Schließen Wissenschaft und Glaube sich aus?

    • (1) 06.01.15 - 11:03

      Hallo,

      weiter unten in einem Nebenzweig einer ganz anderen Diskussion ging es um die bestimmt schon oft diskutierte Frage nach der Existenz einer Macht, die über den Dingen steht, dass was einige "Gott" oder "göttlich" nennen. Und auf der anderen Seite die, die als Atheisten treu nur das sehen, was wissenschaftlich beweisbar ist.

      Gerade zu Beginn eines neuen Jahres beschäftigen wir uns ja immer mit Wünsche und Hoffnungen für das, was kommt.

      Für mich schließen sich Glaube und Wissenschaft nicht aus. Bzw. können in einer gewissen Ko-Existenz gut nebeneinander leben.

      Wissenschaft will immer Messbares. Obwohl die moderne Wissenschaft sich ihrer Sache sicher ist, spielt der oft totgesagte Gott im menschlichen Leben immer noch eine wichtige Rolle. Es ist die Sinnsuche, die subjektive Erfahrung der Welt, das individuelle Erleben, wo wissenschaftliche Erklärungen dem Individuum in seiner sehr individuellen Situation nicht weiterhelfen.

      Ein Stern am Abendhimmel ist für die Einen lediglich ein Festkörper, dessen Bewegung im Raum und Zeit sich mit mathematischen Gleichungen bestimmen lässt.

      Für andere kann der Mond jedoch zum intensiven Erlebnis der Schöpfung werden. Oder zum Anlass für die Frage nach der eigenen Bedeutung im Kosmos, nach einem verborgenen, höheren Sinn. Die persönliche Begegnung mit Geburt und Tod sind genau solche Erfahrungen.

      Einem Menschen auf Sinnsuche wird es wenig von Nutzen sein, wenn er die Antwort bekommt, er sei eine Zusammensetzung aus Kohlenstoffen. Das mag eine wissenschaftliche Erklärung sein, aber befriedigt nicht das Bedürfnis von Spiritualität.

      Die Wissenschaft beschäftigt sich nur mit Dingen, die messbar sind und denkt in den Kategorien von Ursache und Wirkung. Religion dagegen versucht menschliche Erfahrungen zu deuten, die individuelle Existenz in einen größeren Zusammenhang zu stellen. So kann die Wissenschaft beispielsweise die Liebe als genetisch programmiertes Zusammenspiel von Hormonen erklären, das Gefühl des Einzigartigen und tiefes Vertrauen lassen sich so nicht belegen.

      Der Erfahrungshorizont des Menschen ist viel weitläufiger, als das Feld der Naturwissenschaften. Deshalb kann die Wissenschaft auch den Glauben nicht erklären oder gar die Nichtexistenz Gottes beweisen.

      Ich bin auch nicht der Meinung, dass Glaube und Bildung sich ausschließen. Nur dort, wo die eigene Glaubensfindung zu sehr fremdbestimmt ist und nicht die individuelle Frage im Vordergrund steht, weil Menschen die Bildung dafür fehlt, Dinge selbst zu erfragen und zu finden, dort kann der von außen oder von oben verordnete Glaube schadhaft sein. Denn Glaube ist etwas sehr privates und individuelles. Insofern kann man auch sagen, je gebildeter ein Mensch ist, desto eher ist er auch befähigt, sich auf eine spirituelle Sinnsuche zu begeben.

      Aber ich wäre interessiert, auch eure Meinungen zu dem Thema zu lesen, falls ihr möchtet..

      Einen schönen Tag noch. :-)

      • Zu erst einmal: Klasse Beitrag! #pro

        "Für mich schließen sich Glaube und Wissenschaft nicht aus. Bzw. können in einer gewissen Ko-Existenz gut nebeneinander leben."

        Das sehe ich genauso. Am Anfang der Menschwerdung war der Glaubensanteil ungleich größer als der Anteil, den die Wissenschaft (oder das Wissen allgemein) einnahm. Im Laufe der Entwicklung hat sich das Verhältnis jedoch mehr und mehr in Richtung Wissenschaft verschoben, weil der Mensch neugierig ist und Antworten auf alle Fragen sucht. Dabei konnte er in zunehmendem Maße die Welt immer plausibler und umfassender erklären, so dass für den Glauben immer weniger Platz blieb.

        Es gibt aber durchaus noch genügend offene Fragen, welche Platz für Glauben lassen. Die Frage zum Beispiel, warum wir geboren werden und lernen müssen, wenn wir ohnehin eines Tages wieder sterben. Oder was beim Sterben eigentlich mit uns passiert usw.
        Viele Fragen kann man vielleicht auch (noch) nicht wissenschaftlich untersuchen und nur philosophisch betrachten, wie eben zum Beispiel die Frage nach dem Sinn des Lebens.

        "Einem Menschen auf Sinnsuche wird es wenig von Nutzen sein, wenn er die Antwort bekommt, er sei eine Zusammensetzung aus Kohlenstoffen. Das mag eine wissenschaftliche Erklärung sein, aber befriedigt nicht das Bedürfnis von Spiritualität."

        Auch hier stimme ich Dir zu. Für mich jedoch ist das Bedürfnis nach Spiritualität nicht mehr als ein Ventil, durch das manche ihre Angst vor der eigenen Endlichkeit entweichen lassen. Wer einen besonders großen Selbsterhaltungstrieb hat, wer also besonders viel Angst vor dem Sterben besitzt, der schafft sich mithilfe der Spiritualität einen Strohhalm, an den er sich klammern kann. Andernfalls würde er vielleicht seelisch zerbrechen. Der Glaube ist demnach die Hoffnung auf etwas.

        "Denn Glaube ist etwas sehr privates und individuelles."

        Absolut richtig!

        • "Auch hier stimme ich Dir zu. Für mich jedoch ist das Bedürfnis nach Spiritualität nicht mehr als ein Ventil, durch das manche ihre Angst vor der eigenen Endlichkeit entweichen lassen. Wer einen besonders großen Selbsterhaltungstrieb hat, wer also besonders viel Angst vor dem Sterben besitzt, der schafft sich mithilfe der Spiritualität einen Strohhalm, an den er sich klammern kann. Andernfalls würde er vielleicht seelisch zerbrechen. Der Glaube ist demnach die Hoffnung auf etwas."

          Das ist so nicht richtig. Im Zen-Buddismus z.B. spielt der Tod und ein Leben danach keine Rolle. Für Zen-Buddisten gilt es im Leben Erleuchtung zu erfahren.

          • "m Zen-Buddismus z.B. spielt der Tod und ein Leben danach keine Rolle. Für Zen-Buddisten gilt es im Leben Erleuchtung zu erfahren."

            Danke für den Hinweis! Im Zen-Buddhismus kenne ich mich gar nicht aus. Ich beschäftige mich seit Jahren nur mit Christentum und Islam.

            • "Ich beschäftige mich seit Jahren nur mit Christentum und Islam. "

              Dann solltest du dich auch mit anderen Religionen beschäftigen, bevor du solche Schlüsse ziehst. Es gibt nämllich sehr viele Naturreligionen, die sich mit der Spiritualität des Menschen und weniger mit Gott oder Göttern befassen. Es geht nicht num um die Angst vor der eigenen Endlichkeit.

              • "Es gibt nämllich sehr viele Naturreligionen, die sich mit der Spiritualität des Menschen und weniger mit Gott oder Göttern befassen."

                Und diese Religionen sind mir deutlich sympathischer, wenn ich ehrlich bin.

                • "Und diese Religionen sind mir deutlich sympathischer, wenn ich ehrlich bin. "

                  Du bist aber nicht der Maßstab. ;-)

                  • Ich weiß :-D

                    Gegen die theistischen Religionen gibt es aber so viele gute Argumente, dass Atheisten sich nur noch wundern können, warum Menschen heutzutage noch an so etwas wie einen Gott glauben...

                    Kennst Du "Die kosmische Eintagsfliege"? Das ist eine gute Empfehlung für alle, die sich mal mit dem Menschen in kosmischen Maßstäben auseinandersetzen möchten. Die "Krone der Schöpfung" ist nämlich nichts weiter als ein größenwahnsinniger Primat, der in den kosmischen Maßstäben den Status einer Eintagsfliege hat...

                    https://www.youtube.com/watch?v=srVy1z4DKjc

                    Hör Dir das mal an und dann verstehst Du mich und meinen Standpunkt.

                    Und wenn Du dann noch Nerven hast, empfehle ich einen brillanten Vortrag von Günther Paal: https://www.youtube.com/watch?v=EKQVsHwOGII

                    Oder was ja auch immer wieder gern vorgebracht wird, ist das "Intelligent Design"
                    https://www.youtube.com/watch?v=4tMjENcw0Sk

                    Ich bin mir aber absolut sicher, dass kein Gläubiger diese Links auch mal anklickt, geschweige denn die Sachen bis zum Ende über sich ergehen lassen wird und sich danach selber fragt, ob denn das nicht viel mehr Sinn macht, was da gesagt wird, als das, was man selber glaubt...

                    • Ich hab dir schon mal gesagt, dass ich nicht bekehrt werden muss und auch nicht will.

                      Den Schwachsinn hab ich mir auf deiner VK schon reingezogen. Und stell dir vor zu Ende. Ich wüsste nicht in wie fern mich das jetzt zum Atheisten machen sollte. Glaubst du tatsächlich, dass so ein Dummschwätzer, der sich über den Glauben anderer lustig macht und Gläubige als dumm bezeichnet könnte Gläubige bekehren. Sorry, aber du bist zu einfach gestrikt.

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