Warum wird man Politiker?

    • (1) 26.02.14 - 23:23

      N´abend...

      Wie ich mich hier ja schon mal geoutet habe, bin ich politisch nur mäßig interessiert/informiert. Die Gründe hierfür sind, wie ich mittlerweile begriffen habe, dass ich Politikern eigentlich grundsätzlich misstraue - ich unterstelle den meisten eigentlich eher total egoistische Motive wie Machtgier, Profitgier etc. von den großen Freiheitskämpfern - die gibt es ja heut nimmer, oder? mal abgesehen.

      In den westlichen Industriestaaten wird man Politiker weniger aus Ideologie sondern aus dem Bestreben heraus, auch mal mitmischen zu wollen, oder? Na in anderen Ländern vermutlich auch.

      Wenn ich mir jetzt die Nachrichten über die Ukraine anschaue - ok, man hat wohl zu recht diesen Präsidenten (mit Luxusvillen und Luxuskarossen) abgeschafft. Mal sehn wer jetzt kommt. Trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass in 10 Jahren wieder nur wenige von diesem Machtwechsel profitiert haben werden und der große Rest (der Steuerzahler, das Volk, das kleine Licht wie auch immer) die Arschkarte gezogen hat.

      Meine besonderen Lieblinge sind die hochdotierten EU-Kommissare in Brüssel, deren Daseinsberechtigung ich wirklich nicht begriffen habe - voll am realen Leben vorbei.

      Mag sein dass meine Wut auf die daher rührt, dass ich nur ein kleines Licht in einer kleinen Kommune bin (beruflich, nicht politisch) aber ich sehe ausschließlich aufgeblasene Säcke, die kraft ihrer Ämter, nicht kraft ihres Geistes walten... Sprich: die Länderebene meint sie sei was besseres als die Kommunalen (kriegen auch grundsätzlich mehr Kohle in ihren Jobs - denn sie sind wichtig), bis denn die Bundesebene kommt - die ist noch wichtiger und kriegt noch mehr Kohle (aber weniger als Dieter Bohlen und ähnliche RTL-KOnsorten).

      Kennt ihr persönlich Leute, die in die Politik gegangen sind, weil sie wirklich glaubten, sie könnten was BEWIRKEN, die Ideale hatten und nicht so Nerds die schon in der 11. Klasse bei den Jusos waren???

      Ich hab letztes Jahr noch gewählt aber ich werde es in Zukunft lassen, weil ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Und wenn noch so viele Leute anderswo sterben für freie Wahlen - da sind wir eben weiter in unseren Grundrechten, natürlich, aber ob es letzten Endes im Vergleich soviel Unterschied macht, was die Motivation der Politiker angeht - ich weiß es nicht.

      • Ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich meine, Nelson Mandela war nicht auf Macht, Profit und Reichtum aus.

        Ich denke allerdings, dass hier bei uns, sobald ein Politiker da gelandet ist, wo er wirklich Macht hat und Ansehen erfährt, Vorsätze, und guter Willen Stück für Stück flöten geht.

        Früher dachte/meinte ich, die Grünen seien Überzeugungstäter. Dann kam Joschka Fischer gross raus und ZACK war er auch nur noch einer von vielen, die sich wie Aale umeinander winden, um sich selbst da zu halten, wo sie sind.

        Es KANN sein, dass Politiker wie Willy Brandt und Helmut Schmidt aus anderem Holz waren. Aber da stecke ich nicht drin.

        Derzeit fällt mir kein deutscher Politiker in der Bundesregierung ein, der mir das Gefühl gibt, dass er aus reiner Überzeugung tut, was er tut. Zumal ja auch alle irgendwie immer alles machen. Erst Familienministerin, jetzt dann Verteidigung, da wird zwischen den Posten herumgesprungen, vollkommen egal, WAS man macht, Hauptsache, man bleibt da oben, so kommt es mir mitunter vor.

        Auf kommunaler Ebene kann das durchaus anders aussehen. Man wird nicht so gut bezahlt, man arbeitet eigentlich noch nebenbei, da kann es schon ein gewisser Idealismus sein, der vorhanden ist und einen antreibt. Aber auch dort kenne ich so einige Menschen, die eher selbstverliebt sind denn engagiert. Leider.

        "und nicht so Nerds die schon in der 11. Klasse bei den Jusos waren???"

        Ähm, ich denke, gerade wer sich bereits als Jugendlicher engagiert und politisch aktiv ist, kann durchaus ein Überzeugungstäter sein, und nicht nur auf Macht und Reichtum aus sein.

        Und warum ist ein politisch aktiver Schüler für dich ein Nerd?

        Ich habe Freunde/innen, die bereits als Jugendliche aktiv waren (links, öko, noch linker, noch mehr öko...;-)), und da kann ich sagen, das sind von ihrem Handeln überzeugte Menschen. Allerdings haben sie Grossteils auch den Weg in die Politik gescheut und arbeiten auf anderer Ebene für das, was ihnen auch heute noch wichtig ist.

        Einen Freund habe ich aber, der ist in einem anderen Land kein unbekannter Mensch und politisch tätig für ein Thema, das ihm sehr am Herzen liegt.

        Er hat keine wirklich grosse Machtposition, denke ich, steht aber als Vertreter seiner Interessengemeinschaft mit sämtlichen grossen Politikern seines Landes und anderer Länder in direktem Kontakt. Er wird sicherlich ein gutes Einkommen haben, schuftet dafür aber auch ungemein, lebt viel zu ungesund, verzichtet auf eine eigene Familie (er ist so gut wie IMMER unterwegs) - für das, was ihm wichtig ist, politisch gesehen.

        Von daher, ja, EINEN kenne ich. Einen Überzeugungstäter. :-)

        Aber vielleicht war er ja für dich einfach nur ein Nerd in der 11. Klasse.
        Ich allerdings vielleicht auch, von daher... so what?

        L G

        White

        • Ich denke, dass Mandela an Macht und Geld interessiert´war. Er hat seine Anhänger bewaffnet und zum Kampf aufgerufen. Das er nach seiner Haft ein Heiliger wurde, ist wohl ein kleiner Fehler in der Geschichte. Sein Erbe dürfte einige hundert Millionen, wenn nicht sogar Milliarden betragen (inkl. Grundstücke usw.). So ein vermögen kommt doch auch nicht durch Samariter-Arbeit zustande!

          Die Politiker heute machen es doch nur noch wegen dem Geld. Die verdienen mehr nebenher (Vorträge usw.) als durch Ihre eigentliche Tätigkeit. Und Politikern, die neben ihrem sicherlich Job, noch Zeit haben im Jahr Vorträge für rund 1 Mio. Euro zu halten ist eh zu misstrauen.

          Steinbrück zB.. hat MASSIV für ÖPP geworben. Alle ÖPP Projekte gehen pleite, der Staat (Steuerzahler) haftet und die privaten Investoren vergolden sich ihre Einlagen! Dem sollte man die Kohle, die er für seine Lobbyarbeit bekommen hat aus dem Leib prügeln!

          Schau dir bitte diese Reportage an, wenn du die Zeit findest: http://www.verdi-bg-fhh.de/politik-und-gesellschaft/3860-ard-mediathek-der-gepluenderte-staat-oeffentlich-private-partnerschaften-oepp

            • Ja. Alleine seine Idee, die Idee mit Waffengewalt um zu setzen, lässt mich den mal sehr skeptisch betrachten. Seine Schergen haben viele Weiße getötet. Weiße, die genau so wenig für die Apartheit konnten wie die schwarze Bevölkerung.

              Seine Partei ist voller korrupter Männer, die er immer wohlwollend vertreten hat und seine wirtschaftlichen Ziele waren immer auf den Profit dieser Männer angelegt.

              Mag sein, dass er im herzen die richten Ideen und Träume hatte. Die Umsetzung war, um es mal so zu sagen, totale Scheiße!

              • "Seine Schergen haben viele Weiße getötet. Weiße, die genau so wenig für die Apartheit konnten wie die schwarze Bevölkerung"

                Nelson Mandela war also ein Schwerverbrecher? #gruebel

                Schuld an massenhaftem Sterben weisser Menschen in Südafrika?

                Habe ich die Geschichte so falsch verstanden?

                Ich stecke nicht in der kompletten Geschichte Südafrikas drin. Ich weiss, dass er anfangs zu Gewalt aufgerufen hat, sich doch dann aber gegen die Gewalt im Land gewandt hat.

                Wenn du hier schreibst, klingt es so, als sei Mandela aus Freude am Reichtum für Jahrzehnte hinter Gittern verschwunden, hat nebenbei viele Weisse töten lassen, nur für sich und seinen Reichtum.

                Siehst du das so oder verstehe ich dich immer noch falsch?

                • Ich sehe es so, dass er vor seinem Gefängnisaufenthalt nichts weiter war als ein Rebellenführer. Das muss man einfach mal so unromantisch sehen. Er ist Schuld am Tod vieler Menschen.

                  Nach seinen Gefängnisaufenthalt ist er der Star der gewaltlosen Revolution etc. pp.

                  So eine Wandlung erlebt man selten^^ In Deutschland ist nach dem Gefängnis quasi niemand gesellschaftlich rehabilitiert.

                  Seine Erben sind alle korrupte Verbrecher, wie schon oft in etlichen Medien zu lesen, hören und sehen war.

                  Ich fasse nochmal zusammen: Er hatte die richtige Idee, hat sie falsch angegangen. Dann hat er sich mit falschen Leuten umgeben die ihn ausgenutzt haben!

                  Einfach mal "mandela partei" Mandela korrupt" und so googlen :)

      Im Grunde beantwortest du dir deine Frage selber. Man geht in die Politik, weil man was bewirken und/oder ändern möchte.

      Ich selber bin leider auch ziemlich unpolitisch, habe aber einen von diesen "Nerds" geheiratet. Es gibt in der Politik große und kleine Lichter, es gibt Fähige und Unfähige, es gibt die Machtbesessenen und die Beseelten......wie in jedem anderen Betrieb auch.

      Ich denke, man braucht ein gewisses Maß an Machthunger und Geltungsbewusstsein, um mitmischen zu können. Wenn man sich hinstellt und nur betroffen redet -so wie es eben getan hast- hört keiner zu und alle langweilen sich. Es braucht Leute mit einem gewissen Charisma und einem gewissen rhetorischem Geschick.

      Ich weiß, dass die meisten Politiker viel arbeiten, dass für sie ganz viel auf der Strecke bleibt. Nee, sie verdienen im Schnitt nicht wenig, aber in der freien Wirtschaft verdient man sehr viel mehr. Wenn du als Politiker bekannt bist, lebst du außerdem auf dem Präsentierteller. Du darfst dir im Gegensatz zu Schauspielern o.ä. keinen Fehltritt erlauben. Auch keinen kleinen. Du musst zwischen den vielen Interessengruppen hin- und herjonglieren. Ich glaube, man braucht schon ganz viel Herzblut für die "gute Sache", wenn man sich das antut.

      Wenn du soooooooo wütend bist, solltest du auch in die Politik gehen. Meckern kann jeder, was bewegen ist schon schwerer. Man kann sich auch über Leute wie z.B. Herrn Pofalla ärgern. Man kann sich aber auch fragen, ob man selber die Größe hätte, ein finanziell lukratives Angebot leichten Herzens ausgeschlagen hätte.

      Gruß
      Susanne

      z. B. um die Politik nicht den Gaunern zu überlassen.

      Wäre das für dich ein Motiv?

      << Meine besonderen Lieblinge sind die hochdotierten EU-Kommissare in Brüssel, deren Daseinsberechtigung ich wirklich nicht begriffen habe >>

      Mach dich mit den Institutionen der EU vertraut.

      << Ich hab letztes Jahr noch gewählt aber ich werde es in Zukunft lassen, weil ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann >>

      Das ist ein gutes Beisiel für viele, die sich nicht über Politik informieren.

      egal ob Politiker oder Ärzte. Ich unterstelle beiden, dass sie zu Anfang große Ziele hatten, helfen, etwas bewirken wollten. Allerdings geht auf dem Weg zum Ziel viel von den guten Vorsätzen verloren, sei es, dass man selbst aufgibt oder dazu gezwungen wird, sie auf zu geben, weil man sonst nicht weiter nach "oben" oder "voran" kommt

      >>Ich hab letztes Jahr noch gewählt aber ich werde es in Zukunft lassen,<<
      nicht wählen gehen ist nicht gut. Wählen gehen und Stimmzettel ungültig machen ist besser!

      Ich glaube schon, dass viele in die Politik gehen, weil sie bestimmte Ideale haben und diese verfolgen wollen. Unbewusst verändern sich die Menschen dann. Man passt sich dem System irgendwie an und strebt auf einmal nach Dingen, die in diesen Kreisen üblich sind. Macht, Geld und Ansehen.

      VG
      Mateo

      Hallo,

      ich sehe die Motivation in dem Idealismus zu glauben, dass man etwas erreichen kann.

      Aus Profitgier wird - zumindest in Deutschland - kein Mensch Politiker. Dafür ist selbst ein Bundestagsabgeordneter noch nicht gut genug bezahlt, dass man einen politischen Posten aus reinen Profitgründen anstrebt.

      LG,
      delfinchen

    äh - weil nichts so sicher ist, wie die jährliche Erhöhung der Diäten?

    "Kennt ihr persönlich Leute, die in die Politik gegangen sind, weil sie wirklich glaubten, sie könnten was BEWIRKEN, die Ideale hatten und nicht so Nerds die schon in der 11. Klasse bei den Jusos waren???"

    Du sprichst also jungen Leuten ab, dass sie in die Politik gehen um etwas zu bewegen?
    Du denkst wirklich, dass Schüler, die Mitglied bei den Jusos, der Jungen Union etc. sind, alle Nerds sind?

    Du bist nicht nur mäßig interessiert/informiert, du hast gar keine Ahnung, erhebst dich aber über die, die politisches Interesse und Gestaltungswillen haben.

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