Souveränität vom Volke?

    • (1) 27.12.13 - 10:56

      Hallo zusammen,

      ich muss mal ein wenig meinen Frust rauslassen. Ich dachte immer, dass wir in einer Demokratie leben und wir als Volk mitbestimmen können, aber ich hab immer mehr das Gefühl, dass das nicht so ist. Uns wird einfach irgendwas vorgesetzt und wir können nichts dagegen tun. Was genau heißt es eigentlich, wenn das Volk souverän ist? Ich dachte immer, dass damit genau die Demokratie gemeint ist!?

      • Ja, du darfst bestimmen, welche Partei du wählen möchtest, das ist Demokratie;-)
        (und wenn die Parteien dann trotzdem nicht das machen, was sie versprechen, dann hast halt leider Pech gehabt#schmoll!)

        Ich seh das aber wie du. Für mich wäre Demokratie, wenn es mehr Volksabstimmungen geben würde.

        lg

          • "Und das beste Argument gegen Volksentscheide ist ein 5minuetiges Gespraech mit dem durchschnittlichen Waehler... "

            wieso? weil sie nicht deiner Meinung sind?

            • So ein Bloedsinn. Der Grund warum direkte Volksentscheide nur Unglueck bringen koennen, ist dass Otto Normalverbraucher mehr aus dem Bauch raus entscheidet ohne die weitreichenden Konsequenzen einer solchen Entscheidung erfassen zu koennen, gerade bei emotionalen Themen wie z.B. EU-Austritt, Todestrafe etc.

      Ich wäre schon seit Jahren für Volksabstimmungen, und habe auch noch kein Gegenargument gehört, dass dagegen spräche, ausser dass den hohen Herrschaften in der Regierung der Allerwerteste gehörig auf Grundeis gehen würde.

      Dies in Verbindung mit etwas dass jede kleine Firma so handhaben muss, nämlich eine punktgenaue Offenlegung ALLER Finanzen und geplanten Ausgaben, und ich bin mir sicher, dass plötzlich Gelder für alle Projekte da wären.

      Dazu noch aufklärende Diskussionen im TV über alle anstehenden relevanten Entscheidungen, in der pro und contra dargelegt werden, damit sich jeder ein Bild machen kann worauf er sich einlässt, und somit eine Partei auch endlich eine reale Daseinsberechtigung hätte, indem sie nämlich dafür eintritt was sie vorher versprochen hat.

      Diese Sesselfurzer die für reine Anwesenheit unabhängig der Leistung Geld bekommen, kann doch niemand mehr ernst nehmen.

      <<<Ich dachte immer, dass damit genau die Demokratie gemeint ist!? >>>

      Nein.....vom Volk für das Volk gilt schon lange nicht mehr....dafür haben die Parteien die Köpfen viel zu hoch in den Wolken.

      Im Moment kannst Du nur zwischen verschiedenen Haufen Scheisse wählen, und nimmst den, der für Dich am wenigstens stinkt !

      • Ein Argument dagegen ist etwa, dass es damit Populisten leichter gemacht wird, fragwürdige Vorstellungen durchzusetzen, solange sie diese nur öffentlichkeitswirksam (=emotional ansprechend) verkaufen (Beispiele: gewisse Gegenden in den USA; gewisse Wahlentscheidungen in der Schweiz; ein Blick auf die Plakate der SVP liefert gutes Anschauungsmaterial).

        Ein weiteres Argument dagegen ist, dass bei Volksabstimmungen gewisse Gruppen bevorzugt, andere dagegen stärker diskriminiert werden; das ist z. B. in der Schweiz gut zu beobachten. Die Wählergruppen, die öfter zur Wahl gehen - i. d. R. ressourcenstarke Mehrheitszugehörige - haben damit einen NOCH größeren Einfluss als Wählergruppen, die schon in der repräsentativen Demokratie diskriminiert sind: ressourcenarme bzw. zu Minderheiten gehörige Bürger.

        Die Frage ist auch, welche Themen per Volksentscheid gelöst werden und welche nicht. Kaum ein Bürger wird Interesse daran haben, jede winzige Entscheidung mitzubestimmen bzw. im TV mit Pro- und Contra-Argumenten zugeballert zu werden, wenn sie ihn emotional nicht anspricht und auf sein Lebensumfeld keinen Einfluss hat.

        • <<<Kaum ein Bürger wird Interesse daran haben, jede winzige Entscheidung mitzubestimmen>>>

          Das verlangt auch niemand, aber bei Themen die die Öffentlichkeit bewegt, wie zB. gerade die Vignette....oder damals der Beitritt zum Euro.....da könnte durchaus abgestimmt werden....zudem bei jeweils regionalen Dingen, wie zB. öffentliche Bauten....bzw. ob diese wirklich sinnig, oder wieder mal reine Geldverschwendung sind.

          <<<Ein weiteres Argument dagegen ist, dass bei Volksabstimmungen gewisse Gruppen bevorzugt, andere dagegen stärker diskriminiert werden>>>

          Ach und das ist jetzt bei unserer Regierung anders? Bullshit ..... das ist doch schon seit Jahr und Tag so.

          <<<Ein Argument dagegen ist etwa, dass es damit Populisten leichter gemacht wird, fragwürdige Vorstellungen durchzusetzen>>>

          Auch das ist kein wirkliches Argument, sondern nur eine Frage der Offenlegung von Pro und Contra, sowie allen relevanten Fakten. Zudem wäre auch das immer noch besser als Wahlversprechen die nicht eingehalten werden, oder irgendwelchen Entscheidungen die "unter dem Tisch" gefällt werden.

          • Wer bestimmt denn, welche Themen die Öffentlichkeit bewegen und welche nicht? Über die Medienpräsenz? Muss da nicht erst eruiert werden, ob "die Öffentlichkeit" Themen in die Medien gebracht hat, oder ob die Medien über Themenpräsenz die Öffentlichkeit angeheizt hat? Wie werden da Ungerechtigkeiten vermieden? Jeder Bürger hat doch ein eigenes Interessenspektrum, in dem er gerne mitentscheiden würde. Manche dürfen also, manche dürfen nicht.. ist das gerecht? Und wie werden krasse Fehlentscheidungen verhindert?

            Denn: Die Themen, die auf breites Interesse stoßen, sind solche, die Emotionen hervorrufen. Wenn Emotionen im Spiel sind, werden Fakten nachrangig. Du wirst viele Menschen finden, die für die Todesstrafe für Kinderschänder sind - auch wenn das kein Kind schützt, keine Tat ungeschehen macht, den Steuerzahler teurer kommt als Knast und dem Grundgesetz entgegen steht. Das wird aber keinen Befürworter interessieren. Fakten sind egal, wenn Emotionen ins Spiel kommen. Deine propagierte Aufklärung bedeutet Perlen vor die Säue. Warum? Weil der gewinnt, der seine Argumente emotional am besten aufbereitet. Der Ängste anspricht. Darauf reagieren Menschen. Sachargumente sind nachrangig, sie langweilen sogar. Der Mensch ist nicht darauf ausgelegt, stärker nachzudenken als unbedingt nötig. Die Wähler der NPD beweisen das.

            Dazu kommt, dass Menschen i. d. R. Argumente, die ihren Meinungen entgegen stehen, als "schwächer" bewerten als Argumente, die ihre Meinung stützen. Dein Beitrag beweist das sehr schön. Meinungen werden aber nicht auf Grund von Argumenten gefasst, sondern in erster Linie als "Bauchentscheidungen", als emotionale Entscheidungen. Schwierige Fragen werden unbewusst durch einfache ersetzt und beantwortet, auch das ist valider Fakt der Denkforschung.

            >>Ach und das ist jetzt bei unserer Regierung anders? Bullshit ..... das ist doch schon seit Jahr und Tag so.<<
            Wir reden hier aber nicht über unsere Regierung, sondern über Strukturen der Entscheidungsfindung. Übrigens ist das ein sehr schöner Beleg für die o. g. These der "Ersetzung schwieriger Fragen durch einfache". Anstatt der schwierigen strukturellen Frage, hast du die einfache gesetzt, ob unsere (CDU-)Regierung nett zu Minderheiten ist, und deine Antwort gilt aber wieder für die strukturelle Ausgangsfrage.

            Nochmal: Gewisse Minderheiten haben es in der direkten Demokratie schwerer als in der repräsentativen. Warum? Weil ebenjene "gewisse Minderheiten" aus verschiedenen Gründen seltener zur Wahl gehen. Das ist valider Fakt der Wählerforschung. Diese Gründe sind stabil, d.h. veränderungsresistent. In einer repräsentativen Demokratie fällt das zwar schon ins Gewicht, aber nicht so stark wie in der direkten. Denn es reicht, wenn eine Partei sich der Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe annimmt. Diese Partei wird überdies Themen vertreten, die die Mehrheit der Bevölkerung anspricht, um gewählt zu werden. Über den "Mitnahmeeffekt" werden die Themen dieser Minderheit also von der Mehrheit gepusht. Gut für sie.

            In der direkten Demokratie fällt der Mitnahmeeffekt weg. Da geht es nur noch um direkte Entscheidungen, die für diese Minderheit entweder positiv oder negativ sind. Da sie aber seltener zur Wahl geht, werden Entscheidungen oft "automatisch" negativ ausfallen, einfach, weil ihre Stimmen fehlen, um die eigenen Interessen durchzusetzen.

            Ich glaube nicht, dass in unserer repräsentativen Demokratie alles rosarot ist. Ich bin auch nicht per se gegen direktdemokratische Elemente. Allerdings müssen die sorgfältig abgewogen werden. Die Direktdemokratie birgt Gefahrenmuster, die die Befürworter offenbar völlig ausblenden. Direkte Demokratie ist kein Allheilmittel. Sie hat Nachteile, derer man sich bewusst sein sollte.

            • Danke für Deine Antwort......gefällt mir !

              <<<Wer bestimmt denn, welche Themen die Öffentlichkeit bewegen und welche nicht? >>>

              Wie wäre es mit einer Möglichkeit ähnlich wie hier im Forum?

              Verschiedene "Themengebiete"......verschiedene "Beiträge" mit einem einleitenden Bericht, und der Möglichkeit abzustimmen, und evtl. sogar seine Meinung in einer Diskussion zu äussern.

              Jeder Bürger zu jedem Thema eine Stimme. Die Möglichkeit zum Missbrauch ist sicher nicht höher als bei der Wahl wie wir sie jetzt schon haben. Soviel auch zu den von Dir erwähnten "krassen Fehlentscheidungen".

              Wer zur Wahl geht, tut dies aus einem Grund......so wäre das auch hier mit der Abstimmung.....wer nicht zur Wahl geht, hat keine Lust, oder findet sich in keiner der Parteien vertreten.....hätte aber vielleicht dennoch eine Meinung, die nun aber untergeht.

              Ich gehe davon aus, dass die Beteiligung und auch das Interesse der Bürger durch direkte Mitbestimmung sehr viel höher wäre.....auch was das "automatisch negativ ausfallen" angeht, das Du erwähnt hast.

              <<<Direkte Demokratie ist kein Allheilmittel. Sie hat Nachteile, derer man sich bewusst sein sollte.>>>

              Amen....unterschreibe ich durchaus, in Maßen angewendet, wäre es aber wie gesagt in meinen Augen eine durchaus sinnvolle Ergänzung (!!), wenn es um wirklich wichtige Entscheidungen geht, die wirklich jeden Einzelnen betreffen.

              Niemand wäre zB für eine Steuererhöhung....ließe sich die aber evtl. verhindern, wenn an anderer Stelle unnötige Ausgaben gestrichen werden würden? Weiss niemand, da kein "Normalsterblicher" Einsicht in die Finanzen der Regierung hat....und die selbst scheinbar oftmals auch nicht so recht weiss, wohin das Geld geht.

              Insofern :

              * Direkter Mitentscheid jedes Einzelnen
              * Offene Finanzpolitik für jede einzelne Ausgabe für ein Projekt, das eine gewisse Größenordnung überschreitet.

              Ein direkter Mitentscheid könnte auch immer gleich Alternativen mit anbieten, die vorher von den Parteien ausgearbeitet wurden....auch was die Finanzierbarkeit angeht.

      Es gibt ein einziges, aber unendlich wichtiges Argument gegen Volksentscheide: Das Volk ist dumm.

      Ich bin mir sicher, dass die Menschen da draußen durchaus mehrheitlich für die Todesstrafe bei Kinderschändern aber gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten sind. Entsprechende Umfrageergebnisse lassen mich mit Grausen an die Möglichkeit einer direkten Demokratie denken.

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