Christenverfolgung

    • (1) 07.01.15 - 11:14

      Guten Morgen,

      Thema des Tages scheint heute die Verfolgung von Christen zu sein. Angesichts der erfolgreichen Demonstrationen gegen die Pegida-Bewegung, die von Weltoffenheit und Toleranz zeugt, scheinen Machart und Timing dieser Veröffentlichung nun zu schreiben "Wir sind die eigentlichen Opfer", wobei mir wir die westliche Welt, das 'Abendland' gemeint ist.

      http://www.welt.de/politik/ausland/article136091215/Wo-der-Hass-auf-Christen-besonders-gross-ist.html

      http://www.welt.de/debatte/kommentare/article136089708/Keine-Fussball-WM-bei-Christen-Verfolgern.html

      http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/christen-open-doors-veroeffentlicht-weltverfolgungsindex-2015-a-1011553.html

      Offiziell heißt es von den Auftraggebern, dass sie Studie rein informativ sein und nicht zu politischen Zwecken verwendet werden soll - der blanke Hohn, denn in einer Zeit, in der eh schon Spannungen herrschen, die auf Religionszugehörigkeit und Kulturkonflikten im allgemeinen beruht, spielt das den Rassisten, den Engstirningen, Ungebildeten und Ängstlichen in die Hände.

      Ich hoffe nur, die Menschen ziehen daraus den Schluss, dass Diskriminierung aufgrund einer Religion nie in Ordnung ist - und dass man gerade deshlab religiös oder sonstwie Verfolgten helfen muss.

      Was denkt ihr über diese Studie bzw. die Art, wie sie Instrumentalisiert wird?

      Den Kommentar aus der Welt, den ich oben verlinkt habe, halte ich übrigens für ein abschreckendes Beispiel und für absolute dummes, ignorantes Zeug.

      LG

      • Ich hatte mir mal, rein interessehalber, Informationsmaterial von "Open Doors" zuschicken lassen: Das sind recht unangenehme christliche Fundamentalisten. Klar, eine Diskriminierung von Christen ist ebensowenig in Ordnung wie die jeder anderen Religion, aber da scheint mir das Thema recht eindeutig so aufbereitet zu werden, dass gezielt Ressentiments und Hass geschürt werden.

        Ja, es ist eine gefährliche Zündelei, und in der aktuellen Situation ist es so, als würde man neben dem Feuerwerkslager mit Streichhölzern spielen und dabei ganz unschuldig tun.

        Zum Kommentar aus der Welt werde ich mich nicht äußern. Die Welt als Zeitung des Springer-Verlags zündelt überall mit. Allein schon, dass dort einem verbohrten Faschisten wie Broder dauerhaft eine Bühne geboten wird, lässt mich diese Zeitung meiden.

        Mir wurde hier in den letzten Wochen beigebracht, dass das nichts mit den Religionen zu tun hat. Diejenigen, die da andere Menschen "verfolgen", sind vielleicht Verbrecher, vielleicht nur ungebildet, vielleicht Abgehängte und Ausgegrenzte. Aber mit der Religion selbst hat das nichts zu tun.

        So jedenfalls konnte ich das hier sehr oft lesen und wenn es oft zu lesen ist, muss es wohl stimmen...

      Ja, ich glaube auch, dass hier nur gezeigt werden soll, wie schlecht es doch der westlichen Welt geht und wie unsere "Werte" mit Füssen getreten werden.

      Wenn man schon liest "zwar stellt islamischer Extremismus die größte Gefahr dar..." könnte man das in meinen Augen auch schon als Diskriminierung deuten.

      Aber das ist natürlich etwas anderes, das sind ja wir. Wenn die USA Foltern, töten und Krieg spielen, machen sie das natürlich, weil sie Demokratie und Freiheit schützen wollen. Wenn ein anderes Land es macht, ist es abscheulich, muss bekämpft werden und natürlich sind das alles Terroristen.
      Wie habe ich erst kürzlich bei Volker Pispers gesehen. In den USA werden jeden Tag 80 Menschen ermordet. Im Irak nennt man das Bürgerkrieg.

      Menschen werden immer einen Grund finden, andere zu diskriminieren oder zu hassen. Wenn es nicht die Religion ist, ist es die Hautfarbe oder die Nationalität. Wenn das nicht mehr zieht, ist es halt die Haarfarbe oder die Farbe der Schuhe...

      • Du sprichst den Kern des Problems an: "Wir" dürfen das alles. In den USA werden wöchentlich schwarze Jugendliche von Polizisten abgeknallt, und hingerichtet werden eh fast nur Schwarze. Da wird eine Gruppe Menschen knallhart unterdrückt, nur stören tut das keinen. Vor allem würde niemand auf die Idee kommen, das in den USA traditionell starke, sehr konservative Christentum dieser Auswüchse zu beschuldigen.

        Wenn es aber Muslime und muslimisch geprägte Länder sind, ist das anders. Da wird jede einzelne Tat direkt dieser Religion zugerechnet.

        "Open Doors" zeichnet das Bild des Christen verfolgenden Muslimen in den schwärzesten Farben. Dass die überwältigende Mehrheit der Muslimen gar niemanden verfolgen, und die von den radikalen Verbrechern verfolgten in der großen Mehrheit keineswegs Christen, sondern selbst Muslime sind, wird gekonnt ausgeblendet.

        Was die viel zitierten "westlichen Werte" angeht, die angeblich zu verteidigen sind, würde ich wirklich gerne wissen, welche das sind. Welche Werte gelten im tiefsten Texas, in Sizilien, in einem Eifeldorf und in Stockholm?

        • <"Open Doors" zeichnet das Bild des Christen verfolgenden Muslimen in den schwärzesten Farben. Dass die überwältigende Mehrheit der Muslimen gar niemanden verfolgen, und die von den radikalen Verbrechern verfolgten in der großen Mehrheit keineswegs Christen, sondern selbst Muslime sind, wird gekonnt ausgeblendet.>

          Ich habe den Bericht gelesen, darin wird als treibende Kraft der Verfolgung in bestimmten Länder der <Islamische Extremismus> und die jeweilige Gruppierung (IS, Boko Haram, Al Shabaab) genannt, nicht der Muslim an sich.

          Es wird zusätzlich geschrieben, dass auch Jesiden, Schiiten und Angehörige anderer Minderheiten aus ihren Häusern und der Region vertrieben und viele brutal ermordet werden.

          Es steht auch darin: <Positiv zu bewerten ist, dass zwischen bedeutenden Teilen der Christenheit im Nahen Osten angesichts des enormen Verfolgungsdruckes eine nie gekannte Einheit herrscht. Hinzu kommt, dass auch Christen und Muslime vielerorts aufeinander zugehen, da sie in ihrer Not aufeinander angewiesen sind und Gewalt ablehnen. Diese neuen respektvollen Beziehungen stellen einen Hoffnungsschimmer für künftige Entwicklungen in der Region dar.>

          <Im Schmelztiegel der nahöstlichen Bürgerkriege werden neue Beziehungen zwischen Muslimen und Christen geschmiedet, die auf lange Sicht wunderbare Auswirkungen haben könnten. Die Schlagzeilen werden beherrscht von schrecklicher Gewalt bis hin zu Enthauptungen, doch vielerorts sind Christen und Muslime in ihrer Not aufeinander angewiesen. Sie bauen neuen Respekt auf, während sie miteinander arbeiten und einander helfen. Einige Kommentatoren haben sogar Aussagen wie diese getroffen: „Führende Muslime sind durch die Aktionen des IS so erschüttert worden, dass sie mit den Christen zusammenarbeiten wollen, statt sie zu ignorieren. Es entsteht ein neues Verständnis von christlich-muslimischen Beziehungen.“>

          "Wenn es aber Muslime und muslimisch geprägte Länder sind, ist das anders. Da wird jede einzelne Tat direkt dieser Religion zugerechnet."

          Wenn die Täter selber sagen das sie wegen ihrer Religion töten dann kann man Taten schon der Religion zuschreiben. Und wenn denen ihr Umfeld nicht klar machen kann WAS ihre Religion ist, und was Verbrechen sind, dann hat die Religion ein Problem.

    < Angesichts der erfolgreichen Demonstrationen gegen die Pegida-Bewegung, die von Weltoffenheit und Toleranz zeugt, scheinen Machart und Timing dieser Veröffentlichung nun zu schreiben "Wir sind die eigentlichen Opfer", wobei mir wir die westliche Welt, das 'Abendland' gemeint ist.>

    Open Doors ist eine international tätige Organisation und gibt seit Jahren den Weltverfolgungsindex heraus und jedes Jahr gibt es in den Zeitungen Artikel dazu. Dieses Jahr wieder im Januar, genau wie in den Jahren davor. Der Index und die Artikel dazu wären auch ohne Pegida veröffentlicht worden. Wir Deutschen sind nicht der Nabel der Welt. Pegida demonstriert in Dresden, aber die Welt ist größer als Dresden und größer als Deutschland.

    <Offiziell heißt es von den Auftraggebern, dass sie Studie rein informativ sein und nicht zu politischen Zwecken verwendet werden soll>

    Zu Recht. Nicht auszudenken, wenn sie schreiben würden, die Studie solle zu politischen Zwecken verwendet werden.

    <Was denkt ihr über diese Studie bzw. die Art, wie sie Instrumentalisiert wird?>

    Die Welt ist nicht schwarz-weiß, es ist möglich daß irgendwo Christen verfolgt werden und gleichzeitig in Deutschland gegen Muslime gehetzt wird. Nur weil das so ist, darf man nicht das eine zugunsten des anderen unter den Tisch fallen lassen. Alle Verfolgten verdienen unsere Solidarität. Ob sie nun Christen, Muslime, Buddhisten, Schwarze, Weiße, Obdachlose oder was auch immer sind.

    • (11) 08.01.15 - 00:01

      "Die Welt ist nicht schwarz-weiß, es ist möglich daß irgendwo Christen verfolgt werden und gleichzeitig in Deutschland gegen Muslime gehetzt wird. Nur weil das so ist, darf man nicht das eine zugunsten des anderen unter den Tisch fallen lassen. Alle Verfolgten verdienen unsere Solidarität. Ob sie nun Christen, Muslime, Buddhisten, Schwarze, Weiße, Obdachlose oder was auch immer sind. "

      Das unterschreibe ich!

      • dem schliße ich mich an.
        z.b.an dem tag vor der pegida demo wurde ich von mehreren deutschen männern bewusst angerämpelt ,obwohl ich mit baby auf der brust angeschnallt ,jedem so gut wie möglich aus dem weg gehen tu...#schwitz
        da sieht man doch mal wieder was das gehetzte aus der menscheit macht#klatsch
        lg

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