuelle werden sich trotzdem vermehrt haben - einfach weil Vermehrung ein Urinstinkt ist. Du musst auch mal daran denken, dass es vor 100.000 Jahren noch keine religiöse Moral gab, die einen vorschrieb wie man sich sexuell verhalten soll. Der Mensch war und ist eben auch nur ein Tier, dass sich vermehren muss, um die Art zu erhalten. Und dann ist es auch egal, welche Sexualität dieser Mensch hat.

    Hallo,

    ich würde sagen, dass Sexualität sich gerade bei den Menschen im Laufe der Entwicklung davon entfernt hat,vordergründig zu reporduktiven Zwecken zu dienen.

    Auch bei Heteropaaren macht der Teil der Akte, denen die Familienplanung zugrunde liegt, doch nur einen Bruchteil aus und wir wollen längst nicht mit jeder Person, mit der wir ins Bett gehen auch ein Kind. Eher im Gegenteil.

    Paare tun sich zusammen, um ihren Stand in der Gesellschaft und sich gegenseitig das Leben zu erleichtern und Kinder sind nicht mehr notwendig um ein Überleben zu sichern

    In Anbetracht der Tatsache, dass wir vor einen massiven Überbevölkerung stehen, ist Homosexualität doch das beste Mittel - so kann jeder eine Partnerschaft führen, ohne in Gefahr zu sein, noch mehr Kinder zu zeugen.

    Letzendlich sehe ich die (gesellschaftliche Akzeptanz der) Homosexualität als eine Weiterentwicklung in der gesellschaftlichen Struktur der Menschheit.

    #winke

    • Heisst Homosexualität hat eine gesellschaftlichen Hintergrund und keinen biologischen?

      • Hallo,

        Nein.

        ich meine, biologisch muss nicht immer Ausschließlich auf die Fortpflanzung abzielen, sondern kann auch Entwicklungen im Gruppensystem beschreiben, die Art auf die sich die Individuun zusammentun, um sich gegenseitig das Leben zu erleichtern. Letzendlich dient das ja auch zur Erhaltung einer Art.

        Ich gehe außerdem davon aus, dass es das 'Phänomen' Homosexualität schon sehr lange gibt, vielleicht sogar seit es den Menschen gibt. Immerhin war das im alten Rom auch schon Thema.

        In dem Sinne spielen gesellschaftliche Entwicklung und biologische Faktoren da zusammen, Evolution live quasi.

        Allerdings sind das alles nur Vermutungen zu einem sehr spannenden Thema, das bisher noch keiner erforschen konnte.

        vlg

        • Eigentlich zielt es immer nur auf die Fortpflanzung ab. :) HS dürfte es solange geben wie es Menschen gibt bzw. solange es höherenwickelte Tiere gibt. Die Frage bleibt aber inwieweit sich ein gesellschaftlicher Vorteil biologisch weitergibt wird wenn der Träger des evolutionären Vorteils sich nicht selbst fortpflanzt.

          • <<Eigentlich zielt es immer nur auf die Fortpflanzung ab.>>

            Eigentlich nicht immer. Im Bienenstock beispielsweise oder unter den Ameisen gibt es fortpflanzungsunfähige Mitglieder in der Gesellschaft, die in einem hohen Maße das Fortbestehen der Art sichern und die Vergrößerung der gesunden Population erst möglich machen.

            Natürlich geht es am Ende darum, den Fortbestand der Art zu sichern, aber das muss nicht immer durch eigene Nachkommen sein.Ich meine auch, dass die These des Egoismus der Gene bereits umfassend und sinnig widerlegt worden ist.

            Ich versuche mal, das rein hypothetisch auf einen Nenner zu bringen:

            Im Vergleich zu früher wird viel mehr Wert auf die Aufzucht und Bildung der Kinder gelegt. Erziehung und Bildung ersetzen mittlerweile die körperliche Kraft und auch die Zeugungsfähigkeit im Mittelpunkt der Gesellschaft. Wo früher die Kinder nebenherliefen, schon früh mit angepackt haben und die Eltern auf diese Weise viele Kinder großgezogen haben, fokussieren die meisten Familien sich heute auf ein oder zwei Kinder pro zwei Erwachsenen.

            Diese Kinder werden gefördert, es wird viel Geld und Lebenszeit in ihre Aufzucht investiert, sodass es den meisten Eltern gar nicht möglich wäre, noch mehr Kinder nach heutigem Stand angemessen zu erziehen.

            Da ist es doch das Beste, was passieren kann, wenn es in der Gesellschaft Mitglieder gibt, die keine Kinder haben und sich entweder um die Kinder anderer kümmern oder Arbeiten verrichten, die bei den Kindererziehern liegen bleibt (z.B.. wirtschaftlichen Wohlstand schaffen, Forschen, Lehren, kulturellen Reichtum schaffen).

            Und da Sex und Partnerschaft einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft haben, ist Homosexualität die optimale Lösung, ohne Nachkommen aber in einer auch sexuell erfüllten Partnerschaft leben zu können.

            Also aus evolutionstechnischer, biologischer Sicht wäre es durchaus sinnvoll, dass Homosexualität bei einem Teil der Menschen vorkommt. Das müsste dann rezessiv vererbt werden, sollte es genetische Ursachen geben, vielleicht wird es aber auch unbewusst, instinktiv anerzogen oder durch ganz andere Faktoren, etwa der bestehende Populationsstruktur, beinflusst.

            So zumindest meine Überlegungen an dieser Stelle.

            Liebe Grüße

            P.S. Ich hoffe, es fühlt sich niemand auf dem Schlips getreten. Ich möchte weder die Menschen in Arbeiter und Kindererzieher trennen, noch Homosexuelle zur Arbeitern degradieren. Das sind lediglich stark vereinfachte Beispiele um meine Überleungen deutlich und mit bereits bekannten Beispielen vergleichbar zu machen.

            Das mal so am Rande.

            • Ja das verstehe ich schon und gehe ja auch mit das HS gewisse positive Auswirkung auf die gesellschaftliche Struktur haben kann.

              Aber diese Erscheinung gibt es auch im Tierreich und da ist die gesellschaftliche Struktur oftmals so nicht gegeben oder anders strukturiert.
              Das legen von mehr Wert auf Erziehung und Bildung hat aber was mit dem industriellen Fortschritt zu tun und mit der Verfügbarkeit von Mitteln zur Familienplannung. Beides sind aber Entwicklungen der Neuzeit damit also noch quasi brandneu und es gibt keine Chance das sich dies schon in den Genen manifestiert hat.
              Auch eine latent angelegte HS in jeden Menschen, die dann rezessiv vererbt würde muss sich auch mal entwickelt haben. Mein Problem ist zu verstehen wie sich die Erkenntniss das es evolutionär gut ist wenn sich nicht alle fortpflanzen sich fortgepflanzt hat. :)

              • <<Mein Problem ist zu verstehen wie sich die Erkenntniss das es evolutionär gut ist wenn sich nicht alle fortpflanzen sich fortgepflanzt hat>>

                Möglicherweise ist das aber auch schon immer im Menschen angelegt, eine weitere willkürliche Mutation in der Evolutions und damit auch keine Entwicklung der Neuzeit.

                Vielleicht haben die Menschen mittlerweile einfach (wieder) gelernt, sich diese Mutation zunutze zu mache bzw. den Vorteil davon in der heutigen Zeit erkannt, anstatt sie als gesellschaftlich inakzeptabel zu bewerten.

                Nur weil man früher kein Linkshänder war, weil gesellschaftlich festgelegt war, dass man mit rechts schreibt, wurden noch lange nicht alle Menschen als Rechtshänder geboren.

                #winke

                • Nee das eine ist dei Bewertung der HS . Die ist gesellschaftlich determiniert und hat sich im Laufe der Zeit immer mal wieder regional verändert. Das andere ist die eigentliche Entstehung. Die beginnt aber bereits im Tierreich. Laut Darwin versucht die Natur sich immer wieder an dei gegeben Umstände anzupassen. Demjenigen dem das am besten gelingt der darf sich langfristig fortpflanzen. Um das zu gewährleisten entwickeln sich bestimmte Eigenschaften der Lebewesen. Sein es bestimmte Verhaltensweisen oder neue körperliche Funktionen. Das was sich dabei bewährt , also gewissermassen immer erfolgreich zum "Schuss" kommt entwickelt sich weiter. Eigenschaften die nicht funktionieren oder nicht gut genug verlieren sich wieder. HS ist für mich jetzt aber ein Thema wo sich zumindest für mich kein Weg zeigt wie die sich evolutionär entwickelt hat da die Träger dieser Eigenschaft sich selbst nicht fortpflanzen.
                  Ich habe zwar ein Szenario im Kopf bin mir aber nicht sicher ob das funktiert.

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