hart aber fair...

    • (1) 07.10.14 - 11:58

      ... gestern in der ARD mit dem Thema "Sterbehilfe".

      Absichtlich habe ich keine "Umfrage" starten wollen. Das wäre dem Thema nicht gerecht geworden.

      Ich eröffne die Diskussion mit meiner Einstellung zu dem Thema.

      Die wirkliche und wahrhaftige Selbstbestimmung im Leben ist meiner Meinung nach die, den Suizid zu begehen.

      Wenn keine Aussicht auf Heilung mehr besteht und Mediziner den Patienten in dauerkomatösen Zustand halten.

      Wann und unter welchen Umständen sollen/dürfen Mediziner den Patienten von seinen "Qualen" erlösen.

      Vorausgesetzt ist eine Patientenverfügung.

      Ich weiß sehr wohl, ein heikles Thema. Und schwarz oder weiß gibt es nicht.

      Aber ist es nicht inhuman in dass benachbarte Ausland (NL/CH) um sein eigenes Leiden zu beenden.

      Und bevor das "Totschlagargument" der Euthanasie aufkommt, es zählt nicht.
      Es ist dem Negativaspekt der NS-Zeit geschuldet und hat eine völlig andere Bedeutung.

      Um rege Beteiligung wird gebeten.

      FG acentejo

      • Leider habe ich die Sendung nicht gesehen.

        Euthanasie umfasst nicht nur Morde, sondern bedeutet ganz einfach "Sterbehilfe". Ich sehe den Begriff nicht nur in seiner negativen Bedeutung. Das vorab.

        Ich sehe es auch so, dass der Mensch ein Recht auf Selbstbestimmung hat, das sich auch darauf erstreckt, den Zeitpunkt und die Umstände seines eigenen Todes selber zu wählen. Kann er dies nicht mehr aufgrund von Krankheit, hat er das Recht, andere um Hilfe zu bitten, um seinen eigenen Tod herbei zu führen.

        Da aktive Sterbehilfe aber strafrechtlich verfolgt wird, ist es einem Arzt nicht zuzumuten, eine Euthanasie durchzuführen. Er kann jedoch, falls der Zustand des Sterbewilligen es zulässt, diesem beispielsweise eine Spritze mit todbringendem Inhalt geben, da Beihilfe zur Selbsttötung nicht bestraft wird. Auch wenn diese strafrechtliche Unterscheidung zwischen aktiver Sterbehilfe und Beihilfe zur Tötung auf Verlangen zunächst ungerecht erscheint, weil sie den Kranken benachteiligt, der sterben will, die Tat aber nicht mehr alleine ausführen kann, ist sie doch richtig m.E., weil damit die letzte Entscheidung über die Herbeiführung des Todes bei dem Betroffenen selbst verbleibt und nicht bei einem Dritten.

        Natürlich ist es problematisch, wenn ein Patient im Koma liegt und sich zwar vor einiger Zeit geäußert hat, dass er, sollte er im Koma liegen, getötet werden möchte und sich dann kurz davor nicht mehr äußern kann. Sollte man ihm dann nicht seinen Wunsch erfüllen. Allerdings könnte es doch sein, dass er seine Meinung geändert hat. Wer kurz vor dem Tod steht, will ihn vielleicht doch nicht. Deshalb würde ich die passive Sterbehilfe (Bsp: Arzt schaltet Beatmungsgerät ab) ablehnen, obwohl unsere Rechtsordnung sie zulässt.

        ich glaube nicht, dass man abstrakt über dieses Thema diskutieren kann, es gibt so viele Aspekte und Facetten. und eine Entscheidung ist so weitreichend und - endgültig. Man sollte immer den Einzelfall beurteilen.

        • Du hast völlig recht, eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht..

          In dieser Sendung wurde ein Ehepaar von einem Dokofilmer begleitet.

          Beide hoch in 90, kinderlos und 60 Jahre zusammen.
          Sie hatte schon einige Schlaganfälle erlitten und er war Dialysepatient.
          Beide völlig fit im Kopf.
          Sie wollten nicht mehr länger leiden und sind zu sterben in die Schweiz gefahren.

          Ihr verbal erklärter Wille war der, sie wollten gemeinsam ihr Leben beenden was sie 60 Jahre gemeinsam er.-u.gelebt haben.
          Friedlich sind sie, Hand in Hand eingeschlafen. Eine sehr bewegende Schlusssequenz.

          Aber warum musste nur die letzte Reise in die Schweiz gehen?
          Hätte diese Ehepaar nicht auch in ihrer gewöhnten Umgebung, umgeben von ihnen nahen Personen und mit der Hilfe eines Mediziners diesen ultimativen Schritt gehen können?
          Ja, es gibt viele Für und Wider. Bei diesem Thema verständlich.

          Aber danke für Deine Meinung.

          FG acentejo

          • Diese Ehepaar hätte auch hier ihrem Leben ein Ende setzen können nach dem, was Du schilderst. Und zwar alleine von eigener Hand.

            Ich finde es gerade in diesem Fall nicht gut, dass ein Dritter damit belastet wurde, denn ich stelle es mir schon sehr belastend vor, wenn man hilft, Leben zu beenden. Warum haben die beiden das nicht alleine erledigt? Ging es darum, eine todbringende Substanz zu erhalten, die möglichst schmerzlos wirkt?

            • @schöne-neue-welt

              Sie haben alles alleine gemacht. Nur die todbringende Substanz wurde ihnen besorgt.

              Sie haben sich eine Intravenöse Infusionsnadel gelegt und dann dass Ventil geöffnet.

              Das Problem war, sie hatten niemanden gefunden, der Ihnen die Substanz besorgen konnte oder wollte.

              In Apotheken werden diese Substanzen separat aufgeführt. Kein Doc wird sein Rezeptblock zu Verfügung stellen. Der Besorger wird anonym bleiben. Was auch richtig ist.

              FG acentejo

      Tja, was lassen wir denn alles als Indikation gelten?

      Was ist mit dem frisch Querschnittsgelähmten, der in eine Depression rutscht?
      Darf der oder darf der nicht?

      Was ist mit der multiplen Persönlichkeit, die in der Kindheit so massiv vergewaltigt worden ist, dass eine echte "Heilung" nicht erreichbar scheint und deren eine Persönlichkeit sich den Tod wünscht?

      Und was ist mit dem Neugeborenen, das schwerstbehindert nur knapp überleben kann?
      Wie alt muss das dann werden, um "selbstbestimmt" den eigenen Tod herbeizuführen?

      Kurz: Welche Qual ist Qual genug um als Indikation zu gelten und wer legt dies (gesetzlich und auch in jedem Einzelfall) fest?

      Natürlich Rosinenpickerei, aber letztlich sind die "Positivbeispiele" auch nichts anderes, denn am Ende müsste ja eine belastbare und von allen getragene Gesetzeslage stehen, die auf nahezu jeden Einzelfall anwendbar ist.

      • Da sind in der Frage der Indikation schon die Holländer einige Schritte weiter. Zumindest in der öffentlichen Diskussion. Die Tür, die mal in den NL aufgestoßen wurde, wird immer weiter geöffnet. Kann "gefährlich" werden.
        In der "hart-aber-fair-runde" war man sich einig, nur physische Krankheitsbilder sollten in die Indikation fallen.
        Die Argumente konnte ich nachvollziehen.
        Mit dem Lebensalter hat das nichts zu tun. Das Krankheitsbild, und in welchem Stadium soll entscheidend sein.
        Auch soll, wenn es mal "erlaubt" sein sollte keine Alleinentscheidung geben. Mehre Fachärzte sollten befragt werden. Eine Art Kommission.

        Aber ich persönlich sehe noch lange nicht eine grundlegende Änderung (Freigabe) in D.

        FG acentejo

        Nachtrag für @hompelpompel

        Du möchtest gleich das komplette Paket?

        Das geht nicht und würde nirgends eine Mehrheit finden.

        Nicht im Parlament und nicht in der Ärzteschaft.

        Nehmen wir uns lieber ein Beispiel an den NL.

        Schritt für Schritt.

        acentejo

    Hallo

    ich habe die Sendung gesehen und habe Verständnis für beide Seiten.
    Vorrangig bleibt es für mich eine Einzelfallentscheidung.Es kann sich für mich hierbei nur um nicht psychische Erkrankungen handeln.
    Das Unbehagen der Ärzteschaft ist verständlich, gut fand ich den Vorschlag einen Kollegen zwingend mit entscheiden zu lassen.
    Mir fallen eher unheilbar Kranke mit Extremschmerzen und langem Siechtum ( etwa Rachentumor etc. ) ein.Komatös halte ich da noch für das kleinere Übel.
    Trotzdem muss auch überlegt werden, ob es Sinn macht hochbetagte Patienten mit Maschinen und allen Möglichkeiten am Leben zu halten.
    Unbefriedigend ist diese Grauzone ( erfahrene Hausärzte wissen ihren Patienten sicherlich zu helfen ) auf jeden Fall,zumal auch jede Landesärztekammer selbst entscheidet welche Hilfen zulässig sind.
    Derzeit braucht man in diesem Land einfach viel Glück um selbstbestimmt sterben zu können.
    Meinem Vater und meiner Großmutter ist es gelungen.

    L.G.

    • (10) 07.10.14 - 17:53

      Es hat ja den Konsens gegeben dass keine Einzelentscheidung stattfinden darf. Richtig.

      "Erschreckend" empfand ich die Feststellung dass bei schwerstkranken die letzten Monate in Kliniken die teuersten sind. Ein Schuft wer böses dabei denkt.

      FG acentejo

(11) 07.10.14 - 15:39

Eine Lebensverlängerung auf Teufel komm raus in Siechtum und unvorstellbarem Schmerzenzleidensweg ist für mich absolut unmenschlich, unwürdig und der pure Horror.

Menschen sollten selbst entscheiden können wann es genug ist und dabei hilft kein Gesetz denn jeder Mensch erträgt Schmerzen und Qualen anders intensiv.

Ich kann mich diesem Beitrag anschließen:
http://www.sueddeutsche.de/leben/selbstbestimmtes-sterben-mein-tod-gehoert-mir-1.1856111

fg marada

  • @marada

    Ich bin da ganz dicht bei Dir.

    Auch ich habe Vorsorge getroffen um den "Notausgang" zu nehmen.

    Inständig hoffe ich den Notausgang auch noch alleinbestimmt finden zu können.

    FG acentejo

Hallo,

jeder sollte selbst den Zeitpunkt bestimmen dürfen, wann er sterben will, wenn er schwer krank ist.

GLG

Hallo,

stell dir mal vor, du bist 88 und hast Krebs im entstadium. Du wirst nur noch mit Morphine am Leben gehalten und du musst diese qualvollen Schmerzen bis zur natürlichen Erlösung aushalten.

Das finde ich unmenschlich!

Auf der anderen Seite will man das Sterbegesetz aber so aufbauen, dass der Hausarzt mit psychologischer Beratung das Sterbemittel verschreiben soll, bevor es im Krankengaus verabreicht werden kann.

Nach aussage meines Hausarztes, würde er soetwas niemals machen, denn für ihn käme das gleich mit einem Mord bzw Totschlag und er müsse dann mit dieser zusätzlichen Schuld leben.

Sicherlich ist die Sterbehilfe humaner und für den betroffenen eine Möglichkeit einen langen schweren Todeskampf zu vermeiden, aber auch eine weitere Belastung für unser Gesundheitssystem und für den Eid den die Mediziner abgelegt haben.

Und es komnen weitere Probleme hinzu, zb der Suizid. Es würde also eine ganze Gesetzesänderungswelle auslösen um alles unter einen Hut zu bekommen.

Gruß Gissi

  • Ich stelle mir vieles vor was dieses Thema angeht. Nur nicht dass ich leiden möchte und werde.

    Selbstverständlich hat jeder Mediziner die freie Wahl beim Freitod zu helfen, oder auch die Hilfe abzulehnen.

    Auch in den NL wurde die Entscheidung nicht über ein Wochenende abgehandelt.

    Was hindert denn unsere Parlamentarier Gesetzesvorlagen einzubringen?
    Dann wird öffentlich darüber diskutiert und eine Entscheidung herbeigeführt.

    Der Tod, gleich welcher Art sollte kein Tabuthema sein.

    acentejo

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