Gedanken über den Tod...

    • (1) 14.02.14 - 16:00

      Hallo liebe Urbia-Menschen

      ich mache mir gerade Gedanken über den Tod und alles, was damit zu tun hat...Medizin, Religion, Ethik, Recht und die ganz persönlichen Gefühle.

      Ich habe dazu viele Fragen in meinem Kopf...und würde diese gerne an euch weitergeben. Wie definiert man den Tod? Warum ist er so ein Tabu-Thema geworden? Warum hat man Angst vor Leichen? Wie fühlt sich sterben an und was geschieht danach? Warum haben so viele Leute Angst vor dem Tod? Wodurch wird die persönliche Einstellung zu dem Thema geprägt? Was haltet ihr von den gesetzlichen Bestimmungen, egal welcher Art, zu dem Thema?

      Vielleicht hat der ein oder andere schon mitbekommen, dass ich dem Thema gegenüber relativ locker eingestellt bin. Ich bin ein lebensfroher Mensch, ich lebe gerne und will auch noch nicht sterben, aber es macht mir keine Angst. Das hat sicherlich viel mit meinem Beruf zu tun (Krankenpflege) und noch mehr mit meiner Familie, aber auch mit meiner persönlichen Erfahrung. Ich bin schon mal fast gestorben und war mir somit meiner Sterblichkeit schon früh bewusst. Vielleicht ist mein Empfinden deshalb so? Ich möchte noch nicht zu viel von meinen Gedanken und Gefühlen schreiben, um die Diskussion nicht in eine Richtung zu lenken, bin im Verlauf aber natürlich bereit dazu, meine Ansichten preis zu geben. :-)

      Wie geht ihr mit dem Thema um? Wollt ihr nicht darüber nachdenken? Habt ihr euch schon mal Gedanken über eure eigene Beerdigung gemacht? Wie trauert ihr? Habt ihr Patientenverfügung, Testament, Organspendeausweis?

      Ich hoffe auf einen interessanten Austausch und viele Ansichten. Bleibt fair. :-) Das Thema ist sensibel und persönlich, jeder hat seine Meinung.

      Vielen Dank für eure Antworten schon mal im Voraus,

      Truly

      • Hallo Truly.

        Vor einem einschneidenden Erlebnis habe ich keinen Gedanken an das Sterben verschwendet. Warum auch? war jung, gesund und positiv eingestellt.
        Dann kam ein Tag der alles veränderte. Ich wurde Opfer einer Messerattacke.
        Kannte weder Täter, noch seine Beweggründe. Sie wurden auch vor Gericht nicht geklärt.
        Ergebnis: 6 Löcher in der Lunge.
        Aus den Akten war dann ersichtlich dass mein Herz 1.33min. still stand.
        Da ich zu diesem Zeitpunkt schon im Koma lag habe ich nichts, aber auch gar nichts wahrgenommen.
        Weder zog mein Leben an mir vorbei, noch sah ich ein grelles Licht wie in einem Tunnel.
        Das alles spielte sich noch in einem fahrenden OP ab.

        Was sich anhand dieses Erlebnis für mich und meine Gedankenwelt verändert hat?
        Angst vor dem Tod habe ich nicht.
        Aber, ich weiß eines mit Bestimmtheit, sollte ich eine Krankheit, egal welche, bekommen,
        werde ich den einzigen Selbstbestimmbaren Weg wählen, den ein Mensch hat.
        Den Suizid.

        Zum Glück steht mir dieser "Notausgang" offen.

        Freundliche Grüße von acentejo

        • Ich hatte als Kind einen sehr schweren Autounfall und war dem Tode nahe. Ich habe das grelle Licht und den Tunnel gesehen und kann mich noch ganz genau an alles erinnern. Ich habe über dem OP-Tisch geschwebt und hatte keine Angst vor dem Tod. Ich wusste, dass dieser am Ende des Tunnels und freundlich war.

          Ich habe, vielleicht auch aufgrund dieses Erlebnisses, überhaupt keine Angst vor dem Tod.

          La muerte es apacible.....

          • @schoene-neue-welt

            Nun gut, wenn es sich so in Deiner Erinnerung hat abgespielt, dann war es auch so für Dich.
            Bei mir war es ja so, ich habe die "Grenze" zum Tot überschritten... ohne etwas bemerkt zu haben. War wohl auch dem hohem Blutverlust zu zuschreiben der mich ins Koma versetzte. Erst die Krankenhausberichte haben mich darüber aufgeklärt wie nahe ich dem "Jenseits" war.
            Gerne nehme ich die Gelegenheit war der Mordkommission mein Lob auszusprechen.
            Am darauffolgendem Tag wurde der Täter festgenommen.

            FG von acentejo

      <<<Warum ist er so ein Tabu-Thema geworden?>>>

      Er ist in meinen Augen kein Tabu Thema, wenn wir aber ehrlich sind, beschäftigt sich wohl kaum jemand gerne mit dem Gedanken, dass da vielleicht danach rein gar nichts mehr ist, und somit mit dem Gedanken, dass der so oft und gerne hinterfragte "Sinn nach dem Leben" evtl. nur ein grosser Witz sein könnte.......quasi ein Scherz des Universums.

      Zu Deinen Fragen:

      <<<Wie geht ihr mit dem Thema um?>>>

      Locker, es kommt aber durchaus auf die Tagesform an.

      <<<Wollt ihr nicht darüber nachdenken?>>>

      Nicht so gerne.

      <<<Habt ihr euch schon mal Gedanken über eure eigene Beerdigung gemacht?>>>

      Jedes mal wenn ich den Song "An Deinem Grab" von MEgaherz höre.

      <<<Wie trauert ihr?>>>

      Das geht Dich mit Verlaub gesagt nichts an.....ohne das jetzt böse zu meinen.

      <<<Habt ihr Patientenverfügung, Testament, Organspendeausweis>>>

      Ja.

      "Wie definiert man den Tod?

      Keine Ahnung

      Warum ist er so ein Tabu-Thema geworden?
      Weil die Menschen Angst davor haben. Keiner kann sagen was "danach" kommt. Warum hat man Angst vor Leichen?

      Keine Ahnung. Ich habe keine Angst vor Leichen. Die tun mir sicher nichts mehr...

      Wie fühlt sich sterben an und was geschieht danach?
      Das kommt bestimmt auf die "Art" des Sterbens an. Wirklich wissen kann das nur jemand der schon gestorben ist.

      Warum haben so viele Leute Angst vor dem Tod?
      Es ist die Angst vor der Ungewissheit. Ich habe keine Angst vor dem Tod, eher vor dem Sterben!

      Wodurch wird die persönliche Einstellung zu dem Thema geprägt?
      Vom Umfeld! Es gibt Kulturen in denen man durchaus offen mit dem Thema umgeht und in denen der Tod auch keine Angst bereitet.

      Was haltet ihr von den gesetzlichen Bestimmungen, egal welcher Art, zu dem Thema?"
      Keine Ahnung! Wenn es um meinen Tod geht interessiert mich das Gesetz nicht. Im Notfall werde ich zum Gesetzesbrecher auf meine letzten Tage.

      Wie geht ihr mit dem Thema um?
      Relativ offen.

      Wollt ihr nicht darüber nachdenken?
      Manchmal ja, manchmal nein! Ist Stimmungsabhängig.

      Habt ihr euch schon mal Gedanken über eure eigene Beerdigung gemacht?
      Nein. Das interessiert mich nicht. Wenn ich tot bin, ist es mir egal wo meine sterblichen Überreste verscharrt werden.

      Wie trauert ihr? Habt ihr Patientenverfügung, Testament, Organspendeausweis?
      Ich habe einen Organspendeausweis. Der Rest ist (noch) nicht notwendig. Mein Mann kennt meinen Willen und wird ihn durchsetzen.

    • Über den Tod, wird dir hier niemand Auskunft geben können, denn wir sind alle noch am Leben!

      Tschau Tschau

      Guten Morgen!

      Ich werde dir jetzt nicht alle deine Fragen beantworten, weil es mir 1. Zu persönlich ist und 2. die Antworten zu lang wären und ich denke, dass man manche Dinge nur im Gespräch mit Sichtkontakt erörtern kann.

      Ich habe nicht das Gefühl, dassmSterben und Tod zur Zeit ein Tabuthema ist. Im Gegenteil. Das Problem ist, dass die Diskussion im Moment von Gesunden geführt wird. Die meisten sind da für aktive Sterbehilfe, was im krassen Gegensatz zu dem steht, was ich erlebe und erfahre.

      Im Gesunden behaupten so viele, sie würde im Krankheitsfalle den Freitod wählen oder zur Not in die Schweiz fahren. Wenn es so weit ist, haben die aller-allermeisten ganz andere Gedanken und Sorgen. Und wenn es gelingt, das Sterben zuzulassen, die Familie miteinzubeziehen, dem Sterbenden den eigenen Rhythmus mit der nötigen Zuwendung zu geben, denkt keiner mehr an einen vorgezogenen Tod, aber auch nicht daran, das Sterben künstlich in die Länge zu ziehen.
      Die wenigsten bekommen es hin, sich rechtzeitg aus dem Leben zu gehen. Die meisten, die sich das im Gesunden vorgenommen haben, verpassen astrein den richtigen Zeitpunkt oder finden ihr Leben eben doch wichtiger als den Tod. Aber wenn sie diesen Zeitpunkt verpasst haben, kann kein anderer ihn für sie nachholen.
      Schwerstkranke und Sterbende, sofern noch Herr ihrer Sinne sind, haben in der Regel eine Menge Möglichkeiten, das Sterben zu verkürzen. In der Regel haben sie, wenn sie zuhause sind, eine Unmenge an hochtoxischen Medikamenten da. Es genügt aber offenbar, die Möglichkeit zu haben. Ich kenne niemanden, der sie genutzt hätte.

      Ich war in der letzten Woche bei einem Vortrag: Abschied braucht Zeit. Zwei Palliativmediziner waren da.

      Eine Sache habe ich ganz besonders mitgenommen: Der Tod kommt niemals rechtzeitig. Niemand sagt, dass JETZT die richtige Zeit zum Sterben da ist. Außer vielleicht 100jährige.

      Einer der beiden sagte dann: Ich wünsche mir, dass ich meine Zeit nicht mit Kämpfen vergeuden muss. DAS wünsche ich mir auch.

      Ich habe -wie alle- keinen blassen Schimmer, was nach dem Tod geschehen wird. Den Gedaken, dass noxh irgendwas kommen wird, finde ich natürlich tröstlich. Und wenn nichts mehr kommt.....?
      Ich glaube, das erfahre ich früh genug, allerdings nicht rechtzeitig.

      Gruß
      Susanne

      (9) 15.02.14 - 07:46

      Hallo,
      ich denke die Wenigsten haben Angst vor dem Tod sondern nur vor dem Sterben.

      Ich glaube zu wissen, wie sich der Tod anfühlen könnte....einfach entspannt. Diese friedlichen Gesichter nach einem langen Sterbeprozess. Es kann nur so sein.
      Ich selber denke viel über Tod und Sterben nach, genauso wie über das Leben. Alles gehört zusammen. Für mich ist der Tod und alles was dazu gehört kein Tabuthema. Ja ich habe einen Organspendeausweis und eine Patientenverfügung. Mein Mann und ich wissen genau was mit uns nach unserem Tod passieren soll. Ich wollte immer so gerne, das mein Köroer an eine Bodyfarm gespendet wird. Da kann diese nutzlose Resthülle noch etwas Gutes bewirken. Von diesem Gedanken bin ich aber seit der Geburt meiner Tochter etwas abgekommen und mache es jetzt von ihrer weiteren Entwicklung abhängig. Ich hoffe ich kann ihr meine "positive" Einstellung zum Thema Tod genauso gut vermitteln, wie meine Mutter es bei mir konnte.
      Beim Thema Trauer bin ich für viele bestimmte sehr grenzwertig und für noch mehr einfach gefühlskalt. Das Leben geht weiter und ich habe die Menschen und ihre Erinnerungen in meinem Herzen, ich spaziere gerne auf alten Friedhöfen aber finde es ätzend das Grab meiner Eltern zu pflegen und gehe dort selten hin. Natürlich kümmere ich mich drum, was sollen denn sonst die "Nachbarn" denken, kenne mittlerweile auch die Anlässe zu denen man bestimmte Dinge am Grab macht. Einfach weil meine Eltern es auch so gmacht hätten, ihnen zuliebe. Aber ich brauche kein Grab um zu trauern, im Gegenteil. Die Verstorbenen sind eigentlich immer "anwesend", sie werden oft zitiert, über ihre Geschichten gelacht, auch oft "zu Rate gezogen". Ich kann das nicht genauer beschreiben. Wir sitzen nicht da und reden mit ihnen oder stellen Fragen. Sie und ihre Einstellungen, Lebenserfahrungen sind einfach noch da, unvergessen.
      Ich fahre aus Sentimalität den Wagen meines Vaters weiter und habe ne Beule reingefahren. Meine Nichte steht vor mir und sagt (mit einem Grinsen im Gesicht): "Oh oh, wenn das Opa sieht, da wackelt bestimmt die Platte auf dem Grab, sein guter Benz!". In diesem Moment wußte ich, das auch sie verstanden hat, was der Tod bedeuten kann. Als meine Mutter starb (an Krebs, habe sie in ihrem Haus bis zum Tod gepflegt) habe ich zusammen mit dem Bestatter sie umgezogen und ihr ganz zum Schluß im offenen Sarg noch die Haare gekämmt- erst als ihr "Outfit" komplett war durften sie mit ihr aus dem Haus.
      Meine Mutter hatte immer ein Motto: "Wenn Kinder ihre Eltern auf den Friedhof bringen, ist es das normalste der Welt. Wenn aber Eltern ihre Kinder dorthin bringen müssen, ist es das Schlimmste was passieren kann"---damit hat(te) sie einfach nur Recht. Genauso macht mich der Tod von alten oder kranken Menschen nicht traurig sondern eher glücklich, sie haben es geschafft und jetzt ihre wohlverdiente Ruhe.
      LG

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