Deutsche Gastfreundschaft!

    • (1) 14.04.14 - 10:52

      Guten Morgen,

      ich rege mich auf und das schon seit Tagen. Es geht um den Beitrag "Straffällige Migranten" weiter unten in diesem Forum.

      Mal abgesehen davon, dass dieser Beitrag nur der Stimmungsmache dient und ich mich deshalb weitesgehend rausgehalten habe, finde ich den Beisatz "Eine Frage des fehlenden Respekts" fast schon unverschämt!#aerger
      Und dann noch die Frage: "Will nun noch jemand leugnen, dass es da ein Problem gibt?"
      HALLO??? Auf dieses Problem hat man bereits in den 80er Jahren aufmerksam gemacht.
      Aber da wollte es keiner sehen und hören und jetzt wo wir die Quittung für unser Handeln bekommen, da ist der Aufschrei auf einmal riesengroß!#augen

      Günter Wallraff brachte 1985 das Buch "Ganz unten" raus. 1986 folgte die Filmdokumentation über das Leben der "Gastarbeiter" in Deutschland. Allein bei dem Wort "Gastarbeiter" wird mir Bitter im Mund. Denn Sklavenarbeit trifft es schon eher!

      Da müssen unsere "Gäste" menschenunwürdige, gesundheitsschädigende Arbeit verrichten, die kein Deutscher machen will zu einem Hungerlohn! Wir pfechen unser "Gäste" in baufälligen Unterkünften ohne Strom und fließend Wasser zusammen, beschimpfen und verachten sie, behandeln sie wie Nutzfieh und wundern uns Jahre später über mangelnde Integration, fehlenden Respekt und ihre Undankbarkeit?!:-[

      Günther Wallraff schrieb: "Ich weiß immer noch nicht, wie ein Ausländer die täglichen Demütigungen, die Feindseligkeiten und den Hass verarbeitet. Aber ich weiß jetzt, was er zu ertragen hat und wie weit die Menschenverachtung in diesem Land gehen kann. "

      Nun, anscheinend hat der Ausländer das nicht so ganz verarbeitet! Wen wundert es???

      Hier noch ein Link zu diesem Thema.
      http://suite101.de/article/ganz-unten---wallraff---arbeitsbedingungen-der-gastarbeiter-a111957

      VG
      Mateo

      • "ich rege mich auf und das schon seit Tagen. Es geht um den Beitrag "Straffällige Migranten" weiter unten in diesem Forum."

        ja ich auch

        "Mal abgesehen davon, dass dieser Beitrag nur der Stimmungsmache dient und ich mich deshalb weitesgehend rausgehalten habe, "

        das ist der Grund, warum ich mich an solchen Threads nicht mehr beteiligen möchte. Es geht dabei nämlich in keienr weise um eine wirkliche auseinandersetzung mit einem thema sondern um angst- und stimmungsmache. daran möchte ich keine nanteil haben.

        ich freue mich dennoch, daß es User wie dich (und zum glück auch andere) gibt, die immer wieder versuchen auf einer vernüftigen Ebene dagegen zu argumentieren.

        vielen Dank dafür!

        Hi Matteo (zum zweitenmal heute ;-) )!

        Da ich heute seit langer Zeit mal wieder einen Blick ins Forum geworfen habe (geändert hat sich nichts, es ist eher noch schlimmer geworden :-( ), möchte ich dir und einigen anderen ebenfalls ein ganz dicker DANKESCHÖN schicken!

        #herzlich

        Ich gebe dir zu 100% Recht. Allerdings rege ich mich nur noch selten darüber auf.

        Mal wieder ein trauriges Beispiel aus unserem Umfeld. Am Samstag waren wir bei einer Geburtstagsparty. Befremdlicherweise lief da der Fernseher mit DSDS. Und als wäre das nicht schon befremdlich genug, sagte dann einer der Gäste:

        "Was ist dass da, Türkei sucht den Superstar? Können die keine deutschen Sänger nehmen?"

        Was soll ich da sagen? Dass das größtenteils Deutsche sind, hier geboren? Dass die besser Deutsch sprechen als er? Dass die all das tun, was man in Sachen "Integration" erwarten könnte - und mehr? Und dass all das offenbar immer noch nicht reicht, um derartige dumme Sprüche abzubekommen?

        Ich will mir gar nicht vorstellen, was sich jeder Türke, Araber... hier in Deutschland schon hat anhören müssen.

        • Nimm's mir nicht krumm, aber ich finde das nicht.

          Der gute alte Lessing hat schon eine Menge Aufklärungsarbeit geleistet und die Beschäftigung mit Emilia, Nathan finde (sicher nicht nur) ich bis heute spannend, weil die dort beschriebenen Konflikte und zum Teil ja auch die Stereotype der Charaktere auch heute noch aktuell sind.

          Nur wenn ich lerne, in solchen Zusammenhängen zu denken, also mich auch in andere Zeiten zu versetzen, werde ich je in der Lage sein, überhaupt einen Text von Wallraff in den richtigen Zusammenhang und auch den zeitlichen Kontext zu setzen, denn eines scheint mir klar, wer nicht kritisch liest, sollte lieber gar nicht lesen :-)

          Insofern würde ich persönlich es nicht wünschenswert finden, müssten die Klassiker, der Faust, die Emilia, die Judenbuche, Nathan, das Schiff Esperanza, die Mutter Courage, die Räuber, der Tell, und so viele andere mehr der "neuen", weil gegenwartsbezogenen Literatur weichen.
          Davon ab ist Wallraffs "Ganz unten" nicht wirklich ein literarisches Werk, sondern ein Erfahrungsbericht, wie er offen schreibt.

          Eine Beschäftigung mit Walraff, Christiane F., Alice S. und so fort findet doch auch in der Schule statt, das finde ich auch nicht schlimm, aber die Grundfertigkeiten, um Texte und Literatur einordnen und bewerten zu können, die lassen sich meiner Meinung nach am besten an den wirklich guten Exemplaren (literarisch gesehen) einüben und dazu gehören nun mal die Lessings und Schillers und Goethes und Manns und vor allem die Fähigkeit der Abstraktion, die sich an sehr aktuellen Werken eher schwer erlernen lässt.

          Verdis Opern werden heute von vielen als unglaublich altmodische Werke gesehen, dabei steckt in vielen von ihnen die Aufklärung in Reinform und es geht um gesellschaftliche Konflikte. Verdi war damals sehr mutig, als Beispiel sei Luisa Miller genannnt, die sich an "Kabale und Liebe" von Schiller orientiert.
          Es ist erstaunlich, wieviel vom heutigen Leben, von den heutigen Konflikten, man in dieser Oper wiederfindet und das sage ich nicht nur, weil ich Kultur-nerd bin, sondern aus ganz praktischer Erfahrung und Unterhaltung mit meiner Tochter, die gerade Mitte 20 ist und bis zum Besuch dieser Oper eigentlich nicht so viel mit Oper, Kultur und Literatur am Hut hatte :-)
          Da stecken der Ausbeuter (Graf Walter), der leitende Angestellte (Wurm) drin, da steckt der Modernisierer drin, der junge Unternehmer, der sich neuen Zielen verpflichtet fühlt (Rodolfo)..

          Ich bin der Meinung, dass gerade die Beschäftigung mit diesen "alten Kamellen" einen guten Blick auf die Gegenwart ermöglicht und eine Art von Distanz zu aktuellen Zuständen schafft, die eine genauere Betrachtung erst ermöglichen.

          Du magst das anders sehen, aber der Begriff "nützlich" stößt mir bei deiner Einwendung gerade so böse auf ;-)

          Beste
          Tom

      #pro

      Mehr gibt es nicht zu sagen! Danke dir!!

      LG,
      Natalia

      ach, wo wir grade bei der Thematik sind: http://www.zeit.de/2014/15/polizeikontrolle-hautfarbe-kopftuch-racial-profiling

      • Ich fahre viel mit der Bahn. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, wo auch immer ein Mensch mit "ausländischem Aussehen" nach seinem Ausweis gefragt wird, auf die Beamten und Beamtinnen zuzugehen und sie zu fragen, warum sie mich nicht auch fragen.

        Schon allein, um den in 99% der Fälle grundlos belästigten Menschen ein wenig Solidarität spüren zu lassen.

    leider konnte ich dir nur einen Stern für deinen tollen Beitrag geben! Danke!:-D

    Du hast es auf den Punkt gebracht mit Deinem Beitrag, Mateo.

    Leider gibt es hier immer mehr "braune Wölfe" in "urbia-orangen Schafspelzen".

    Ich bin der Meinung, dass insbesondere dieser Teil von urbia immer mehr zur Stimmungsmache gegen anders denkende und anders aussehende Mitmenschen genutzt wird. Und ich bin gleichfalls der Meinung, dass dies ganz gezielt passiert.

    Es ist schon seit Längerem bekannt, dass rechte Agitatoren nicht mehr in Springerstiefeln und Bomberjacken versuchen, ihre kranke und dumpfe Ideologie in die Gesellschaft zu transportieren, sondern sich mittlerweile gesellschaftlichen Foren breit machen, um dort in "abgemildeter" Form Stimmung zu machen. Das passiert eben auch hier.

    • Sehe ich nicht so.

      Vor etwa 10 Jahren war hier die Fraktion der "Überausdeutschen" wesentlich stärker vertreten.
      Momentan beobachte ich eher soetwas wie die Suche nach dem rassistischen und nationalsozialistischen "Feind" hier im Forum.
      In allen postings von shi**** ist ziemlich klar die Provokation erkennbar, aber es werden überproportional viele Postings eröffnet, die "mal klar stellen, dass sowas gar nicht geht".
      Nur: So richtig böse Sachen postet ja niemand und eigentlich steigen auch gar nicht so viele User auf die "es muss doch mal gesagt werden"-Schiene ein.
      Sieht mir also momentan eher ein bisschen nach einem Reflex aus, um ein Thema aufzubauschen, dass es in dieser Form hier eigentlich gar nicht gibt...

      Beste
      Tom

      • Hallo Tom,

        ich weiß nicht, wie es hier vor 10 Jahren aussah und kann das deshalb gar nicht so vergleichen. Es spielt auch keine Rolle. Was ich aber sowohl hier im Forum als auch im privatem Umfeld feststellen muss, ist eine zunehmende Islamfeindlichkeit. Eine Art religöser Rassismus der, und das ist sehr erschreckend, gesellschaftlich anerkannt scheint. Immer mehr Internetseiten und Organisationen, die aktiv gegen den Islam vorgehen.

        Konflikte zwischen Muslimen und Deutschen, die in keinem Zusammenhang mit der Religon stehen, werden zum Anlass genommen um gegen Muslime zu hetzen. Und ich finde, dass eben doch sehr viel darauf anspringen, wenn man sich die Anzahl der vergebenen Sterne hier im Forum ansieht.

        Und das Ganze hat nichts mehr mit berechtigter Kritik am Islam zu tun. Ich selbst stehe jeglichem Religionswahn kritisch gegenüber. Aber das was sich hier in den letzten Jahren tut erinnert mich an die Anfänge der Judenverfolgung im dritten Reich. Und das beängstigt mich sehr!

        VG
        Mateo

        • Hallo Mateo,

          auch in diesem Posting wieder die ganz große Keule, ich bin versucht, den dramabutton zu verlinken.

          Du schriebst: "Aber das was sich hier in den letzten Jahren tut erinnert mich an die Anfänge der Judenverfolgung im dritten Reich. Und das beängstigt mich sehr!"

          Wehret den Anfängen, da bin ich gern dabei, aber die heutige Situation mit den Anfängen der Judenverfolgung gleichsetzen zu wollen, mit Verlaub, das zeugt von ähnlicher Verblendung, wie du sie "den Bösen" vorwirfst.
          Vielleicht macht es mir inzwischen sogar mehr Angst, dass bei dem kleinsten Hauch von Kritik oder auch Ressentiment (ja, manchmal sind diese ja auch unbegründet) die Front der guten Menschen die Nazikeule hervorholt. Argumentiert wird da wenig, es reicht ja, wenn du, wie ja auch hier geschehen, einen feinen Vergleich bringst und kopfschüttelnd darauf hinweist, dass es mit diesem Hass immer schlimmer wird.
          Dann noch der Hinweis auf die "stille Mehrheit", die du an vergebenen Sternchen für bestimmte Postings festmachen zu können glaubst, also ich weiß nicht, ich zähle diese Sternchen nicht, aber mein Gefühl sagt mir, dass die Sternchen bei Betroffenheitspostings wie dem Deinen höher ist, als bei Provokationspostings wie dem von shi***.

          Natürlich war das posting, auf das sich dieser Diskussionsfaden bezieht, provokant und diente wahrscheinlich auch nicht dem Erkenntnisgewinn, das steht auch für mich außer Frage, aber bei postings von anderen Usern, die darauf hinweisen, dass es sehr wohl Probleme mit Mitbürgern aus anderen Ländern gibt, wird ja die gleiche Keule aus dem Hut gezaubert.
          Solche Problematik darf nicht diskutiert werden, denn wer darauf hinweist, ohne sich gleich im Nachsatz als Kenner der deutschen Schuld das Büßerhemd überzuwerfen und darauf hinzuweisen, dass "eigentlich ja wir schuld sind, denn wir haben sie nicht integriert", kommt unter die Keule.
          Meinem Empfinden nach genau so platt, undifferenziert und vorurteilsbehaftet wie es User wie shi*** aus der rechten Ecke und übrigens ja auch 6.6.und noch eine 6 aus der linken Richtung tun.

          Es stellt sich doch schlicht die Frage, wie man mit solch einer dumpfen und unreflektierten Sichtweise umgehen sollte.
          Ich bin für meinen Teil der Meinung, dass es sinnvoller ist, darauf mit sachlichen Aussagen zu reagieren und immer und immer wieder das Schwarz-weiß mit Grautönen aufzufüllen, das Schwarz und das Weiß zu hinterfragen und die tatsächlich existierenden Agitatoren vorzuführen, denn in der Regel stellen sie die Mängel in ihrer Sichtweise dann gar zu gern zur Schau, so dass der geneigte Leser sie durchschaut.
          Gebt der Dummheit eine Bühne, auf dass sie sich selbst lächerlich mache, das hat unter anderen Serdar Somuncu hervorragend demonstriert (http://www.linkfun.net/fun-videos/nazis_stoeren_tuerkisch-deutsches_kabarett_video-374).

          Beste Grüße
          Tom

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