Wie Vorurteile geschürt werden....

    • (1) 22.12.14 - 13:03

      ..und es vielleicht gar nicht bewusst wahrgenommen wird.

      Heute morgen habe ich meine Tageszeitung gelesen. Ich bin ein mittelmäßig politisch interessierter Mensch und meine politische Einstellung ist ebenfalls "mittig" einzuordnen.

      Natürlich bleiben mir politische Diskussionen nicht verborgen und ich lese auch die Beiträge im Forum. Heute morgen habe ich meinen ersten Leserbrief an unsere lokale Tageszeitung geschrieben. Diese Tageszeitung ist SPD-orientiert. Ich schreibe das, weil die meisten Zeitungen eine gewisse politische Tendenz haben.

      Ein Artikel aus dem Lokalteil stach mir besonders ins Auge. Aua. Es ging um die Verteilung der weihnachtlichen Spendenpakete der Zeitungsleser für Kinder in Not bzw. aus finanziell ärmeren Familien. Ein soziales Projekt unseres Ortes wurde genannt und welche Frauen mit ihren Kindern davon unterstützt werden. Hierbei handelte es sich um junge Mütter. Hierbei wurde die Großzügigkeit der Spender hervorgehoben (manche Geschenke waren üppiger als erwartet) und natürlich die Freude der Kinder.

      Und jetzt mein ABER: eine junge Mutter aus OSTEUROPA (Land wurde genannt) lobte die Spender "überschwänglich" und musste dann "schnell" nach draußen um eine Zigarette zu rauchen.

      Lasst doch mal diese Feststellung auf euch wirken. Und ich frage mich, was hat dieser Satz mit der Geschenkaktion zu tun? Ich finde keine Antwort darauf. Vielleicht hat eine andere "deutsche" Mutter einen Kaffee getrunken oder ihr Kind gewickelt?

      Manchmal sehen wir nur die großen Aktionen und Schlagzeilen. Viele kleine Spitzen tragen aber dazu bei.

      Viele Grüße

      rabe0510

        • Ich lese daher, insbesondere wenn es um politische Themen geht, mehrere Berichte von verschiedenen Zeitungen. Google mal nach und lese Leserkommentare dazu. Und ich schaue mir bei Interesse auch Diskussionen im TV dazu an. Wobei es oft keine Diskussionen sind, sondern eher bestimmte Grundausrichtungen, die manche Teilnehmer bewusst ins Lächerliche ziehen. Ginge man von den üblichen Phrasen weg, dann würde sich so mancher Teilnehmer selbst entzaubern.

          Viele Grüße

          rabe0510

      Hallo,

      viel schlimmer finde ich immer Bilder von Migrantenkinder mit der kopftuchtragenden Mutter daneben, die riesengroße Pakete forttragen........und dann die wutschnaubenden Kommentare dadrunter a al "die feiern doch keine weihnachten, warum bekommen sie dann ein Paket......".

      Warum werden gerade diese Bilder abgedruckt ???wenn es doch zahlreiche weihnachtsfeiernde Kinder gibt #gruebel!?

      • Naja, auf meinen Leserbrief bzw. Kommentar unter dem Artikel, hat sich kurz darauf ein anderer Leser zu Wort gemeldet.

        Der fand den Artikel gut und lebendig geschrieben und konnte meine Kritik gar nicht verstehen. Er meinte, dass es doch klar wäre wo diese Mutter ihre Prioritäten setzt. Über meine Frage nach der Rolle der Herkunft der Mutter hat er nichts geschrieben.

        Und welches Kind aus welcher Familie ein Geschenk bekommt, das entscheiden meistens die gemeinnützigen Organisationen. Spenden sind freiwillig und der Spender tut dies ohne Bedingungen an den Beschenkten. Und wenn ein Migrantenkind einer anderen Religion etwas bekommt, dann sei es ihm gegönnt.

        Oder sollten zukünftig Ausschlusskriterien auf diesen Paketen stehen?

        Viele Grüße

        rabe0510

        • Hallo,

          im Grunde genommen, ist mir das egal wer, was wieviel bekommt !!!! Die Frage war, wie Vorurteile geschürt werden und ich habe lediglich ein Beispiel angeführt.

          • Ich habe deinen Beitrag durchaus als ein weiteres Beispiel gesehen. :-D

            Meine letzte Bemerkung bezog sich nur darauf, was mit solchen Berichten überhaupt erreicht werden soll und welches Fazit daraus gezogen werden soll.

            Ich wünsche dir ein frohes Neues Jahr.

        (10) 29.12.14 - 16:02

        "Er meinte, dass es doch klar wäre wo diese Mutter ihre Prioritäten setzt"

        Das denken leider viele. Aber ich glaube nicht, dass eine rauchende Mutter ihre Bedürfnisse über die ihrer Kinder stellt. Für viele ist eine Zigratte einfach ein kleiner Trost, beruhhigend und oft der einzige Luxus der sich gegönnt wird. .

        Die Wahnachtszeit ist an sich nicht leicht wenn man kein Geld hat, das habe ich selbst erlebt. Überall schöne Sachen, Leckereien und Angebote. Du musst dir anhören, was andere ihren Kindern schenken und wie sie Weihnachten verbringen werden. Und gleichzeitig ist dir bewusst, das du dir kein Geschenk für dein Kind wirst leisten können.

        Für dein Kind überwindest du dann deinen Stolz und gehst zu einer solchen Aktion. Da kann ich mir gut vorstellen, dass der Druck enorm und der Griff zur Zigarette nahezu unvermeidlich ist. Aber das können wahrscheinlich nur Raucher nachvollziehen.

        Ich habe übrigens in meiner finanziell schwierigsten Zeit viel mehr geraucht als jetzt, einfach weil ich ständig unter Strom stand.

        Und auch wenn ich mich jetzt hier vielleicht unbeliebt mache, aber ohne das belegen zu können würde ich alleine von meinem Umfeld ausgehend sagen, das tatsächlich viele Migranten auf solche Hilfen angewiesen sind. Klar, es gibt die gut integrierten, die es "geschafft" haben aber ein grosser Teil dümpelt tatsächlich am Bodensatz der Gesellschaft herum. Die Frage ist nur warum. An mangelnder Inteligenz und Fleiss liegt es bestimmt nicht. Die Gründe sind komplex und vielschichtig.

        Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir Dinge nicht mehr ausprechen, weil es auch Vorurteile sind, sondern sollten versuchen die Gründe dafür zu erkennen und zu beheben.

        • Vielen Dank für deinen Beitrag. Du hast in Worte gefasst, was ich auch oft denke.

          Ich selber habe als Jugendliche fast ein halbes Jahr in einem Frauenhaus leben müssen.

          Und ich habe damals einige Frauen mit ihren Kindern kommen und gehen sehen. Von außen kann man manches Verhalten wie den Zigarettenkonsum verurteilen. Das persönliche Schicksal sieht man aber nicht.

          Und es geht auch nicht nur um die Zigaretten in dem Bericht. Sondern um den "überschwänglichen Dank" einer "osteuropäischen" Frau, die auch noch raucht.

          Dir ein frohes Neues Jahr. :-)

"Vielleicht hat eine andere "deutsche" Mutter einen Kaffee getrunken oder ihr Kind gewickelt"

Oder sie war auch eine Zigarette rauchen. (Zu) Viele (deutsche) Frauen rauchen, das ist schliesslich keine osteuropäische Eigenart.

  • Das die deutschen Frauen in der Runde rauchen gehen, hat der Verfasser nicht geschrieben. #kratz

    Also muss es sich um eine osteuropäische Eigenart handeln, die besonders erwähnenswert ist.

    Eine jüngere deutsche Mutter (ich nehme an sie ist deutsch, weil keine andere Nationalität angegeben wurde) wurde zum Schluss erwähnt, weil sie für ihr kleines Kind etwas zu Weihnachten bastelt. So etwas erwärmt mein weihnachtliches Herz. ;-)

    Viele Grüße

    rabe0510

Nun... eine deutsche, rauchende Mutter ist lange nicht so interessant, wie eine osteuropäische. Da kann man sich viel besser darüber aufregen und sein Stammtischgeschwätz aufrecht erhalten.

Und es steigert vor allem den Zeitungskauf.

Es geht nicht darum, was sie damit anrichten, sondern (wie immer) um das liebe Geld.

  • Vielleicht wollte der Verfasser auch nur testen, wie sein Artikel aufgenommen wird? Leider bekommt man keine direkte Antwort auf einen Leserkommentar. Ich hätte zu gerne seine Begründung dazu gelesen.

    Viele Grüße

    rabe0510

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