Frauenmangel in technischen Berufen!

    • (1) 23.02.14 - 15:36

      Hallo,
      im Patnerschaftsforum wurde eine Diskussion zum Thema Emanzipation der Frau eröffnet, die leider wenig Resonanz brachte. Der Link der dort reingestellt wurde führte zu einem Text, der aus den 70er Jahren stammt. Was mich interessieren würde, wäre die Frage, wo liegen heute noch die Schwierigkeiten der Frau sich beruflich zu verwirklichen? Warum ist der Anteil der Frauen in bestimmten Berufsgruppen immer noch so niedrig und warum verdienen Frauen immer noch weniger Geld als Männer? Warum brauchen wir eine Frauenquote?

      Ich meine, ein kleiner Teil der Frauen schafft es ja auch ohne dass es eine Frauenquote gibt. Was haben diese Frauen anderen Frauen voraus? Die die es nach oben schaffen haben meistens einfach die richtige Berufswahl getroffen. Aber warum entscheiden sich Frauen auch heute noch so selten für die Karriereträchtigen Ingenieurwissenschaften und wählen stattdessen Studienfächer in den Bereichen Geistes- und Sozialwissenschaften, die in der Wirtschaft eher wenig gefragt werden? Warum werden Frauen immer noch lieber Krankenschwester, Arzthelferin und Erzieherin, als z.B Elektriker, Mechatroniker und Schweißer, obwohl sie von vornherein wissen, dass sie in diesen Berufen weniger verdienen und kaum oder nur geringe Aufstiegschancen haben?

      Dass Frauen das können, steht außer Frage. Immerhin gibt’s da die eine oder andere, die es macht und auch schafft.

      Sicher könnte man jetzt sagen, dass die Erziehung immer noch eine große Rolle spielt, aber warum gibt es dann z.B. im Vergleich dazu viele Informatikerinnen, Mathematikerinnen, Chemikerinnen und Physikerinnen? Auch das sind keine typischen Frauenberufe. Woran liegt es also, dass Frauen sich so selten für Technik begeistern, ist das doch die Voraussetzung für eine anhaltende technologische Leistungsfähigkeit der Gesellschaft.

      Also woran liegt das und was muss sich ändern, damit Frauen diese Berufe ergreifen? Ich würde mich gern darauf einlassen auch Frauen zu KFZ-Mechatronikern auszubilden. Leider mangelt es hier an Bewerberinnen.

      VG
      Mateo

      • Hallo,

        hier (NRW) kannst du als junge Frau 300 Bewerbungen mit einem glatten Einserzeugnis schreiben und es wird dich nicht mal jemaden als Fachlagerist (wofür man einen mittelmäßigen Hauptschulabschluss benötigt), Mechatroniker, Schreiner, Dreher
        usw. einstellen

        Das ist einfach so. Die jungen Frauen wollen und bewerben sich. Aber lieber nimmt man einen jungen Mann mit geringerem Abschluss und mittelmäßigen Noten, als eine junge Frau.

        Eine Kollegin meines Sohnes mußte im Betrieb ihres Vaters anfangen, weil trotz 1 A Zeugnis niemand sie als Verfahrensmechaniker für Kunststoff-und Kautschuk haben wollte.
        Meine Tochter hatte 16 Berufe zur Auswahl - allesamt keine typischen Frauenberufe und hat nur etwas bekommen, weil es eine Frauenquote gab.
        Die beiden anderen männlichen Azbuis hatten nicht nur deutlich schlechtere Noten, sondern auch nur einen Hauptschulabschluss. Sie hat FOR plus Q im Einserbereich.

        Als Fachkraft für Lagerlogistik hat sie sich in einem Betrieb beworben. Angeblich bildeten die gar nicht im dem Jahr aus. Komisch das dann in der Schule eine Stellenanzeige hing und man auch den rektor angerufen hatte, ob der nicht jemanden

        hätte.

        Viele Frauen wollen diese Berufe ergreifen, aber man gibt ihnen einfach keine Chance.
        Ich kenne sehr sehr viele Mädels, die sich in "Männerberufen" beworben hatten - davon wurde keine Einizge genommen. Irgendwann resignieren die dann und nehmen was sie hingeworfen bekommen

        • Hallo Kawatina,

          ich will gar nicht bestreiten, dass es noch Ausbilder gibt, die sich scheuen, junge Frauen in technischen Berufen auszubilden. Die große Mehrheit ist das nicht. Ich bin Mitglied bei der Handwerkskammer auch hier in NRW und es wird jedes Jahr mit großem Aufwand für Frauen im Bereich Technik geworben, leider mit wenig Erfolg.

          Aufgrund des Fachkräftemangels und immer geringer werdenden Anzahl an Schülern, können Unternehmen es sich gar nicht erst leisten auf Frauen zu verzichten und die meisten Betriebe, jedenfalls die, die etwas weiter denken, wissen das auch. Hier im Zuständigkeitsgebiet sind letztes Jahr fast 200 Lehrstellen im Bereich Maschinen- Anlagebau und Metallindustrie unbesetzt geblieben.

          Wie gesagt, will ich nicht behaupten, dass es den Mädels manchmal noch schwer gemacht wird, aber das allein halte ich als Grund für nicht ausreichend. Es erklärt auch nicht warum Frauen sich so selten für ein Studium in diesem Bereich entscheiden.

          Und leider sehe ich es so, dass Frauen sich gern auf dieser "Ausrede" ausruhen.

          VG
          Mateo

          • Hallo,

            "Und leider sehe ich es so, dass Frauen sich gern auf dieser "Ausrede" ausruhen."

            vielleicht wollen die meisten Frauen ja gern in typischen Frauenberufen arbeiten? Bei dir klingt es fast, als müsse sich eine Frau rechtfertigen, dass sie doch lieber Krankenschwester und eben nicht Kfz-Mechaniker wird.
            Und haben denn Männer auch eine Ausrede, warum sie nicht lieber Friseur oder Arzthelfer geworden sind?

            vg, m.

            • Nein, keine Frau muss sich dafür rechtfertigen. Krankenschwestern und Arzthelferinnen werden mit Sicherheit gebraucht. Es geht mir nur darum, dass wir in Deutschland ein großes Problem mit Nachwuchskräften in technischen Berufen haben und das Problem wird noch größer je mehr älter Menschen in Rente gehen. Deutschland ist auf Frauen in diesen Breichen angewiesen. Trotz Förderprogrammen und Werbeaktionen seit mehr als 40 Jahren tut sich in diesem Bereich so gut wie nichts!

              Und dann haben wir noch das Problem, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Das müsste gar nicht sein, würden sie einen Beruf wählen in dem sie mehr Geld verdienen würden. Es ist immer wieder die Sprache von Frauenquoten. Aber mal ganz ehrlich wo sollen die denn her kommen? Mann kann ja schlecht Arzthelferinnen als Schweißer einstellen!

              VG
              Mateo

              • Haben wir nicht generell ein Problem mit Nachwuchskräften? Wer macht denn dann eine Ausbildung zur Krankenschwester, wenn die Frauen dann zukünftig alle in technische Berufe gehen?
                Und die Lösung des Entlohnungsproblemes ist doch nicht, dass jetzt alle technische Berufe wählen?

                vg, m.

                • "Wer macht denn dann eine Ausbildung zur Krankenschwester, wenn die Frauen dann zukünftig alle in technische Berufe gehen?"

                  Na z.B. machen doch auch Männer eine Ausbildung zum Krankenpfleger oder Frisör. Jedenfalls mehr als Frauen, die Mechaniker werden. Dazu liegen mir jetzt keine Zahlen vor. Aber rein subjektiv würde ich das mal behaupten.

                  "Und die Lösung des Entlohnungsproblemes ist doch nicht, dass jetzt alle technische Berufe wählen?"

                  Nein, eine Lösung ist das nicht aber einer von vielen Ansätzen. Hier jetzt anzufangen, welche Tätigkeit wieviel wert ist, möchte ich eigentlich nicht. Aus sozialer Sicht ist die Tätigkeit der Krankenschwester eine unersätzliche und unmäßbar wertvolle Arbeit. Sie ist aber eben aus wirtschaftlicher Sicht nicht wertschöpfend. Sie bringt keinen wirtschaftlichen Gewinn und hat in ihrer Entlohnung nun mal Grenzen.

              Und in pädagogischen Berufen wird der Mangel an Männern heftigst beklagt.

              ;-)

        Hallo,

        was für ein Fachkräftemangel?

        Meinst du die Facharbeiter, die in NRW schlechter bezahlt werden, als eine Ungelernte bei Aldi und sich dann was Anders suchen bzw. in einem anderen Land ein besseres Leben führen wollen oder die Fachkräfte, die jahrelang in der Zeitarbeit verkümmern?;-)

        Bei einem großen Kunststoffprofilhersteller (Schü*** beispielsweise)hat man sich nach 20 Jahren Stillstand dazu durchgerungen den Leuten 30 Cent mehr zu zahlen. 50 % der Fachkräfte sind bereits weg. In jedem anderen Bundesland bekommen diese Fachkräfte übrigens mind. 3 Euro mehr die Stunde. Somit verdient ein Facharbeiter bei eben dieser Firma jetzt einen Euro die Stunde mehr, als ein Ungelernter im Discounter und dies bei doch körperlich schwerer Arbeit.

        Ich könnte dir aus dem Stehgreif eine riesige Liste zusammen stellen, von Firmen, die sehr wohl Auszubilende suchen, aber lieber die Stellen gar nicht besetzen, als ein Mädel zu nehmen.

        Tarif für Holz und Kunststoff in NRW exestiert praktisch nicht mehr. Der derzeitige Tarif von 1999, der soweit mir bekannt so bei 12,50€ die Stunde liegt reicht ja nicht mal aus, um halbwegs über die Runden zu kommen.
        Warum also sollte jemand, der klaren Verstandes ist, einen Beruf ergreifen, wo man beinahe einen steinzeitlichen Lohn erhält, von dem man allenfalls allein gerade eben so klar kommt.
        Der Tarif für das orthopädische Handwerk stammt noch aus dem Jahre 1992.

        Mit Löhnen aus den 90gern läßt sich heute schlecht leben. Ich erlebe geradezu eine Auswanderungswelle. Viele meiner Bekannten sind schon lange weg, da man in einigen Ländern für gleiche Arbeit deutlich mehr Geld bekommt.

        Das sind keine Ausnahmen, sondern die Regel und deswegen ist es kein "manchmal"

        Ich habe jahrelang in einer Praktikums und Lehrstellebörse mit gewirkt und weiß das es nicht an den Mädels liegt, sondern an den verstaubten Ansichten der Arbeitgeber

        • Guten Morgen,

          wir reden hier an einander vorbei. Ich spreche hier nicht von den großen Konzernen. Ich spreche hier vom guten alten Handwerk, dass sehr gern übersehen wird. Da steckt nämlich das Geld drin. Da wo der Lehrling und der Meister noch tagtäglich zusammenarbeiten und dass nicht in irgendeiner Lehrwerkstatt. Da sind Tarife gar nicht nötig, da der Meister die Leistungen seiner Mitarbeiter sieht und kennt und wenn jemand gut ist in dem was er macht, dann wird er auch gut bezahlt. Da wirst du keinen Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma finden.

          Und um auf das Thema Noten und Schulabschluss zu kommen. Ich treffe die Auswahl meiner Azubis auch nicht allein anhand der Zeugnisnoten. Es kann durchaus sein, dass ein Bewerber mit schlechteren Noten oder Abschluss den Vorzug bekommt. Das liegt nicht am Geschlecht, denn wie schon gesagt, fehlt es mir an weiblichen Bewerbern. Nur was nützt denn ein 1A Zeugnis wenn derjenige nicht einmal weiß, wie man den Ölstand? Ein gewisses Interesse für den Beruf setzte ich voraus.

          Und ich war selbst an Schulen und habe um Mädels geworben. Die Magere Ausbeute waren zwei Praktikantinnen. Eine von ihnen hatte sogar Potenzial, aber eine Bewerbung habe ich nicht erhalten.

          VG
          Mateo

          • Hallo,

            ich schreibe auch vom guten alten Handwerk.
            Der genannte Betrieb zahlt nach Schreinertarif, also bekommen die Leute einen Handwerkstarif. 20 Jahre 12,50 und nun 30 Cent mehr die Stunde. wenn das mal kein grund zum Feiern ist. Kein Wunder, das die Fachkräfte mit Migrationshintergrund bereits auf gepackten Koffern sitzen, weil man in der alten Heimat deutlich besser verdient.

            Gut bezahlt...nun ja, wenn ich sehe, wie gut bezahlt hier Schreiner, die echt was drauf haben, nach über 35 Berufsjahren werden. Für 2 Euro weniger die Stunde kann man auch bei der hiesiegen Gebäudereinigung als Reinigungskraft arbeiten.

            Meine Tochter hatte in der Schule nicht nur ein Einserzeugnis, sondern auch die Holzwerkstatt/Schülerfirma geleitet. Keine Schreinerei hatte an ihr auch nur die Spur von Interesse.

            Wobei ich nach unseren Erfahrungen keinem Mädel raten würde einen Ausbildungsplatz dort anzufangen, wo die Meister/Ausbilder ledig sind - egal welches Alter, die Herren dann haben.

            Offenbar wird bei Einigen beim Bewerbungsgespräch nicht nur ein Azubi gesucht, sondern eine mögliche Ehefrau. Ab da wird das tagtägliche zusammen arbeiten schwierig,
            besonders wenn die Herren ihre verletzte Eitelkeit nicht im Griff haben.

            Dies kann passieren, muss aber nicht.

            Aber es besteht ja Hoffnung. Sicher wirst auch du unter den zahlreichen Fachkräften und gut ausgebildeten Jugendlichen aus Bulgarien und Rumänien bald fündig werden.

            • Gut wie es um Schreiner aussieht auf die du dich hier versteifst weiß ich nicht. Im bereich Mechatronik und Elektronik kann man echt gutes Geld verdienen. Auf jeden Fall mehr als als Arzthelferin oder Beckerreifachverkäuferin oder Einzelhandelskauffrau. Es gibt wirklich gute Weiterbildungsmöglichkeiten zum Meister oder Techniker und dann stehen einem alle Türen offen.

              " Aber es besteht ja Hoffnung. Sicher wirst auch du unter den zahlreichen Fachkräften und gut ausgebildeten Jugendlichen aus Bulgarien und Rumänien bald fündig werden. "

              Ich habe ehrlich gesagt kein Problem mit Arbeitskräften aus dem Ausland. Nur ist das gar nicht so einfach wie du denkst. Dir richtig guten gehen lieber nach Großbritannien oder in die Schweiz. Deutschland steht bei den ausländischen Fachkräften grade mal auf Platz 14 der Beliebtheitsskala.

              " Offenbar wird bei Einigen beim Bewerbungsgespräch nicht nur ein Azubi gesucht, sondern eine mögliche Ehefrau. Ab da wird das tagtägliche zusammen arbeiten schwierig,"

              Dazu wollte ich noch kurz etwas anmerken. Eine Ehefrau wird auf diesem Weg ganz bestimmt nicht gesucht!#rofl Das der eine oder andere vielleicht auch andere Absichten hat, ist durchaus möglich. Aber auch hier sehe ich nicht die Mehrheit. Sorry aber was will ich denn bitte mit einer 17-jährigen anfangen!#gruebel Und selbst wenn es dazu kommt, dass der Meister hier übergriffig wird, gibt es immer noch Möglichkeiten sich zu wehren oder im ungünstigsten Fall, die Ausbildung abzubrechen. Aber gar nicht erst Anfangen, nur weil es passieren könnte? Da steht sich Frau doch selbst im Weg.

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