25 Jahre Mauerfall

    • (1) 09.11.14 - 22:55

      Guten Abend, wer war heute bei dem großem Fest dabei und hat mit gefeiert? Ich durfte einen Ballon steigen lassen. Meine Familie waren anwesend und es war ein unglaubliches Gefühl.
      Liebe Grüße

      • Das ist dem Mut der Leipziger zu verdanken. Sie haben der ostdeutschen Führung endgültig klar gemacht, dass ihre Zeit abgelaufen ist.

        Es ist auch dem Michail Gorbatschow zu verdanken, dass die Sowjetunion nicht interveniert hat. Die Vorgänge im Prager Frühling haben gezeigt, wie schlimm es ausgehen hätte können.

        Die Entwicklung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges halte ich für eine glückliche Fügung des Schicksals. Ich hoffe, dass die Krise in der Ukraine glimpflich ausgeht.

        • Sicher ist Gorbatschow einiges zu verdanken, aber seine Kritik an der Ukraine-Politik an diesem Jubiläum hat schon einen besonderen Hauch. Der Zeitpunkt war nicht zufällig gewählt.

          "Es ist auch dem Michail Gorbatschow zu verdanken, dass die Sowjetunion nicht interveniert hat. Die Vorgänge im Prager Frühling haben gezeigt, wie schlimm es ausgehen hätte können."

          Die kaputte Sowjetunion hatte schlichtweg kein Geld um die Teilung mit militärischen Interventionen zu verhindern. Zumindest wäre es sehr schmerzhaft gewesen. Gorbatschow hatte immerhin die Weitsicht das zu erkennen.

        • "Das ist dem Mut der Leipziger zu verdanken. Sie haben der ostdeutschen Führung endgültig klar gemacht, dass ihre Zeit abgelaufen ist."

          Na ja, das liest sich bestimmt immer gut und hat auch etwas Heroisches. Und Menschen glauben gerne an das Gute im Menschen und Heldenhaftigkeit, Mut und das Einstehen für Ideale.

          Im Kern jedoch bin ich überzeugt, dass vor allem Misswirtschaft und schlichtweg komplett leere Kassen dazu geführt haben, dass die DDR und in der Folge der gesamte Ostblock implodiert ist.

          Wäre die DDR - ähnlich wie heute China - ein wirtschaftlich enorm potenter Staat gewesen, mit Milliarden an Devisenreserven, und wäre der große Bruder Sowjetunion nicht ebenfalls faktisch bankrott gewesen, wer weiß, ob sich die Führung der DDR nicht doch zu einem gewaltsamen Niederringen der Demonstrationen entschlossen hätte.

          Ich will aber gerne zugestehen, dass die Massenaufmärsche der Regimeführung die Ausweglosigkeit noch einmal ganz deutlich vor Augen geführt hat. Abgesehen davon, dass es ohnehin mutig war, in einem totalitären Regime auf die Straße zu gehen.

          Ein bankrotter Staat, der nicht einmal seine Bevölkerung hinter sich vermuten kann, stirbt ohnehin. Die Frage war dann wohl nur, ob man das Leiden verlängern will. Honecker hätte ich es aufgrund von Altersstarrsinn und einer völlig verzerrten Wahrnehmung der Realitäten sogar zugetraut, die sowjetischen Panzer aus den Kasernen zu lassen. Aber ist ja Gott sei Dank schon vorher von seinem eigenen ZK entmachtet worden.

          Was ich allerdings an den Menschen in der damaligen DDR noch mehr bewundert habe, war der Gleichmut, mit der sie sich ein komplett neues Wirtschaftssystem haben überziehen lassen. Mit all den großen Schwierigkeiten, der Trostlosigkeit, der Arbeitslosigkeit für viele Menschen und dem Gefühl, welches die sehr radikale Kohl'sche Umbaupolitik mit sich brachte, dass quasi 40 Jahre der eigenen Identität als kompletter Irrtum der Geschichte hingestellt wurden. Die Doktrin schien ja zu lauten: Unter einem Unrechtsregime und einer Planwirtschaft muss alles Mist sein. Also weg damit.

          Ich habe, u.a. auch durch die Beziehung zu einer Frau aus der damaligen DDR, viele Dinge gelernt und kann heute auch die Ostalgie vieler Bürger und Bürgerinnen der ehemaligen DDR gut verstehen. Daher befremden mich die Diskussionen, die jetzt im Folge des 25-jährigen Jubiläums wieder neu entbrannt sind, und vor allem von West-Politikern forciert werden, sehr. Da geht u.a. darum, dass man doch bitte, auch von Seiten der Linkspartei endlich den Begriff des "Unrechtsstaates" im Bezug auf die DDR im Wortschatz führen soll.

          Ich finde diese Diskussion unsäglich. Ein Staat kann nie in Gänze nur Unrecht sein. Ein Regime ja, bestimmte handelnde Personen ja, auch die dortige Strafgesetzgebung und viele andere Teile der Rechtsprechung. Aber auch in einem totalitären Staat kann es Dinge geben, die durchaus gut oder nützlich sind und die Biografie einzelner ist auch nie nur Unrecht. Ist denn ein Mediziner, der in der DDR seine Ausbildung gemacht hat, per se ein schlechterer Arzt geworden?

          Die deutsche Einheit ist, davon bin ich überzeugt, vor allem weil sie in der jüngeren Menschheitsgeschichte ein absolutes Unikum darstellt, trotz der vielen vielen begangenen Fehler und Fehleinschätzungen, unter'm Strich eine Erfolgsgeschichte.

          "Es ist auch dem Michail Gorbatschow zu verdanken, dass die Sowjetunion nicht interveniert hat. "

          Ich glaube nicht, das Gorbatschow noch die Optionen hatte wie andere Sowjetführer vor ihm, z.B. 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn oder 1968 in der damaligen CSSR. Die Wirtschaftskraft der riesigen UdSSR betrug 1989 gerade einmal 15% der US-amerikanischen Wirtschaftsleitung, das Land hatte Schulden und das gerade beendete Afghanistan-Debakel war ein zusätzlicher Sargnagel.

          Gleichwohl Gorbatschow sicher ein Reformer war. Er wusste, dass nur tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen, eine mögliche Stabilisierung des sozialistischen Machtbereiches herbeiführen können. Die Eigendynamik, die sich daraus entwickelte, inkl. all der Staaten, die der Sowjetunion noch binnen Jahresfrist die Gefolgschaft aufkündigten, hat er allerdings sicher nicht geplant.

          Insofern alles in allem, da hast Du ganz Recht, ist es vor allem eine glückliche Fügung, dass alles so kam, wie es kam, zahlreiche Faktoren, die losgelöst voneinander stattfanden, trafen zum Gelingen ein und beendeten damit auch den damaligen kalten Krieg.

          • Ich bin in den meisten Punkten der gleichen Ansicht. 2 Punkte möchte aber noch einmal andiskutieren.

            „Im Kern jedoch bin ich überzeugt, dass vor allem Misswirtschaft und schlichtweg komplett leere Kassen dazu geführt haben, dass die DDR und in der Folge der gesamte Ostblock implodiert ist.“

            Die Staatsverschuldung der „DDR“ war Ende der 80er Jahre absolut und pro Kopf gerechnet niedriger als die der BRD und das Wirtschaftswachstum der „DDR“ war sogar in den letzten 20 Jahren vor dem Mauerfall größer als in der BRD.

            Natürlich lässt sich der Zustand eines Landes nicht ausschließlich an diesen Zahlen messen. Der Zustand der Infrastruktur, der technische Standard der Produktionsanlagen, Umweltbelastungen etc. müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Diese Faktoren lassen sich in Bilanzen und Staatshaushalten verstecken. Ausblenden sollte man Verschuldungsquote und das Wirtschaftswachstum aber auch nicht.

            2 Dinge sollte man aber bei der Gesamtbetrachtung nicht vergessen. Die „DDR“ hatte im Vergleich zur BRD eine erheblich schlechtere Ausgangslage nach dem 2. Weltkrieg. Dazu kommt der personelle und materielle Aderlass, der noch so lange andauerte bis die Mauer geschlossen war. Daher konnte die „DDR“ das wirtschaftliche Niveau der BRD realistischerweise nicht erreichen, auch wenn zwischen 1970 und 1989 prozentual aufgeholt wurde. Noch nicht einmal mit einem marktwirtschaftlichen System wäre das in dieser kurzen Dauer möglich gewesen.

            Zudem waren die wirtschaftlichen Fakten im Jahr des Mauerfalls deutlich besser als zu Beginn der 80er Jahre. Daher glaube ich nicht, dass die wirtschaftliche Lage der wichtigste Faktor für den Mauerfall war, auch wenn uns die Geschichtsschreibung das vorgibt. Wenn die wirtschaftlichen Daten der überragend maßgebende Faktor für den Fortbestand eines Staates sein sollten, wäre Korea bereits wiedervereinigt und Kuba der 51. Bundestaat der USA.

            Sicher war das politische System der „DDR“ 1989 an seinem Ende angekommen. Das diese Revolution erfreulicherweise friedlich ablief, liegt an unterschiedlichen Faktoren. Der Mut der Einen gehört sicher genauso dazu wie die Einsicht und Vernunft anderer DDR-Bürger. Man sollte neben Gorbatschow auch die Rolle der Ungarn und Tschechoslowaken nicht vergessen.

            Waffen und Soldaten waren in ausreichender Menge vorhanden und hätten eingesetzt werden können. Die Kassenlage war kein Hindernis. Das wäre wahrscheinlich der Beginn des 3. Weltkriegs gewesen. Die Vernunft hat gesiegt, dieses eine Mal. Auf den nächsten Sieg der Vernunft warten wir seit nunmehr 25 Jahren.

            Damit jetzt keine Mißverständnisse aufkommen: Ich bin ein absoluter Gegner des wirtschaftlichen und politischen Systems der „DDR“

            „Was ich allerdings an den Menschen in der damaligen DDR noch mehr bewundert habe, war der Gleichmut, mit der sie sich ein komplett neues Wirtschaftssystem haben überziehen lassen.“

            Ich habe das damals eher als Euphorie empfunden, ein Rauschgefühl bei dem sich die Ostdeutschen die Zügel haben aus der Hand nehmen lassen.

            • Es kann Sein, dass der begriff der "Misswirtschaft" an diese Stelle etwas missverständlich war. Denn er impliziert das alleine Selbstverschulden der DDR-Führung bez. der wirtschaftlichen Schieflage.

              Wachstumsraten, die Du anführst sind natürlich ohne Ausgangsbasis sehr relativ und können rein statistisch betrachtet den Leser schnell täuschen.

              Die Handelsbilanz der DDR war 1989 katastrophal. Das lag u.a. an dem sozialistischen System der Kompensationsgeschäfte, was zu wenige Bardevisen zur Folge hatte, was wiederum der Bonität schadet. Zum anderen stelle die Sowjetunion schon 1988 die weites gehend kostenlosen Energielieferungen an die DDR ein. das schadete Teilen der Wirtschaft erheblich und verkürzte die Produktionszahlen, was dann im Export wieder der Handelsbilanz schadet.
              Äußerst hinderlich war auch der hohe Verteidigungsetat der DDR, der gemessen an der Landesgröße, der Bevölkerungszahl mehr als doppelt so hoch war wie der der Bundesrepublik. das lag zum Teil auch an der enormen Anzahl an Menschen unter Waffen in der DDR, also sprich Personalkosten

              Gemessen an ihre Wirtschaftskraft war die DDR mit, ich glaube Platz 10, in der Rangliste der führenden Wirtschaftsnationen, zeitweilig gar nicht so schlecht aufgestellt.

              Sie hatte aber 1989 ein ganz enormes Liquiditätsproblem.

              Abgesehen von den rein ökonomischen Betrachtungen gab es aber sicher auch in vielen Funktionärskreisen erhebliche Zweifel an der Richtigkeit des Gesellschaftsmodells der DDR. Wenn der Glaube an die Sache immer mehr abnimmt, nimmt auch die Dynamik ab, sich gegenüber eventuellen Änderungen zur Wehr zu setzen. Vor diesem Hintergrund waren die Montagsdemonstrationen vielleicht sogar bei manchen Funktionär gar nicht so unpopulär, wie man im Nachgang meinen könnte. Sicher hat aber keiner die komplette Entmachtung des Apparats herbeigesehnt.

              Insofern, ist es völlig richtig, dass die Vernunft gesiegt hast, wie Du sagst. Vielleicht nährte sich ein Teil dieser Vernunft auch aus einer gewissen Unlust und einem gewissen Phlegma.

              Letztlich sicher, im Zusammenspiel und unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren, ein sehr glückliches Zusammentreffen.

              "Ich habe das damals eher als Euphorie empfunden, ein Rauschgefühl bei dem sich die Ostdeutschen die Zügel haben aus der Hand nehmen lassen. "

              In den ersten Wochen und Monaten bestimmt. Jeder wollte sein Begrüßungsgeld und Konsumträume waren sicher auch eine Grundlage für diese Euphorie.

              In den folgenden 20 bis 24 Monaten, mit radikalen Umbrüchen und der kompletten Wucht des Kapitalismus, die über die alimentierungsgewöhnten Bürger im Osten hereinbrach, fand ich den Gleichmut teilweise schon bewundernswert. Es wurde im stillen zwar gemurrt aber der große Widerstand blieb aus. Außer dem Rohwedder-Attentat, dass zudem von westdeutschen Linksradikalen verübt wurde, ist mir keine nennenswerte direkte Reaktion auf die erheblichen wirtschaftlichen Umbrüche in Erinnerung.

              An der Stelle kommt der damaligen PDS auch eine Schlüsselrolle im Auffangen von Unzufriedenheiten und negativen Emotionen zu. Aber das wäre dann ein ganz anderes Thema.

              • Hallo,

                hast du gut geschrieben.
                Hier in der ehemaligen DDR war der Mauerfall sicher mit einer großen freudigen Euphorie verbunden. Die Lügen, die vom Staat verbreitet wurden, gab es nicht mehr -- doch wie sieht es heute aus?

                Werden uns keine Lügen aufgetischt oder wichtige Themen werden einfach unter den Tisch fallen gelassen? Hauptsächlich werden doch nur wirtschaftliche Interessen vertreten.

                Der Druck damals von oben war weg, jeder durfte frei seine Meinung äußern. Das hat uns imponiert und wir konnten uns das erste Mal im Leben frei fühlen.

                Doch es ist so, dass nicht jedes Unternehmen nur schlechte Qualität produzierte.

                Denke ich da mal nur an manche Gebrauchsgegenstände, die ich heute noch in meinem Küchenschrank habe und die nach 30 Jahren voll benutzt werden können.

                Hier wären sicher einige Betriebe noch zu retten gewesen, sicher nicht mit den gleichen Maschinen, auch anderen Rohstoffen, weniger Personal und besserer Vermarktung.
                Nein, alles, was hier war wurde schlecht geredet.
                Es fehlten hier nur Zuschüsse für Betriebe und eine gute Wirtschaftsführung.
                So wären nicht so viele Menschen gezwungen gewesen, abzuwandern.

                Wer hat denn an der deutschen Einheit profitiert? Die westdeutsche Wirtschaft. Es wurde gleich noch für ein 2. neues Land produziert. Viele finanzielle Hilfe verschwandt in dunklen Kanälen, leider.

                Klar, dass es von uns Ostdeutschen erst einmal keinen Widerstand gab bei den Schliessungen von Betrieben, doch es gab eine große Traurigkeit- niemand liess sich gerne entlassen.
                Keiner kannte die Marktwirtschaft und dass im Westen auch nur mit Wasser gekocht wird, ist uns erst später klar geworden.

                LG Lotta

                Danke für die gute, ausführliche und interessante Ausführung.

                Ich fange jetzt erst garnicht an, über Ausfuhrdevisen, Bonität, Liquidität zu diskutieren. Das wäre lang und kompliziert – und Du bist noch nie ein weichneckiger Diskussionspartner gewesen.

                Es gibt ja immer noch diesen Unterschied in der Wahrnehmung des historischen Ereignisses des Mauerfalls zwischen den Ost- und Westbürgern. Kurz gesagt meinen die Westbürger wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend waren und die Ostbürger meinen, dass es politische Gründe waren.

                Vielleicht ist beides nicht richtig beziehungsweise vollständig. Ich denke, im Falle der „DDR“ lässt sich das gesellschaftliche, politische System und das wirtschaftliche System nicht wirklich voneinander trennen. Sie bedingen einander.

                Im meiner mündlichen Abiturprüfung wurde ich im Fach VWL von meinem Prüfer gefragt, was die Voraussetzungen für ein kommunistisches Wirtschaftssystem wären. Ich habe dann die Dinge geantwortet, die in den damaligen Lehrbüchern standen. Der Prüfer war damit nicht ganz zufrieden und hakte nach. Irgendeinen Teil hatte ich gerade nicht im Kopf und es fiel mir in diesem Stressmoment nicht ein.

                Da ich aber auch nicht nichts sagen wollte habe ich schließlich das geantwortet was mir da gerade durch den Kopf ging: Ein repressives politisches System ist die Voraussetzung für ein kommunistisches Wirtschaftssystem.

                Das stand so nicht im Lehrbuch, deswegen wollte der Prüfer die Antwort nicht anerkennen. Der Prüfer machte dann aber den Fehler, sein Missfallen meiner Antwort in Form einer Frage zum Ausdruck zu bringen. Auf Fragen kann man antworten und so entwickelte sich eine kurze Diskussion, die aber nicht abschließend geklärt werden konnte, so dass der Prüfer dann irgendwann abbrach.

                Später als mir meine Note mitgeteilt wurde erhielt ich dann erwartungsgemäß einen Rüffel für mein Verhalten, aber das hat mich in dem Moment nicht gestört. Ich bin immer noch überzeugt, dass die Frage, was in der Realität die Voraussetzung für ein kommunistisches Wirtschaftssystem sind nicht allein auf dem Feld der VWL beantworten lässt.

                Jetzt noch kurz zu ein paar Einzelpunkten:

                „In den ersten Wochen und Monaten bestimmt. Jeder wollte sein Begrüßungsgeld und Konsumträume waren sicher auch eine Grundlage für diese Euphorie.“

                In den ersten Wochen und Monaten wurden entscheidende Weichen gestellt. Die Goldgräberstimmung in der Industrie war mit Händen greifbar und die Wirtschaft und deren Berater hatten genaue Vorstellungen, wie die Transformation zu ihren Gunsten laufen sollte. Damit relativiert sich auch manche Bewertung von Unternehmenswerten.

                „In den folgenden 20 bis 24 Monaten, mit radikalen Umbrüchen und der kompletten Wucht des Kapitalismus, die über die alimentierungsgewöhnten Bürger im Osten hereinbrach, fand ich den Gleichmut teilweise schon bewundernswert.“

                Da hast Du sicher recht. Ich bin mir aber sicher, dass es für beide Seiten besser gewesen wäre etwas langsamer,sorgfältiger und mit besserer Einbindung der Ostbürger an die Wiedervereinigung heranzugehen. Dafür war es da aber schon zu spät.

      Am rührendsten fand ich die ganzen Dankesreden der Ostdeutschen, die endlich mal daran gedacht haben, sich bei den Menschen im Westen zu bedanken: Für 25 Jahre der finanziellen Unterstützung, ohne dass ein Ende in Sicht wäre.

      Aber Moment mal... Hab ich das etwa nur geträumt?

      • Vermutlich hattest du einen Alptraum, denn ich glaube kaum, dass sich "die Ostdeutschen" bei irgendwem bedanken müssten.
        Der Dank sollte an die gehen, die den Mut bewiesen haben, auf die Straße zu gehen.
        Dass der sogenannte Wiederaufbau so schwierig war, die Wirtschaft schwächer ist, und auch aus diesem Grund viele Gegenden
        "Veralten" ist in vielen Fällen auch die Folge von Spekulationen, Fehlinvestitionen, unfähiger Insolvenzverwalter und

        Ausnutzung temporärer Förderungen samt Aufgaben nach Einstellung eben jener.
        Auch heute liegt das Bruttoinlandsprodukt geringer, dank niedrigerer Löhne und Renten bei identischen Lebenshaltungskosten.
        Man könnte also sagen, dass viele der Probleme westgemacht sind.
        Generell sollte man aber nach 25 Jahren endlich mit diesem Ossi/Wessi Denken aufhören.

        • Versprochen: Wenn irgendwann aus meiner Heimatstadt, strukturschwach und ärmlich, nicht mehr Geld in deutlich florierendere ostdeutsche Städte umverteilt wird, nur weil meine Heimatstadt im Westen liegt, dann werde ich mit dem Ost-/West-Denken aufhören.

          Vorher ganz sicherlich nicht.

          "Der Dank sollte an die gehen, die den Mut bewiesen haben, auf die Straße zu gehen."

          Warum sollte ich als Westdeutsche dafür dankbar sein das in der DDR jemand auf die Straße ging und ich seit über 20 Jahren dafür bezahlen muss?

          Der Westen hätte den Osten nicht gebraucht. Ob da Leute auf der Straße waren die gerufen haben " Wir sind das Volk" hat uns im Westen (bis auf wenige) nichts gebracht. Wie gesagt, wir haben nix davon und zahlen immer noch. Aber dankt ihr euch mal weiter in die eigene Richtung, nur wird man damit nicht dein sogenanntes "Ossi/Wessi Denken" bestimmt nicht ändern.

          • Kaum zu glauben aber ich komme aus Westdeutschland.
            Und ich bin der Meinung, dass Viel gewonnen wurde.

            Viele Familien haben die Möglichkeit näher zusammen zu rücken.
            Ein durch den Krieg geteiltes Volk ist wieder EIN Volk.
            An der Grenze stirbt niemand mehr...
            Man kann natürlich immer nur auf sein eigenes Portemonnaie schauen, oder

            aber man betrachtet auch die positiven politischen Folgen.

            • Du siehst es aus deiner (wahrscheinlich weit von der Grenze entfernten) Sicht, ich aus meiner und derer der an der Grenzen lebenden. Wir haben 10 Meter entfernt der Grenze gewohnt. Die Grenzöffnung hat unsere Gegend nur herunter gewirtschaftet.

              Auf unserer Seite verkommen die Straßen soweit das man sie inzwischen aus Kostengründen lieber sperrt statt repariert. Die Firmen bauen ein neues Werk 3 KM weiter ein neues Werk (die Löhne sind dort nicht mal die Hälfte).

              So ein Familientreffen mag ja was schönes sein, hilft aber Dörfer und Städte nicht die von diesem Wandel betroffen sind.

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