Kennt ihr so was ... kleine Umfrage

    • (1) 31.08.14 - 22:18

      Hallo ihr Lieben,
      ich sitze gerade auf meiner Terrasse und Hänge ein wenig meinen Gedanken nach. Keine Ahnung, wie ich plötzlich darauf komme, aber, ist euch schon mal aufgefallen, wie wenig man wirklich über andere Menschen weiß? Auch Mutter, Vater, Tante, Onkel, etc.?
      Ich meine, diese Menschen kennt man von Geburt an, lebt mit Ihnen aufs engste, und doch, weiß man, von den üblichen Oberflächlichkeiten mal abgesehen wie Vorlieben, Abneigungen, doch recht wenig "Echtes" voneinander (das wahre Gesicht, der wahre Mensch hinter der "Maske").
      Dazu fiel mir z.B. mein Urgroßvater ein. Ja, ich kannte ihn bis er starb, als ich 10 Jahre alt war, quasi nur als " ist mein Urgroßvater", nicht mehr, nicht weniger.
      Und dann dachte ich darüber nach, ja, kannte ich ihn eigentlich???
      Das Einzige, was mir zu ihm einfiel,ist, daß ich immer die Kohlen für ihn aus dem Keller holen mußte und das er dann immer auf seinem Sofa saß, wulstige, dicke Lippen hatte. Er saß da mit geöffnetem Mund, Unterlippe hing runter und seine Spucke tropfte ihm in Fäden auf die Hose, was er nicht bemerkte. Gelächelt hat er immer, aber ansonsten? Nichts!

      Das finde ich irgendwie traurig.

      Da kennt man seine Familie von Geburt an, doch von der wahren Person, wie sie wirklich innendrin fühlt, denkt usw. Weiß man nichts wirklich, so daß man sie ja eigentlich nicht wirklich kennt.

      Wenn ich da an meine Freundinnen denke, sieht das wesentlich anders aus. Man weiß, wie sie innerlich oder "wahrhaftig" fühlen, denken, so viel persönliches, obwohl man sich vielleicht gar nicht sooooo llange kennt und von der eigenen Familie bzw. Von den Personen, die dazugehören, erfährt man viel weniger von der wahren Person.

      Habt ihr euch auch schonmal darüber Gedanken gemacht?
      Wie gesagt, ich sitze hier geradeaus der Terrasse, lasse meine Gedanken umherschweifen bei einer Tasse Kaffee (ja, jetzt noch) und da fiel mir das gerade so ein.
      Wer mag, kann ja gerne was dazu schreiben.
      Liebe Grüße an alle und eine schöne, neue Woche.
      Ashaka

      • Oh ja das kenne ich.
        Als ich ca 12/13 Jahre alt war, ging es mir durch den Kopf, dass ich von meinem Opa ja gar nicht so viel weiß. Ich wollte wissen wie er fühlte, ob er glücklich ist, ob er über irgendetwas besonders glücklich oder traurig ist usw.
        Ich kannte ja auch nur , was ich mit ihm erlebte und ansonsten wußte ich so seine "Eckdaten". Nun, der Versuch "Licht ins Dunkel" zu bringen - scheiterte an ihm. Er wollte darüber nicht mit mir reden ....
        Anders war es Jahre später bei meiner Großmutter, die erzählter mir dann noch so einiges aus ihrem Leben und wie zufrieden sie damit war. Das Meiste erzählte mir sie in den Monaten vor ihrem Tod.
        In unserer Familie wurde nicht viel über Gefühle, Träume und Wünsche geredet. Meine Mutter hatte diesbezüglich nie Interesse.

        Ich habe zu denen von denen ich viel weiss einen engeren Kontakt (Familie wie Freunde)

        Man weiss was von den Menschen, für die man sich Zeit nimmt. Wer das ist entscheidet man selbst.

        Natürlich spielt dabei die Sympathie eine Rolle - mit wem verbringe ich meine Zeit gerne? - aber zuhören kann man auch anderen. (Gelegentlich gibt's ja die Situation, dass einem jemand Fremdes sein Herz ausschüttet, manchem fällt das gegenüber Fremden, die man vielleicht nie wieder sieht, leichter als gegenüber vertrauten Personen.)

        Wem zugehört wird, der wird sich in aller Regel öffnen. Und bei beiden wächst das Maß an Zuneigung, denn es ist ein Vertrauensbeweis des Erzählenden, und der Zuhörende spürt, wie wichtig es ist, dass er da ist und sich die Zeit nimmt. Solch intensive Momente stärken die Beziehung der Beteiligten.

        Ein schönes Thema.

        Das allerdings ja oft schon damit losgeht, dass man nicht mal mehr die Basics kennt, sprich den Mädchennamen der Omas oder die Geburtsdaten,- orte oder Namen der Urgroßeltern.

        Mir wurde zum ersten Mal als Jugendliche bewußt, dass ich nur wenig von meinen Großeltern wußte, also hab ich meine Oma gefragt (Oma erzähl doch mal, wie war deine Kindheit, an welche schönen Sachen kannst du dich erinnern (schreckliches gab es nach zwei Weltkriegen ja ohnehin genug)...).
        Wir haben dann zusammen einen Stammbaum erstellt, soweit sich meine Oma noch erinnern konnte, sie war damals schon alt...diesen Zettel habe ich noch heute, über zwanzig Jahre später...
        Von da an habe ich öfter nachgefragt, meine Mutter, meine andere Oma und Fotos angeschaut, einfach nur mit ihnen geredet und vor allem auch mal zugehört.

        Ich bin so froh darüber und gleichzeitig traurig, weil ich dies bei meinen Opas und meinem Vater ( alle früh verstorben) nicht getan habe...

        Meine Mutter kenne ich so langsam ganz gut, auch, wie sie als junge Frau war und das ist ein unglaublich schönes, inniges Gefühl.

        LG

      • (5) 02.09.14 - 14:23

        Oh ja!

        Nach dem Tod meines Vaters haben meine Mutter und ich mit Hilfe meines Mannes, Fachinfomatiker, herraus gefunden das er ein Doppelleben geführt hat und min. eine Geliebte in den letzten Jahren hatte.

        Mein Vater war Frührenter und zu Hause. Meine Mutter ist Morgens ins Büro und kam Abends gegen 18 Uhr wieder nach Hause.

        Wir haben Ordner auf seinem PC gefunden mit der Korrespondenz, Fotos und ein Online Konto auf dem die Frau meinem Vater in regelmäßigen Abständen Geld überwiesen hat. Dazu in seinem Schreibtisch versteckt Potenzmittel mit einem Viagra verwandten Wirkstoff.

        Außerdem hat mein Vater einieg seiner Sachen, Briefmarken, Münzen, Modelleisenbahnen ect. in den letzten Jahren, zu Geld gemacht.
        Wir vermuten er wollte sich wohl irgendwann mit ihr absetzen.

        Nach Außen gab er immer den Saubermann, die Nachbarn dürfen nichts zu reden haben. Auch ich als Kind wurde immer dahingehend gemaßregelt, meine Mutter dachte da zum Glück ein wenig anders.

        Tja, was soll man da über seinen Vater denken?

        • "Tja, was soll man da über seinen Vater denken?"

          Was denkst du denn über ihn? Meinst du, weil du diese Dinge über ihn nun weisst, ist das alles, was ihn ausmacht? Weisst du das WARUM? Weiss deine Mama das?

          Er ist nicht mehr da, um sich zu erklären, und ob ihr es verstanden hättet, was er so dachte oder fühlte, warum er so gehandelt hat, das steht auch nicht fest.

          Das soll jetzt nicht meinen, dass er nichts Falsches getan hat. Aber ich denke, du weisst immer noch lange nicht alles über deinen Vater.

          Das ist nicht böse gemeint von mir. Ich meine nur, es macht einen Unterschied, ob man etwas ÜBER jemanden erfährt, oder ob man es VON demjenigen selbst erfahren hat.

          Alles Liebe

          White

      Das liegt sehr viel daran, dass man sich als Kind für "die ältere Generation" kaum oder garnicht interessiert. Wenn das Interesse dann kommt, sind oft Oma/Opa schon weggestorben.
      Ich gehe da von mir selber aus, ich war 11, als mein Opa starb und 15, als meine Oma starb. Ich weiß zwar einiges von ihnen, aber so gesehen auch nichts über das, was für sie wirklich wichtig war usw.
      Von meinen Eltern weiß ich schon weitaus mehr.
      Meine Kinder interessierten sich für ihre Großeltern auch nicht sehr viel - mein Vater starb ja schon 1977, da war mein Sohn erst 5 und meine Mutter starb zwar später, hatte aber nie einen Draht zu ihren Enkeln aufgebaut - und sie so auch nicht zu ihr.
      Die anderen Großeltern kannten sie nicht.
      Ich habe im Flur einen kleinen Stammbaum mit Fotos aus meiner Familie hängen - den haben meine Kinder ein- oder zweimal angeschaut - erledigt #kratz

      Hin und wieder möchte mein Mann etwas von früher unserer Enkelin Leonie erzählen, sie schaut ihn nur ungläubig an - aber richtig interessieren tut sie es nicht. Sie kann es sich einfach nicht vorstellen, vielleicht ist sie mit 8 Jahren auch noch zu klein.
      Nur mich fragte sie kürzlich mal, wie das mit meinem ersten Mann war, warum ich nicht bei ihm blieb usw.
      Vielleicht können wir das noch ein bißchen aufbauen, dass sie später mal mehr von uns weiß.
      Eine Idee wäre es auch, vielleicht mal eine kleine Geschichte aufzuschreiben für sie. Du hast mich da auf eine Idee gebracht.
      LG Moni

      • Hallo Moni,
        es gibt leere Bücher, wo vorne schon drauf steht "Oma erzähl doch mal" oder so ähnlich.

        Meine Mutter und die Schwiegermutter meiner Schwester, bekamen so eines zu Weihnachten. Die Damen freuten sich nicht so drüber, da sie so keine "Schreiberlinge" sind.

        Ob sie jemals gefüllt werden, ist fraglich.

        Gruß Claudia

        • Danke für den Tipp. Schau ich mir gerne mal an. Mit dem Schreiben hab ich keine Probleme.
          Für Leonie führ ich auch schon Tagebuch seit ihrer Geburt (praktisch in der Ich-Form, was sie so erlebte) und bin schon beim dritten Buch (Mütter haben für sowas doch eh keine Zeit - ich könnt mich ärgern, von meinen Kindern hab ich auch kaum was).
          Da kauf ich A5-Bücher mit hübschem Einband. Die kriegt sie aber erst, wenn sie über die Pubertät raus ist #schwitz
          Nur lesen darf sie schon vorher drin :-D
          LG Moni

    Da ist ein sehr schöner Gedanke, den ich schon mit mir herumschleppe, seitdem ich denke.
    Da ist ein Mensch neben einem, man meint, ihn zu kennen, aber was er wirklich denkt, fühlt und erlebt, vielleicht genau in denselben Momenten, die man selbst durchlebt, das bleibt einem für immer verborgen.
    Was meine Oma bewegt hat, habe ich erst später erfahren, davor hatte ich ein Bild einer Oma vor mir, wenn wir Kontakt hatten.
    Und ich bin mir sicher, selbst jetzt wissen wir immer noch nur einen Bruchteil dessen, was meine Oma ausgemacht hat.
    Meine Mama hat sich sehr damit beschäftigt, nachdem ihre Eltern verstorben waren. Mein Opa war ein herrischer Mensch, viel Frust in ihm drin. Warum das so war, hat meine Ma erst spät erfahren, denn geredet wurde in der Familie nicht. Wegen dieser Erfahrung hat meine Ma dann angefangen, ihr Leben aufzuschreiben. Das hat sie zwei Jahre lang beschäftigt und nun hat sie endlich das Buch geschrieben, das sie immer schreiben wollte.
    Für uns Kinder öffnet das ein paar wenige der Türen, die vielen anderen Kindern vielleicht verschlossen bleiben. Weil die Eltern sich nicht öffnen möchten.
    Und dennoch werden wir niemals alles wissen, was unsere Mutter ausgemacht hat, was sie geprägt hat und was sie noch heute prägt und ausmacht.
    Letztlich sind es immer Bilder, von denen wir meinen, sie zu kennen. Aber wir stecken nicht in ihr, wir sind nicht SIE, wir sehen alles IMMER ein wenig anders.
    UND, das finde ich ganz wichtig: Was wir sehen und fühlen, über diesen Menschen, das trägt doch auch zu dem bei, was er IST, oder?
    Es gab in diesem Buch meiner Mutter Szenen, die mich sehr aufgewühlt haben. Weil das Dinge waren, die wir beide erlebt hatten. Und meine Ma hat da etwas ganz anderes erlebt als ich. Das Gute daran: Nach einer Schrecksekunde (die ein wenig lang war) haben wir darüber gesprochen. Dass Situationen nie ganz so sind, wie man sie selbst erlebt hat.
    Und ich denke, genau so ist es auch mit dem anderen Menschen: Er ist nie so, wie man meint, dass er ist. Das kann man schlimm finden, aber ich finde das eigentlich sehr schön, je länger ich drüber nachdenke.

    L G

    White

    Da sehe ich wieder den Vorteil von jungen Familien. Da hat man noch viel Verwandschaft und die Leute leben noch wenn man in das Alter kommt wo man sich solche Fragen stellt. Ich bin 25 und habe noch Urgrosseltern. Meine Tochter hat also noch Ur-ur Grosseltern die noch relativ fit sind. ihre Oma ist 46Jahre.
    Wenn man da erst mutter wird sind die Omas um die 70.
    So alt wie meine Oma und Opa jetzt.
    Ich kenne von meiner Familie die frühen Daten. Geburtstage/orte und von Oma/uroma auch die hochzeitsdaten und wie die sich kennen lernten und wo. Auch die Jugendzeit und was sie denken/fühlen
    dafür weiss ich über meinen freundeskreis sehr wenig und von den mitschülern nichtmals den wohnort obwohl wir uns gut verstehen :)

    (12) 08.09.14 - 19:01

    Ich finde, es gibt keine besondere Verpflichtung, jemanden zu mögen oder sich jemandem nahe zu fühlen, nur weil man verwandt ist.

    Hallo Ashaka,

    du sprichst da tatsächlich eine interessante Tatsache an.. Man weiß wirklich mehr über Leute, mit welchen man nicht verwandt ist, als über die eigenen Verwandten. Ich denke dieses selbstverständliche, miteinander verwandt sein kann dazu führen, dass man unterbewusst denkt, wir stehen uns sehr nahe, also weiß ich da auch viel über die Person. Aber oft ist es wirklich nicht so..

    Als ich jetzt den Beitrag mit dem Doppelleben des Vaters gelesen habe, blieb mir erstmal die Luft weg. Das finde ich wirklich eine krasse Story..

    Um aber an meine Eingangsaussage anzuknöpfen: ich finde, wir sollten alle mehr miteinander unternehmen.. Die Familie ist schließlich IMMER da, wenn was sein sollte und wird einem den Rücken stärken. Das sollte man zu schätzen wissen und das auch pflegen..!

    LG,
    Meli

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