Welche Aufnahmebedingungen stehen Asylanten zu?

    • (1) 25.11.14 - 13:18

      Im hessischen Taunus gibt es - 33 km von Frankfurt entfernt - einen Ort, der landschaftlich wunderschön und ein Paradies für Wanderer und Fahrradfahrer ist. Es gibt einen Golfplatz, einen Segelflugpatz, und dort lassen sich "Familie, Beruf und Freizeit gut vereinbaren" laut Portrait der Stadt (siehe unten). Die Umgebung ist sicher als "gehoben" anzusehen. Mit dem Auto sind die Anbindungen prima. Der Ort hat 31 Asylanten aufgenommen und die Gemeinde hat kürzlich - wohl auf Reaktionen der Asylanten - einen "Unterstützungskreis Asyl" gegründet, um den Menschen beim Erlernen der deutschen Sprache und bei ihrer Integration zu helfen.

      Der Ort (6.300 Einwohner) ist für Nicht-Autofahrer sehr abseits gelegen. Es gibt 2 Busverbindungen, die zusammen 5x am Tag den Ort anfahren - unbestreitbar wenig. Ob es einen Bahnhof gibt, weiß ich nicht, ich vermute aber mal nein. Die unzureichenden Öff Verkehrsmittel machen es für die Asylanten, die dort untergebracht sind, sehr schwierig, einkaufen zu gehen, denn der nächste Supermarkt ist 3 km entfernt. Die Asylanten fühlen sich isoliert.

      Sie haben gestern beim Landratsamt des Hochtaunuskreises gegen ihre Unterbringung protestiert: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region/bad-homburg-fluechtlinge-fuehlen-sich-isoliert-13284642.html

      Was haltet ihr von diesem Protest? Gerechtfertigt oder nicht?

      Hier übrigens das Ortsportrait der Gemeinde: http://www.weilrod.de/

      • Gerechtfertigt.

        Nach zum Teil Jahren des Leidens stell ich es mir schlimm vor, abseits vom Leben der Menschen zum Nichtstun verdammt zu sein. Diese Menschen brauchen ärztliche Betreuung, auch psychologische Betreuung, brauchen Gelegenheit, Deutsch zu lernen, brauchen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

        Die 3 km Fußwg zum Supermarkt hingegen fände ich an sich unproblematisch. Allerdings weiß ich nicht, wie viele der Flüchtlinge beispielsweise gehbehindert sind...

        Ja nun.
        Was soll der Asylbewerber auch mit einem Golfplatz? Er dürfte dort eh nicht spielen, wenn er denn wollte, oder?

        Was soll er mit der wunderschönen Natur, wenn er doch deutsch lernen möchte, sich mit den Menschen austauschen?
        Was er braucht, sind Einkaufsmöglichkeiten, Ansprache und Austausch. In dem Artikel steht auch, es gibt keine Schule für die Kinder der Asylanten, es gibt keinen im Ort ansässigen Arzt, nicht einmal einen ordentlichen Handyempfang - ich würde auch protestieren. Wenn ich mich nicht irre, dürfen sie dann ja nicht einmal den Kreis verlassen, bis ihr Antrag auf Asyl nicht fertig bearbeitet wurde.

        Also hat man sie abgeschoben, und da setzen sie dann jetzt Spinnweben an. Trotz Golfplatz in der "gehobenen" Gegend. Ehrlich, warum hebst du das so hervor? Sollen die Asylanten dankbar sein, dass sie dabei zusehen dürfen, wie gut es den Deutsch in ihrem Schlafdorf doch geht, selbst dürfen sie aber nichts dafür tun, ihre Situation zu verbessern?

        Es ist ein Hohn, und es wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Wer sich das mal wieder ausgedacht hat, Asylanten in ein Dorf zu setzen, in dem es NICHTS gibt ausser einem Erholungsgebiet, das würde mich interessieren.

        Laut Artikel ist der Ortsteil, in dem die Asylanten leben, übrigens 350 Mann klein. Und von dort aus muss man 3km an der Landstrasse entlang laufen, um zu einem Supermarkt zu kommen.

        Welche Zahl stimmt, deine oder die im Artikel?

          • Nur, wohin, wenn man nur Füsse zum Laufen hat, kein Rad, kein Auto. Und auch wenn der Bus 5 mal am Tag fährt, wer sich das ausrechnet, erkennt schnell, dass der Tag 24 Stunden hat, 12 davon sind als "tagsüber" zu rechnen. Also fährt der Bus höchstwahrscheinlich nicht einmal alle zwei Stunden.
            Und mit fieberndem Kind an der Landstrasse bei Regen und Schnee zum Arzt zu laufen, na wunderbar.

            Aber es sind ja Asylanten, die sollen gefälligst dankbar sein, dass wir sie überhaupt aufnehmen...

            Hrmpf.#putz

            • Ich hab nie gesagt, dass sie sich zu unrecht beschweren...
              Nur, dass glücklicherweise die Residenzpflicht in Hessen gelockert wurde. Zumindest muss man keine Strafen befürchten, wenn man es doch mal woanders hin schafft.

              • Entschuldige, ich habe auch gar nicht dich damit angreifen wollen. Ich denke, ich habe dich verstanden, nur mein Unmut bei derartigen Threads wächst zunehmend.

                Ich werde mich besser dezent zurückhalten. Es ändert doch nix.

                L G an dich

                White

            Hm, meinst du, die Leute werden dort komplett mit Allem allein gelassen?

            Ich denke nicht. Bei uns in der Gemeinde gibt es ca. 50 Asylanten. Einige davon sind in einem Resthof in einem 100-Seelen-Dorf untergebracht - ca. 5 Km vom nächstgrößeren Ort entfernt. Es fährt nur der Schulbus. Es gibt dort nichts, nur ein paar Wohnhäuser und nur einen Kaugummiautomat.

            Unsere Gemeinde stellt den Menschen Fahrräder zur Verfügung. Ebenso Kleidung und andere Dinge. Ein Hausmeister kümmert sich um alles, was repariert werden muss.

            Dann kommt alle 2 Tage ein Sammeltaxi und holt die Leute zum Einkaufen/für Arzt- und Behördentermine/Sprachkurs ab. 1 Mal die Woche werden alle zusammengeholt und es gibt einTreffen mit allen ehrenamtlichen Helfern und Dorfbewohnern bei Kaffee und Kuchen.

            Wir wohnen ca. 45 Minuten vom Taunus entfernt. Ich nehme mal gaaaanz stark an, dass den Menschen dort genauso geholfen wird, wie bei uns hier.

            Und ich denke nicht, dass eine Mutter mit fiebernden Kind allein bei Sturm und Wind zum Arzt gehen muss. Es gibt Ansprechpartner und Freiwillige hier, die in solchen Situationen weiterhelfen.

            • Doch, die Menschen werden grösstenteils sich selbst überlassen.

              Das erkennst Du eigentlich schon an einem Wort in Deiner Aufzählung: EHRENAMTLICH.
              Wenn sich keine Menschen finden, die das ehrenamtlich in ihrer Freizeit machen, sind die Menschen ohne große Hilfe.
              Und bspw. ist es nicht so einfach als Asylbewerber zum Arzt zu gehen.
              In unserer Gemeinde wurde nach einem Arzt gesucht, der FREIWILLIG eben erst einmal so behandelt. Du benötigst einen Schein. Super, mit Kind, dass vielleicht nachts anfängt zu fiebern.

              Das ist ein Armutszeugnis für unser Land.

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