Warum protestieren sie nicht....

    • (1) 16.12.14 - 23:59

      Hallo,

      ich habe die "Rechtsruck" Diskussion gelesen, aber irgendwie passt meine Frage nicht so richtig dahin. Hier sind doch sicherlich auch viele Moslems unterwegs. Ich habe heute einen Kommentar eines Journalisten gelesen. Da ging es auch darum, weshalb der Protest der in Deutschland lebenden Moslems gegen diese unmenschliche Gewalt der Extremisten so wenig öffentlich ist. Er verglich es mit dem "Aufschrei" als es um die Mohammed Karikaturen ging. Da demonstrierten mehrere Tausend Menschen, die dem islamischen Glauben haben und gingen auf die Straße.

      Ich finde die Frage weshalb das jetzt nicht passiert mehr als berechtigt. Ich meine das barbarische Verhalten unter dem Deckmantel des eigenen Glaubens, muss doch auch zu mindestens solch einem Aufschrei bei "echten" Moslems führen wie die Empörung über die Karikaturen.

      Wenn ich mir vorstelle, dass soetwas wie die Kreuzzüge sich wiederholen würde, dann würden doch die Christen sich deutlicher und öffentlicher dagegen wenden, da bin ich mir ganz sicher.

      Tomama

      • Hallo,

        ich weiß nicht genau, ob es das selbe ist: aber als bei der katholischen Kirche ans Licht kam, dass dort viele Kinder von Geistlichen mißbraucht wurde, ist auch keiner auf die Straße gegangen.

        Ich finde auch nicht, dass ausgerechnet Moslems demonstrieren müssen. Schön wäre es natürlich. Aber genauso könnten du oder ich demonstrieren. Denn dieses Problem betrifft ja nicht nur Menschen diesen Glaubens, sondern vor allem Menschen, die einer anderen Religion angehören.

        Und zumindest bei der Gegendemo sind ja viele mitgelaufen und wenn du entsprechende Berichte siehst, dann distanzieren sie sich ja ganz klar von diesem Terror.

        vg, m.

        • "ich weiß nicht genau, ob es das selbe ist"

          ich finde der Vergleich passt nicht ganz, weil die missbrauchenden Katholiken nicht mit dem "Schlachtruf" mussbraucht haben "Wir dürfen uns an Kindern vergehen, weil es in der Bibel so steht und wir als Katholiken den einzigen anerkannten Glauben haben und dafür noch im Jenseits von Gott reich belohnt werden". Da ist der große Unterschied. Aber eine deutlichere Sprache seitens der katholischen Kirche hätte mir da auch besser gefallen.

          Der Unterschied zu den Islamisten ist, dass die Rechtfertigung des barbarischen Verhaltens in dem islamischen Glauben liegen soll. Und deshalb passt da der Vergleich mit den Kreuzzügen ("Und willst Du nicht mein Bruder sein....) und dagegen würde die westliche Welt mit Sicherheit heutzutage nicht nur demonstrieren. Ich bleibe also immer noch ratlos in der Frage: "Wieso gehen alleine bei einer Demo, wo man sich über eine Karikatur empört 5000 Moslems auf die Straße, aber bei Massakern, die dem Islam einen nicht wieder gut zu machenden Schaden bereiten, da passiert nichts, außer hin und wider die Aussage und das auch nur auf Nachfrage, der Islam ist eine friedliche Religion und das sind Extremisten". Das passt für mich nicht und ich glaube auch, dass das ein Grund dafür ist, dass manch einer von einer höheren Dunkelziffer von "Schläfern" ausgeht....

            • Hallo,

              vielleicht habe ich wirklich nicht ausreichend recherchiert. Ich bin aber immer noch der Meinung, dass da seitens islamischer Organisationen mehr kommen sollte. Gerade weil die Stimmung in Deutschland nicht wirklich islamfreundlich ist. Wenn Du eine Umfrage machen würdest mit welchen Schlagwörtern der ilsamische Glaube assoziiiert würde, dann wäre "Es ist eine friedliche Religion" eher das letzte was viele damit verbinden würden. Und ich finde schweigen ist das nicht das richtige Mittel der Wahl. Ich würde, wenn der christliche Glaube solch ein immenses, geballtes Leid über viele Menschen bringen würde, wie es die extreme Auslegung des Islams in den vergangenen Jahren getan hat, dann würde ich erwarten, dass der Papst sowie sämtliche oberste Repräsentanten der evangelischen Kirche sehr laut und sehr öffentich dazu Stellung bezögen. Da würde mir auch nicht reichen "Wir sind eigentlich eine friedliche Religion".

              Und jetzt zu Deiner Frage, weshalb wir Christen nicht gegen die Mohammed Karikaturen (bitte nur mit einem r) protestiert haben. Da kann ich natürlich nur für mich sprechen. Abgesehen davon, dass ich das Demonstrieren für mich nicht als das Mittel der Wahl entdeckt habe, hätte ich nie und nimmer gegen diese Karikaturen demonstriert. Im Gegenteil, ich hätte dann eher für die künstlerische Freiheit - für die Meinungsfreiheit - demonstriert. Nicht weil ich die Karikaturen für so gelungen und witzig gefunden habe, sondern weil ich die Beschneidung der künstlerischen Freiheit in diesem Fall für völlig überzogen halte. Ich kann auch mit Witzen über Jesus leben. Schau die mal die ruthe.de Sachen, ich kann da auch drüber schmunzeln. Und selbst wenn nicht, dann ist das mein Problem und nicht das des Künstlers. Und genau durch solche Übergriffigkeit machen sich Moslems unbeliebt. Sie wirken dann nämlich übergriffig und intolerant.

      Warum müssen denn die Moslems auf die Straße gehen, um zu zeigen, dass sie mit diesem Verhalten nicht einverstanden sind?
      Gehst Du auf die Straße, wenn Flüchtlingsheime angezündet werden, weil Du das nicht gut findest?
      Gehen wir auf die Straße, wenn bspw. in den USA Farbige unterdrückt werden, weil wir beide christliche Kulturen haben?
      Gehst Du auf die Straße, weil für Kleidung und so manches Luxusgut, wie bspw. Schokolade, Kinder als Sklaven schuften müssen, oder kaufst Du sie trotzdem?

      • weil dieses Unrecht was Du da aufzählst nicht so explizit mit dem christlichen Glauben begündet oder sogar eingefordert wird. Mich interessieren aber wirklich sehr die Antworten von Moslems. Natürlich auch danke für Deine Antwort, aber was von Menschen wie Dir kommen würde, das wußte ich vorher schon (bitte nicht falsch verstehen, das meine ich wirklich wertfrei). Mich interessiert wirklich wie Moslems darüber denken...

        • (8) 17.12.14 - 08:09

          nicht dass mein Post von eben zu unhöflich wirkte, vielleicht nochmal zur weiteren Erläuterung meiner Gedanken. Tausende von Moslems gingen wegen der Mohammed Karikaturen auf die Straße, weil sie ihren Glauben "beschmutzt" gesehe haben. Wenn nun Kinder bestialisch getötet werden und die Extremisten das mit mit dem islamischen Glauben begründen, dann "beschmutzt" das den Glauben doch in viel größerem Ausmaß...und dieses Gefühl, ich bin Moslem, ich gehe für Zeichnungen auf die Straße, aber nicht für die Unversehrtheit von Kindern, das kannst Du mir als Nicht-Moslem nicht erklären...

          Oh, Nazis und Unterdrückung von Minderheiten könnte man aber durchaus als Teil unserer Gesellschaft ansehen.

          Genauso ist es ein Teil unserer Gesellschaft und damit auch unserer christlichen Kultur, dass wir andere Kulturen ausbeuten.
          Gehen wir auf die Straße, wenn Deutsche Blödsinn machen? Nein, wir ERWARTEN, dass der Rest soweit trennen kann, dass es blöde Deutsche gibt und Deutsche, die vernünftig sind. Deshalb müssen wir uns aber nicht offensichtlich durch Demonstrationen von den doofen abgrenzen.

          Und ist es nur wichtig, ein Zeichen zu setzen, wenn es um Religion geht? Ist es nur dann wichtig, wenn einem das Unrecht geradewegs ins Auge springt?
          Für mich nicht, für mich wäre es eher wichtig, gerade dann aufzustehen, wenn es sich um Dinge handelt, die ICH mit meinem alltäglichen Leben beeinflusse. Erwartest Du hier nicht einfach stillschweigend, dass man weiß, dass Du das eigentlich im Grunde Deines Herzens nichts gut findest?

          Übrigens, gibt es ganz klare Statements bspw. vom Zentralrat der Muslime. Und ich habe auch schon Demonstrationen von Moslems ganz allgemein für Menschenrechte gesehen. Ganz friedlich, beinahe schon leise. Während im gleichen Moment eine Hogesa Truppe umringt von Polizisten vorbeigetrampelt ist und die Moslems angepöppelt haben.

          • " Und ich habe auch schon Demonstrationen von Moslems ganz allgemein für Menschenrechte gesehen."

            ich leider noch nie. Da ging es immer nur um eigene Belange....

            Bist Du damals wegen der Karikaturen auf die Straße gegangen? Ich meine diese Frage nicht provokant. Mich interessiert weshalb Menschen, die das schlimm genug für eine Demo fanden jetzt zuhause bleiben....

            • Evtl, weil sich die Karikaturen direkt gegen ihre Religion "gewandt" haben und diese verspottet haben. Der Taten der IS usw richten sich ja nicht gegen diese Religion. Sie verbreiten Terror und das ja nicht (nur) gegen die Moslems. Ich wüßte daher nicht, warum man sich als Moslem separat diesem Terror durch Demos entgegen stellen müsste. Die Tatsache, dass sie bei der Gegendemo in Dresden mit gelaufen sind oder in Sydney den Opfern ihr Beileid bekunden, zeigt doch, dass sie diese taten nicht gut heißen. Ich fände es furchtbar, wenn wir jetzt religionsweise demonstrieren müssten.

            Mal ganz ehrlich, die meisten Menschen setzen sich ausschließlich für Dinge ein, die sie selbst betreffen.
            Das liegt wohl oder übel in der Natur der Menschen.

            Und ja, von den Statements oder Demonstrationen der Moslems hört man an sich sehr wenig. Tja, vielleicht erregen sie zu wenig aufsehen. Ich wohne allerdings in der Nähe eine Großstadt (die tatsächlich auch einen mit rund 25% relativ hohen Anteil an Ausländern hat.) und eigentlich protestiert da jeden Tag jemand gegen irgendwas.

            Negativ aufgefallen sind mir bisher allerdings nur deutsche Matschbirnen, die andere bedroht haben.
            Muss ich jetzt demonstrieren, um zu zeigen, dass ich die doof finde? Und wie viel Deutsche muss ich auf die Straße kriegen, um das Bild wieder ins rechte Licht zu rücken?

        "Genauso ist es ein Teil unserer Gesellschaft und damit auch unserer christlichen Kultur, dass wir andere Kulturen ausbeuten."

        das stimmt nicht. Unsere Kultur ist durch soviele Einflüsse geprägt, das Christentum ist da bei weitem nicht mehr der Sinn und Werteträger Nummer eins.

        • "das stimmt nicht. Unsere Kultur ist durch soviele Einflüsse geprägt, das Christentum ist da bei weitem nicht mehr der Sinn und Werteträger Nummer eins. "

          Was nichts daran ändert, dass wir andere Kulturen ausbeuten. Ein großer Teil resultiert auch daraus, dass wir anderen Kulturen unseren Lebensweg aufdrücken. Und früher haben wir auch unglaublich gerne (gerne auch mit Gewalt) missioniert.

Top Diskussionen anzeigen