Edathy und die Folgen

    • (1) 20.10.14 - 10:13

      Guten Morgen,

      derzeit wird unter der Führung des Bundesjustizministers Heiko Maas an der Überarbeitung des Strafrechts gearbeitet.

      Neben der Abschaffung des sog, "Mordparagraphen", wird an der Umsetzung einiger Vorschläge im Bereich des Sexualstrafrechts bzw. Datenschutzes gearbeitet und zur Verschärfung der Gesetzgebung gegen Kinderpornografie

      Demnach sollen z.B. Fotos von spielenden, nackten oder leichtbekleideten Kindern künftig nicht mehr ohne die ausdrückliche Einwilligung der Eltern möglich sein. Wenn also z.B. Nachbarskinder mit den eigenen Kindern im Sommer am Pool spielen oder unter dem Rasensprenger herlaufen, wäre das Fotografieren der nicht eigenen Kinder schon unbefugt und damit strafbar.

      All das passiert u.a. auch auf dem Hintergrund der sog. Edathy-Affäre, also jenes Abgeordneten, in dessen Besitz sich Fotos von fremden leichtbekleideten oder nackten Kindern befanden und der sich - wenn er sich auch nicht strafbar gemacht - seit einiger Zeit im Ausland vor der Presse weites gehend versteckt hält.

      Ich frage mich, ob sich Staat sich hier nicht zu weit einmischt. Einige Punkte der Gesetzesänderung sind durchaus zu befürworten wie z.B. eine längere Verjährungsfrist hinsichtlich Kindesmissbrauchs oder dem Erstellen bzw. der Verbreitung von kinderpornografischem Material.

      Außerdem kann man überlegen, ob das Betrachten von Bildern mit nackten Kindern, zu deren Entstehung die Kinder nicht gezwungen worden sind, sondern die in ganz normalen Alltagssituationen aufgenommen entstanden sind, an sich schon eine strafbare Handlung darstellen kann.

      Bitte nicht falsch verstehen, ich halte den Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornografie für richtig aber trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass hier aktionistische Schnellschüsse den Bürger und die Bürgerin einlullen sollen, das Gefühl gegeben werden soll, der Staat tue etwas aber die Folgen dabei völlig unbekannt sind bzw. die Gefahr besteht, dass sich der Staat als Moralinstanz in die Privatsphäre seiner Bürger und Bürgerinnen einmischt.

      Ein Mann, der sexuell Gefallen an Kindern findet, wird durch diese neue Gesetzgebung nicht abgeschreckt aber hier werden möglichweise ganz normale Familien potentiell kriminalisiert. Ein Mensch, mit einer solchen Veranlagung, wird zur Not auch zu den Bademodeseiten für Kinder im Otto-Katalog greifen. Oder wird man diese in Zukunft auch verbieten oder vielleicht nur noch mit Puppen darstellen?

      Denn bei den Bildern ist es völlig egal, ob sie tatsächlich pornografischen Charakter haben, die Nacktheit z.B. eines Kindes reicht. Für einen nicht pädophil veranlagten Menschen sind solche Bilder, vor allem der eigenen Kinder, bestenfalls niedlich, süß und eine schöne Erinnerung. "Missbrauch", im Sinne des sexuellen Betrachtens durch Dritte wird man wohl nie verhindern können.

      Außerdem, wie oben beschrieben, frage ich mich, wohin wie uns bewegen, wenn schon das Fotografieren im privaten Raum (ohne strafbare Absicht) unter Strafandrohung gestellt wird.

      Viele Grüße
      oz#klee

      • Hallo,

        ich finde das völlig in Ordnung und überfällig.

        Und ich glaube auch nicht, dass normale Familien damit unter Generalverdacht gestellt werden.

        Es gibt von meiner Tochter übrigens nur ein "Nacktfoto", entstanden mit etwa 3 Monaten in der Badewanne.

        GLG

        • Hallo,

          wie gesagt, solltest du Fotos machen, auf denen auch Nachbarskinder zu erkennen sind , ohne der vorherigen Einwilligung der Eltern, machst du dich künftig strafbar!

          Ob das geahndet wird oder nicht, ist eine andere Frage. Aber du fühlst dich dadurch nicht unnötig kriminalisiert bzw. würdest immer eine (möglichst schriftliche) Erlaubnis der Eltern der Nachbarskinder einholen?

          Oder würdest du dann darauf achten, dass nur deine eigenen Kinder auf den Bildern zu sehen sind?

          Grüße
          oz#klee

          • Hallo,

            wenn ich Fotos von anderen Kindern mache, dann passiert das höchstens mal auf einem Geburtstag.

            Und da ist mit den Eltern natürlich abgesprochen, dass auch Fotos gemacht werden (falls jemand welche möchte) und zum anderen laufen Kinder bei uns nicht im Bikini rum.

            GLG

      Hallo,
      ich finde es in Ordnung und nicht übertrieben. Meine Tochter ist 4 und läuft nicht nackt herum, weder bei mir im Garten, noch bei meiner Ex und schon garnicht bei Fremden im Garten. Ich käme auch nicht auf die Idee fremde Kinder bei mir im Garten nackt herum springen zu lassen. Ein Bikini oder eine Badehose anzuziehen sollte doch möglich sein. Und wenn es eine spontane Aktion mit dem Rasensprenger ist, sollte auch die Unterhose genügen.

      FG
      Sebastian

      • Hallo,

        also ich war u.a. auch im vergangenen Sommer bei einer Freundin öfters zum Kaffee. Sie haben einen sehr großen Garten mit einem großen Kinderpool. Dort waren teilweise bis zu 6 Nachbarskinder. Die kleineren Kinder liefen da auch z.T. nackig herum. Was ich persönlich auch nicht als störend oder unnatürlich empfunden habe.

        U.a. auf dem Hintergrund habe ich auch diesen Beitrag aufgemacht. Meine Freundin stellt gerade ein Sommeralbum zusammen und wir haben uns auf dem Hintergrund am Wochenende über das Thema unterhalten. Sie fragt sich nun ernsthaft, nachträglich die Bilder, wo auch Nachbarskinder drauf sind, von den Eltern "genehmigen" zu lassen soll oder ob sie diese gleich löschen lassen soll. (Noch gibt es das Gesetz ja nicht)

        Ich bin mir nicht sicher, ob und in wie weit sich der Gesetzgeber da einmischen soll, unabhängig von den persönlichen Gegebenheiten.

        Grüße
        oz#klee

        • Hallo,
          es geht nicht darum was ich als störend oder unnatürlich empfinde. Zeiten ändern sich. Früher waren wir alle als Kinder nackt am Badesee oder Meer, heute gibt es das nicht mehr, aus gutem Grund. Jeder hat ein Handy, jeder kann jederzeit fotografieren ohne dass man es mitbekommt.

          Ich möchte mich in so eine Situation nicht bringen, erklären zu müssen warum ich nackte Kinder in meinem Garten habe, ganz einfach. Fotos mache ich äußerst selten wo andere Kinder dabei sind, wenn dann an Geburtstagen. Und ich möchte auch nicht, dass jemand meine Tochter fotografiert sollte sie aus unerfindlichen Gründen doch einmal nackt sein.

          Es gibt 100 andere Möglichkeiten schöne Fotos zu machen. Es bringt niemanden um das zu unterlassen wenn ein Kind nackt ist. Gerade in Zeiten von Facebook, instagram, twitter und anderen social networtks, wo man überall Fotos hochladen und jeder sie ansehen kann, möchte ich nicht, dass meine Tochter auf Fotos von fremden Menschen zu sehen ist. Man hat es heutzutage nicht mehr in der Hand was mit den Fotos geschieht. Da halte ich es besser vorsichtiger zu sein und zu übertreiben als zu nachlässig.

          FG
          Sebastian

          Ich bin zu schreibfaul, um mich in die bestehende Diskussion mit genügend Tiefe einzufügen, nur soviel:

          Erstens
          Bei uns laufen im Sommer auch die Kinder ( Nachbarskinder, eigenes Kind) nackt oder nur in Badehose im Garten am Pool herum. Selbst wenn zu Anfangs alle mit Schwimmkleidung versehen sind, so passiert es unweigerlich, dass der ein oder andere diese auszieht, weil er sich versehentlich mit der nassen Hose im Sandkasten "paniert" hat. Das alles sehen wir und unsere Nachbarn bei Kindergarten Kinder locker.

          Die Kinder werden sich ab einem bestimmten Alter ohnehin genieren und dann nicht mehr unbekleidet zusammen spielen, aber bis dahin...egal.

          Zweitens
          Es fehlt mittlerweile ein natürlicher Umgang mit Nacktheit und das schreibe ich nicht, weil ich zu den FKK lern gehöre (bin ich nie gewesen), sondern man muss nur zu unserem Nachbarn USA schauen, wo alles so sehr verkopft und reglementiert ist, dass es schon grotesk ist, aber am Problem an sich auch nichts ändert.

          Eine befreundete Familie aus D lebte einige Zeit mit ihren Kindern in USA Texas.
          Es war dort verboten, den Kleinkindern am Strand die Windel auszuziehen, um ihnen direkt danach die Badehose anzuziehen oder sie sonstwie umzuziehen.
          Hierzu musste zwingend die Umkleidekabine aufgesucht werden, da ein nackter Kinderpopo auf für 5 Sekunden nicht in der Öffentlichkeit gesehen werden darf.
          Eh voila, was hat USA damit erreicht?
          Gibt es da das Problem der Kinderpornographie und deren Verbreitung nicht?

          Doch, man hat nur geschafft, etwas völlig normales zu etwas perversem zu degradieren.

          LG

          • Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich habe nämlich das gleiche Gefühl und darauf zielte u.a. mein Eingangstext auch ab.

            Übernehmen wir die amerikanische Prüderie mit diesen für mich absonderlichen Entwicklungen und der Staat spielt Anstandsdame und mischt sich in die Privatsphäre seiner Bürger ohne aber wirklich effektiv etwas gegen das eigentliche Thema, die Vermeidung von Kinderpornografie, getan zu haben?

            Den Umgang mit kindlicher Nacktheit finde ich unter den Gesichtspunkten auch sonderbar. Sind wir schon soweit, dass wir leichtbekleidete oder nackte Kindern nur noch betrachten mit dem ersten Gedanken "Was ist, wenn das ein pädophil veranlagter Mensch sieht?". Eine Art Übersensibilisierung, wenn du weißt, was ich meine.

            Grüße
            oz#klee

            Hallo,

            das finde ich so alles aber auch nicht richtig.

            Ich finde es nicht ok das man als prüde beschimpft wird nur weil man sich nicht an den FKK-Strand traut oder so. Oder wenn man halt möchte das Kinder was an haben oder so.

            Ich habe mal eine Sendung von Fkklern gesehen. Da sagten dann alle:

            "Naja wir werden ja immer prüder"

            Ich finde das was da getan wird nicht zuviel verlangt. Sonst öffnet man den Leuten eines Tages wirklich Tür und Tor.

            Zudem geht es wirklich nicht darum was einzelne Denken sondern die Mehrheit.

            LG Andy

            • Aber ich habe doch geschrieben, dass ich nie zu den FKKlern gehört habe und auch nicht gehöre.
              Es gibt ein natürliches Schamgefühl, was sich im Laufe der Kindheit entwickelt, daher ist mir das ständige zur Schau stellen der dauernd gelobten natürlichen Nacktheit der FKKler ebenso fremd, wie das prüde Amerika, in dem man nicht mal ein Kind schnell am Strand umziehen darf.

    (12) 20.10.14 - 11:08

    Find ich gut! Und bitte auch keine halbnackten Kinder mehr in Frei- und Hallenbädern! Das ist ja noch viel schlimmer, da kann man sich die Kinder live anschauen!

Hi,

was Herr Maas da vorhat, ist völliger Unfug, schießt am Thema vorbei und nutzt keinem einzigen Kind, was tatsächlich missbraucht worden ist für die Aufnahme solcher Bilder.

Ich kann mich erinnern an meine Kinderzeit, da sind wir auch im Sommer durch den Garten getobt mit Nachbarskindern und es gibt auch Aufnahmen von mir u.a. mit einer Nachbarstocher, wo wir in etwa 6 Jahre alt waren. Unter solchen Gesetzen hätte meine Mutter oder mein Vater oder auch der Nachbar strafbar gemacht, hätte er einfach auf den Auslöser gedrückt ohne Einwilligung. Mit einem übereifrigen Staatsanwalt und einer hitzigen Richterin womöglich am Ende noch mit Urteil.

Eine grauenhafte Vorstellung.

Der Staat mischt sich hier ein in einem Maße, dass mich erinnert an die sechziger Jahre, als es noch den sog. Kuppeleiparagraphen gab. Dort machten sich Eltern strafbar (und es gab dank denunzierender Nachbarn einige Urteile), wenn sie z.B. ihre 14-jährige Tochter mit ihrem 16-jährigen Freund unter ihrem Dach übernachten ließen.

Ich registriere hier so einen Trend aus den USA, der sich, je nach Staat, exzessiv einmischt in die sexuelle Selbstbestimmung bzw. Privatsphäre seiner Bürger.

Kein Fall echter Kinderpornografie wird durch die neue Gesetzgebung verhindert. Aber eine Menge ahnungsloser Bürger in Generalverdacht genommen.

Aber leider ist es so, dass viele Menschen, wenn es doch nur dem Schutz von Kindern dienen soll (auch wenn es das gar nicht tut aber der gute Wille zählt ja schon), jeden Quatsch abnicken, den sich die Politik zum Teil erlaubt. Ich erinnere mich in Analogie dazu, an die Pläne der damaligen Familienministerin von der Leyen zum Thema Internetsperren. Auch so eine unsägliche Kopfgeburt und viele haben geklatscht ohne zu wissen, was es überhaupt bringt. Da stand auf der Verpackung "gegen Kinderpornografie" und alles klatscht erst einmal. Obwohl man beim zweiten Gedanken wissen sollte, dass das Gegenteil von gut manchmal gut gemeint ist.

Mir würde der Gedanke auch nicht gefallen, wenn sich ein Pädophiler an Bildern meines Sohnes "aufgeilt". Solange die Bilder an sich oder deren Erstellung aber keine Straftat im bisherigen Sinne des Gesetzes darstellen, muss ich mich wohl damit abfinden, dass es leider passieren könnte. Im Vorfeld aber jeden, also auch Freunde, Lehrer, Nachbarn, Verwandte etc. unter Generalverdacht zu stellen, ist für mich jedenfalls eine furchtbare Vorstellung.

Neben dem besagten Trend zu mehr Prüderie sehe ich aber vor allem auch, dass das Thema Kindesmissbrauch so omnipräsent dargestellt wird, dass ich bei manchen Menschen das Gefühl habe, die sehen in einem Mann erst mal den potentiellen Kinderschänder. In den Siebzigern war jeder Mann ein potentieller Vergewaltiger, heute vermutet man hinter jedem Baum einen Kinderschänder. Dabei sind die Fallzahlen rückläufig.

Ich weiß noch nicht, wohin das führen soll oder führen wird. Ist ein Vater, der mit seiner Tochter badet, schon verdächtig? Der Bruder des Vaters, der die Nichte wickelt? Der Nachbar, der bei einer Geburtstagsparty alle Kinder beim Plantschen knipst?

Ich glaube, bei all diesen Scheingefechten wird das eigentliche Ziel aus den Augen verloren.

  • Was jeder privat mit den Fotos der Kinder macht ist eine Sache. Eine andere ist doch, was öffentliche Einrichtungen wie Kitas und Schulen tun. Ich erzähl dir mal was:
    Mein Sohn war letztes Jahr mit seiner Kitagruppe ein paar Tage weg. Danach gab es für alle Eltern eine CD mit Fotos der Fahrt. Ich klicker mich so durch und gelange auf ein Gruppenfoto, was für jeden "Kinderliebhaber" ein Fest gewesen wäre. Die kleine xy sitzt mit ihrem Nachthemd ganz vorne in der ersten Reihe, die Beine zur Brust gezogen, etwas breit und kein Schlüpfer an. Uiuiui. Diese CD hatten alle Eltern! Niemand weiß in wessen Hände sowas geraten ist und niemandem außer mir, gesagt hat jedenfalls keiner was, fiel es auf.

    Was ich damit sagen möchte ist, dass solche Sachen stärker von den Zuständigen (hier die Erzieher) kontrolliert werden muss. Im Großen Stil halte ich eine Einwilligungsfotoerlaubnis immer für angebracht. Mir doch wurst, ob mein Sohn dann überall rausgepixelt werden muss.

    Und ja früher...du hast recht. Das war anders (und ja, auch ich fand es besser, ich war und bin gerne nackt und weiß auch,d ass Kinder sich so wohl fühlen). Aber früher gab es nicht die Möglichkeit diese Fotos in Bruchsekundenteilen irgendwo ins Netz zu stellen und zu verteilen.

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