Zu viel Information : Gefahr des Internets

    • (1) 01.05.14 - 14:51

      Guten Tag zusammen.

      Meine Frage hat einen traurigen Anlass: der Bruder(19) eines guten Freundes hat sich umgebracht. Kohlenmonoxid-Vergiftung...ich hab dann im Internet mal recherchiert und war geschockt, als ich mehrere detaillierte Anleitungen zu dieser Suizid-Methode gefunden habe. Obwohl ich wusste, dass es so etwas gibt und sogar ganze Foren sich mit der Thematik beschäftigen, war es erschreckend, das zu lesen. Zitat: "Die Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung ist äußerst human und benötigt vergleichsweise wenig Überwindungskraft. Bei korrekter Ausführung ist diese Methode wohl die sicherste." Das klingt nach Werbung...falsch ist es nicht, aber so positiv formuliert. Vielleicht hat der kleine Bruder genau das gelesen?

      Im Internet gibt es so viele Informationen. Einerseits ist das gut, egal welches Thema, man findet etwas darüber. Man kann sich austauschen, Kontakt halten, es dient der Unterhaltung und vereinfacht das Leben in vielen Bereichen. Ich bin Internet-Fan und nutze es häufig. Aber ich bin sehe auch die Gefahren: Mobbing, Datenschutz, etc. - das sind oft diskutierte Themen. Man kann sich krank googlen, Kopfschmerzen sind so schnell ein Hirntumor. Dazu gibt es da Anleitungen zum Suizid, perfekten Mord, für sämtliche Straftaten. Pro Ana/Mia, selbstverletzendes Verhalten, Suizid...für alles gibt es Foren, in denen man sich austauschen und Tipps geben kann. Wird eins geschlossen, erscheint irgendwo ein neues.

      Jetzt überlege ich, wie groß der Einfluss solcher Dinge ist. Was meint ihr? In dem Fall, der mich gerade bewegt, zb: glaubt ihr, dass der Entschluss steht und man sich so nur Tipps holt? Oder kann es sein, dass man durch so etwas erst auf die Idee kommt? Kann ein gesunder Mensch ohne Probleme monatelang in einem pro-Ana-Forum unterwegs sein, ohne dass die Gefahr besteht, dass er magersüchtig wird? Teenager sind noch nicht gefestigt und anfälliger für so etwas, da sie eh viele Krisen erleben...oder meint ihr, dass nur Jugendliche, die sowieso Probleme haben, sich so manipulieren lassen?

      Für wie gefährlich haltet ihr das Internet, was solche Dinge betrifft?

      Liebe Grüße, Truly

      • Jemand der sich nicht umbringen will, der kann ohne Probleme solche Dinge lesen ohne auf die Idee gebracht zu werden es zu tun. Genauso mit den Pro Ana Seiten. Wer aber eh schon dünn sein will und Inspiration oder Motivation sucht, der wird dort verstärkt. Oder wenn einer eh Selbstmordgedanken hat dann kann er dort auch Gleichgesinnte finden. Deswegen finde ich es für Leute die eh Probleme habe gefährlich, für andere eher nicht. Du kannst ja auch Anleitungen finden Bomben zu bauen oder sowas, trotzdem kommt ein normaler Mensch nicht auf die Idee jetzt einfach so ne Bombe zu bauen.

        "Oder kann es sein, dass man durch so etwas erst auf die Idee kommt?"

        das ganze nennt sich "werther effekt" nach Goethes "Die Leiden des jungen werthers" und ist u.a. ein Grund dafür warum du in Tageszeitungen in aller Regel nichts über suizide liest.

        Insofern: ja, "so etwas" kann ansteckende wirkung haben, ähnliches war z.b. bei Büchern wie "wir Kinder vom Bahnhof zoo" zu beobachten.

        du siehst also: gegeben hat es das schon immer auch mit anderen medien. das Internet bietet als medium eben einfach mehr, schnellere und interaktivere möglichkeiten, lebenswirklichkeiten darzustellen und zu übernehmen.

        so etwas hat immer vorteile und immer schattenseiten.

        gerade bei heranwachsenden, die durch den prozess der identitätsfinund sehr offen und auf der suche nach diesen sind ist es wichtig imemr im gespräch zu sein und diese lebenswirklichkeiten immer auch hinterfragen zu können.

        aber natürlich haben auch millionen menschen den "werther" gelesen ohne sich umzubringen, millionen "die kinder vom bahnhof zoo" ohne von zu hause abzuhauen oder heroin zu probieren und so lesen natürlich auch viele Jugendliche in den von dir genannten foren , ohne dass das irgendwann mal auswirkung auf ihr reales leben hat, bzw,. sie massiv beeintächtigit.
        es gibt also keine zwangsläufigkeit in diesen dingen.

        "Das Internet ist die erste Erfindung der Menschheit, die sie selbst nicht mehr versteht. Das größte anarchistische Experiment, das es jemals gegeben hat. "

        Dr. Eric Schmidt, US Informatiker, CEO Google

      • Hallo!

        Für mich ist Wissen so ungefährlich/gefährlich wie der Gedanke oder die Absicht, die dahinter steht.

        Das gilt auch fürs Internet.

        Nur war es zuvor noch nie so einfach an Informationen zu kommen.

        Liebe Grüsse.

        Penny

        Hallo,
        natürlich kann man nicht ausschließen das bei jüngeren oder labileren Menschen das Lesen und Schreiben in entsprechenden Foren negativen Einfluss hat. Ich kann dir sagen wie es bei mir damals war. Zuerst kam der Gedanke an Selbstmord und erst als sich dieser bereits gefestigt hatte kam die Frage nach dem Wie. Ich entschied Tabletten zu nehmen (Antidepressiva) und tatsächlich suchte ich im Internet wie viele ich wohl nehmen sollte damit es ausreicht und ob der Tod durch diese Tabletten schnell oder langsam bzw. qualvoll sein würde. Bei mir war das Internet also nicht ausschlaggebend OB sondern WIE ich mich umbringen wollte.

        Gruß Barrik

      • Das Internet ist in meinen Augen eine der technischen Errungenschaften, die sehr weit vor dem ethischen Verständnis steht. Ähnliche Problematik sehe ich z.B. bei künstlichen Befruchtungen, bei dem auch die Mittel, die zur Verfügung stehen weit über dem ethischen und moralischen Verständnis der Ärzte und vor allem Klienten stehen.

        Es gibt in unserer Welt einige Beziehungen zwischen Technik und Ethik, bei der diese noch nicht auf einer Ebene ist. Dieses Verhältnis zieht sich aber schon ewig durch die Geschichte, die Errungenschaft existiert immer zuerst.

        Das andere ist: 1774 erschien "Die Leiden des jungen Werthers" und danach folgte eine Selbstmordwelle von jungen Männern, die sich mit dem Buch in der Tasche ertränkten, seit den 1970ern wird der "Werther-Effekt" diskutiert. Die Medienwirkung steht also seit über 40 Jahren zur Diskussion und während es wichtig ist, dass es immer wieder beleuchtet wird, sehe ich es als falsch an, das Internet zu verteufeln oder als gefährlich hinzustellen.

        Nicht Pistolen erschiessen Menschen, Menschen erschiessen Menschen.
        Die Pistole macht es vielleicht ein wenig einfacher.

        Aber die Pistole setzt nicht einen bis anhin nicht-existenten Willen frei.
        Ein Mensch mit gesunden Verstand wird nicht einen Tumor bei Kopfschmerzen vermuten, weil es das Internet sagt, ein gesunder Mensch wird sich nicht umbringen, weil das Internet eine Anleitung zu einer CO-Vergiftung hat.

        Für Menschen mit eindeutigen Tendenzen kann das Internet unter Umständen die Hemmschwelle herunter setzen, das können aber andere Einflüsse auch.

        Da würde ich halt auch die positiven Einflüsse dagegen halten, z.B. die Rolle, die das Internet im arabischen Frühling gespielt hat in Ägypten, die Möglichkeit Weltgeschehen besser zu verfolgen und zu vernetzen... Da steht für mich beim Internet einfach das "Greater Good" im Gegensatz zu ein paar Menschen, die die schlechten Seiten des Lebens und Internets verbinden und es auch tun würden, wenn sie es nicht hätten.

        Das heisst, die Gefahr des Internets ist sehr individuell.

        Mein Ex hat sich vor Jahren erhängt, ganz ohne dass er Internet gehabt hätte. Wenn sich jemand umbringen will, dann wird er es tun, auch ganz ohne andere Medien die ihn da beeinflussen könnten.

        Ich kann auch über die Motive der NPD lesen ohne dass ich Rechtsradikal werde.

      >>Für wie gefährlich haltet ihr das Internet, was solche Dinge betrifft?<<
      für genau so gefährlich wie Lesen und Schreiben lernen damals fürs Volk

      (11) 14.05.14 - 11:12

      Hallo truly87,

      zunächst erstmal mein Beileid.

      Ich finde deinen Beitrag bzw. das Thema sehr interessant. Ich denke, dass hier die Meinungen sehr stark auseinander gehen. Ich persönlich finde das Internet auf der einen Seite sehr iinformativ und auf der anderen Seite aber auch gefährlich.
      Gerade für Kinder und Jugendliche, die sich sehr schnell verleiten lassen, etwas "dummes" zu tun (cool sein, Gruppenzwang etc.)
      Dennoch bin ich der Meinung, dass Dinge wie Selbstmordinformationen im Netzt nur dann gefährlich werden können, wenn man sich sowieso schon mit dem Thema befasst hat (außerhalb des Internets) Dann können solche Beiträge dazu führen, das die bestehenden Selbstmordgedanken noch stärker ausgeprägt werden.

      Beispiel:
      Nur weil ich jetzt einen Artikel über Drogen gelesen habe, habe ich noch längst nicht das Bedürfnis welche zu konsumieren. Wenn hingegen jetzt ein Mensch mit einer Neigung zum Drogenkonsum den selben Artikel ließt, verstärkt es sein Bedürfnis und er versucht wahrscheihnlich seinen Konsum über solche Artikel rechtzufertigen.

      Also liegt es mehr oder weniger an Persönlichkeitswerten und bestehenden Neigungen und Bedürfnissen, ob solche Informationen aus dem Internet letztendlich zu einer Gefahr werden können.

      Wissen an sich....egal um was es geht ist grundsätzlich NICHT gefährlich.

      Je nach Verfassung, Alter, Reife, Intellekt und Absicht der Person, die sich ein bestimmtes Wissen aneignet, sieht die Lage dann aber schon wieder ganz anders aus.

      Hier das I-Net zu "verteufeln" halte ich aber für gänzlich falsch......

      <<<Für wie gefährlich haltet ihr das Internet, was solche Dinge betrifft?>>>

      Für nicht gefährlicher als Bibliotheken, Jugendtreffs, Schulen, Versammlungen oder alle anderen Möglichkeiten, sich auszutauschen und mit "anderem Gedankengut" in Berührung zu kommen.

      Wissen und Informationen gezielt und absichtlich vorzuenthalten, zu verfremden und DANN einen Meinungsaustausch zu unterbinden.....DAS wäre gefährlich.

      Für alles andere gibt es nämlich den gesunden Menschenverstand.

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