Philosophie: Aphorismen

    • (1) 31.01.14 - 23:37

      Hallo:

      Aphorismen sind vielleicht der beste Weg, um philosophische Überzeugungen darzulegen. Ein Philosoph, der darauf ausgeht, ein ganzes, kompliziertes System zu entwickeln, ist zuweilen unfreiwillig nicht mehr ganz aufrichtig. Er wird der Sklave seines Systems, dessen Symmetrie zuliebe er oft bereit ist, die Wahrheit zu opfern.

      Leo (Lew) Nikolajewitsch Graf Tolstoi

      Lasst uns über Aphorismen schreiben, philosophieren, sinnieren und diskutieren Euer Finn

      • Hallo!

        Ich stelle gerade fest, dass ich mir noch nie den Kopf über den Sinn und Unsinn von Aphorismen zerbrochen habe, aber das werde ich jetzt tun, danke für den Anstoß. :-)

        Teilst Du die die Auffassung, dass man beim Entwerfen komplizierter Systeme zwangsläufig unaufrichtig sein muss? Wenn ja, warum?

        Bin gespannt!

        #winke

        • Hallo:

          Kommt immer darauf welches System man gerade aufbaut. Bei Werken aus denen ein Erfolg entstehen soll, ist die Wahrheit zwangsläufig.

          Im philosophischen Grundgedanken ist die Wahrheit meist reine Fantasie.

          Bei Aphorismen von Tolstoi kann man das gut erkennen, da viele von ihm nichts mit der Realität zu tun haben und diese im Gegenteil zu seinem eigenen Leben stehen.

          Ob ich mich nun an die Wahrheit halte, na ja ich versuche es wenigstens.

          Euer Finn

      (4) 01.02.14 - 16:42

      Lass mich deine Frage mit diesem Zitat beantworten,

      Je stärker die künstlerische Ansteckung ist, desto wahrer ist die Kunst, und sie wird um so stärker sein, je tiefer der Künstler die Gefühle, die er ausdrückt, selber empfindet, je aufrichtiger er ist.

      Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi

      Viele Grüße ano

    • (5) 01.02.14 - 17:00

      Hier noch mein lieblings Zitat;

      Wenn dir's in Kopf und Herzen schwirrt,

      was willst du Bess'res haben!
      Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
      der lasse sich begraben.

      Johann Wolfgang von Goethe

      Viele Grüße ano #winke

      (6) 01.02.14 - 17:03

      Hallo,

      ich halte es da mit Theodor Fontane: "Ein guter Aphorismus ist die Weisheit eines ganzen Buches in einem einzigen Satz."!

      Für manche Menschen ist die Bibel das Buch aller Bücher und für andere Menschen sind es die Aphorismen der Philosophen und der Gelehrten. Sie geben Hilfestellung bei Fragen zur Lebensbetrachtung. Die Erkenntnisse dieser Menschen sind über Jahrhunderte hinweg aktuell geblieben und in allen Lebenslagen mehr als hilfreich.

      Oftmals ist es auch spannend den tiefen Sinn eines Aphorismus zu ergründen.

      lg marada

    • (7) 02.02.14 - 13:03

      Hallo,

      "Ist der Tod nur ein Schlaf, wie kann dich das Sterben erschrecken? Hast du es je noch gespürt, wenn du des Abends entschliefst?"

      Christian Friedrich Hebbel

      GLG

      Es gibt sogar Aphorismen-Treffen. In Hattingen findet alle 2 Jahre eines statt.

      Woran liegt es wohl, dass Aphorismen so beliebt sind? Weil sie eine bestimmte Situation so zutreffend beschreiben, quasi die Essenz dieser Situation beleuchten? So zutreffend, wie man es ohne diese Bildlichkeit nicht könnte?

      (9) 11.02.14 - 14:34

      Ha, Nietzsches Aphorismen gehören immer noch zu den besten :-)

      "Der Schmerz ist etwas anderes als die Lust –
      ich will sagen, er ist nicht deren Gegenteil."

      oder auch : "Ihr führt Krieg? Ihr fürchtet euch vor einem Nachbarn? So nehmt doch die Grenzsteine weg - so habt ihr keinen Nachbarn mehr. Aber ihr wollt den Krieg und deshalb erst setztet ihr die Grenzsteine."

      Toll finde an Aphorismen, dass ihre Energie eben in dem nicht-gesagten besteht. Statt wie "normale" Philosophen alles sagen zu wollen, und zwar möglichst umfassend und tiefgehend (=philosophische Systeme), zielen Aphorismenschreiber auf die gedankliche Aktivität der Leser.

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