Einen Menschen kennen(lernen)...

    • (1) 30.03.14 - 22:56

      “Die großen Leute haben eine Vorliebe für Zahlen. Wenn ihr ihnen von einem neuen Freund erzählt, befragen Sie euch nie über das Wesentliche. Sie fragen euch nie: Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge? Sie fragen euch: Wie alt ist er? Wieviel Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater? Dann erst glauben sie ihn zu kennen.”
      (Der kleine Prinz)

      Guten Abend zusammen!

      Gestern Abend hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin darüber, wieso man beim Kennenlernen, beim ersten Date, in Online-Partnerforen etc. eigentlich immer so "bedeutende" Fragen gestellt bekommt wie "Und, was hast du für Hobbys?" oder "Welche Musik hörst du so?"... Dinge, die meiner Meinung nach nichts über den Menschen selber aussagen. Passenderweise stand dann heute in dem Fastenzeit-Buch, das bei mir auf der Arbeit rumliegt, das oben erwähnte Zitat mit der Aufgabe, sich darauf zu besinnen, was die Menschen um einen herum, die einem etwas bedeuten, wirklich ausmacht.

      Glaubt ihr, dass so Dinge wie Hobbys, Beruf, Musikvorliebe, etc etwas über die Menschen aussagen? Spiegelt sich ihr Charakter darin wieder? Oder ist es völlig uninteressant und hat nichts zu bedeuten?
      Wenn ich da an eine Kollegin denke... sie würde auf die Frage "Was machst du beruflich?" ja genau das selbe antworten wie ich: "Krankenschwester", aber sie ist ein völlig anderer Typ als ich, mit anden Wertvorstellungen, Ansichten, Humor, etc. Insgesamt einfach absolut das Gegenteil von mir. Sagt der Beruf jetzt trotzdem etwas über sie oder mich aus? Dass wir beispielsweise beide hilfsbereit, sozial eingestellt, liebevoll (was man so mit Krankenschwestern halt assoziiert) sind? Oder sind das nur Vorurteile? Andererseits ist es ja schön, wenn man z.B. das gleiche Hobby hat, sei es Fußball oder Stricken, und somit eine Gemeinsamkeit und ein Thema, über das man sich unterhalten kann.

      Was ist mit den im Zitat erwähnten Zahlen: haben sie irgendeine Bedeutung? Oder sind sie völlig irrelevant? Alter, Einzelkind/viele Geschwister, Einkommen - ist das interessant?
      Ich muss gestehen, ich bin auch an den "Eckdaten" interessiert, aber ich sagte gestern in dem Gespräch zu meiner Freundin: "Mich würde ja jemand faszinieren, der mich direkt sowas fragt wie `magst du eigentlich Libellen?´ oder `würdest du gerne unsterblich sein?´ oder ´glaubst du an das fliegende Spaghettimonster?´ oder was auch immer, keine Ahnung, Hauptsache nicht die 08/15-Fragen." Andererseits fänd ich es wahrscheinlich auch seltsam, wenn man mich aus dem nichts so etwas fragen würde. ;-)

      Worauf legt ihr Wert, wenn ihr jemanden kennenlernt? Was sind eurer Meinung nach aussagekräftige Dinge?

      Ich bin gespannt auf eure Antworten. :-)

      Liebe Grüße, Truly

      • Hallo Truly.

        Diese 08/15-Fragen empfinde ich auch als überflüssig bis lästig.

        Wäre aber auch erstaunt, fragt mich jemand nach fliegenden Spaghettimonstern.

        Wie Du ja weißt, ich vermiete Ferienunterkünfte.
        Warum auch immer, die Gäste haben stets den immer gleichen "Fragenkatalog".

        1. Wie lange lebe ich schon hier?
        2. Gibt es hier WLAN
        3. Empfängt das TV-Gerät auch deutsche Sender?

        Lerne ich im Privatbereich neue Leute kennen (Frauen) nerven mich zunehmend die Fragen die stark in die Privatsphäre gehen.
        Verheiratet? Geschieden? Kinder? Womit verdiene ich meinen Lebensunterhalt?
        Und der "Höhepunkt": warum lebe ich alleine?

        Alles Fragen die meiner Meinung nach nicht zu einem smal-talk gehören.
        Das hätte wohl eher Speedingdatecharakter.

        Ein Interesse an meiner Person kann ich nicht erkennen.
        Also halte ich mich weitgehend mit Antworten bedeckt.

        Hat man sich näher kennengelernt, können auch "Eckdaten" erfragt werden.

        Und schon werde ich in die Schublade: "der ist aber arrogant/eingebildet" geparkt.

        Kann ich sehr gut damit leben. Gibt es doch derart viel Gesprächsstoff der nicht in das sehr Private münden muss.

        FG von acentejo

        • Das Thema der Unterhaltung empfinde ich als zweitrangig beim Kennenlernen. Es kommt auf die Atmosphäre bei der Unterhaltung an.

          Versteht man die Witze und Anspielungen des anderen. Fühlt man sich geistig gefordert. Mag man die Art, wie der andere seine Einstellung und Meinung vertritt. Hat man das Gefühl, dass diese Unterhaltung niemals enden soll?

          Fühlt man sich gelangweilt oder unterlegen/überlegen, dann kann man ein Gespräch auch beenden.

          Natürlich zählt auch die Beziehung zu einem Gesprächspartner. Also Kollege, Bekannter oder möglicher Lebenspartner. Manche Menschen können aus banalen Themen wie zum Beispiel das Wetter ein Highlight machen.

          Viele Grüße

          rabe0510

      Hallo,

      ich finde, dass die Hobbys und die Musik, die jemand mag oder ob er z.B. ein Haustier hat, sehr viel über einen Menschen aussagen.

      Man muss nicht unbedingt dieselben Dinge mögen, wie der andere, aber es muss doch so sein, dass man das Hobby des anderen akzeptieren kann oder auch, dass er einen Hund oder eine Katze zu Hause hat.

      GLG

      • Ich finde, dass solche Dinge auch ETWAS über den Menschen aussagen, aber nicht sehr viel. Außergewöhnliche Hobbys wohl etwas mehr, aber wer gerne Fußball spielt, hat dementsprechend welche Eigenschaften? Wenn ich mir hier die örtlichen Vereine angucke, da haben die Jungs und Männer vor allem eine Gemeinsamkeit: sie spielen Fußball im Verein.

        Ich sage ja nicht, dass mich solche Dinge nicht interessieren, natürlich gehören sie zu dem Menschen und machen ihn auch aus. Aber andere Sachen halte ich für wichtiger. :-)

    Hallo!

    Ich denke, die Dinge, die man üblicherweise austauscht, wenn man sich kennenlernt, dienen dazu, dass man erstmal ins Gespräch kommt. Job, Hobbys, Alter, Haustiere, Musik- und Filmgeschmack und Familienstand sind Themen, die man aufgreifen und worüber man sprechen kann. Natürlich mache ich Freundschaften nicht davon abhängig, aber zum Einen eignen sie sich als Gesprächseinstieg und im Verlauf des Gesprächs selbst wenn es oberflächlich 'nur' um die harten Fakten geht, kann man viel raushören. Wie wichtig sind dem anderen Freizeit/Familie/Geld/Status? Wie redet er? Ist er zurückhaltend? Einsilbig? Herzlich? Aufmerksam? Quatscht er mich an die Wand oder kann er auch zuhören? Diese Dinge finde ich wichtiger als die Frage, ob er nun Kraftfahrer, Krankenpfleger oder Mathelehrer ist. Auch ob er nun Hund oder Katze hält, ist mir egal.

    Aus Musik-, Buch- und Filmgeschmack leite ich mehr ab, als mir selber lieb ist, allerdings gibt es Sachen, die mir in Beziehungen und auch engeren Freundschaften wichtig sind und dazu gehören kulturelle Interessen. Da interessiert es mich einfach, wie mein Gegenüber gestrickt ist.

    Wenn man dann tatsächlich mehr Zeit miteinander verbringt, ist es schon wichtig, dass man ein paar gemeinsame Interessen hat, klar.

    Viele Grüße!

    • Ja, du hast recht. Ich glaube, eigentlich geht es mir nicht anders. Es ist ja nicht so, dass ich Smalltalk und Fragen bzw Gespräche zu solchen Themen kategorisch ausschließe, im Gegenteil, ich bin eher sehr kommunikativ ;-)

      Ich glaube, was mich und auch meine Freundin so stört, ist das Abarbeiten eines Fragen-Katalogs. Hobbys? Haken dran, hab ich gefragt. Beruf? Haken, erledigt. Musikgeschmack? Und so weiter. Das ist dann ja mehr ein Interview und ein Gespräch kann sich gar nicht entwickeln. Dass man bei Interesse natürlich auch nach Hobbys und Lieblingsfilm fragt, klar. Aber... anders. Im Gesprächsfluss. Ich hoffe, du verstehst was ich meine. :-) Ich lerne sowieso lieber zufällig Menschen kennen, mit denen ich dann situativ in ein Gespräch komme. Und wenn mir dann der Klang der Stimme, die Ausdrucksweise und der Inhalt gefällt, dann lasse ich mich auch gerne nach Hobbys fragen.

      • Ja, ich verstehe, was Du meinst. Wenn nach der Frage nach dem Job übergangslos zum Musikgeschmack weitergesprungen wird, wenn das Gegenüber auf keine einzige Antwort eingeht, entsteht der Eindruck eines Interviews, das hat mit Kennenlernen nichts zu tun.

        Ich handhabe das wohl ähnlich wie Du. :-)

        • Ja, und zusätzlich habe ich oft das Gefühl, dass solche Dinge gefragt werden, weil man sie halt fragt. Nicht aus wirklichem Interesse am Gegenüber, sondern um Informationen zu sammeln und auf Kompatibilität zu checken. Beispiel Onlinedating, meine Freundin war vor einiger Zeit mal dort angemeldet und wurde immer das gleiche gefragt. Ich würde mir da vorkommen, wie eine Kuh auf m Markt. Alter? Fellfarbe? Futtervorliebe? Passt, nehme ich mit nach Hause. Nein, danke. So möchte ich mich nicht kennenlernen lassen.

(10) 31.03.14 - 11:24

Hallo!
Ich muss gestehen, ich stelle solche Fragen, insbesondere nach dem Beruf.
Was sagen Libellen schon aus über einen Menschen? Wenn ich zb. Jemanden in einer Libellen- Ausstellung treffen würde, dann würde mir das rein garnix, bis auf die Libellen, sagen. Er könnte ein ruhiger in sich gekehrter Eigenbrödler sein oder ein aufgeschlossener verrückter an allem Interessierter... etc.

Ein Beruf grenzt es für mich ein, lässt Rückschlüsse zu.

Das Raster verkleinert sich mit jeder Frage. Auch die Frage nach der Familie zB. beschreibt doch eine grundsätzliche Einstellung zum Leben. Libellen nicht. Ich finde zB. auch die Herkunft immer sehr spannend und ja, ich ziehe auch Rückschlüsse auf die Person.
Wichtig ist natürlich ein persönliches Gespräch.
Und wichtig ist vor allem, dass man redet. Das Thema selber ist wahrscheinlich sogar Nebensache, Mimik und Gestik geben sehr viel preis.
lg Julia

  • Das einfache "Ja" oder "Nein" bei der Frage nach den Libellen sagt in der Tat nur wenig über den Menschen aus.
    Aber das WARUM vielleicht dann doch. Und dazu noch die Art und Weise, wie auf die an und für sich banale Frage eingegangen wird.
    Wenn ich jemanden nach den Libellen frage, und dann als Antwort "was soll denn die bescheuerte Frage?" erhalte, weiss ich, das ist kein Träumer sondern ein Mensch, der sich nur ungern auf unvorbereitete Fragen einlässt.
    Das Einlassen auf das Unerwartete, das finde ich aber spannend und darin kann sich ein Teil des Charakters des Menschen zeigen.

Deinem letzten Absatz stimme ich absolut zu. :-)
Welche Rückschlüsse lässt denn ein Beruf zu? Mich interessiert natürlich auch, was jemand beruflich macht, schließlich verbringt man viel Zeit bei der Arbeit, aber was genau sagt der Beruf über die Person aus? Wie gesagt: alleine meine nächsten Kolleginnen sind alle unterschiedlich. Mit manchen verstehe ich mich gut, mit einer verbindet mich eine richtige Freundschaft, andere wiederum sind mir fremd oder ich mag sie gar nicht.

Welches "Raster" nutzt du beim Kennenlernen? Ich lasse mich ungern "katalogisieren" und versuche das auch bei anderen nicht zu tun (Vorurteile habe ich leider auch, lasse mich aber offen vom Gegenteil überzeugen). Familiäre Situation sagt was aus? Ich bin da immer vorsichtig...

  • wie gesagt, es geht um persönliche gespräche, auge in auge. das ist wichtig!
    der beruf zeigt doch ein interesse für etwas! man sucht sich eine tätigkeit aus, die man ein leben lang ausüben will! ist das nichts? nun kommt es natürlich darauf an, wie derjenige das rüberbringt. wenn er traurig guckt, war es wohl ne fehlentscheidung oder es gibt probleme.

    wir alle denken übrigens in schubladen! und das ist per se nix schlimmes.
    wenn jemand freudig von seinen kindern erzählt, dann hat er sich wohl gerne für dieses model entschieden oder ist zumindest zufrieden damit.

    diese details, wie libellen, schachspielen und nähen sagen meiner meinung nach weniger aus als beruf und familie.

Nun, Hobbies und Musikvorlieben machen den Menschen durchaus mit aus, truly. Und oftmals fragt man diese Dinge, um Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in den "Standards" zu erfahren.

Aber die Fragen nach den anderen Dingen, die können weitaus tiefere Bereiche des Charakters hervorbringen, als eine Vorliebe für Jazz oder Pop, da hast du recht.

Deshalb schätze ich mitunter Zugfahrten sehr. Da geht es nämlich um den Augenblick, da kann man über gemeinsam Beobachtetes reden, OHNE vorher die Floskeln des Kennenlernens auszutauschen. Und man lernt den anderen kennen, auf eine andere Art. Allerdings verliert man die meisten dann auch umgehend wieder aus den Augen, was aber eigentlich nicht weiter schlimm ist.

Auch in einem Forum geht das klasse.

Die "anderen" Fragen sind es, die den Menschen fordern, finde ich.

Allerdings machen auch die herkömmlichen KennlernFragen einen Teil aus, der zu dem Unbekannten gehört.
Ich würde das also immer kombinieren wollen.

Dir liebe Grüsse,

White

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