relativ mehr als nicht so besonders ...

    • (1) 03.03.14 - 21:40

      ist die zeitgemäße Ausdrucksweise.

      Wie gefällt euch das ?

      Macht ihr dabei mit ? Warum ?

      Relativ ist ohne Angabe der Relation sinnentleert.

      Was bedeutet mehr als sinnlos ?

      oder nicht besonders intelligent ?

      #gruebel

      • Hallo!

        Das, was Du da aufzählst, würde ich als rhetorische Stilmittel ansehen, die teilweise in den Sprachgebrauch übergegangen sind. "Mehr als sinnlos" gibt es natürlich nicht, das ergibt inhaltlich keinen Sinn. Man sagt es (wenn man es denn sagt) um auszudrücken, dass etwas ganz besonders sinnlos ist. Klar, nun kann man sich fragen, was 'ganz besonders' sinnlos bedeutet - ist ja eigentlich auch Quatsch. Man kann damit ausdrücken, dass man etwas noch stärker als sinnlos empfindet als anderes.

        Relativ. Auch da gebe ich Dir recht, mittlerweile wird dieses Wort inflationär gebraucht, um sich in Aussagen nicht festzulegen. Aber wenn ich etwa sage, "Dieser Artikel ist relativ teuer", dann meine ich damit, es gibt billigere, aber er ist nicht so exorbitant teuer, dass ich ihn nicht kaufen würde. "Mein Kind ist relativ groß" - gemeint ist, es gibt viele kleinere Kinder, aber er/sie ist kein Riese.
        Relativ hat immer eine angenommene Norm als Maßstab.

        Nicht besonders intelligent ist freundlicher als strunzdumm. "Nicht besonders" oder "besonders" dienen der Abstufung bei Eigenschaften, wo es mehr Schattierungen als ganz oder gar nicht gibt, etwa bei Intelligenz.

        Also, per se ist keins Deiner Beispiele schwachsinnig oder sinnfrei. Klar kann man mit diesen Stilmitteln und Füllwörtern Sätze bis zur Unverständlichkeit aufweichen, sich niemals festlegen und durch den Gebrauch vieler Fremdwörter und Verschachtelungen ungemein eloquent klingen. Das liegt dann aber am Sprecher und nicht an den sprachlichen Mitteln.

        Was ICH überhaupt nicht ausstehen kann, sind wirklich richtig falsch benutzte Fremdwörter. "Am optimalsten" etwa. Oder "Noch idealer wäre es, wenn...." #wolke

        Aber was ich ebenso wenig ausstehen kann, ist das Kleben an der wortwörtlichen Bedeutung von Begriffen, die jede Spielerei mit Sprache, und die Variationsmöglichkeit des Ausdrucks zunichte macht. So Klugscheißer etwa, die "Darf ich mal durch?" oder "Kann ich die Butter haben?" wörtlich nehmen, korrekt mit ja beantworten und sich ein Ei drauf pellen, dass das Gegenüber (ohne Butter bzw. immer noch nicht vorbei gelassen) doof guckt. #augen
        Das andere Extrem eben.

        Sprich - ja, ich mache da mit. Aber im Rahmen der sprachlich sinnvollen Grenzen. Es ist auch keine bewusste Entscheidung, ganz grundsätzlich bei Sprachgepflogenheiten mitzumachen oder es bleiben zu lassen. Sprache wandelt sich und der eigene Sprachgebrauch wandelt sich mit. Man kann Einzelfallentscheidungen treffen, etwa dass man bestimmte Formulierungen nicht verwendet (ich kann und will und werde z.B. nicht 'geil' sagen), aber ganz entziehen kann man sich dem nicht.

        Wobei Du wahrscheinlich eine andere sprachliche Sozialisation erfahren hast als ich. Altersbedingt.

        Viele Grüße!

        • ""Am optimalsten" etwa. Oder "Noch idealer wäre es, wenn...." #wolke"

          neben dem deppenapostroph und den "aktuellsten" nachrichten im radio sind die "optimalsten" lösungen wirklich meine lieblinge:)

          wohingegen ich "relativ", "nicht so besonders" und "mehr als" nicht so besonders schlimm finde, was vielleicht daran liegt, daß ich sie selbst relativ häufig gebrauche:-p

        Danke für deine ausführliche Antwort #blume

        << Man kann damit ausdrücken, dass man etwas noch stärker als sinnlos empfindet als anderes >>

        Also nuller als null Sinngehalt hat :-)

        << Nicht besonders intelligent ist freundlicher als strunzdumm >>

        Wie lange noch wird das so empfunden ? Andere Schattierungen finde ich kaum noch.

        << "Am optimalsten" >> lässt sich steigern mit "mehr als am optimalsten" :-)

        << das Kleben an der wortwörtlichen Bedeutung von Begriffen >>

        ist für eine klare Verständigung nötig.

        #herzlich liche Grüße

        << ... aber ganz entziehen kann man sich dem nicht >>

        Beim lesen und hören nicht, beim schreiben und sprechen schon.

        << Wobei Du wahrscheinlich eine andere sprachliche Sozialisation erfahren hast als ich >>

        Ja, in der Schule und im Beruf.

        • "Also nuller als null Sinngehalt hat"

          Nein. Wenn ich sage, dass etwas "mehr als sinnlos" ist, meine ich damit nicht, dass es noch sinnloser ist als etwas anderes Sinnloses. Das wäre Quatsch. Es geht um das Empfinden des Sprechers. Die Sinnlosigkeit dieser Sache wird stärker empfunden als die einer anderen.

          Das Intelligenzbeispiel. Gerade bei der Intelligenz wirst Du mir zustimmen, dass es einige Nuancen zwischen dumm und intelligent gibt, oder? Ein Mensch kann weniger intelligent sein als ein anderer und ist deswegen noch lange nicht dumm. Er kann auch nicht besonders intelligent sein ohne gleich dumm sein zu müssen. Das gleiche gilt für Schönheit, Freundlichkeit, Dummheit, Frechheit und dergleichen Eigenschaften mehr - anders als die Zuschreibungen bzw. Zustände sinnlos, schwanger und tot gibt es hier nämlich Abstufungen. Da ist es durchaus hilfreich und angebracht, sich etwas differenzierter als mit schlau und blöd auszudrücken.

          Präziser Ausdruck "ist für eine klare Verständigung nötig." Dazu gehört aber auch das sichere Verwenden von diversen Stilmitteln, die - korrekt verwendet - eine Sprache bereichern und nicht verschleiern.

          Ich gebe Dir recht, dass der überzogene Gebrauch von Wörtern wie "relativ", "mehr als" und "nicht besonders" eine Aussage schwammig machen können. Aber man sie auch sinnstiftend einsetzen.

          Eigentlich habe ich beim Lesen Deiner Beiträge auch den Eindruck, dass Dir das klar ist. Umso mehr glaube ich, dass Du mit diesem Beitrag weniger diskutieren als vielmehr Deinen Frust über Gewalt an Deiner Muttersprache loswerden willst. Kann das sein?

          #herzlichliche Grüße zurück.

          • << dass es einige Nuancen zwischen dumm und intelligent gibt >>

            Ja sicher, aber welche Nuance bedeutet "nicht besonders intelligent" ?

            Ist das ein gutes Beispiel dafür, << ... sich etwas differenzierter als mit schlau und blöd auszudrücken >> ?

            Ich will mit meinem Beitrag erreichen, dass mehr Menschen die Sprache mit Bedacht verwenden. Nicht jede neue Redewendung oder Wortschöpfung verdient es, in die Umgangssprache aufgenommen zu werden.

            • Welche Nuance beschreiben denn die Wörter dumm und intelligent? Gibt's dafür eine Definition? Wie dumm ist dumm?

              Nicht besonders intelligent liegt offensichtlich zwischen dumm und intelligent. Wo genau, hängt von Sprecher, Empfänger und Kontext ab.

              Auch nicht jede alte Redewendung und Wortschöpfung verdiente es, in die Umgangssprache aufgenommen zu werden. Verdient ist dabei reichlich unpräzise ausgedrückt. Wie "verdienen" sich Worte denn etwas?

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